Die Sache mit den Einkaufswagen

Seit gut zwei Jahren haben einige Discounter, Supermärkte, Möbelhäuser und Baumärkte in bestimmten Teilen des Weddings ein gravierendes Problem: Einkaufswagen-Diebstahl. Denn dieses praktische Gefährt wird vielerorts schon lange nicht mehr nur im Geschäft selber genutzt, sondern dient scheinbar auch vielen Weddingern als Transporthilfe, Umzugswagen, Möbel, Mülltonne, Schlafplatz , Grill, Taxi oder Wertanlage. Manchmal stehen sie auch unmotiviert in Grüppchen auf den Gehwegen herum. Warum das nicht nur ein optisches Ärgernis ist, erfahrt ihr hier. Eine Bildersammlung gibt es am Ende des Textes.

1. Es kostet die Einzelhändler viel Geld

Dies bestätigt auch eine Sprecherin von real auf Anfrage des Weddingweisers für die Filiale im Schillerpark-Center: „Jährlich werden einige hundert Einkaufswagen komplett gestohlen. Da jeder Einkaufswagen rund 250 Euro kostet, ist dies ein nicht unerheblicher Schaden. Das Entfernen eines Einkaufswagens vom Unternehmensgelände ist unseren Kunden daher untersagt.“ Ein riesiger Sachschaden im Wedding, aber auf ganz Deutschland bezogen werden Jahr für Jahr ca. 100.000 Wagengeklaut, was einen Schaden von mindestens 15 Millionen Euro verursacht – Tendenz und Kosten steigend (Quelle: Neue Westfälische).

 

2. Es ist eine Straftat

Einkaufswagen wurden 1937 in den USA als reine Einkaufshilfe erfunden, bei uns sind sie für manche aber längst zu einem Multifunktions-Wagen mutiert.

 Auch wenn manche Nutzung ganz witzig klingt, die Mitnahme vom Markt ist offiziell Diebstahl und somit eine Straftat (wenn es nachgewiesen werden kann). Bei Wiederholungstätern kann das Strafmaß bei bis zu 5 Jahren Freiheitsstrafe liegen und empfindliche Geldstrafen nach sich ziehen. Die Handelsketten haben herausgefunden, woran es liegt, dass die Wagen mitgenommen werden: Manche Kunden glauben, dass sie die Nutzung des Wagens mit 50 Cent, 1 oder 2 Euro den Wagen „kaufen“
.

3. Die Wagen fehlen im Markt

„Das Abhandenkommen unserer Einkaufswagen ist für uns immer sehr unglücklich“, teilt uns Kaufland auf Anfrage mit. „Wir möchten unseren Kunden nämlich immer ausreichend Einkaufswagen zur Verfügung stellen.“  Und für die ebenfalls von uns zu diesem Thema befragte Kette real teilt mit: „Regelmäßig müssen vom Gelände des Weddinger Marktes entfernte Wagen zeitaufwändig wieder eingesammelt und zurückgebracht werden.“ Klar, das kostet auf die Dauer auch einiges. Und darum freuen sich die Einzelhändler, wenn sie von heimatlos gewordenen Einkaufswagen Kenntnis bekommen: „Für Hinweise zu Standorten von wild abgestellten Einkaufswagen sind wir immer sehr dankbar“, schreibt uns Kaufland.

4. Es ist ein Verkehrsrisiko

Viele Obsthändler nutzen alte Modelle als Auslage und Obstständer. Das ist rechtens, da man alte Wagen bei verschiedenen Anbietern kaufen kann.

 Aber: Das Verkehrsrisiko ist nicht zu unterschätzen. Es passieren immer wieder Unfälle, wenn Radfahrer in die Wagen fahren oder herrenlose Wagen (bei viel Wind oder falscher Handhabung durch Kinder) zur Gefahr im Straßenverkehr werden.

5. Es sieht hässlich aus

Die Metallgerippe auf Rollen tragen nicht gerade zu einem hübschen Straßenbild bei. Und wo ein Einkaufswagen abgestellt wird, gesellen sich oft mehrere dazu und versperren den Weg für Rollstuhlfahrer, Eltern mit Kinderwagen oder auch ganz normale Fußgänger. Oder sie werden sofort als Mülltonne umfunktioniert. Klar, wer kein Auto hat, ist froh, die Einkäufe bequem nach Hause rollen zu können, aber dann heißt es eben auch: nochmal zurück und das fremde Eigentum wieder dahin bringen, wo er benötigt wird: in den Supermarkt.

Text: Sebastian Wischmann / Joachim Faust, Fotos: Sebastian Wischmann

Ganz normal auf Weddinger Straßen


6 Kommentare
  1. Ich habe heute an der Panke einen Einkaufswagen von Lidl gefunden und zu Lidl gebracht. Jetzt hätte ich gerne einen Orden. Oder gibt es Finderlohn? 🙂

    1. Da musst Du mal im Lidl beim Filialleiter fragen. Viel Glück!

  2. Guter informativer Beitrag. Meine Erfahrung ist, dass die Wagen irgendwann selber von der Straße verschwinden. Ordnungsamt, BSR oder Weiterverwendung durch andere weiß ich nicht zu sagen.
    Vorschlag für deinen nächsten Beitrag: Herumstehende Leihfahrräder. Da der größte Teil des Wedding außerhalb des S-Bahn-Rings liegt, werden sie dort nicht mehr abgeholt.

    1. So was ähnliches hatten wir schon mal. .. https://weddingweiser.de/2018/05/30/leihrad-kostenlos/

  3. Hallo Jupp,

    die Antworten auf deine Fragen stehen alle im Beitrag!
    „Regelmäßig müssen vom Gelände des Weddinger Marktes entfernte Wagen zeitaufwändig wieder eingesammelt und zurückgebracht werden.“ Klar, das kostet auf die Dauer auch einiges. Und darum freuen sich die Einzelhändler, wenn sie von heimatlos gewordenen Einkaufswagen Kenntnis bekommen: „Für Hinweise zu Standorten von wild abgestellten Einkaufswagen sind wir immer sehr dankbar“, schreibt uns Kaufland.

  4. Wie sieht die Lösung bei rumstehenden Wagen aus??

    Info ans EKZ oder Info an via App ans OA??

    Und was passiert dann? Entsorgung oder Rückgabe?

Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

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