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Häuser mit langer Geschichte:
Krankenhäuser im Wedding – früher und heute

26. Oktober 2025

Kaum ein anderer Berliner Ortsteil hat die Entwicklung des modernen Krankenhauswesens so geprägt wie der Wedding. Hier entstanden Einrichtungen, die weit über die Stadtgrenzen hinaus Bedeutung erlangten – von der großen Universitätsklinik bis zum diakonischen Pflegehaus. Einige von ihnen sind noch heute aktiv, andere haben längst neue Aufgaben übernommen. Ein Überblick über fünf prägende Standorte.

Charité – Campus Virchow-Klinikum

Zwischen Seestraße und Amrumer Straße erhebt sich der weitläufige Komplex des ehemaligen Rudolf-Virchow-Krankenhauses, das zwischen 1899 und 1906 nach Plänen des Stadtbaurats Ludwig Hoffmann entstand. Die Pavillonbauweise galt damals als besonders fortschrittlich, weil sie die Ausbreitung von Infektionen verhindern sollte. Das Krankenhaus war nach seiner Eröffnung eines der modernsten Europas – mit eigener Wäscherei, Küche, Gärtnerei und Dampfheizung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zerstörte Gebäude wiederaufgebaut, später wurde das Haus Universitätsklinik der Freien Universität Berlin. Seit der Fusion der Berliner Universitätskliniken Mitte der 1990er Jahre gehört der Standort zur Charité. Heute ist das Campus Virchow-Klinikum ein Krankenhaus der Maximalversorgung mit über 1.200 Betten, zahlreichen Spezialzentren und einer der zentralen medizinischen Anlaufstellen Berlins. Einige historische Pavillons erinnern noch an den Ursprung als Musterkrankenhaus des Kaiserreichs.

>> mehr zum Virchow-Klinikum


Jüdisches Krankenhaus Berlin

Das Jüdische Krankenhaus in der Iranischen Straße hat eine über 250-jährige Geschichte. Die Ursprünge reichen bis 1756 zurück, als die jüdische Gemeinde Berlins ein erstes Krankenhaus in der Oranienburger Straße gründete. Nach mehreren Umzügen wurde 1914 der Neubau im Norden des heutigen Gesundbrunnens bezogen – damals ein moderner Klinikkomplex mit Synagoge, Lehrsaal und Garten.

Während der NS-Zeit wurde das Krankenhaus zu einem Ort des Leidens: Viele Ärztinnen und Pfleger wurden verfolgt, das Haus diente als Sammelstelle für Deportationen. Nach 1945 nahm es als eine der ersten Kliniken in Berlin den Betrieb wieder auf. Heute ist das Jüdische Krankenhaus eine moderne Akutklinik mit rund 380 Betten, Lehrkrankenhaus der Charité und mit Schwerpunkten in Innerer Medizin, Psychiatrie und Neurologie. Ein neues Bettenhaus, das die traditionsreiche Einrichtung fit für die Zukunft machen soll, wurde gerade eingeweiht. >>mehr zum Jüdischen Krankenhaus


Paul-Gerhardt-Stift

An der Müllerstraße 56–58 befindet sich das weitläufige Gelände des Paul-Gerhardt-Stifts, das 1876 als Diakonissenmutterhaus gegründet wurde. Die Anlage mit Kapelle, Krankenhaus und Wohngebäuden entstand im Stil der märkischen Backsteingotik und war über Jahrzehnte ein Ort christlicher Pflege, Erziehung und Ausbildung.

Mit dem Wandel der Gesundheitsversorgung verlor das Stift nach dem Zweiten Weltkrieg seine Rolle als Krankenhaus. Heute sind in den historischen Gebäuden Arztpraxen, Pflege- und Sozialeinrichtungen sowie das Stadtteilzentrum „Zukunftshaus Wedding“ untergebracht. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz und gilt als einer der schönsten historischen Innenhöfe des Ortsteils. Neben kulturellen Angeboten und Wohnen gibt es auf dem Gelände auch ein Refugium für schutzsuchende Menschen – ganz im ursprünglichen diakonischen Geist.


Lazarus-Krankenhaus

Das Lazarus-Kranken- und Diakonissenhaus in der Bernauer Straße wurde 1865 vom Pastor Wilhelm Boegehold gegründet und ist damit das älteste Krankenhaus des Weddings. Auf dem Gelände entstanden in den folgenden Jahrzehnten Kapelle, Schwesternhaus und Isolierstationen – eine kleine Stadt in der Stadt.

Das Haus überstand Kriege und politische Umbrüche, wurde jedoch in den 1980er Jahren in ein Krankenheim umgewandelt. Heute gehört die Diakoniestiftung Lazarus zur Hoffnungstaler Stiftung Lobetal und betreibt dort ein breites Spektrum an sozialen und pflegerischen Einrichtungen: Pflegewohnheime, Hospiz, ambulante Dienste, eine Pflegeschule und das Inklusionshotel Grenzfall. Der Krankenhausbetrieb ist beendet, doch der Ort bleibt ein Zentrum der Fürsorge und des diakonischen Engagements.

>> mehr zum Lazaruskrankenhaus


DRK Kliniken Berlin – Standort Mitte

Die DRK Kliniken Berlin gehen auf die 1875 gegründete Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes zurück. Ihr Ziel war es, kranken und verletzten Menschen unabhängig von Herkunft oder Status zu helfen. Die heutigen DRK Kliniken Berlin – mit Standorten in Westend, Köpenick, Mitte und im Kinderkrankenhaus Westend – knüpfen an diese Tradition an.

Der Standort Mitte an der Drontheimer Straße im Wedding war zunächst die Heimstätte – ein „Entbindungs-, Wöchnerinnen-, Mütter- und Säuglingsheim“. Hier lernten die angehenden Krankenschwestern den Umgang mit Schwangeren, Müttern und Säuglingen; unter Anleitung ihrer Mitschwestern, die in der Heimstätte arbeiteten. 1919 übernahm das Rote Kreuz die Trägerschaft. Nach schweren Kriegszerstörungen wurde das Haus ab 1954 zum Krankenhaus umgewandelt und in den folgenden Jahrzehnten durch Neubauten ergänzt.

Hier werden heute Fachabteilungen wie Innere Medizin, Chirurgie und Geriatrie betrieben. Das 260 Betten-Krankenhaus versteht sich als modernes Stadtteilklinikum mit breitem Versorgungsspektrum. In der Zukunft soll es mit dem Standort Westend zusammengelegt werden; aus dem Weddinger Traditionsstandort könnte ein medizinisches Versorgungszentrum werden.


Ein Stadtteil mit Heiltradition

Ob Universitätsmedizin, jüdische Gemeindearbeit oder diakonische Pflege – die Krankenhäuser des Weddings erzählen von sozialem Engagement, wissenschaftlichem Fortschritt und gelebter Fürsorge. Manche der traditionsreichen Häuser behandeln noch immer täglich Hunderte Patient:innen, andere haben sich zu sozialen Orten mit neuen Aufgaben gewandelt. Gemeinsam prägen sie ein Kapitel Berliner Geschichte, das bis heute weitergeschrieben wird.

Nachtrag: Der Vollständigkeit halber erwähnen wir auch noch da Kinderkrankenhaus an der Reinickendorfer Straße, das es bis 1995 gab.  Heute beherbergt es eine geriatrische Klinik.

weddingweiserredaktion

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