Schlagworte: Englisches Viertel

Ein entspanntes Frühstück in der Schiller-Oase

Endlich wieder Frühstück in der Schiller-Oase
Endlich wieder Frühstück in der Schiller-Oase

Seit einiger Zeit gibt´s ein neues Schild am Zaun der Schiller-Oase: „Ab 25. Mai Frühstück von 9 – 12 Uhr“. Als Anwohner und Neu-Weddinger, der gerade die Highlights des Bezirks erkundet, wurde ich natürlich sofort doppelt neugierig. Bisher war das Frühstücksangebot in meinem Teil des Weddings gerne türkisch angehaucht: lecker mit frisch gebackenen Simit zum Beispiel – doch sitzt man dabei meist in einem der Frühstücks-Cafés an der Müllerstraße. Und die ist nicht der ruhigste Ort, um bei einem leckerem Frühstück entspannt in den Tag zu starten.

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Mit Druck und Temperatur: Die Espressoambulanz

Stafan Koch vor seinem Laden.
Stefan Koch vor der Espressoambulanz

Muskelkraft statt Kapselkaffee. Wenn man den sieben Quadratmeter kleinen Laden in der Türkenstraße im Wedding betritt, erinnert im ersten Moment vieles an eine Werkstatt: Das Werkzeug, die vielen Metallteile und natürlich das blitzende Chrom. Tatsächlich ist es aber die neue Heimat von Stefan Koch. Und anstatt an altgedienten Autos herumzuschrauben oder kleine Kapseln in kleine Kaffeemaschinen zu schieben, restauriert und repariert er vornehmlich alte Espressomaschinen – genauer gesagt: historische Handhebelmaschinen. Die “Espressoambulanz” – ein einzigartiges Handwerk im Wedding.

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Der 31. Faustball Wedding Cup im Schillerpark

Faustball Wedding-Cup, Schillerpark, (c) privat
Faustball Wedding-Cup, Schillerpark, (c) privat

Auf der Schillerwiese sowie im Stadion Ungarnstraße dürfen an diesem Wochenende wieder ungeniert die Fäuste geschwungen werden. Der Wedding Cup, das weltgrößte Vereins-Faustballturnier findet in diesem Jahr zum nunmehr 31. Mal statt. Organisiert von der Faustballabteilung der Berliner Turnerschaft werden am nächsten Wochenende am 16. und 17. April 2016 mehr als 250 Teams auf insgesamt 19 Spielfeldern gegeneinander antreten. Neben amtierenden Faustball-Weltmeistern wird es auch dieses Mal wieder ein Prominenten-Team sowie weitere kleine Häppchen zu verspeisen geben.

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Centre Français und anderswo: die Fête de la Musique wird bunt!

NettelbeckplatzDie Skandinavier begehen am 21. Juni seit Menschengedenken Mittsommer – während die Franzosen seit 1982 auf Initiative des damaligen Kulturministers Jack Lang ein landesweites, kostenloses Open-Air-Musik-Festival feiern. In keiner französischen Altstadt kann man an diesem längsten Tag des Jahres den musikalischen Klängen entgehen. Ab dem Jahr 1995 hat auch Berlin mit zahllosen Bühnen nachgezogen, und seit ein paar Jahren gibt es auch im Wedding ein paar Ableger dieses stimmungsvollen Festivals.

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Die Kolumne: Das Wunder vom Wedding

Gesobau erwirbt vom Bund Wohnungen

Cite Joffre TourcoingstrEs geschehen noch Wunder. Auch im Wedding. Da hat doch die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) nicht wie sonst üblich nach Höchstgebot verkauft, sondern der Gesobau die 84 Mietwohnungen im Quartier Cité Wedding zum Verkehrswert überlassen. Ein Deal mit Signalwirkung. Sollte ihn das Finanzministerium abnicken, dürfte es der BImA bei künftigen Verkäufen schwer fallen, ihre Berliner Liegenschaften ausschließlich an den Meistbietenden zu veräußern. Was in der Regel zur Folge hatte und hat, dass dort hochpreisiger Neubau entsteht oder die dort wohnenden Menschen mit Mieterhöhungen konfrontiert werden, die sie meist nicht leisten können. Genau das soll den Mietern im Kiez zwischen Londoner und Themsestraße erspart bleiben, die Gesobau versprach, „auf Luxusmodernisierungen, Umwandlungen und Ähnliches zu verzichten“. Ein Präzedenzfall, der auch Druck macht auf all jene Politiker, die glauben, Stadt nur mit Baulöwen entwickeln zu können. Für den Mauerpark allerdings kommt dieses Wunder leider zu spät …
Autor: Ulf Teichert
Die Kolumne erscheint ebenfalls samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Weddinger Kinder gehen baden

 

Leserfoto, Quelle: Mirko
Leserfoto, Quelle: Mirko

Schillerpark-Plansche blieb im Juni gesperrt

Viele Weddinger Eltern fragen sich Jahr für Jahr, wenn im Frühjahr das Thermometer in den sommerlichen Bereich steigt, wann denn die Wasserspielplätze des Bezirks eröffnet werden. Nun teilt das Bezirksamt Mitte mit, dass die Saison der Kinderplanschen im Goethepark (am Dohnagestell) und im Schillerpark (Dubliner Ecke Barfusstr.) am 31. Mai eröffnet wurde. Beide Planschen werden grundsätzlich bei Temperaturen ab 25 Grad von 10 bis 18.00 Uhr betrieben. Die Temperaturvorhersage der RBB-Abendschau vom Vortag ist dabei maßgeblich. Allerdings beginnt der Badebetrieb im Goethepark wegen einer automatischen Steuerung erst, wenn die Mindesttemperatur tatsächlich erreicht ist. Und wenn Gewitter oder Stürme vorhergesagt werden, findet sicherheitshalber gar kein Badebetrieb an den Kinderplanschen statt.

Aufgrund von Vandalismusschäden konnte der Betrieb der Plansche im Schillerpark aber erst im Juli aufgenommen werden. Unbekannte hatten die 2011 für 450 000 Euro sanierte Schillerpark-Plansche kaputtgemacht und drei Sprühköpfe abgetreten, schreibt die Berliner Woche.  Mindestens 12 000 Euro kostet die Reparatur, wie Jürgen Götte vom Grünflächenamt der Berliner Woche sagte. Die Teile mussten jetzt neu angefertigt werden. Das Geld nimmt der Bezirk aus seinen Unterhaltsmitteln für Grünflächen.

Bleiben noch das Strandbad Plötzensee, das Kombibad Seestraße und das Sommerbad Humboldthain. Hier muss man allerdings Preise zwischen 4,00 und 5,50 Euro pro Erwachsenem einkalkulieren…

Wohnungsneubau in besonderer Lage am Schillerpark

Am 13. Mai wurde in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schillerpark der Grundstein für ein neues Bauprojekt gelegt. An sich nichts Besonderes in der boomenden Metropole Berlin – könnte man meinen. Doch das Projekt weist in die Zukunft: 2012 wurde es im Neubauwettbewerb “Bezahlbarer Wohnraum für Berlin” mit dem ersten Preis ausgezeichnet.

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Neue Müllerhalle: Für Nostalgie ist bei diesem Kompromiss kein Platz

Eröffnung noch im Jahr 2013... (Foto: P.Arndt)
Eröffnung noch im Jahr 2013… (Foto: P.Arndt)

Darf man die neue Müllerhalle noch so nennen? Viele Anwohner fremdeln mit dem architektonisch hochwertigen Entwurf, der die obere Müllerstraße wie kaum ein anderes Gebäude prägen wird. Bei einer von der SPD-Fraktion Berlin-Mitte organisierten Veranstaltung am 23. Februar standen Kommunalpolitiker und Abgeordnete sowie eine Vertreterin des Bauherrn Rede und Antwort. Anders als beim städtebaulich missglückten Lidl gegenüber der Einmündung der Kameruner Straße sollen hier die Bürger „mitgenommen“ werden.

Ein Kameramann des RBB filmtDas ist auch dringend nötig, angesichts der Emotionen, die dieser Neubau eines Einkaufszentrums hochkochen lässt. Sogar der RBB hat ein Kamerateam geschickt, um in der Abendschau über die Diskussionsrunde zu berichten. Alle Redner verbinden schöne (Kindheits-)Erinnerungen mit der Markthalle, die seit 1950 einen Kieztreffpunkt darstellte, zuletzt aber einen beispiellosen Niedergang erlebte. Nicht nur ältere Weddinger bekommen glänzende Augen, wenn sie von den drei Fleischern, dem Knöpfeladen und dem Schuster in der alten Müllerhalle erzählen. Die Nachbarn traf man natürlich auch beim Einkaufen und hielt ein Schwätzchen zwischen Fischstand und Currywurstimbiss.

Aus und vorbei. Die Halle ist seit 2012 abgerissen, ein neues Einzelhandelszentrum mit Kaufland als Ankermieter ist seit ein paar Tagen im Bau, nachdem nun die Fundamentbohrungen begonnen haben. Die Vielfalt der Marktstände wird es im autogerechten Neubau nicht mehr geben. „Das Kaufverhalten hat sich geändert“, sagt SPD-Mann Lars Neuhaus. Vergleiche mit den wenigen noch erfolgreichen Berliner Markthallen seien nicht statthaft, findet er: „Wir haben gesehen, dass das alte Konzept in diesem Kiez am Ende nicht funktioniert hat.“

Mehr Lebensmitteleinzelhandel ist nicht mehr zu verkraften

IMG_20130223_120309Mit der jetzt gefundenen Lösung sind die anwesenden Politiker Bruni Wildenhain-Lauterbach (MdA), Stefan Draeger, Janina Körper und Martina Matischok zufrieden – das Wort Kompromiss wird noch oft an diesem Tag fallen. Es sei gerade noch zu verkraften, so viel Lebensmittel-Einzelhandel an einem Straßenabschnitt (Real, Reichelt, Aldi, Lidl und eben Kaufland) – mehr werde hier nicht genehmigt. Kleinteiligen Handel im Windschatten von Kaufland (davon als Rückkehrer der alten Müllerhalle Mc Paper, ein Lotto Toto-Laden, das Reformhaus und der Zeitungsladen) wird es an der Straßenfront auch geben und zur Belebung der Müllerstraße beitragen. Überhaupt, die Müllerstraße: „Die neue Müllerhalle soll nicht zum Verkehrschaos führen“, erklärt Janina Körper, Verkehrsexpertin in der BVV. Nur 188 Parkplätze für Autos, kein riesiges leeres Parkhaus mehr wie im nahen Schillerparkcenter, sowie 54 Fahrradstellplätze kämen modernen Mobilitätsbedürfnissen näher. Parkhaus und kleine Läden nehmen das Erdgeschoss ein, während Kaufland die erste Etage belegt, die die Kunden mit Rollsteigen erreichen. Und schließlich könne man in der neuen Müllerhalle kostenlos parken, erklärt die Kaufland-Vertreterin Meltem Cömertbay – natürlich nur, wenn man dort auch etwas kauft. Sie betont, dass Kaufland als Eigentümer und Hauptnutzer zukünftig auch eine Verantwortung für den Standort und somit ein langfristiges Interesse an einer positiven Entwicklung der ganzen Müllerstraße hat. Eine Beteiligung an Aktivitäten der StandortGemeinschaft sei angedacht. Aber am Niedergang der alten Müllerhalle habe das Unternehmen Kaufland keine Schuld; eine Markthalle mit dem entsprechenden Flair lebe eben von den kleinen Kaufleuten, die es mit ihrem Engagement selbst in der Hand haben, ob dieses Konzept heute noch funktioniert. Die Diskutanten blicken nach vorn: „Schön, dass genau dieser Standort wieder eine Chance erhält!“, bringt es die Kaufland-Vertreterin auf den Punkt. Sie hat an der Beuth-Hochschule studiert und kennt den Wedding und seine Besonderheiten gut.

Kaufland sieht sich nicht als Einzelkämpfer

IMG_20130223_120042Ein solches Zentrum erzeugt zwangsläufig Müll, Lärm und Verkehr. Die Anlieferung erfolgt getrennt für Kaufland in der Lüderitzstraße, für die anderen Händler in der Kongostraße. „Beide Straßen haben Kopfsteinpflaster“, gibt Peter Arndt von der Stadtteilvertretung zu bedenken, „das wird ganz schön laut für die Anwohner!“ In der Lüderitzstraße erfolgt heute schon die Anlieferung für Reichelt, dort kennt man die Lkws, die beim Rückwärtsfahren piepen. Auf der Positivseite für die obere Müllerstraße bleiben aber die ca. 120-150 Arbeitsplätze zu nennen, die durch Kaufland und die kleineren Einzelhändler entstehen oder wieder zurückkehren werden. Die Kaufland-Repräsentantin sieht auch keine Konkurrenz für das sehr hochwertige Angebot wie die Frischfleisch-Bedientheke bei Reichelt, da Kaufland mit abgepackten Produkten ein anderes Geschäftsmodell verfolge. Das Unternehmen habe das Umfeld genau untersucht und will sich dort langfristig engagieren: „Wir können mit der relativ kleinen Verkaufsfläche von knapp 4500 qm gut umgehen“, sagt Meltem Cömertbay und ist sich sicher: „Wir passen gut in diesen Kiez!“ Wenn alles klappt, könnte noch vor Weihnachten 2013 die Eröffnung gefeiert werden.

Nicht alle Anwohner gewöhnen sich daran, dass für dieses moderne, grau verklinkerte Einkaufszentrum der Begriff „Neue Müllerhalle“ verwendet wird. Nostalgische Gefühle und der immer noch präsente Verlust eines Ortes der Kommunikation im Kiez stehen für viele im Vordergrund. Da kommt manches Gerücht gerade recht, das die Bezirkspolitiker aber umgehend ausräumen: eine Moschee in Nachbarschaft des Einkaufszentrums ist definitiv nicht geplant.

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Müllerhalle Kaufland
Quelle: Kaufland

http://weddingweiser.wordpress.com/2012/04/12/die-mullerhalle-ende-eines-trauerspiels-beginn-des-kommerzes/

http://weddingweiser.wordpress.com/2012/07/11/abschied-von-der-mullerhalle/

 

Hasina EATERY: bengalisch-mexikanische Fusion im Wedding

Das Ehepaar Amin
Das Ehepaar Amin

„Zuerst wollten wir ein rein veganes Restaurant eröffnen“, sagt Shorab Amin. Doch im nördlichen Wedding, eher ein ruhiges Wohngebiet als eine aufregende Restaurantmeile, dürfte die Zeit dafür noch nicht reif sein. Gemeinsam mit seiner Frau Jesmin hat Shorab Amin nun ein indisch geprägtes Restaurant mit mexikanischem Einschlag eröffnet. „Alkohol gibt es bei uns keinen, und auch das Geflügelfleisch ist nach Halal-Prinzipien geschlachtet“, erklärt der gebürtige Bangladeshi, der schon seit über 20 Jahren im Wedding wohnt. Nicht nur die Küche mit vegan/vegetarischem Schwerpunkt setzt an der nördlichen Müllerstraße, Nähe Schillerpark, einen außergewöhnlichen Akzent, auch die Einrichtung kann sich sehen lassen: „Das geht auf das Konto meiner beiden Töchter“, sagt Shorab Amin stolz. Anders als in den meisten anderen indischen Restaurants verzichtet das Team der Hasina Eatery auf die typischen orange-gelben Farbtöne, sondern setzt auf dunkle Möbel und die Farbe violett.

Schönes Esslokal

Der Name Hasina Eatery bedeutet übrigens schlicht „schönes Esslokal“ und verspricht nicht mehr und nicht weniger als leckere Gerichte. Hier heißt das: Fusion-Küche mit klassischen ayurvedischen Spezialitäten aus der Region um den Golf von Bengalen, mexikanische Nachos oder Enchiladas. „ Alle Speisen sind frei von künstlichen Zusatzstoffen, Farbstoffen und Geschmacksverstärkern“, betont das Ehepaar Amin. Mal sehen, ob das Experiment im Englischen Viertel gelingt. Wer mit indischer Küche schlechte Erfahrungen gemacht hat, kann übrigens ganz beruhigt sein: zu scharf sind die Speisen auf keinen Fall, eher ausgewogen gewürzt.

Nachtrag: nach einem Brand im Sommer 2014 ist die HASINA EAYTERY seit 10. Dezember 2014 wieder geöffnet.

Hasina EATERY

Facebookseite

Ofener Straße 2/Nähe Müllerstraße.

Tel. 915 05 121

Öffnungszeiten: Di-Sa 12-14.30, 17- 22 Uhr geöffnet und am Sonntag von 12:00-22:00, Mo Ruhetag

“UNIKAT”: Handgefertigte Einzelstücke und neues Leben für alte Taschen

C.Hildebrandt (links) und K.Fuchs-Fischer (Foto: Unikat)
C.Hildebrandt (links) und K.Fuchs-Fischer (Foto: Unikat)

Zu Constance S. Hildebrandt und Katrin Fuchs-Fischer kann man kommen, wenn man eine Idee für die ideale Tasche im Kopf hat. Diese beiden Frauen verstehen ihr selten gewordenes Handwerk, denn sie haben es noch zu DDR-Zeiten beim Betrieb “Berliner Lederwaren” gelernt. “Wir entwerfen die dafür erforderlichen 40 bis 50 Einzelteile und konstruieren das Einzelstück bis zur letzten Naht”, erklärt Katrin Fuchs-Fischer. Sie hat Täschnerin gelernt und später ein Ingenieurstudium absolviert. Auch Constance S. Hildebrandt ist Diplom-Ingenieurin für Lederverarbeitung – sie ist in der Lage, mit Materialien wie Krokodil-, Schlangenleder, Straußenbeinen, Hühnerfüßen oder Aalhäuten umzugehen. Die alles entscheidende Schnittkonstruktion ist das A und O, und nur so lässt sich auch die ausgefallenste Tasche realisieren: “Wir haben für einen Medizinstudenten schon einmal eine Tasche in Form einer Leber mit abnehmbarer Gallenblase hergestellt”, erinnert sich Constance S. Hildebrandt, die sich über kompliziert wirkende Aufträge sichtlich freut: “Da kommt der Ehrgeiz heraus”, sagt sie. “Andere Taschenmanufakturen schicken ihre Kunden zu uns, weil nur wir nahezu alles umsetzen können.”

Fachwissen trifft Maschinen

Die Hebeschere
Die Hebeschere

Dafür besitzen die beiden Taschenexpertinnen nicht nur das Know-How, sondern auch die erforderlichen Maschinen. Im Kellerraum ihrer Werkstatt haben sie eine beeindruckende Sammlung zusammengetragen: eine Handhebeschere, eine Schärf- und natürlich auch eine Nähmaschine. Nicht nur für kreative Privatkunden, die eine möglichst individuelle Tasche in Auftrag geben, ist die UNIKAT-Manufaktur eine ideale Anlaufstelle, sondern auch für Modeschöpfer wie Michael Michalsky, für den die beiden Diplom-Ingenieurinnen Prototypen gefertigt haben: “”Wir bringen es für den Kunden auf den Punkt, dass es nachher genauso aussieht wie bei den großen Firmen – da können wir mithalten”, sagt Constance Hildebrandt nicht ohne Stolz.

Taschen, die einem ans Herz gewachsen sind

Die "Dali-Tasche mit Künstler-Signatur
Die “Dali-Tasche mit Künstler-Signatur

Der Laden befand sich zunächst in der Auguststraße in Berlin-Mitte, aber der Standort hat sich als ungeeignet erwiesen, als die beiden Lederexpertinnen ihr zweites Standbein aufbauten – die Reparatur von alten Taschen und Koffern. “Gerade haben wir eine Tasche zugesandt bekommen, die Salvador Dali entworfen hat “, erklärt Constance S.Hildebrandt. Dieses Einzelstück aus den 60er Jahren trägt grafische Elemente des spanischen Künstlers ebenso wie seine Signatur. “Die Restaurierungen sind zeitaufwändig”, erklärt Hildebrandt. “Allein die Suche nach dem richtigen Pflegemittel ist schwierig. Einmal mussten wir für einen Koffer sogar ein Netz aus gewachstem Garn selbst knüpfen.”

Das lieb gewordene alte Tragebehältnis nicht einfach durch ein neues zu ersetzen liegt im Trend. “Interessanterweise schicken uns gerade Männer ihre Taschen ein”, erzählt Katrin Fuchs-Fischer. “Sie sagen, das Stück ist mit mir durch die ganze Welt gereist und mir ans Herz gewachsen.” Männer sind, so glauben die beiden Taschenherstellerinnen, der Mode nicht im gleichen Maße wie Frauen unterworfen. Doch für Kunden beiderlei Geschlechts gilt: wer mit seiner alten Tasche etwas verbindet, ist auch bereit, für die Reparatur mehr zu bezahlen als den ursprünglichen Anschaffungspreis. Diese Kunden kommen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum.

Ein Raum mit Atmosphäre

Der großzügige Arbeits- und Verkaufsraum
Der großzügige Arbeits- und Verkaufsraum

Der schöne Laden in einem Backsteineckhaus aus den 1920ern Jahren hat Constance Hildebrandt und Katrin Fuchs-Fischer auf Anhieb überzeugt: “Wir haben uns in die Architektur sofort verliebt”, sagen die beiden Expertinnen. Hier können sie im Keller ungestört an den Maschinen arbeiten, während das Erdgeschoss als Raum für Kundenkontakte dient. Eine Galerie bietet Rückzugsmöglichkeiten für die Büroarbeit und die Bearbeitung der Bestellungen. Dank fester Öffnungszeiten können die Kunden ihre alten Taschen bringen und die reparierten Stücke wieder abholen. Beide Ladeninhaberinnen wohnen nicht im Wedding, aber Constance Hildebrandt sagt: “Für diesen schönen Raum am Schillerpark nehme ich gerne einen 30 Kilometer langen Arbeitsweg in Kauf.”

Eine eigene Kollektion hat die UNIKAT Manufaktur nicht. Ein Schaufenster sucht der Passant daher vergebens. Ihren Ruf verdanken Constance S.Hildebrandt und Katrin Fuchs-Fischer vielmehr den perfekt ausgeführten Reparaturen und der Fertigung höchst individueller Einzelstücke. Und so ist jedes Behältnis, um das sie sich kümmern, tatsächlich – ein Unikat!

UNIKAT manufaktur

unikat-taschenmanufaktur,de

taschenreparatur.de

Dubliner Str. 7, 13349 Berlin, U-Bahnhof Rehberge

Öffnungszeiten: Mo,Di,Mi,Fr 10-18 Uhr, Do 12-20 Uhr, nach Vereinbarung

Tel.: 030 978 94 504