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Warum AmMa65 am Ende jeden angeht

Amma65 © Andaras Hahn

Über­all wer­den momen­tan Häu­ser ver­kauft, oft­mals auch die Mie­ter ver­trie­ben – sei es durch bewuss­te Schi­ka­ne oder das lega­le Ein­set­zen von Miet­stei­ge­run­gen. Meist hört man Fäl­le aus Kreuz­berg, doch jedes Bau­ge­rüst vor einem Haus in unse­rem Wed­ding ruft in mir ein komi­sches Gefühl hervor.
Der aktu­ell pro­mi­nen­tes­te Fall ist der bevor­ste­hen­de Ver­kauf des Eck­hau­ses Amsterdamer/Malplaquetstraße, kurz AmMa65. Am Sonn­tag lud das Haus zum Advent­s­um­trunk in die Mon­ta­ge­hal­le ein. Wäh­rend ich vom U‑Bahnhof Leo­pold­platz über den Wed­ding­markt, vor­bei an Beton-Vasen und neu­en Gin-Krea­tio­nen, nach Hau­se zur Mal­plaquet­stra­ße schlen­de­re, fällt mir der Umtrunk wie­der ein. Ich brin­ge schnell den Ruck­sack in mei­ne Woh­nung und gehe run­ter zum Eck­haus in die Mon­ta­ge­hal­le. Sie ist gut gefüllt. Die Anwoh­ner haben Anste­cker mit einem Herz und „AmMa65“ an ihren Jacken, das offi­zi­el­le Sym­bol. Es gibt selbst­ge­mach­ten Kuchen; Bier und Glüh­wein. Ich kom­me gera­de recht­zei­tig, Sandri­ne Woin­zeck, Bewoh­ne­rin von AmMa65, hält eine klei­ne Anspra­che – der RBB ist auch vor Ort.  Man merkt die Ent­schlos­sen­heit der Anwoh­ner und die Soli­da­ri­tät der Gäs­te. Hier wird kein Grund­stück oder lee­res Haus ver­kauft. Hier ste­hen 29 Woh­nun­gen und genau so vie­le Lebens­ent­wür­fe zum Ver­kauf und das sieht man, wenn man die Bli­cke schwei­fen lässt. Des wei­te­ren gehö­ren drei Gewer­be-Ein­hei­ten zum Haus dazu: das „Mini-Kauf­haus Mey­er“, das “Café More­na” und die Gale­rie „Mon­ta­ge­hal­le“.

Die Hoffnung

Bis Ende der Woche ent­schei­det sich, ob es die theo­re­ti­sche Mög­lich­keit gibt zusam­men mit dem Miets­häu­ser-Syn­di­kat und 2 Stif­tun­gen als poten­ti­el­ler Inter­es­sent für den Kauf des Hau­ses in Fra­ge zu kom­men. Theo­re­tisch ist das Haus schon ver­kauft. Es exis­tiert aber das soge­nann­te Vor­kaufs­recht, das bedeu­tet, dass der Ver­kauf an den Inves­tor Jakob Mäh­ren noch nicht in tro­cke­nen Tüchern ist. Da das Haus im Milieu­schutz­ge­biet liegt, hat der Bezirk die Mög­lich­keit, in den Kauf­ver­trag bestim­me Vor­ga­ben zu schrei­ben. Die wie­der­um kön­nen den Erwerb für den Inves­tor unat­trak­tiv machen, sodass er viel­leicht vom Kauf absieht. Dann kann der Bezirk zuschla­gen oder eben in Fol­ge des­sen viel­leicht die Mie­ter der AmMa65. Die­se fina­le Ent­schei­dung wie­der­um wird am 24. Janu­ar gefällt. Um das gan­ze finan­zi­ell siche­rer zu machen, wenn es dann am 24. Janu­ar dazu kommt, kann jeder Wed­din­ger, Ber­li­ner und jeder ande­re sich mit „Mikro-Kre­di­ten“ an einer mög­li­chen Finan­zie­rung betei­li­gen. Min­dest­sum­me sind 500€. Für vie­le eine Men­ge, für eini­ge aber bei durch­aus finan­zier­bar. Ver­zinst wird das Gan­ze auch noch, in der heu­ti­gen Zeit fast eine Seltenheit.

Wer sich mit dem Ver­fah­ren des Miets­häu­ser­syn­di­kats etwas befasst, wird schnell mer­ken, dass es vie­le erfolg­rei­che Pro­jek­te gibt, die so finan­ziert wur­den. Miet­ge­mein­schaf­ten, die sich im Freun­des- und Fami­li­en­kreis Kre­di­te zusam­men­ge­sucht haben, um ihre Woh­nun­gen und ihren Kiez zu sichern. Sei es in Frei­burg, dem Geburts­ort des Syn­di­kats, oder halt in Berlin.
Und viel­leicht hat ja der ein oder ande­re, oder auch eine Gemein­schaft nach einer Anla­ge­form gesucht, die zugleich etwas Gutes tut und dabei noch ein biss­chen Zin­sen abwirft. Und selbst wenn kein Leser die­ser Zei­len finan­zi­ell etwas bei­steu­ern kann, das Wis­sen der Mie­ter um die Unter­stüt­zung um sie her­um macht allen Mut.

Es geht alle an

Ams­ter­da­mer Str. Foto: D_Kori

Wer jetzt meint, nie­mand hat das Anrecht auf eine Woh­nung in einem bestimm­ten Bezirk oder im Zen­trum, der soll­te sich im Kla­ren sein, dass Jakob Mäh­ren Pro­jek­te mit dem Hash­tag #Mono­po­ly­Für­Erwach­se­ne pro­pa­giert. Für Ihn ist die­ses Häu­ser-Kau­fen ein Spiel. Ein Brett­spiel, wel­ches Struk­tu­ren einer Stadt nach­hal­tig zer­stört und Exis­ten­zen ver­nich­tet. Stich­wort Ber­li­ner Mischung.

Und wer danach immer noch sagt „Pech gehabt“. „Die Mie­ten sind bezahl­bar, denn ich kann sie ja zah­len“, sei noch fol­gen­des Zitat von Jakob Mäh­ren nahe­ge­legt:  „Rand­la­gen, […], wer­den in den nächs­ten Jah­ren inter­es­san­ter wer­den, da sich vie­le Leu­te die Innen­stadt nicht mehr leis­ten kön­nen.“ (Tages­spie­gel 06.02.2015)
Somit kön­nen sich alle Befür­wor­ter von „Wer muss schon im Zen­trum woh­nen“, etc. bald ein neu­es Argu­ment über­le­gen, denn dann sind sie dran. Und die­ses Spiel wird am Ende des Abends nicht wie­der in den Schrank geräumt.

Mehr Infor­ma­tio­nen:
http://amma65.de/
https://www.facebook.com/Amma65eV/

Syn­di­kat

Andaras Hahn

Andaras Hahn ist seit 2010 Weddinger. Er kommt eigentlich aus Mecklenburg-Vorpommern. Schreibt assoziativ, weiß aber nicht, was das heißt und ob das gut ist. Macht manchmal Fotos: @siehs_mal
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