Widerstandskämpfer werden mit Weg geehrt

Am 8. April diesen Jahres jährte sich der Todestag Elise und Otto Hampels zum 75. Mal. Das Ehepaar aus der Amsterdamer Straße 10 wurde 1943 in Plötzensee wegen „Zersetzung der Wehrkraft“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ hingerichtet. Zur Erinnerung an das Weddinger Arbeiterehepaar soll der Teil der Limburger Straße neben dem Rathaus Wedding nach ihnen benannt und dort eine Gedenkstele errichtet werden.

U 6 schon wieder gesperrt – Chaos vorprogrammiert

Weil die BVG plant, drei Weichen im Bereich des U-Bahnhofs Seestraße zu erneuern, wird der Zugverkehr vom 16. bis 29. Januar zwischen Kurt-Schumacher-Platz und dem S-Bahnhof Wedding eingestellt. Als Ersatz fahren Busse. Oder sollte man lieber sagen: sie stehen auf der Müllerstraße? Gleich am ersten Tag brauchten Fahrgäste bis zu einer Stunde länger – um in einen Ersatzbus zu steigen!

Sperrung auf der nördlichen U 6

U-Bahnhof Afrikanische StraßeAchtung BVG-Fahrgäste im Berliner Norden, ihr müsst sehr tapfer sein! Am U-Bahnhof Afrikanische Straße wird ein Fahrstuhl eingebaut und Weichen werden erneuert. Um Baufreiheit zu haben, wird der U-Bahnverkehr der Linie U 6 vom Montag, 7. November bis einschließlich Donnerstag, 24. November dort unterbrochen. Es wird Ersatzbusse Richtung Tegel und Pendelverkehr bis zur Seestraße geben. Wer irgendwie kann, sollte den Bereich umfahren. Oder besser noch: umgehen.

Kombiniere: Saucen im veganen „Falafel Dream 2010“

falafel-dream-2010-c-samuel-orsenneAktualisiert Juli 2017: Alle Speisen sind vegan in Wael Thibs Imbisswagen an der Müllerstraße neben dem Jobcenter Wedding. Vemüse, Valafel, Vöfte und Vöner – hier fängt jetzt alles mit einem „V“ für vegan an. Falafel gibt es inzwischen an jeder Ecke im Wedding. Aber in diesem Imbiss macht die Sauce den Unterschied.

Sanierung gelungen: U-Bahnhöfe im Wedding

Bahnhof Rehberge (C) Stefan Kuhl
Bahnhof Rehberge (C) Stefan Kuhl

Wenn die BVG ihre historischen U-Bahnhöfe saniert, wird das Gesicht mancher Station schon mal bis zur Unkenntlichkeit verändert. Manche architektonische Entgleisung nach früheren Sanierungen oder die Neubauten der 1970er und 1980er Jahre beleidigen das Auge das Fahrgastes auch heute noch. Doch in den letzten Jahren hat sich auch bei den Berliner Verkehrsbetrieben die Sensibilität für die Bewahrung des kulturellen Erbes, das eine über 110 Jahre alte U-Bahn mit sich bringt, erhöht. Sanierte und teilweise in ihren Ursprungszustand zurückversetzte Bahnhöfe wie Mehringdamm, Südstern, Voltastraße oder Gesundbrunnen zeigen: An der Gestaltung der unterirdischen Haltestellen lässt sich ein Stück Zeitgeschichte ablesen, während das an der Oberfläche oft schon nicht mehr möglich ist.

U-Bhf Osloer Str.: Stadtplanung einer unwirtlichen Kreuzung

Wer auf am U-Bahnhof Osloer Straße an der unwirtlich anmutenden Kreuzung steht, kommt nicht auf die Idee, dass die Bauwerke wie das GSG-Haus, das Finanzamt sowie die Wohngebäude aus dem Wiederaufbauprogramm zwischen Schweden- und Osloer Straße in einem städtebaulichen Zusammenhang stehen könnten.

Telefunkenhaus an der Schwedenstr./Tromsöer Str.
Telefunkenhaus an der Schwedenstr./Tromsöer Str.

Der Stadtbaurat James Hobrecht plante 1862 recht breite Ringstraßen um das historische Berlin herum. Eine davon ist die heutige Osloer Straße. Die Frage, warum nun das ehemalige Telefunken- und heutige GSG-Haus aus dem Jahre 1941 so weit von der Straße zurückgesetzt ist, lässt sich einfach beantworten.

1930er: Monumentaler Stadtplatz geplant

Albert Speer, der Architekt für den Ausbau der Reichshauptstadt unter Hitler, hatte an dieser Stelle einen monumentalen Platz vorgesehen, dessen Ostseite nun das Telefunkenhaus bilden sollte. Der zuständige Architekt, der an der Drontheimer Straße in der 1920er Jahren noch im Stil der Moderne baute, passt sich wie viele andere den NS-Machthabern an. So versah er das Gebäude u.a. mit einem überstehenden Schieferdach und kleinen Dachgauben. Die an der Hauswand in den Boden eingelassenen Gitter mit der Aufschrift „Luftschutz“ verweisen darauf, dass es sich hier um ein kriegswichtiges Bauwerk handelte. Telefunken lieferte Röhren und elektrotechnische Geräte für die Kommunikation der deutschen Wehrmacht. In diesem Kontext steht auch die in der NS-Zeit vorgenommene Benennung der Straße nach Tromsö – handelt es sich doch um eine von den deutschen Truppen im Zweiten Weltkrieg besetzte Stadt in Norwegen.

u-bahnhof-osloer-strZu den Eigenheiten des Alltags gehört, dass viele Bewohner die vom U-Bhf. Osloer Straße aus in die Kolonie- und Soldiner Straße möchten, nicht entlang der Osloer Straße gehen. Sie nehmen die Abkürzung über das historische Werksgelände und betreten so ihren Kiez durch den ehemaligen Arbeitereingang von Telefunken.

1950er: Stadtautobahn geplant

Nach 1945 hielten die Ost- wie die West-Berliner Städteplaner an den Verkehrskonzepten der NS-Zeit fest. Allerdings sollte der Ring zwischen der See- und Osloer Straße als Stadtautobahn in Hochlage geführt werden! Was dieser Kreuzung glücklicherweise erspart blieb, ist an einem Modell der Siedlung Schillerhöhe im „Mitte Museum“ in der Pankstraße zu bestaunen, oder aber ganz real an dem durch eine Autobahn überbauten Breitenbachplatz.

Die Kreuzung am U-Bahnhof Osloer Straße
Die Kreuzung am U-Bahnhof Osloer Straße

Um für die Autobahn und deren Zu- und Abfahrten den notwendigen Platz zur Verfügung zu stellen, wurden die 1953 errichteten Wohnbauten des Wiederaufbauprogrammes von der südlichen Seite der Kreuzung zurückgesetzt. Mit der leicht geschlungenen Fassade und den Laubengängen ist dieser Komplex ein typisches Beispiel für die Architektur der frühen fünfziger Jahre in West-Berlin. Dieser optimistischen Nachkriegsplanung fiel im Übrigen die 224. und 229. Gemeindeschule aus der Zeit des Kaiserreiches zum Opfer, die sich nördlich der Kreuzung zwischen Kolonie- und späterer Tromsöer Straße befand.

finanzamt.jpgDas 1968 errichteten kubische mit einer Waschbetonfassade recht einfach wirkende Finanzamt Wedding ist hingegen wieder dicht an die Osloer Straße herangerückt. Es steht für eine Zeit, in der die Planer ihre überdimensionierten Stadtutopien langsam aufgaben oder aufgeben mussten. Man stellte sich der Realität – u.a. eines geteilten Berlins.

Autor: Eberhard Elfert

Mehr über die Seestraße

 

Die Seestraße: Rauschen, aber kein Sandsturm mehr

Genug Platz für Autos, Trams und Mittelpromenade an der Seestraße
Genug Platz für Autos, Trams und Mittelpromenade

Drei Kilometer führt die Seestraße durch den Wedding. Wenn eine Straße die Bezeichnung Achse verdient, dann dieser breite Boulevard mit dem grünen Mittelstreifen, der sogar für Berliner Verhältnisse ausgesprochen großzügig angelegt wurde. Ihren Namen erhielt die Straße erst 1827. Doch an einen See denkt man am allerwenigsten, wenn man heute auf ihr fährt oder sie überquert. Statt vom Wind, der über den namensgebenden Plötzensee streicht, kommt das Rauschen eher vom ständig fließenden Verkehr, denn die Seestraße ist Teil des Straßenrings rund um die Berliner Innenstadt. An ihrem westlichen Ende wird sie, kaum dass sie den Plötzensee seitlich liegen lässt, ohne auch nur einen Knick zu machen, gar zur Stadtautobahn. Bei einer Fahrt auf der Seestraße kann man allenfalls noch einen kurzen Blick auf den tief eingeschnittenen See erhaschen, bevor dann der Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanal überquert wird. Es gab auch einmal einen Kleinen Plötzensee (auf Höhe der Sylter Straße). Dieser wurde aber 1848 zugeschüttet, als der Kanal angelegt wurde.

Wann entstand die schnurgerade Seestraße?

Foto: D_Kori
Foto: D_Kori

Im frühen 18. Jahrhundert hatte man wohl von beiden Enden der Seestraße einen Schlösserblick. Im Westen auf Schloss Charlottenburg, im Osten auf Schloss Schönhausen. Der erste König Preußens, Friedrich I., ließ den Weg anlegen, um die Schlösser direkt miteinander zu verbinden. Denn das Projekt, einen schiffbaren Wasserweg zwischen beiden Residenzen zu schaffen, war nie fertiggestellt worden- so blieb der Panke Schiffsverkehr erspart. Der Weg verlief damals noch weit außerhalb der Mauern Berlins durch die sandige und bewaldete Jungfernheide. Die Kreuzung mit der Müllerstraße, damals eine der ersten Chausseen Preußens, gab es damals schon. Doch bis 1900 stand kaum ein Haus an der kargen Heidelandschaft, deren loser Sand den Anwohnern in die Häuserritzen geflogen wäre. Legendär war das von Ida Hoppe am Eckernförder Platz etablierte Ausflugslokal – zumindest das wäre an diesem heute noch immer unbebauten grünen Fleckchen immer noch denkbar. Anders das östliche Ende: statt wie heute am Kombibad abzuknicken, führte die alte Seestraße durch die heutige Reginhardstraße über Schönholz, um dann am Park Schönhausen zu enden.

Die Seestraße wird zum Teil einer Ringstraße

Prachtvolles Boulevardhaus an der Seestraße
Seestr. Ecke Lüderitzstr.

Die Stadt rückte der Seestraße immer mehr auf den Pelz – 1861 wurde der Wedding nach Berlin eingemeindet. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts änderte die Seestraße ihr Gesicht in vielerlei Hinsicht – sie wurde zum Teil des Straßenrings, wie wir sie heute kennen. Zuerst entstanden ab 1890 Forschungsinstitute, zehn Jahre später die Krankenhausstadt des Virchow-Klinikums. Gerade entsteht ein Laborgebäude des Robert-Koch-Instituts und führt die Forschungstradition dieses Teils des Weddings weiter. Seit 1901 endet die Straße am heutigen Louise-Schroeder-Platz, knickt nach Osten ab und geht als Osloer bzw. Bornholmer Straße in Richtung Prenzlauer Berg. 1957 wurde dann aus dem abgeschnittenen Stück Seestraße die Reginhardstraße.

Grün trotz Straßenbahn
Grün trotz Straßenbahn: die Seestraße

Vor allem die Breite der Seestraße war ausschlaggebend für die (zaghafte) Rückkehr der Straßenbahn in den Westteil Berlins. Dort war das vermeintlich unmoderne Verkehrsmittel 1967 abgeschafft worden. In zwei Etappen wurde auf ihrer gesamten Länge im Mittelstreifen bis 1997 eine zweigleisige Schnellstraßenbahnstrecke angelegt, die mit einer Wendeschleife am Eckernförder Platz endet. Seither rasen hier die Trams in Richtung Osten am Dauerstau vorbei – und manch‘ einen unvorsichtigen Fußgänger hat die schnelle Bahn schon das Leben gekostet.

Pralles Leben an der Ecke Müllerstraße

Die Ecke schlechthin, mit dem Kino Alhambra, Müllerstraße Ecke Seestraße
Die Ecke schlechthin

Genau in der Mitte der 3,2 Kilometer langen Seestraße liegt auch der gleichnamige U-Bahnhof. Die U-Bahn führt seit 1923 unter der Müllerstraße hindurch. Die Seestraße war bis 1956 Endpunkt der Nordsüd-U-Bahn, wo man in die Straßenbahnen in Richtung Norden umsteigen musste. Nach Tegel geht es heute mit der U-Bahn weiter, doch auch wer an der Seestraße aussteigt, bekommt hier noch das pralle Leben: Restaurants, Geschäfte und ein Multiplex-Kino sorgen an der bekanntesten Ecke des Weddings dafür, dass an der Seestraße 24 Stunden lang Leben ist – und nicht nur das Rauschen des Verkehrslärms.