Buchprojekt über den Architekten der Rotaprintgebäude braucht Spenden

83-A-090100-Rotaprint GottschedstrMit einer Monographie über die Berliner Architekten Klaus Kirsten und Heinz Nather sollen jetzt zwei Architekten gewürdigt werden, die einen nahezu unbekannt gebliebenen Beitrag zur Nachkriegsmoderne geleistet haben. Die Finanzierung dieses Buchs steht allerdings noch auf tönernen Füßen – von 25.000 Euro sind noch 6.000 Euro offen. Daniela Brahm und Les Schliesser von der ExRotaprint gGmbH, die das Buchprojekt initiiert haben, rufen daher zu Spenden auf, damit das Buch im Herbst erscheinen kann.

Wo der Wedding noch flüssig ist: Wirtschaft an der Panke

Die Panke und die Industrie stehen in enger Beziehung zueinander. So bedeutend wie die Panke für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins war, so sehr hat der Fluss unter den schädlichen Umwelteinflüssen zu leiden. Nur: wie konnte es dazu kommen, dass der Weddinger Fluss im Volksmund als „Stinkepanke“ bekannt ist? Immerhin wurde im Mittelalter in Bernau, nahe des Panke-Quellgebiets, aus Pankewasser noch besonders schmackhaftes Starkbier gebraut…

Der Projektraum von ExRotaprint: Veranstaltungen in der Glaskiste

Nach seiner Sanierung kann der Projektraum der gemeinnützigen ExRotaprint-GmbH wieder als Veranstaltungsort genutzt werden.

Projektraum von ExRotaprintMit seinen Bauten für den Druckmaschinenhersteller Rotaprint entwarf der Architekt Klaus Kirsten in den 1950er Jahren ein Gebäudeensemble, das auch heute noch zu beeindrucken weiß. Als auf dem an der Gottsched- und Bornemannstraße gelegenen Areal noch Maschinen für den Offsetdruck hergestellt wurden, befand sich innerhalb eines Querriegels im Hof das technische Büro. Das niedrige und dennoch repräsentative Gebäude wird auch „Glaskiste“ genannt, denn im einzigen Obergeschoss erstreckt sich auf 185 Quadratmetern ein heller Raum, dessen Längsseiten aus großen Fensterflächen bestehen. Wo sich einst die Rotaprint-Ingenieure über ihre Stehpulte beugten und an ihren Konstruktionsplänen arbeiteten, befindet sich heute der Projektraum von ExRotaprint. Nachdem die Sanierung abgeschlossen wurde, kann er seit Mitte März tageweise angemietet und für Konferenzen, Workshops, Lesungen und Präsentationen genutzt werden. Stühle, Tische und Internetzugang sind vorhanden. Sollte technisches Equipment wie Beamer, Boxen und Mikrophone benötigt werden, kann es zusätzlich gemietet werden. Wer den Raum nutzen möchte, kann sich per Email an das ExRotoprint wenden. Ein Belegungsplan auf der Website zeigt die noch freien Termine an.

Website von ExRotaprint

Ähnlich und doch ganz anders: Gesundbrunnen

Das Luisenhaus erinnert an das Heilbad
Das Luisenhaus erinnert an das Heilbad
Die Bibliothek am Luisenbad in der Travemünder Straße. Foto: Andrei Schnell
Die Bibliothek am Luisenbad in der Travemünder Straße. Foto: Andrei Schnell

Gefühlt noch zum Wedding gehörig – was ja historisch nicht verkehrt ist, denn der Ortsteil war ja von 1920 – 2001 Teil des Bezirks Wedding – ist der Ortsteil Gesundbrunnen. Im Spannungsfeld zwischen Pankow, Prenzlauer Berg und Alt-Mitte liegt dieses bis vor kurzem noch mitleidig belächelte Viertel. Hier zeigt sich das ganze Auf und Ab eines Arbeiterviertels in vielleicht noch drastischerer Form als im heutigen Ortsteil Wedding, also das Gebiet westlich der Reinickendorfer Straße. Schaut man auf die Geschichte und den Ortsnamen Gesundbrunnen, kommt man um die Panke, ihre Mühle und das ehemalige Heilbad am Luisenbad nicht herum. Die Badstraße und die Brunnenstraße, die ganze Kieze prägen, verdanken dieser Mineralquelle ihren Namen. Leider ist der Born um 1890 herum endgültig versiegt und überbaut worden, so dass es heute wie ein Treppenwitz der Geschichte erscheint, dass sich reiche Adelige im 18. Jahrhundert zur Erholung in dieses Gebiet verirrt haben.

Anders als im Ortsteil Wedding hat sich nach der Wiedervereinigung viel im Gesundbrunnen getan, der auf drei Seiten von der Mauer umgeben war und 30 Jahre lang ein Schattendasein führte. Zunächst mit der Eröffnung des Gesundbrunnen-Einkaufscenters, ab 2006 dann mit der Eröffnung des Fern- und Regionalbahnhofs Gesundbrunnen ist dieses Viertel plötzlich wieder ins Bewusstsein der Berliner gerückt. Doch selbst die Bahn scheint den Namen Gesundbrunnen nicht zu mögen und versucht immer wieder, daraus ein „Nordkreuz“ zu machen. Doch die besonders Mutigen unter den Bewohnern des Prenzlauer Bergs, sozial und ästethisch eine andere Welt, wagen sich (freiwillig oder unfreiwillig) immer öfter zum Einkaufen, zum Bahnfahren oder einfach aus Neugier in die Kieze am Gesundbrunnen.

Die Uferstudios für zeitgenössischen Tanz
Die Uferstudios für zeitgenössischen Tanz

Schließlich sind die Mieten hier immer noch dramatisch niedriger als im Hochpreisviertel Prenzlauer Berg. Auch findet man im östlichen Wedding die aufregendere Mischung, oft Menschen aus aller Herren Länder – für immer mehr Berliner ist das eine echte Alternative. Auf dem Standort des Druckoffsetmaschinenherstellers Rotaprint siedeln sich vermehrt Künstler an, und auf dem Gelände eines Busbetriebshofs ist mit den Uferhallen und den Uferstudios Ähnliches zu beobachten.

Prinzenallee Gotenburger
Im Soldiner Kiez

Der Soldiner Kiez  war um 2000 herum auf dem absoluten Tiefpunkt in der öffentlichen Wahrnehmung – das hat sich geändert, seit viel öffentliches Geld in Image-, Gewerbe- und Kunstförderung gesteckt wurde. Heute wissen nicht nur die Kiezbewohner zu schätzen, dass die historische Bausubstanz und der hohe Grünanteil rund um die Panke eine besonders hohe Wohnqualität bieten.

AEG Beamtentor in GesundbrunnenGanz anders der Süden des Ortsteils. Rund um die Brunnenstraße im südlichen Teil, historisch Teil der Rosenthaler Vorstadt, liegt das Brunnenviertel. Dieser relativ neue Name wurde vom dominierenden Wohnungsbauunternehmen degewo, dem hier die meisten Häuser gehören, geprägt, um für eine Aufwertungskampagne des Gebietes mit schlechtem Ruf und wenig attraktiven Wohnbedingungen eine eingängige Bezeichnung zu finden. Gerade im Vergleich zu seinen östlichen und südlichen Nachbarkiezen fällt auf, dass hier fast alle Altbauten abgerissen wurden und der soziale Wohnungsbau der 70er und 80er Jahre vorherrscht – mit allen ästethischen Vor- und Nachteilen von Neubauten.

Bf Gesundbrunnen Dame Gesundbrunnen ist der etwas schwierige Halbbruder des Wedding, oft mit den gleichen Problemen, hingegen mit dem ungleich höheren Potenzial, in den Sog seiner östlichen Nachbarbezirke zu geraten. Wer aber glaubt, Gesundbrunnen sei heute nicht mehr Wedding, wohnt entweder auf einem anderen Planeten oder läuft blind durch den Stadtteil. Eine 2001 willkürlich festgelegte Verwaltungsgrenze ändert nichts daran: Gesundbrunnen wird immer Wedding bleiben.

Amtsgericht Wedding und Pankegrünzug

Ist der Wedding eine Sehenswürdigkeit?

Was gibt’s im Wedding schon großartig zu sehen? Die Reiseführer werden den Touristen meist um diesen Ortsteil herum leiten, allenfalls bei einer Fahrt mit der U-Bahn verschlägt es den einen oder anderen auch schon mal unter’s Weddinger Straßenpflaster. Allenfalls aus Negativ-Schlagzeilen über Kriminalität, Gewalt oder Armut ist unser Wohnort auch überregional ein Begriff. Doch zu glauben, dass nur die Top-Attraktionen für Tourismus sorgen, wäre viel zu eindimensional gedacht. Denn wer sagt, dass es einen Fernsehturm, einen Dom und einen Zoologischen Garten braucht, um neugierige Besucher aus anderen Teilen der Welt zu interessieren? Ist nicht die Tatsache, dass hunderttausende Berliner eben nicht in den „angesagten“ und touristisch erschlossenen Stadtteilen wohnen, allein schon ein Grund, vom touristischen Pfad abzuweichen? Wer sich für das echte Berlin, das Berlin der Kieze interessiert, muss in der Innenstadt schon ein wenig suchen. In Teilen Neuköllns, in Moabit und eben auch im Wedding wird der interessierte Besucher noch am ehesten die für diese Stadt so typische bunte Mischung finden.