Kastaniengarten: Im Schatten des Wedding

Berlin hat, was viele nicht wissen, eine ebenso reiche Biergarten-Tradition wie München. Eine Ahnung davon vermitteln der Prater und der Pfefferberg in Prenzlauer Berg oder, als Beispiel aus jüngerer Zeit, das Eschenbräu in der Triftstraße im Wedding. Doch nun ist ein weiteres Lokal als Ausflugsziel wieder hinzugekommen…

Kastaniengarten 1Die „Kafé Küche“ an der Bibliothek am Luisenbad erinnert noch daran, dass an dieser Stelle einst ein riesiger Biergarten zum Sonntagsvergnügen des kleinen Mannes einlud. Am anderen Ende des Wedding, am Nordufer, kann der idyllisch gelegene Kastaniengarten ebenfalls auf eine lange Geschichte zurückblicken. Von 1906 – 46 befand sich auf einem Gelände zwischen dem Plötzensee, dem Strandbad und dem Berlin Spandauer Schiffahrtskanal eine erste Ausflugsgaststätte. Ab den 1950er Jahren errichtete die öffentliche Hand ein festes Gebäude und verpachtete es.  Die Randlage zwischen Schleuse, Sportgelände und Kleingärten führte zu häufigen Besitzerwechseln. Erst als vor ein paar Jahren ein Investor das Gelände kaufte, total sanierte und 2012 ein bayerisch anmutendes Lokal mit Außengastronomie eröffnete, wurde der „Kastaniengarten“ wieder ein verlässliches Ausflugsziel im Grünen, ideal am Radfernweg Berlin-Kopenhagen gelegen.

Paulaner-Bier vom Fass, ein deftiges Speisenangebot aus der Fritteuse und vom Grill (ohne kulinarische Experimente), vor allem aber die Möglichkeit, unter schattigen Kastanien zu sitzen, sind vielleicht Grund genug, für diesen Biergarten in den äußersten Westen des Wedding zu kommen. Der Kastaniengarten ist ein Beispiel für eine gelungene Ausflugsgastronomie, die allein schon durch die naturnahe Lage punkten kann. Sauber und nicht überteuert ist der Kastaniengarten auf jeden Fall. Ob es denn immer der bayerische Touch sein muss, ist allerdings Geschmackssache. Eine Besinnung auf die Berliner Biergartentradition wäre sicher auch einen Versuch wert. Schließlich brauchen die Bewohner dieser Stadt keine Blasmusik und keine Lederhosen, um sich pudelwohl zu fühlen…

Kastaniengarten

Nordufer 29

Saisonale Öffnungszeiten von März – Oktober, derzeit täglich 12- 20 Uhr

Website

11 comments

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  5. Moritz

    Nachtrag:

    Bis Berlin allerdings wieder der “ Stand “ von München erreicht brauchen wir sicherlich noch Jahrzehnte 🙂

    http://www.biergärtenmünchen.de/Hauptseite

    Hier meine persönliche Empfehlung in München:

    http://www.zurgeyerwally.de/

    Und so etwas könnten wir in Berlin auch gebrauchen:

    http://www.biergärtenmünchen.de/Bierpreise

    Was die Brauereien betrifft, da holt Berlin langsam wieder auf;

    http://www.muenchenwiki.de/wiki/Brauereien

    https://www.vlb-berlin.org/berliner-brauereien

  6. Moritz

    Lieber Massimo,

    vielleicht solltest Du auch einmal über den Münchener Tellerrand schauen:

    Berlin hatte im 19 Jahrhundert über 360 Brauereien mit den normalerweise dazugehörigen Biergärten:
    http://berliner-unterwelten.de/berlin-und-seine-brauereien.1518.0.html

    Und die höchste Brauereidichte in Deutschland, bzw. Europas mit den dazu gehörigen Biergärten ist in Franken zu finden:
    http://www.braukultur-franken.de/fraenkische-braukultur/bierfranken/bierfranken.html

    Das die Münchener, dies nicht sehr gerne hören wollen ist verständlich bei der dortigen Bussi-Bussi Gesellschaft

    Auch wenn der “ Biergarten “ mehr oder weniger im Isarkreis erfunden wurde:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Biergarten

    So ist die Biergartenkultur in München kein “ Monopol “ der Oberbayern, außer man trägt das Dirndl und die Krachleder 🙂

    Mit oans, zwoa, g’suffa

    wünsche ich Dir viel Spaß mit

    • Rosa

      Danke Herr Lehrer,

      meine Mama ist aus Oberfranken, und vom Opa durfte ich mir diesen Senf auch schon immer anhören :-/

      Im Text kann ich dazu aber keinen Bezug finden, da ist die Rede von München als Vergleichort zu Berlin.
      Also erstmal lesen lernen, bevor man andere zum „über den Tellerrand gucken“ schickt.

      Mein Lieblingsbiergarten ist die Theta in der Nähe Bayreuths – das ist allerdings der direkte Gegenentwurf zur „ulkigen“ Geyerwally in München. D.h. man kann beide nicht vergleichen.

  7. Massimo

    Was hat der Verfasser den gegen Blasmusik?
    Sollen die lieber allgegenwärtigen Deep-House spielen? 😉

    Trotz allem ist es in meinen Augen ziemlich vermessen, die Berliner Biergarten-Kultur mit der Münchener zu vergleichen.
    Oder hat Berlin jetzt auch eine lange und erwähnenswerte Karnevals-Kultur?
    Und einmal im Jahr gibt es ein großartiges Hafenfest, nicht wahr?
    Man bekommt den Eindruck, Berlin hat vor allem ’ne Kultur sich immer am wichtigsten zu nehmen, und dabei nicht über den Tellerrand zu schauen.

  8. Moritz

    Lieber Herr Faust,

    herzlichen Dank für diesem Tipp.

    Was allerdings diesen Satz betrifft:

    „Schließlich brauchen die Bewohner dieser Stadt keine Blasmusik“

    Was haben Sie gegen Blasmusik??

    http://www.woj-berlin.de/

    http://www.blasorchesterberlin.de/

    http://www.blasorchester-hastetoene-berlin.de/

    Am Freitagabend gab es in der Togostr. auch ein Blaskonzert:
    http://galerie-franzkowiak.de/ausstellungen/

    mit der http://www.zentralkapelle.de/willkommen/

    Und vielleicht sollte Ihnen das http://www.fbob.de/ einmal den Marsch blasen vor lauter “ Rückständigkeit “ 🙂

    Aber im Wedding (Weiser)kommt eben alles später

    Daher zur Empfehlung den Wedding Marsch von Richard Wagner:
    http://www.edrmartin.com/de/partitur-wedding-march-von-richard-wagner-fur-blasorchester-13717.html

    Und vielleicht gibt es bald auch ein Sinti und Roma Blasorchester im Wedding:

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne: