Warum AmMa65 am Ende jeden angeht

 

Amma65 © Andaras Hahn

Überall werden momentan Häuser verkauft, oftmals auch die Mieter vertrieben – sei es durch bewusste Schikane oder das legale Einsetzen von Mietsteigerungen. Meist hört man Fälle aus Kreuzberg, doch jedes Baugerüst vor einem Haus in unserem Wedding ruft in mir ein komisches Gefühl hervor.
Der aktuell prominenteste Fall ist der bevorstehende Verkauf des Eckhauses Amsterdamer/Malplaquetstraße, kurz AmMa65. Am Sonntag lud das Haus zum Adventsumtrunk in die Montagehalle ein.

AmMa65: Vorkaufsrecht des Bezirks ist jetzt gefordert

Hausgemeinschaft AmMa65 vor dem Haus
Foto: AmMa65

Wir hatten vor zwei Wochen über die Bemühungen der Mieterinnen und Mieter des Eckhauses Amsterdamer / Malplaquetstraße berichtet, den Verkauf ihres Hauses abzuwenden und selbst gemeinschaftlich als Käufer aufzutreten. Nun ist das Haus verkauft worden. Der Bezirksstadtrat Ephraim Gothe (SPD) hatte sich im Vorfeld dafür ausgesprochen,  erstmals das Vorkaufsrecht des Bezirks anzuwenden. Doch dafür drängt die Zeit, wie der Verein der Hausbewohner AmMa65 mitteilt.

AmMa65: Herz statt Profit

AmMa65 Haus
Foto: AmMa65

„Zunächst leben wir. Und das nicht irgendwo – nein, wir leben in unserem geliebten Kiez, dem Wedding 65. In den Eckhäusern der Amsterdamer Straße 14 und Malplaquetstraße 25. Für uns ist es die schönste Ecke der Welt – na gut, vielleicht auch nur die schönste Ecke, die wir kennen.“ Das schreiben die Hausbewohner, die sich im Verein AmMa65 organisiert haben. Denn sie haben ein Ziel: ihr Haus selbst kaufen, damit es nicht zum Spekulationsobjekt Anderer wird.

Anmerkung der Redaktion: 
Wir vom Weddingweiser verzichten auf die übliche Wochenschau und machen Platz für den Aufruf, mit dem die wehrhafte Hausgemeinschaft an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Ins Café Largo zum Wohlfühlen

Eine Metallskulptur zieht sich durch das ganze CaféNanu, wenn man in das Café an der Ecke Utrechter-/Malplaquetstraße eintritt, reibt man sich erst einmal die Augen: da hängt doch unter der Decke… ja, was eigentlich? Eine Metallskulptur, die einen Buckelwal darstellen soll, nimmt fast den ganzen Raum ein. Die anspruchsvolle Gestaltung dieses schönen Ecklokals nimmt vorweg, dass es hier auch um besonders hochwertige Qualität geht.

Malplaquetstraße: Die Ausnahmestraße

AKTUALISIERT 2018 Das Schöne am Wedding ist, dass er eigentlich überall gleich entspannt ist. Hier findet sich Berlin wie unter einem Brennglas, aber ganz ohne das Überdrehte von Prenzlauer Berg, den angestaubten Chic von Charlottenburg oder das Rollkoffer-Geklapper von Kreuzberg. An ganz wenigen Stellen jedoch trifft die typische Weddinger Schmuddeligkeit sogar auf angenehmen Lifestyle, ohne dass gleich ein Riesen-Hype daraus entsteht. Die Malplaquetstraße ist ein solcher Ort –  Ausnahmeerscheinung und typische Wohnstraße zugleich.

Wie so oft im Wedding sollte man sich vom schön klingenden französischen Namen der Straße nicht täuschen lassen: 1891 wurde die Straße, wie die Straßen im ganzen Kiez, nach Ereignissen und Personen des Spanischen Erbfolgekriegs (1701– 1714) benannt. Im nordfranzösischen Malplaquet fand mit 35.000 Toten sogar eine der blutigsten Schlachten der Neuzeit statt.

Die Kolumne: Gewinn fürs Leben

Das Erzählcafé im Bürgersaal der Berliner Baugenossenschaft in der Malplaquetstr. 15a sollten Sie unbedingt mal besuchen. Chefin Regina Scheer stellt Weddinger vor, von denen die meisten nicht unbedingt zu unserem Alltag gehören. Die Begegnung, das Gespräch mit diesen Menschen aber machen das eigene Leben reicher. Am 26. Juli ab 15.00 Uhr zum Beispiel kommt Jürgen Schaffranek. Als Sozialarbeiter hat er jahrelang in Projekten mit drogenabhängigen Jugendlichen gearbeitet. Er liebt seinen Job, der mit Enttäuschungen verbunden ist, aber immer auch mit glücklichen Momenten. Ein typischer Weddinger also.

Autor: Ulf Teichert

 

 

 

 

 

Kinga Darsow: Identität durch Design

Kinga DesignAuf den Straßen Weddings signalisieren zugeklebte Fensterscheiben meist etwas, das die Einwohner vom Innenleben des dahinterstehenden Raumes trennt, und dennoch eine Botschaft an ihre Umgebung sendet, um einladend zu wirken. Angekommen an der Malplaquetstraße 5, klebt matt-weißes Papier an der Scheibe und erst das Klingeln offenbart das Innenleben des Raumes. Darin werkelt, unter anderem, Kinga Darsow an etwas, wofür das weiße Papier in seinem Urzustand bekannt ist: Es ist der Entstehungsort einer Idee, die in die Welt hinaus geht, um etwas von uns zu repräsentieren, das wir, bewusst oder unbewusst, als unsere Identität preisgeben oder wahrnehmen.