Zu Besuch in einem bulgarischen Tante-Emma-Laden

„Die Bulgaren planen ihre Einkäufe nicht lange im Voraus und kaufen lieber spontan ein“, erklärt mir Martin. Der 34-jährige Bulgare, der mit seiner Familie im Afrikanischen Viertel lebt, freut sich über das neue bulgarische Lebensmittelgeschäft in der Seestr. 105 – ideal für kleine Einkäufe der besonderen Art. Und nicht zuletzt kann man hier die Esskultur dieser weithin unbekannten, dennoch fünftgrößten Community in Berlin entdecken.

4 Tipps für regionale Lebensmittel

Sechs von zehn Befragten legen beim Einkauf Wert darauf, dass die Lebensmittel aus der Region kommen. Und der Handel nutzt dieses neu entstandene Bewusstsein des Kunden auch aus. Manchmal findet das Niederschlag im Verkauf von wirklich vor Ort produzierten Lebensmitteln. Oder es wird ein Regionalsiegel vergeben und die Preisschilder enthalten eine Kennzeichnung des Herkunftsortes. Mit etwas mehr Aufwand ist es jedoch möglich, gezielt tatsächlich in der Region produzierte Lebensmittel zu kaufen und manchmal sogar den Produzenten selbst kennenzulernen.

Hier könnt ihr im Wedding gut einkaufen

Der Wedding ist Durchgangsstation für viele, auch wenn so mancher Neuankömmling letztendlich in unserem schönen Stadtteil länger hängenbleibt. Und schnell wird jedem klar: Wer sich ein bisschen auskennt, kann hier großartig einkaufen und ein breit gefächertes Angebot an Märkten und Geschäften nutzen. Man muss nur wissen, wo es die unterschiedlichen Angebote zu entdecken gibt. Daher wird es Zeit für eine kleine Hilfestellung an alle Neu-Weddinger…

Kommentar zur Lebensmittelverschwendung

Meinung Es war einer dieser Abende, an denen alles mit einem unverfänglichen Gespräch zwischen Fremden begann und mit einer leeren Weinflasche endete. Irgendwann drehte sich das Gespräch um die Verschmutzung der Meere, Klimawandel und das eigene Konsumverhalten. Hitzig wurden Maßnahmen debattiert, für die jedoch immer ein Gegenargument in irgendeinem Teil der Wertschöpfungskette lauerte. Fast zynisch schauten wir alle auf die leere Flasche Wein, bis sich eine der Beteiligten verabschiedete: „Das, was momentan passiert, ist schrecklich, aber was kann ich tun?“

Mit einer App Weddinger Lebensmittel retten

Jährlich werden mehr als ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weltweit weggeworfen. Die App Too Good To Go versucht dem entgegenzuwirken, indem Betriebe überschüssiges Essen kurz vor Ladenschluss zu einem günstigeren Preis anbieten. Besonders Cafés, Supermärkte und Bäckereien im Wedding stehen nun im Fokus des Managements. Bereits 17 Betriebe – darunter Cafés, Ketten und Caterer – haben ein Profil in der App. 

Rettet Obst, rettet Brot, rettet Gemüse!

Angebot einer Lebensmittelretterin auf der Weddingweiser Pinnwand. Screenshot: Hensel
Ganz privat gerettet: Angebot einer Lebensmittelretterin auf der Weddingweiser Pinnwand. Screenshot: Hensel

UPDATE August 2017 Im Internet läuft derzeit eine Crowdfunding-Aktion für den SirPlus Shop. Auf der Plattform Startnext sammeln Raphael Fellmer, Alexander Piutti und Martin Schott Geld, um einen Supermarkt für vor der Mülltonne gerettete Lebensmittel zu eröffnen. Nach wenigen Tagen kamen 50.000 Euro zusammen. Während die einen das Projekt toll finden, gibt es auch viele kritische Töne. Besonders auf der Weddingweiser Pinnwand wird heißt diskutiert.

Die Lebensmittelretter von der Pinnwand

Der Kühlschrank ist voll. Wird auch alles verbraucht? Foto: Hensel
Der Kühlschrank ist voll. Wird auch alles verbraucht? Foto: Hensel

Rettet die Wale, rettet den Regenwald, rettet das Huhn – das sind die drei Dinge, die der großen Suchmaschine als erstes einfallen, wenn es um Rettung geht. Auf der Weddingweiser Pinnwand gilt das nicht. In der öffentlichen Facebook-Gruppe werden hauptsächlich Lebensmittel gerettet. Jutta hat gerettete Suppe zu verschenken, Franziska hat geschroteten Grünkern abzugeben, Carmine viel Rucola und ein Toastbrot vor dem Müll bewahrt … Die Foodsaving-Community ist in Berlin sehr groß – und in Wedding und Gesundbrunnen offenbar besonders aktiv.

GESCHLOSSEN: „Dickes Bee“: Gemeinsam kaufen und gut essen

bee1Seit 2011 gibt es „Dickes Bee“, eine Food-Coop. Das ist eine Gruppe von etwa 40 achtsamen Essern, die gemeinsam Lebensmittel bestellt: bio, regional, saisonal, vegetarisch, fair produziert. Der Lebensmittelerwerb wird dabei eine besondere Aktivität, an dessen Ende verantwortungsvoller, gesunder und schmackhafter Genuss und neue Freunde stehen. Simone Lindow (Text) und Benjamin Renter (Foto) trafen die Mitglieder Willem und Marijn, probierten Pastinaken-Chips und fragten nach.