Versteckt im Wedding (Teil 1)

Der Garten des Hotel Grenzfall. Foto: S. Ostertag
Foto: S. Ostertag

Der Wedding ist übersichtlich in ein paar Kieze eingeteilt, dazu ein paar Parks und Plätze. Fertig ist das Bild vom grauen Ghetto am Rand der Berliner Innenstadt. So scheint es zumindest. In Wirklichkeit ist der Wedding ein großer, grüner Dschungel voller großer und kleiner Besonderheiten. Die Kleinode und höchst bemerkenswerten Schätze erschließen sich aber nicht jedem oberflächlichen Betrachter. Deshalb helfen wir mit unserer Serie ein bisschen dabei, sie aufzuspüren.

Gut „behütet“ im Afrikanischen Viertel

Es riecht noch nach Farbe vom Renovieren und ein wenig nach Strohsteife in Angela Klöcks Hut–Werkstatt. Das Erste, was sofort im Schaufenster auffällt, ist die bunte Vielzahl an verschiedenen Hütten und Kappen, die auf verschieden hohen Metallständern zur Schau gestellt sind und sehr neugierig machen.
 Ruhiges, aber emsiges Treiben herrscht im Laden. Am Arbeitsplatz, konzentriert am Abstecken und Beschneiden einer neuen Wollfilzkappe, sitzt Inhaberin und Hutmacherin Angela Klöck und erzählt von ihrer Passion. 


„stocubo“: So flexibel wie Weddinger eben sind

(C) stocubo

Wer auf der Suche nach dem selten gewordenem Alt-Berliner Flair ist, der wird in der Gottschedstraße 4 garantiert nicht enttäuscht. Das Gelände des ehemaligen Druckmaschinenherstellers Rotaprint präsentiert sich mit der besonderen Kulisse eines Stücks hauptstädtischer Industriegeschichte. Vieles scheint provisorisch, einiges unfertig, wieder anderes wirkt irgendwie wie selbstgebaut. Und genau das macht das Gelände so sympathisch. Der Gebäudekomplex mit Denkmalstatus beherbergt neben Künstlern und Kreativen vor allem traditionelle Handwerksunternehmen wie beispielsweise den kleinen Möbelbetrieb „stocubo“ mit 15 Mitarbeitern. Jetzt gibt es in der Exerzierstr. 14 auch einen Showroom.

Die Kolumne: Ist Handarbeit noch zeitgemäß?

Logo_ManufakturenSchon verrückt: Auf der einen Seite ist Wedding ganz offensichtlich ein idealer Nährplatz für Kreative, die mit Köpfchen und eigener Hände Arbeit so ziemlich alles herstellen, was das Konsumentenherz erfreut – vom aufgehübschten Möbel bis hin zu angesagter Mode. Nun aber müssen wir mit Erschrecken feststellen, dass gutes altes Handwerk offensichtlich nicht mehr gefragt ist. Wie anders lässt sich erklären, dass der geneigte Genießer schon sehr, sehr genau suchen muss, um in Wedding und Gesundbrunnen noch eine Bäckerei zu finden, die ihren Namen zu Recht trägt. Die also selbst den Teig für Brötchen, Brot und Kuchen knetet und dann erst den Ofen anwirft.

Der Schirmmacher

Der Wedding ist einer jener liebenswerten Orte innerhalb Berlins, in dem es noch richtige Manufakturen gibt. Und dabei denke ich nicht an die Tortenwerkstatt, sondern an den Schuster umme Ecke, den Blechbläser (der Blechblasinstrumente repariert) oder eben den Schirmmacher. Wer ganz nach unten scrollt auf der Seite schirmmitcharme.de sieht Rolf Lippke, den Schirmmacher, in seiner Manufaktur in der Transvaalstraße.