Zwei Jahre Gnadenfrist für die Gerichtshöfe

Der Eingang zu den Gerichtshöfen von der Gerichtstraße. Foto: Hensel
Der Eingang zu den Gerichtshöfen von der Gerichtstraße. Foto: Hensel

Die Gerichtshöfe werden saniert. Die Eigentümerin hat den angekündigten Umbaustart nun aber überraschend um zwei Jahre verschoben. Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Gesobau will noch einmal mit den Mietern – unter diesen vor allem mit den Künstlern – reden. Zuvor hatte die Gesobau am 1. November den Mietern auf einem Info-Abend ihre umfangreichen Sanierungs- und Umbaupläne vorgestellt. Die Künstler in den Gerichtshöfen befürchteten daraufhin, verdrängt zu werden. Die Gesobau erklärt nun, auf die Einwände der Künstler eingehen zu wollen.

Kolumne: Ungesunde Mischung

Warum Neubau keinen Jubel auslöst

Jetzt geht‘s also richtig los! Die landeseigene Wohnungsgesellschaft Gesobau errichtet an der Uferstraße und der Bornemannstraße 180 Wohnungen. Das wäre angesichts des angespannten Wohnungsmarktes auch im Wedding eigentlich ein Grund zur Freude. Immerhin verspricht die Gesobau, dass ein Drittel ihrer Neubauwohnungen durch die Wohnungsförderung des Landes Berlin für durchschnittlich 6,50 Euro pro Quadratmeter vermietet werden sollen.

Doch so richtig will sich Jubel nicht einstellen.

Schillerhöhe: die kleine Trabantenstadt des Wedding

St Aloysiuskirche Schillerpark
Ansprechend: St Aloysiuskirche

Dort, wo der Wedding wie eine gesichtslose und ein wenig spießige Vorstadt wirkt, wo man nicht genau weiß, wo Berlin-Mitte aufhört und Reinickendorf beginnt, ist wenige Jahre nach den Kriegszerstörungen ein damals beispielgebendes Siedlungsprojekt realisiert worden. Das waren noch Zeiten, als der Berliner Senat eine aktivere Wohnungsbaupolitik betrieben hat. Nach damals modernsten Grundsätzen entstand so ab dem Jahr 1955 die Siedlung Schillerhöhe im Wedding…

Die Kolumne: Das Wunder vom Wedding

Gesobau erwirbt vom Bund Wohnungen

Cite Joffre TourcoingstrEs geschehen noch Wunder. Auch im Wedding. Da hat doch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) nicht wie sonst üblich nach Höchstgebot verkauft, sondern der Gesobau die 84 Mietwohnungen im Quartier Cité Wedding zum Verkehrswert überlassen. Ein Deal mit Signalwirkung. Sollte ihn das Finanzministerium abnicken, dürfte es der BImA bei künftigen Verkäufen schwer fallen, ihre Berliner Liegenschaften ausschließlich an den Meistbietenden zu veräußern. Was in der Regel zur Folge hatte und hat, dass dort hochpreisiger Neubau entsteht oder die dort wohnenden Menschen mit Mieterhöhungen konfrontiert werden, die sie meist nicht leisten können. Genau das soll den Mietern im Kiez zwischen Londoner und Themsestraße erspart bleiben, die Gesobau versprach, „auf Luxusmodernisierungen, Umwandlungen und Ähnliches zu verzichten“. Ein Präzedenzfall, der auch Druck macht auf all jene Politiker, die glauben, Stadt nur mit Baulöwen entwickeln zu können. Für den Mauerpark allerdings kommt dieses Wunder leider zu spät …
Autor: Ulf Teichert
Die Kolumne erscheint ebenfalls samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.