Obdachlos – eine Ausstellung mitten im Wedding

Einer der vielen leerstehenden Läden rund um die Müllerstraße (c) Foto von Susanne Haun
Einer der vielen leerstehenden Läden rund um die Müllerstraße – doch eine Zwischennutzung für die Ausstellung war nicht möglich. Foto: Susanne Haun

Obdachlosigkeit gehört auch im Wedding dazu, die Obdachlosen vom Leopoldplatz erinnern jeden Tag daran. Doch gesprochen wird über dieses Thema selten. Nach langer Planung findet am 2. November ab 19 Uhr die Eröffnung der Ausstellung „Querbrüche – Obdachlos“ im Café Motte  statt.  Die Organisation der Ausstellung war nicht einfach, umso mehr freuen sich die beiden Künstlerinnen über die Hilfe vom Bezirk Mitte.

Weddingmelder-Wochenschau #9/18

Abreißen, sanieren, oder für seinen Erhalt kämpfen? Jetzt steht fest: Das allseits beliebte Simit Evi kann sich über einen um ein Jahr verlängerten Mietvertrag freuen. Dies meldet die Berliner Woche. Jetzt kann der Frühling kommen, auch auf den (namenlosen) Rathausvorplatz vor dem Job-Center und der Bibliothek. Das erwärmt doch das Herz, vor allem bei dieser Eiseskälte von bis zu minus 15 Grad. Und sonst? Es steht in der Wochenschau.

Der „Elise-und-Otto-Hampel-Platz“ kommt ein Jahr später

Baustelle, Schillerbibliothek, Foto: Joachim Faust
Baustelle des zukünftigen Elise- und Otto-Hampel-Platzes

Die Neugestaltung des Platzes zwischen der neuen Schiller-­Bibliothek und dem alten Rathaus Wedding wird rund ein Jahr länger in An­spruch nehmen als ursprünglich geplant. Statt zu Ende diesen Jahres wird die Fertigstellung erst Ende 2017 erwartet. So sollte der erste Bauabschnitt, die Neugestaltung des Platzteiles vor dem jetzigen Jobcenter, eigentlich schon im Januar abgeschlossen sein. Jetzt ist er, wenn alles gut geht, zu Jahresende fertig.

Trostlos: Baustopp am Job-Center Wedding

Rathaus Job-Center BaustelleWas haben wir uns gefreut, als die hochtrabenden Pläne für die Neugestaltung des Platzes vor dem früheren Rathaus-Hochhaus und der nagelneuen Schillerbibliothek bekanntgegeben wurden. Doch als es nach dem Start der Bauarbeiten im Mai 2015 eine kleinkarierte Diskussion um die Benennung des namenlosen Platzes gab, hätte man es schon ahnen müssen: unter einem guten Stern steht dieser Platz nicht. Denn jetzt sind die bereits stockenden Bauarbeiten endgültig gestoppt worden. Und mitten im Wedding liegt weiterhin eine trostlose Baustelle.

Das Umfeld des Rathauses verändert sich

In den nächsten Jahren wird sich der Schwerpunkt der städtebaulichen Entwicklung des Aktiven Zentrums Müllerstraße an das Rathaus Wedding verlagern. Nachdem die Neugestaltung des Leopoldplatzes weitgehend abgeschlossen ist – es fehlt nur noch der Abschnitt vor der Alten Nazarethkirche –, wird nun der Platz um das denkmalgeschützte Hochhaus in Angriff genommen: Entlang der Brandwand auf der südlichen Seite wird eine neue bezirkliche Mittelpunktbibliothek entstehen, das Hochhaus wird saniert und zum Jobcenter werden. Und schließlich soll auch der Platz selbst neu gestaltet werden.

Noch in diesem Jahr wird dazu ein Wettwerb für Landschaftsarchitekten ausgelobt. Auf einem Planungsworkshop am 13. September hatten Anwohner und Anrainer die Gelegenheit, ihre Interessen darzulegen und so die Wettbewerbsbedingungen zu beeinflussen. Gekommen waren unter anderem die Präsidentin der Beuth-Hochschule, Monika Gross, und ihr Stellvertreter Hans W. Gerber. Sie traten entschieden für eine stärkere Anbindung der Hochschule an die Müllerstraße ein, die am Rathausplatz städtebaulich umgesetzt werden könne. Angstfreie Wege und freie Sichtachsen zum Campus der Beuth-Hochschule über den Platz hinweg waren ihre Hauptforderung, gegen die auch keiner der Anwesenden Widerspruch erhob. So sprachen sich fast alle für den Abriss des Übergangs zwischen Rathaus- Altbau und Hochhaus über die ehemalige Limburger Straße aus, denn die sogenannte »Beamtenlaufbahn« blockiert die Sichtachse. Auch der Leiter der künftigen Jobcenter-Dependance, Max Bischoff, schloss sich dieser Meinung an: der Übergang werde vom Jobcenter nicht gebraucht, das keine Räume im Altbau des Rathauses beansprucht.

Ideal für das Jobcenter wäre zudem eine Gestaltung des Platzes in seinem Eingangsbereich, die es ermöglicht, hier Aktionen wie Infobörsen von Arbeitgebern durchzuführen. Persönlich bedauerte Bischoff in diesem Zusammenhang, dass der ehemalige Weddinger BVV-Saal nach dem Umzug der Schillerbibliothek in die neue Mittelpunktbibliothek nach den gegenwärtigen Planungen des Jobcenters nur als Aktenarchiv genutzt werden soll – eine repräsentativere Nutzung etwa für solche Infobörsen hält er persönlich für sinnvoller.

Özlem Özmen-Eren, die Betreiberin des Cafés »Simit Evi« im Pavillon an der Müllerstraße, gab sich offen für eine Neuordnung des Platzes. Sie kann sich vorstellen, den Außenbereich ihres Cafés zum Beispiel zur Bibliothek hin zu öffnen, um zur Belebung dieses Platzteiles beizutragen.

Der Bereich vor der künftigen Mittelpunktbibliothek sollte nach den Vorstellung der Leiterin der Schiller-Bibliothek, Corinna Dernbach, möglichst ansprechend für Jugendliche gestaltet werden, wie z.B. durch eine »Halfpipe« für Skater oder Skateboarder.

Durchblick: Neues Rathaus und Neue Nazarethkirche

Weniger klar waren die Vorstellungen zum hinteren Rathausplatz Richtung Genter Straße. Hier befinden sich Grünanlagen, aber auch ein Parkplatz. Wenn in der Genter Straße Querparken eingeführt wird, könnte der zugunsten einer attraktiveren Platzgestaltung aufgegeben werden. Bernd Gellesch, der Betreiber des Wochenmarktes an der Genter Straße, erhob keine grundsätzlichen Einwände. Der Markt läuft derzeit sehr gut, ist voll und gilt in Berlin als Geheimtipp. Gellesch beabsichtigt aber nicht, ihn zu erweitern. Die angrenzenden Parkplätze seien zwar nützlich, vor allem für Kunden aus dem Gastronomiebereich, die auf dem Markt größere Mengen einkauften, aber für den Betrieb nicht unbedingt notwendig. In einer Verlegung des Marktes etwa auf die ehemalige Limburger Straße entlang des Rathaus-Altbaus konnte er keinen Vorteil erkennen: Das würde zu Konflikten führen, etwa wenn das Jobcenter hier eine Aktion durchführen wolle. Eine Verlegung in den Bereich unmittelbar hinter dem Hochhaus dagegen wäre akzeptabel, genauso wie ein Umzug in die Ostender Straße.

Das Aktive Zentrum wird nun einen Architektenwettbewerb zum Rathausplatz durchführen. Ähnlich wie beim Wettbewerb zum Neubau der Bibliothek wird es vor der Entscheidung der Jury, an der auch die Stadtteilvertretung beteiligt sein wird, noch einmal eine Veranstaltung mit Bürgerbeteiligung geben. Alle eingegangenen Architektenentwürfe werden dabei anonymisiert vorgestellt, die Anrainer und Anwohner erhalten die Gelegenheit, der Jury ihre Meinung zu den Entwürfen in offener Diskussion kundzutun.

Christof Schaffelder

Diesen und andere interessante Artikel finden Sie in der Sanierungszeitschrift Ecke Müllerstraße. Diese erhalten Sie in Geschäften und Institutionen an der Müllerstraße oder zum Download auf dieser Website. 

Türkisch einkaufen vom Feinsten

Aktualisiert am 14.03.2013

Shopping de luxe für türkischstämmige Berliner

Müllerstraße Türkenstraße
Müllerstraße Türkenstraße

An der oberen Müllerstraße ist derzeit ein Verlust an alteingessenen Fachgeschäften zu beklagen. Bis zur Gesetzesnovelle im Jahr 2011 sind auch noch viele neue Automatencasinos hinzugekommen. Dass sich die Schließung der Weddinger C&A-Filiale auf das Gesamtgefüge „Geschäftsstraße Müllerstraße“ nicht unbedingt positiv auswirken dürfte, ist ebenfalls offensichtlich. Doch nicht nur Niedergang, sondern ein Wandel ist zu beobachten: Fast unbemerkt hat sich inzwischen der Bereich rund um die Kreuzung Seestraße zu einem Eldorado für Käufer entwickelt, die Qualitätswaren aus der Türkei zu schätzen wissen. Und das dürften wohl in erster Linie die Weddinger mit türkischem Migrationshintergrund sein….

Friedhof und Schillerparkcenter
Friedhof und Schillerparkcenter

Wer meint, dass es sich bei türkischen Waren nur um Döner und typische Gemüsesorten handeln kann, liegt falsch: mitten im Wedding werden inzwischen auch hohe Ansprüche an türkische Qualitätsprodukte bedient. Wer türkisch heiraten will und eine Aussteuer braucht, wird garantiert rund um das Schillerparkcenter fündig. Südlich der Ecke Müllerstraße/Seestraße kann man auch noch sehr authentisch türkisch frühstücken („Simit Evi„, Müllerstr. 147) oder zu Mittag essen (Çarik Kuruyemiş, Müllerstr. 39, gebrannte Kerne und Nüsse, Restaurant-Café). Ein Verkaufsstand des Nüsse- und Kerneladens Çarik Kuruyemiş befindet sich auch im Obergeschoss des Schillerpark-Centers.

Porzellanladen im Schillerpark-Center

Porzellanladen & Brautmoden…

Bei Imzadi Couture  in der Türkenstraße 16, der im Frühjahr 2012 neu eröffnet hat, ist es den Betreibern ein Anliegen, muslimischen Frauen und Mädchen abwechslungsreiche Kopfbedeckungen und passende Accessoires zu bieten. Nach eigener Aussage darf es, bei aller Tradition, dabei auch extravagant zugehen. Für Nicht-Muslime wirkt es auf den ersten Blick widersprüchlich, dass den Frauen dadurch ein hohes Maß an Individualität ermöglicht werden soll….

HANLI Collection - Türkische Brautmoden
HANLI Collection – Türkische Brautmoden

In der türkischen Kultur spielt die Hochzeit immer noch eine herausragende Rolle. Neben der Ausrichtung der Feierleichkeiten selbst sammeln Mädchen und junge Frauen immer noch für ihre Aussteuer – ein Brauch, der in Deutschland weitgehend ausgestorben ist. Passenderweise kann man sich im Wedding (englisch für „Hochzeit“) mit entsprechenden Gegenständen ausstatten. Fündig wird die angehende Braut mit Sicherheit beim Brautmodenladen HANLI Collection, Müllerstr. 132. An der Müllerstr. 121/Ecke Transvaalstraße gibt es mit DILEK Collection ein weiteres Brautmodengeschäft. In der Türkei sind die Keramik und das Porzellan aus Kühtahya sehr bekannt. Der Laden (ehemals Turquaz Home Collection) in der Müllerstr. 47 (Schillerpark-Center) bietet ebenfalls eine große Auswahl an original türkischen Qualitätsprodukten direkt vom Hersteller. Wem das Porzellan nicht gefällt, kann es ja bei einem deutschen Polterabend gleich wieder zerschmettern. Türkische Bettwaren und Betten sind gleich gegenüber bei Yatas Bedding, Müllerstr. 131, erhältlich. Doch man muss ja nicht nur das Haupt betten. Dass sich der türkische Möbelgeschmack unterscheidet, kann man im Möbelgeschäft EVKUR in der Ungarnstraße (ebenfalls im Schillerpark-Center)  erleben. Und das neue Einrichtungshaus MÖBELTOWN in der Turiner Straße 25 ist der Beweis, dass sich das Ganze auch an deutsche Kunden richten kann.