Sonntagsspaziergang: Wedding am und im Fluss

Unscheinbar, überbaut, keine Einbindung in die übrige Innenstadt – so lieblos zeigt sich der Lauf der Panke auf ihren letzten Metern. Aber nicht nur Weddings einzigem richtigen Fluss, sondern der ganzen Gegend ist durch Kriege und den Mauerbau übel mitgespielt worden. Die dichte Bebauung von einst ist zwar unwiederbringlich verloren, aber die vielen kleinen und großen Sehenswürdigkeiten lohnen trotzdem einen Spaziergang pankeaufwärts.

Wo der Wedding noch flüssig ist: Wirtschaft an der Panke

Die Panke und die Industrie stehen in enger Beziehung zueinander. So bedeutend wie die Panke für die wirtschaftliche Entwicklung Berlins war, so sehr hat der Fluss unter den schädlichen Umwelteinflüssen zu leiden. Nur: wie konnte es dazu kommen, dass der Weddinger Fluss im Volksmund als „Stinkepanke“ bekannt ist? Immerhin wurde im Mittelalter in Bernau, nahe des Panke-Quellgebiets, aus Pankewasser noch besonders schmackhaftes Starkbier gebraut…

Die Panke: Weddings kleiner Fluss

Romantische Ruinen: die Wiesenburg
Romantische Ruinen: die Wiesenburg

Von Bernau bis in den Wedding fließt ein richtiger Bach

Fast 30 Kilometer lang ist ihr Lauf von den Höhen des Barnimplateaus bis an die heutige Mündung im Weddinger Nordhafen: die Panke. Dieser Fluss stand Pate für den Ort Pankow und ist Teil des volkstümlichen Berliner Kulturguts. Nur – von diesem Fluss war jahrzehntelang wenig zu sehen. Zu sehr ist das Wasser durch Industrieeinleitungen und Abwässer verschmutzt worden, sodass die Anwohner um die Wende zum 20. Jahrhundert herum froh waren, dass das als Stinkepanke geschmähte Gewässer verrohrt und kanalisiert wurde.

Dabei ist die Ansiedlung „Weddinge„, die 1251 mitsamt einer Mühle am Fluss Panke erstmals erwähnt wurde, eng mit diesem Flüsschen verbunden. Einst floß die Panke weiter bis vor die Tore Berlins, um dann an der Stelle des heutigen Berliner Ensembles an der Friedrichstraße in die Spree zu münden.

Umspannwerk an der Pankemündung
Umspannwerk an der Pankemündung
Verziertes Brückengeländer
Verziertes Brückengeländer

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Revitalisiert – so soll die Panke wieder ins Bewusstsein der Berliner geholt werden

pankegerichtstrDie Kriegszerstörungen wurden im Wedding genutzt, um den Flusslauf mitsamt einem fast durchgehenden Grünzug freizulegen. Der künstliche Nebenarm von der Schulzendorfer Straße zum Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal fungierte ab 1961 als alleiniger Abfluss der Panke – der Altarm in den Ostteil Berlins wurde kurzerhand abgetrennt. Doch von einer naturnahen Gestaltung kann an der heutigen Panke keine Rede sein. Das einst munter plätschernde, durchaus hochwassergefährdete Flüsschen erinnert heute eher an einen gezähmten Kanal, in dem kein Leben mehr möglich scheint.  Anwohner aus dem Wedding haben sich 2009 zusammengetan, um wieder auf den identitätsstiftenden Fluss aufmerksam zu machen. Im Verein panke.info e.V. wollen die ehrenamtlich Engagierten eine Lobby für ein vernachlässigtes Gewässer bilden. In den nächsten Jahren wird sich das Gesicht der Panke erneut ändern: die Länder Berlin und Brandenburg wollen mit dem Modellprojekt „Panke 2015“ zeigen, wie sie die Wasserrahmenrichtlinie der EU auch in einem stadtnahen Gewässer umsetzen können. Man darf gespannt sein, wie sich Großstadt und Natur an Weddings kleinem Fluss vereinbaren lassen.

Tourenbeschreibungen entlang der Panke

Website des Vereins panke.info e.V.