Wedding am Wasser: Der Plötzensee, nicht einfach irgendein See…

Jedenfalls ist er kein Baggersee und schon gar kein künstlich aufgestauter Weiher! Der einzige natürliche See in Berlin-Mitte ist nämlich stolze 740 Meter lang und 7,85 Hektar groß. Wie auch viele brandenburgische Seen ist die „Plötze“ ein Relikt der Eiszeit. Das beliebte Ausflugsziel hat aber weder einen Zu- noch einen Abfluss. Früher war der See für seinen Fischreichtum bekannt – daher auch die Bezeichnung nach dem Karpfenfisch Plötze…

Aktiv im und auf dem Wasser

Am Plötzensee
Strandbad Plötzensee

Bereits seit 1877 existiert ein Freibad, dessen Vorläufer ein Sportlehrer namens Auerbach unter dem Namen Auerbachsches Wellenbad eröffnete. Im Stil der Neuen Sachlichkeit wurde es an der Westseite des Sees bis 1928 neu gebaut. Die denkmalgeschützte Anlage ist in U-Form rund um eine Freitreppe errichtet. Doch nicht nur Baden ist am Plötzensee angesagt: an der Südspitze nahe der Seestraße gibt es eine urige Kneipe im Bootshaus, die Fischerpinte. Dort werden Tretboote und Ruderboote verliehen, wovon viele Weddinger und Besucher an Sommertagen regen Gebrauch machen. An der Ostseite ist ein Park mit einer großen Sonnenterrasse angelegt worden, von wo aus man einen direkten Blick auf das gegenüber liegende Freibad hat.

Foto (c) Musketussi
Foto (c) Musketussi

Auch wenn der Plötzensee im Sommer von Hunderten Menschen umlagert ist, scheint das eine Schildkrötenfamilie nicht im Geringsten zu stören. Eigentlich kommt in der Natur Deutschlands nur eine Sumpfschildkrötenart vor, doch ein Naturfotograf hat im Jahr 2011 ganze elf Rotwangen-Schildkröten im Plötzensee ausfindig gemacht. Und beim ersten Sonnenstrahl muss man am Ufer nicht lange suchen, um die urigen Reptilien auf einem im Wasser treibenden Baumstamm beobachten zu können.

Einmal rund um den See

Plötzensee (C) Christina Winter
(C) Christina Winter

Den Plötzensee kann man zu etwa zwei Dritteln umrunden; ein Startpunkt ist die Ecke Nordufer/Seestraße, wo sich die Fischerpinte befindet. Hier startet auch die Hans-Schomburgk-Promenade, die nah am See entlang führt und gartenbaulich gestaltet ist.  Naturkundliche Tafeln liefern Erklärungen für die beachtliche Flora und Fauna an diesem innerstädtischen See. Auf der Stirnseite des Sees streift die Promenade eine aufgegebene Friedhofsanlage, die vor sich hin wuchert. Wo der Weg, ein wenig abseits vom See, auf die Straße Nordufer trifft, kann man im Biergarten Kastaniengarten einkehren. Ab hier bleibt man zwar in Seenähe, doch es geht links eher am Hohenzollernkanal entlang.

Die Schleuse Plötzensee
Die Schleuse Plötzensee

Die Straße Nordufer, die hier auch Teil des Radfernwegs Berlin-Kopenhagen ist, führt vorbei an der Schleuse Plötzensee, diversen Sportplätzen, dem Jugendgästehaus Nordufer und dem Eingang zum Freibad. Hier kann man auch einen Blick auf eine kleine Ansammlung von Hausbooten werfen, die auf der anderen Kanalseite im Wasser dümpeln.

Erst spät zu Berlin gekommen

Fischerpinte 3
Bootsverleih an der Fischerpinte

Der Plötzensee gehört im Gegensatz zum Wedding, der schon 1861 nach Berlin eingemeindet wurde, erst seit 1915 zu Berlin. Die Gegend ist Schauplatz einiger denkwürdiger Ereignisse. So begann Wilhelm Voigt sein Husarenstück als „Hauptmann von Köpenick“ justament an der Militärbadeanstalt Plötzensee, wo er am 16. Oktober 1906 fünf Soldaten unter seinen Befehl stellte – um dann die Stadtkasse von Köpenick zu beschlagnahmen. Ganz schön verwegen, und so ist es bis heute geblieben: mit ein wenig Glück kann man nämlich auch ein Alphorn am Seeufer hören….

Eingebettet in eine über zwei Quadratkilometer große Grünfläche, zu der der Volkspark Rehberge, der Goethepark, ehemalige Friedhöfe und zahlreiche Kleingärten gehören, ist der Plötzensee „die blaue Perle“ des Wedding. Und als Landschaftsschutzgebiet definitiv ein Pluspunkt für unseren Stadtteil, der für die Einheimischen ein Stück Lebensqualität ausmacht.

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Plötzensee ist auch der Name der benachbarten Justizvollzugsanstalt, die im Dritten Reich eine unrühmliche Rolle spielte. In unmittelbarer Nähe des Gefängnisses befindet sich heute eine Gedenkstätte für die 3.000 Opfer, die in Plötzensee ihr Leben ließen.

12 Kommentare
  1. […] die Uferpromenade am Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal vom Hauptbahnhof am Nordufer entlang bis hin zum Plötzensee […]

  2. […] zwischen Schiffahrtskanal und Plötzensee ist das Nordufer ein besonders grünes Stück vom Wedding. Sport- und Tennisplätze, das […]

  3. […] so der Barde. „Aber der See, dem ich das Lied widmen wollte, den fand ich nicht – bis es beim Plötzensee klick machte.“ Praktischerweise liegt der See im geliebten Heimatortsteil – von Voßkuhl liebt […]

  4. […] Monat im Wedding wohnt und noch nie dort spazierengegangen ist, könnte die sieben Hektar große Wasserfläche westlich der Seestraße noch nicht kennen. Aber wer bereit ist, den Wedding für einige Meter zu […]

  5. […] Zeit, aber es werden die letzten für sehr lange Zeit sein. Hinter der Verkehrsschneise kommt der Plötzensee in Sicht, ein sieben Hektar großes blaugraues Stück Wedding. Statt ihn zu umrunden, folgen wir […]

  6. […] in der Rehberge joggen, dann die wohlverdiente Dusche. Anschließend schön frühstücken im “Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“. Und nun auf zum Plötzensee, Sonnencreme nicht vergessen und der Sommertag kann kommen. […]

  7. […] der Lesebühne “Fuchs & Söhne” auch regelmäßig mit Freunden zum Baden an den Plötzensee. Außerdem mag er die Rehberge, die er mit einer kleinen Tradition verbindet: “Nach dem […]

  8. @Friedrich

    Gibt es soviele Angler am Plötzensee?

  9. @Joachim Faust

    “Früher war der See für seinen Fischreichtum bekannt”

    Und warum heute nicht mehr?

    Gibt es hier einen Fischexperten, der es mir erklären kann?

    1. tendenziell sind aufgrund der hohen bevölkerungsdichte in deutschland alle gewässer überfischt. ohne regelmäßigen besatz mit zuchtfischen sähe es vielerorts sehr traurig unter der wasseroberfläche aus.

    2. Zitat“ “Früher war der See für seinen Fischreichtum bekannt”
      Und warum heute nicht mehr?

      Wo steht denn bitte im Text das heute dort kein Fischreichtum mehr herrscht. Heute, 2016 sind vermutlich mehr Arten im See als früher, was auch immer Früher bedeuten soll.
      Es gab vor einigen Jahren (ca 2000) eine Bestandsaufnahme der Fische vom IGB-Berlin. Da wurden 15 Fischarten im Plötzensee nachgewiesen, bis dahin waren nur 10 Arten im See bekannt. Ob nach dem große Aalsterben, diese aber noch vorhanden sind, ist mir nicht bekannt.
      Aufgrund des großen Laubeintrages und der Uferverwüstung durch die größtenteils rücksichtslosen Besucher, die über die Absperrungen klettern, ist es aber nur eine Frage der Zeit bis der kleine See entgültig Verschlammt und es zu einem totalen Fischsterben kommen wird, wenn es keinen Sauerstoffeintrag mehr gibt.

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: