Schlagwörter: Taschen

Die Weddingmarkt-Termine in dieser Saison

Stand beim Weddingmarkt. Foto: Marcel Nakoinz
Stand beim Weddingmarkt. Foto: Marcel Nakoinz

Zurück zu den Wurzeln, wo alles vor fünf Jahren begann: der Kunst- und Designmarkt Weddingmarkt wird in dieser Saison wieder auf dem Leopoldplatz stattfinden. Der erste Markt findet am 7. Mai statt.

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Auf der Suche nach dem perfekten Geschenk im Kiez

Logo_ManufakturenIm Wedding gibt es, anders als der Name vermuten lässt, nicht nur Hochzeitgeschenke. Und: um schöne und originelle Geschenke zu finden, muss der Weddinger oder die Weddingerin unseren schönen Ortsteil nicht einmal mehr verlassen. Hier unsere Liste der ultimativen Geschenketipps für unseren Kiez. Weiterlesen

Die Kolumne: Ist Handarbeit noch zeitgemäß?

Logo_ManufakturenSchon verrückt: Auf der einen Seite ist Wedding ganz offensichtlich ein idealer Nährplatz für Kreative, die mit Köpfchen und eigener Hände Arbeit so ziemlich alles herstellen, was das Konsumentenherz erfreut – vom aufgehübschten Möbel bis hin zu angesagter Mode. Nun aber müssen wir mit Erschrecken feststellen, dass gutes altes Handwerk offensichtlich nicht mehr gefragt ist. Wie anders lässt sich erklären, dass der geneigte Genießer schon sehr, sehr genau suchen muss, um in Wedding und Gesundbrunnen noch eine Bäckerei zu finden, die ihren Namen zu Recht trägt. Die also selbst den Teig für Brötchen, Brot und Kuchen knetet und dann erst den Ofen anwirft. Weiterlesen

„Bitch Wedding ist die Straße“ – ein neues Label im Wedding

Im Weddinger Tangoloft wurde vergangenen Freitag ein besonderer Anlass gefeiert: Die Geburt des Weddinger Labels „Bitch Wedding“. Am Rande des Partygetümmels konnte der Weddingweiser mit Yoerk Koerk sprechen, einem der beiden Macher von Bitch Wedding.

Shirts mit dem Aufdruck „Amberzombie & Bitch“ statt „Ambercrombie & Fitch“, eine Zeitschrift, die VÜRGUE statt VOGUE heißt –  was wie die Antwort der Badstraße auf die Glamourwelt des Rodeo Drives klingt, zählt zur Produktpalette des neuen Labels Bitch Wedding. Auf dessen Geburtstagsparty treffe ich Cindy Reimer und Yoerk Koerk, die kreativen Köpfe hinter dem Label. Mit Yoerk und einer Flasche Augustiner steuere ich die Raucherecke an, um ihm dort einige Fragen zu stellen.

Bitch Wedding T-Shirts
T-Shirts von Bitch Wedding (Bild: Bitch Wedding)

Yoerk, den meisten Weddingern dürfte Bitch Wedding noch unbekannt sein. Was ist „Bitch Wedding“?

Bitch Wedding ist ein Label, welches Kunst und Kommerz zusammenbringt. Wir sind eine Reflektion der Straße, der Kunst und des Proletariats. Wir  verstehen uns als Hüter der gepflegten Weddinger „Lifestyle-Penner®“-Lebensart. Deshalb machen wir unsere Label selbst. Schmutzig, intelligent, authentisch und großartig. Wedding passiert auf der Straße, Bitch Wedding ist die Straße.

Zudem engagieren wir uns auch im sozialen Bereich und bei sozialen Vereinen und werden unter anderem Projekte wie Design- und Foto-Workshops mit Berliner Jugendlichen durchführen. Produkte, die dabei entstehen, verkaufen wir über unser Label, und die Einnahmen kommen den Jugendlichen sowie den sozialen Einrichtungen zugute.

Welche Produkte wird es von Bitch Wedding geben? Und wo kann man sie bekommen?

Bitch Wedding Shirt
Shirt mit „Bitch Wedding“-Logo (Bild: Bitch Wedding)

T-Shirts und Taschen sind unsere ersten Produkte – aber wir arbeiten bereits an anderen Dingen und werden die Produktpalette kontinuierlich erweitern. Einen interessanten Teil könnten dabei auch die Produkte einnehmen, die durch unsere Zusammenarbeit mit sozialen Vereinen entstehen. Unser Onlineshop geht am 15. April online. Zudem planen wir gerade PopUp-Shops, die spätestens im Mai diesen Jahres eröffnet werden. Jenseits der klassischen Verkaufsstrategie zeigen wir unsere Sachen in einem Wedding-typischen und baufälligen Umfeld, um die Spannung zu erhöhen. Dadurch kann es durchaus sein, dass man die neusten Shops nur per SMS Verteiler oder Facebook in Erfahrung bringen kann.

Wie seid ihr auf die Idee zu Bitch Wedding gekommen?  

Die meisten Menschen rümpfen immer noch die Nase, wenn sie erfahren, dass man im Wedding wohnt. Jeder denkt sofort an einen Problembezirk mit hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Dieses Bild wollen wir in einer humoristischen, selbstironischen Weise entschärfen und einfach die guten Seiten des Bezirks hervorheben. Das machen wir unter anderem dadurch, indem wir Straßen-Interviews mit Weddingern durchführen und diese online stellen.

Ja, die habe ich auf Facebook gesehen. Dort seid ihr schon seit einger Zeit aktiv. Wie lange arbeitet ihr schon an dem Projekt?

Wir arbeiten ganz intensiv seit ca. 3 Monaten an dem Projekt. Die Idee schwirrt uns schon seit über einem Jahr im Kopf herum, hat sich aber erst in den letzten Monaten verdichtet. Und seitdem geben wir Vollgas.

Ich habe gehört, es wird auch eine Zeitschrift namens VÜRGUE geben. Was erwartet die Leser der VÜRGUE?

Interessante Artikel aus dem Wedding – echt und pur mit einer Prise Ironie und unserer subjektiven und grandiosen Sicht auf die Dinge. Eine Persiflage an den Berlin Hiptser-Lyfestyle aus Sicht des typischen Weddingers. Auf jeden Fall werden wir den Leser überraschen und hoffen, dadurch neue Denkprozesse in Gang zu setzten. Und das alles in erstklassiger Druckqualität – ohne eine müde Mark – auf die Beine gestellt.

Wie ist euer Bezug zum Wedding?

Alle Freunde, die bei uns mitarbeiten, leben hier unterschiedlich lange und haben den Bezirk auf ihre Art und Weise kennen und lieben gelernt. Während überall sonst in Berlins Mitte der Trend zu teueren Luxuswohnungen etabliert wird und die Bezirke zu allem mutieren außer zu lebenswerten und bezahlbaren Quartieren mit einer interessanten Kulturszene, hat man hier noch Berlin pur. Und das mitten in Mitte. Das soll auch so rüberkommen.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Wir haben einiges vor und unsere Ideen wachsen im Quadrat hoch 10 – ist doch klar. Und das musste dann erst ma abarbeiten. Oder anders gesagt: First we take Manhatten, then we take Berlin – what else!

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Das Interview in englisch

„UNIKAT“: Handgefertigte Einzelstücke und neues Leben für alte Taschen

C.Hildebrandt (links) und K.Fuchs-Fischer (Foto: Unikat)
C.Hildebrandt (links) und K.Fuchs-Fischer (Foto: Unikat)

Zu Constance S. Hildebrandt und Katrin Fuchs-Fischer kann man kommen, wenn man eine Idee für die ideale Tasche im Kopf hat. Diese beiden Frauen verstehen ihr selten gewordenes Handwerk, denn sie haben es noch zu DDR-Zeiten beim Betrieb „Berliner Lederwaren“ gelernt. „Wir entwerfen die dafür erforderlichen 40 bis 50 Einzelteile und konstruieren das Einzelstück bis zur letzten Naht“, erklärt Katrin Fuchs-Fischer. Sie hat Täschnerin gelernt und später ein Ingenieurstudium absolviert. Auch Constance S. Hildebrandt ist Diplom-Ingenieurin für Lederverarbeitung – sie ist in der Lage, mit Materialien wie Krokodil-, Schlangenleder, Straußenbeinen, Hühnerfüßen oder Aalhäuten umzugehen. Die alles entscheidende Schnittkonstruktion ist das A und O, und nur so lässt sich auch die ausgefallenste Tasche realisieren: „Wir haben für einen Medizinstudenten schon einmal eine Tasche in Form einer Leber mit abnehmbarer Gallenblase hergestellt“, erinnert sich Constance S. Hildebrandt, die sich über kompliziert wirkende Aufträge sichtlich freut: „Da kommt der Ehrgeiz heraus“, sagt sie. „Andere Taschenmanufakturen schicken ihre Kunden zu uns, weil nur wir nahezu alles umsetzen können.“

Fachwissen trifft Maschinen

Die Hebeschere
Die Hebeschere

Dafür besitzen die beiden Taschenexpertinnen nicht nur das Know-How, sondern auch die erforderlichen Maschinen. Im Kellerraum ihrer Werkstatt haben sie eine beeindruckende Sammlung zusammengetragen: eine Handhebeschere, eine Schärf- und natürlich auch eine Nähmaschine. Nicht nur für kreative Privatkunden, die eine möglichst individuelle Tasche in Auftrag geben, ist die UNIKAT-Manufaktur eine ideale Anlaufstelle, sondern auch für Modeschöpfer wie Michael Michalsky, für den die beiden Diplom-Ingenieurinnen Prototypen gefertigt haben: „“Wir bringen es für den Kunden auf den Punkt, dass es nachher genauso aussieht wie bei den großen Firmen – da können wir mithalten“, sagt Constance Hildebrandt nicht ohne Stolz.

Taschen, die einem ans Herz gewachsen sind

Die "Dali-Tasche mit Künstler-Signatur
Die „Dali-Tasche mit Künstler-Signatur

Der Laden befand sich zunächst in der Auguststraße in Berlin-Mitte, aber der Standort hat sich als ungeeignet erwiesen, als die beiden Lederexpertinnen ihr zweites Standbein aufbauten – die Reparatur von alten Taschen und Koffern. „Gerade haben wir eine Tasche zugesandt bekommen, die Salvador Dali entworfen hat „, erklärt Constance S.Hildebrandt. Dieses Einzelstück aus den 60er Jahren trägt grafische Elemente des spanischen Künstlers ebenso wie seine Signatur. „Die Restaurierungen sind zeitaufwändig“, erklärt Hildebrandt. „Allein die Suche nach dem richtigen Pflegemittel ist schwierig. Einmal mussten wir für einen Koffer sogar ein Netz aus gewachstem Garn selbst knüpfen.“

Das lieb gewordene alte Tragebehältnis nicht einfach durch ein neues zu ersetzen liegt im Trend. „Interessanterweise schicken uns gerade Männer ihre Taschen ein“, erzählt Katrin Fuchs-Fischer. „Sie sagen, das Stück ist mit mir durch die ganze Welt gereist und mir ans Herz gewachsen.“ Männer sind, so glauben die beiden Taschenherstellerinnen, der Mode nicht im gleichen Maße wie Frauen unterworfen. Doch für Kunden beiderlei Geschlechts gilt: wer mit seiner alten Tasche etwas verbindet, ist auch bereit, für die Reparatur mehr zu bezahlen als den ursprünglichen Anschaffungspreis. Diese Kunden kommen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Ein Raum mit Atmosphäre

Der großzügige Arbeits- und Verkaufsraum
Der großzügige Arbeits- und Verkaufsraum

Der schöne Laden in einem Backsteineckhaus aus den 1920ern Jahren hat Constance Hildebrandt und Katrin Fuchs-Fischer auf Anhieb überzeugt: „Wir haben uns in die Architektur sofort verliebt“, sagen die beiden Expertinnen. Hier können sie im Keller ungestört an den Maschinen arbeiten, während das Erdgeschoss als Raum für Kundenkontakte dient. Eine Galerie bietet Rückzugsmöglichkeiten für die Büroarbeit und die Bearbeitung der Bestellungen. Dank fester Öffnungszeiten können die Kunden ihre alten Taschen bringen und die reparierten Stücke wieder abholen. Beide Ladeninhaberinnen wohnen nicht im Wedding, aber Constance Hildebrandt sagt: „Für diesen schönen Raum am Schillerpark nehme ich gerne einen 30 Kilometer langen Arbeitsweg in Kauf.“

Eine eigene Kollektion hat die UNIKAT Manufaktur nicht. Ein Schaufenster sucht der Passant daher vergebens. Ihren Ruf verdanken Constance S.Hildebrandt und Katrin Fuchs-Fischer vielmehr den perfekt ausgeführten Reparaturen und der Fertigung höchst individueller Einzelstücke. Und so ist jedes Behältnis, um das sie sich kümmern, tatsächlich – ein Unikat!

UNIKAT manufaktur

unikat-taschenmanufaktur,de

taschenreparatur.de

Dubliner Str. 7, 13349 Berlin, U-Bahnhof Rehberge

Öffnungszeiten: Mo,Di,Mi,Fr 10-18 Uhr, Do 12-20 Uhr, nach Vereinbarung

Tel.: 030 978 94 504

Ziemlich nah am Prenz’lberg: das „Gemischtwaren“

Das "Gemischtwaren" in der Eulerstraße
Das „Gemischtwaren“ in der Eulerstraße

Designertaschen und Kinderkleidung im Wedding?

Schon seit neun Jahren wohnt Kerstin Janssen in der Eulerstraße, eine sehr ruhige Wohngegend zwischen der schneisenartigen Osloer Straße und dem Gesundbrunnencenter. Die Designerin, die mit Tita Berlin auch ein eigenes Taschen-Label besitzt, nutzt das Ladenlokal im Erdgeschoss seit einigen Jahren als ihr Atelier und hat die Veränderungen im Kiez hautnah miterlebt. „In den letzten Jahren sind hier in unmittelbarer Nähe sieben Kindergärten entstanden“, sagt die 43-Jährige, die selbst zwei Kinder hat. Die Eltern, oft aus Pankow oder Prenzlauer Berg, finden hier am Gesundbrunnen einen Kindergartenplatz für ihre Kleinen und entdecken dadurch den Kiez. „Die Leute ziehen ihrem Kindergartenplatz hinterher“, erzählt Kerstin Janssen. Schon jetzt ist es schwieriger geworden, eine bezahlbare Wohnung in diesem Teil des Wedding zu finden.

Nicht nur Kinderklamotten
Nicht nur Kinderklamotten

Rasant schnell verändert sich die Bewohnerschaft

Der Kiez ist in Bewegung geraten, das Straßenbild hat sich durch die vielen Kinder gewandelt. Und Kerstin Janssen ist Teil davon: „Ich bin ein Freund von Veränderungen“, sagt die Designerin, die früher selbst im bachbarten Prenzlauer Berg gewohnt hat. „Im Atelier zu arbeiten kann eine einsame Arbeit sein, und da habe ich die Idee gehabt, aus dem Raum einen Laden zu machen.“ So ist das „Gemischtwaren“ entstanden. In dem freundlich gestalteten Laden gibt es neben den Taschen, die Kerstin Janssen unter ihrem Label vermarktet, auch Kinder-Second Hand-Kleidung und Produkte anderer Designer.

Das Erstaunliche ist nicht, dass die Produkte natürlich ihren Preis haben, sondern, dass sie der Ladeninhaberin aus den Händen gerissen werden. „Das Geschäft, das ich im August 2011 eröffnet habe, läuft sehr gut“, sagt Kerstin Janssen. „Es ist so ein Tante-Emma-Effekt: die Leute schreiben hier an, man kennt sich und die Kinder.“ Der Laden, das Umfeld und das Publikum erinnern an den Prenzlauer Berg Mitte der 1990er Jahre. Viele Kreative scheinen den nahe gelegenenen Ortsteil Gesundbrunnen mit noch niedrigen Mieten und schöner Altbausubstanz in rasender Geschwindigkeit für sich zu entdecken. Wenn aber junge türkische Mütter ab und zu auch mal ins „Gemischtwaren“ hereinschauen, ist das der Beweis, dass sich dieser Kiez immer noch im Wedding befindet. Das lässt hoffen, dass nicht eines Tages alle alteingessenen Mieter verdrängt werden, sondern eine gute Mischung erhalten bleibt.

Kerstin Janssens Kunden kommen gezielt in ihren Laden, auch von weit her – nichts Ungewöhnliches für Menschen, die gutes Design schätzen. Dass es aber auch Laufkundschaft für einen Designerladen im Wedding gibt, zeigt das Ausmaß der Veränderungen.

Gemischtwaren (mit Online-Shop)

Eulerstr. 18 (nahe S+U Gesundbrunnen)

geöffnet Di – Fr 11-16 Uhr

Mehr zum Thema: Montagehalle – Handgemachte Mode-Unikate aus dem Wedding