Alles auf eine Karte gesetzt

Aktualisiert 2018: Um es kurz zu machen:  Genau so stelle ich mir eine ideale Kiezkarte vor. Auf den ersten Blick wirken die Orientierungspläne der Quartiersmanagements wie ein Produkt für Kinder. Wer genauer hinschaut, erkennt aber, dass sie maßstabsgetreu sind, so gut wie jedes Gebäude im Kartenausschnitt ist dreidimensional dargestellt – aber das, worauf es ankommt, was einen Ort aus der grauen Masse hervorstechen lässt, ist farblich und detailreich hervorgehoben. Der Weddinger Illustrator Burkhard Piller hat wunderbare Karten geschaffen. Ausgaben sind inzwischen für das QM-Gebiet Pankstrae, den Sprengelkiez und das QM-Gebiet Pankstraße erschienen.

Ausstellung im „Strudelka“

(C) Mirko Merkel
(C) Mirko Merkel

Exzentrisch, verspielt, sehnsüchtig – Die Ausstellung „1899/1900 Yearnings“ gibt mit einem Hang zur Verwandlung, zum Traumhaften, zum Geheimnisvollen Einblick in das Lebensgefühl der Frauen Ende des 19. Jahrhunderts. In ihren Werken verbindet die Deutschthailänderin Yin O die geschwungenen Linien des Jugendstils mit surrealistischen Elementen, die auf unterschiedlichen Materialien von Passepartoutkarton bis Holz festgehalten werden. Am Samstag, den 29. November findet im österreichischen Café Strudelka der feierliche Abschluss der gerade laufenden Ausstellung statt –  abgerundet wird die Finissage mit einem Live Auftritt der Singer-Songwriterin Sissip.

Samstag, den 29.11.2014 ab 19:00 Uhr

Café Strudelka
Sparrstraße 18 (S/U-Bf Wedding)
13353 Berlin
  

Foto: Mirko Merkel

Yin O https://www.facebook.com/yinwithano

Sissip http://sissip.com/deutsch/

Strudelka: Na servas! Strudeltraum im Sprengelkiez

Wenn sie eine Apfelschorle wollen, bestellen sie „Apfelsaft gspritzt“. Wenn etwas nicht klappt (zeitlich, räumlich oder finanziell), murmeln sie mysteriös: „Das geht sich nicht aus.“ Die Österreicher haben die Berliner schon häufig vor Rätsel gestellt: sprachlich, kulturell, musikalisch… nur kulinarisch nicht. Österreichische Küche schmeckt nach Schiurlaub, nach Gemütlichkeit und nach einem Schnapserl zum Verdauen.

 

Bürgerwahlen bei den Quartiersmanagements

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Die Quartiersmanagements fördern Kiezprojekte mit Mitteln aus dem Programm „Soziale Stadt“.

Zum Beispiel sage ich, dass es mein Job ist, Texte auf eine Webseite zu stellen. Auf den meisten Partys kann sich unter dieser Tätigkeit jeder etwas vorstellen. Ich arbeite für das Quartiersmanagement. Von diesem Wort hat auf den meisten Partys nur genau einer etwas gehört. Dann erkläre ich und sage: „Naja, es gibt ja in Berlin so sozial schwache Viertel, zum Beispiel im Wedding.“ Ungläubiges Kopfschütteln. „Der Wedding? Ich dachte immer Marzahn …“

Die S 21 wird gebaut – Weddinger Straßen werden neu geführt

Am linken Bildrand wird die S 21 ans Tageslicht kommen, um dann Y-förmig in die Ringbahn einzufädeln (Bildmitte)

AKTUALISIERT IM NOVEMBER 2016

Berlin hat ebenfalls sein „S 21“ – Projekt. Allerdings handelt es sich hier um eine S-Bahn-Linie, für die bereits 2009 die ersten Vorbereitungen begonnen haben. Die Baustelle scheint derzeit fast stillzustehen, doch die neue Berliner Landesregierung fordert das zügige Ende des ersten Bauabschnitts. 

Mitte Oktober 2012 begannen die ersten echten Bauarbeiten dieser neuen Strecke, die das Berliner S-Bahnnetz nur um einen neuen Bahnhof bereichern wird. Dabei handelt es sich um eine unterirdische Station unter dem Hauptbahnhof. Zunächst war an der Perleberger Brücke ein Bahnhof geplant, der große Teile des mit Schnellbahnen unterversorgten Ostteil Moabits angebunden hätte.

Die neue Strecke wird jedoch zwei Enden am Nordteil der Ringbahn haben: Westhafen und Wedding. Dort, wo auch der Fernbahntunnel endet, erreicht die S-Bahn vom Hauptbahnhof kommend das Tageslicht. Die S-Bahn-Trasse, die zunächst in einem Trog liegt, wird zwischen den Gleisen der Fernbahn und zwei Gleisen, über die Güterzüge vom Nordring aus Westen kommend zum Güterbahnhof des Westhafens sowie zum Kraftwerk Moabit rangiert werden, geführt. Die Verbindung bis zum S- und U-Bf. Westhafen erfolgt ebenerdig, denn in den 90er Jahren hat man bei der Wiederherstellung des S-Bahn-Nordrings in den 1990er Jahren ein Tunnelportal als Vorleistung mitgebaut.

S 21 (Grafik: DB Projektbau)
S 21 (Grafik: DB Projektbau)
Fernbahnbrücke zwischen Wedding und Hauptbahnhof (Tegeler Straße)
Unter dieser Fernbahnbrücke wird die neue Brücke entlangführen (Tegeler Str.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Erheblich aufwändiger wird dagegen der Bau der östlichen Strecke zum S- und U-Bf. Wedding. Hinter dem Ende des Hauptbahnhof-Tunnels steigt die Trasse an. Sie wird als Spannbetonbrücke mit einer Länge von 265 m fortgeführt. Die Perleberger Brücke wird als Stabbogenbrücke überbrückt, die Anfang 2015 eingehoben wurde. Die S-Bahn wird dann das Friedrich-Krause-Ufer und den Berlin-Spandauer-Schifffahrtskanal als 154 Meter lange Spannbetonbrücke überqueren. Am Nordufer erreicht die Strecke die Doppelpfeiler des Fernbahn-Overflys, die sie durchquert. Dort führt die Strecke bergab und fädelt auf der Höhe der Tegeler Straße zwischen dem Overfly und der Brücke des Nordrings in ein ebenfalls in den 90er Jahren erstelltes Tunnelportal ein. Damit wird der Hauptbahnhof mit der S-Bahn direkt aus beiden Richtungen des Nordrings erreichbar sein. Da die S 21 wohl auf Dauer am Hauptbahnhof enden wird, hält sich der Nutzen dieser Linie für den Wedding in Grenzen, für ganz Berlin ist er hingegen ziemlich fragwürdig.

Auf das Straßensystem in diesem Bereich hat dieser Knoten aus Brücken, Rampen, Überwerfungsbauwerken und Tunnelstrecken erhebliche Auswirkungen. Die Tegeler Straße wird durch die fast ebenerdig ankommende S-Bahn-Strecke unterbrochen und somit beidseitig zur Sackgasse. Damit Pkw, Lkw und Busse trotzdem durchkommen, wird das Nordufer bis zur Fennstraße durchgängig für den Straßenverkehr ausgebaut. Noch in diesem Jahr werden Bäume und Sträucher für den Straßen- und Brückenneubau am Mettmannplatz gerodet, damit es  mit den Bauarbeiten losgehen kann. Erst wenn das neue Nordufer fertiggestellt ist, wird die Tegeler Straße unterbrochen.

S 21 Brücke Fennstr
Die Brücke steht schon mal – im Winter 2014/15

Im Februar 2015 wurde bekannt, dass das Projekt wieder auf der Kippe stehen könnte. „Es hat sich herausgestellt, dass die vorbereiteten Bauwerke für die geplante S21 zum Teil nicht den erforderlichen Anforderungen entsprechen“, teilte die Bahn mit. Die beim Bau des Hauptbahnhofs erbrachten Vorleistungen für die künftige Decke der S-Bahn-Station sind unzureichend. Der Bund übernimmt übrigens 60 Prozent der Kosten, die anderen 40 Prozent muss das Land finanzieren. Im Koalitionsvertrag der Rot-rot-grünen Landesregierung aus dem November 2016 fordert das Land von der Deutschen Bahn,  die S 21 zügig fertigzustellen, insbesondere den Baubeginn für den zweiten Bauabschnitt zeitnah anzugehen und die Planungen für den dritten Bauabschnitt rasch voranzubringen. Sie setzt sich auch für den Bau eines zusätzlichen Bahnhofs Perleberger Brücke ein. Dieser würde erhebliche Fahrgastpotenziale in der neuen Europa-City Heidestraße, in Moabit und auch im Weddinger Sprengelkiez abschöpfen.

In diesem Flyer der DB wird das Projekt beschrieben

Grafik DB Projektbau GmbH
Grafik: DB Projektbau GmbH

Plätze im Wedding

Fallen wir gleich mal mit der Tür ins Haus und behaupten: im Wedding gibt es eigentlich so gut wie keine schönen Stadtplätze. Entweder sind es vom Verkehr umtoste Freiflächen oder viel zu große unwirtliche Areale, als dass man sie als beliebte Treffpunkte mit städtischem Leben wahrnimmt. Hier eine Top Ten der Freiflächen, die das Wort Platz im Namen führen, von denen aber die wenigsten eine echte Aufenthaltsqualität besitzen:

Leopoldplatz

Ein langer harter Winter mit Schnee bis in den April...
Ein langer harter Winter mit Schnee bis in den April…

Der Schnittpunkt der Verkehrsschneisen Müllerstraße und Schulstraße, unter dem sich auch gleich zwei U-Bahn-Linien übereinander kreuzen, trägt seinen Namen seit 1891. Wie viele Straßen im Kiez bezieht sich der Name auf den Spanischen Erbfolgekrieg von 1701-1714. Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau (1676-1747) kämpfte auf Seiten Preußens und war auch als „der alte Dessauer“ bekannt. Eingerahmt wird der Platz auf der offenen Nordostseite von der zunächst kaum als Sakralbau erkennbaren Alten Nazarethkirche, die bis 1835 von Karl Friedrich Schinkel erbaut wurde. Die Freifläche zwischen den drei den Platz begrenzenden Straßen und der turmlosen klassizistischen Kirche ist ein traditioneller Marktstandort und besitzt mit der Skulptur „Adorant“ (Nachguss des Betenden Jünglings von 325 v.Chr.) ein bedeutendes Kunstwerk, allerdings gut versteckt an seinem südwestlichen Rand. Trotz seiner überbezirklichen Bedeutung (vor allem durch das Karstadt-Kaufhaus und die U-Bahn-Kreuzung) ist der eigentliche Platz ein eher zugiger Ort, an dem man sich nur ungern länger aufhält als unbedingt notwendig. Die vorletzte Umgestaltung des „Leo“ datiert aus dem Jahr 1984, und eine Aufwertung des in die Jahre gekommenen Platzes ist in Angriff genommen worden. Doch der Platz zieht sich, hinter der Schinkelkirche, noch über drei Baublöcke hinaus als langgezogenes Rechteck. Hier hat der „Leo“ eher Grünflächencharakter. Dort befinden sich Spielplätze und ein neu angelegter „Trinkerbereich“. Die Neue Nazarethkirche (1891-93) mit ihrem 78 Meter hohen Turm prägt den östlichen Platzteil. Den namenlosen Vorplatz vor dem Rathaus Wedding, der in Sichtweite, jedoch auf der anderen Seite der Müllerstraße liegt, kann man im weitesten Sinne ebenfalls als Bestandteil des Leopoldplatzes bezeichnen.

Nauener Platz

Ein „Nicht-Platz“ erster Güte. Er befindet sich im Schnittpunkt von Schul- und Reinickendorfer Straße, darunter ein in den 1970ern eröffneter U-Bahnhof in Pop-Art-Optik, 1910 benannt nach der brandenburgischen Kleinstadt. Interessanter ist da schon die Nutzung des öffentlichen Raums an seiner Nordostecke durch verschiedene Generationen. Das Umfeld rund um das „Haus der Jugend“, einst u.a. Standort der Kinderbibliothek, wurde 2009 unter dem Motto „Nauener Neu“ umgestaltet. Hier befinden sich Spiel- und Bolzplätze, u.a. auch Spielgeräte für Senioren. Auf den zweiten Blick ein sehr lebendiger Platz!

Weddingplatz

Historisch interessanter Platz an der Stelle, wo die Reinickendorfer Straße im schrägen Winkel auf die Müllerstraße trifft. Einst hieß er Kirchplatz, was sich auf eine nicht mehr nachweisbare Kirche im wüst gefallenen Dorf Wedding beziehen könnte, wurde aber 1835 umbenannt. Denn auf seiner Fläche befand sich zuvor das Vorwerk Wedding. Die Dankeskirche in seiner Mitte wurde bis 1885 von August Orth errichtet, im 2. Weltkrieg zerstört und durch einen 1972 eröffneten symmetrischen Neubau von Fritz Bornemann ersetzt, bei der der Glockenturm in die Außenwand integriert wurde. Bedeutsam ist der Firmensitz der Firma Schering an seinem Westrand seit 1871 – das Pharmaunternehmen wurde 2006 von der Bayer AG übernommen. Das bis 1974 erbaute 16-geschossige Verwaltungsgebäude wurde später für seine Integration in den Stadtraum prämiert! Unstrittig dürfte sein, dass dieser von Kriegszerstörungen geprägte und durch Gebäude im Zeitgeist der 1970er Jahre ergänzte Platz ein vom Verkehrslärm umtoster, unwirtlicher Ort ist, der trotz seines Namens wohl kaum als identitätsstiftend für den Wedding gelten kann und auch als Platz so gut wie niemandem bekannt ist.

Nachtigalplatz

Auf dem Nachtigalplatz
Auf dem Nachtigalplatz

Städtebaulich interessante Lösung an einer Stelle, wo sich die Togostraße und die Petersallee rechtwinklig treffen und die Afrikanische Straße das Ganze dann im 45-Grad-Winkel schneidet. Um diese vermurkste Kreuzungssituation herum wurde ein rechteckiger Platz mit einheitlich gestalteten Wohnbauten angelegt; in den vom Verkehr freigelassenen Freiflächen befinden sich triste Rasenflächen. Grünanlage kann man diese Platzsituation beim besten Willen nicht nennen. Ein Defizit an Grünflächen beklagen die Anwohner aber nicht, befindet sich doch nur ein paar Schritte weiter die 120 Hektar große Fläche des Volksparks Rehberge mit den ausgedehnten Kleingartenkolonien. Knatsch gibt es eher wegen des Namensgebers, dem Afrikaforscher Gustav Nachtigal. Die Umbenennung des Platzes wird insbesondere von antirassistischen Initiativen gefordert, ist aber derzeit politisch nicht umsetzbar.

Max-Josef-Metzger-Platz

Auf dem Max-Josef-Metzger-PlatzEinst der Courbièreplatz, benannt nach einem preußischen Feldmarschall (1733-1811), ist diese kleine Grünfläche umgeben von ein paar Wohnhäusern, der St.Josefkirche und der Arbeitsagentur Müllerstraße. Seit 1954 steht die Trümmersäule auf dem Platz, die an den Wiederaufbau erinnert, den Platz aber eher noch trostloser erscheinen lässt als ohnehin schon. Der 12 Meter hohe Pfeiler von Gerhard Schultze-Seehof ist mit Mosaikreliefs geschmückt. Der „Park“ drumherum wirkt insgesamt etwas ungepflegt, kein Wunder, dass der Platz im Volksmund Lausepark heißt. Da ist der auf der anderen Seite der Gerichtstraße liegende Urnenfriedhofspark mit dem Krematorium schon ein schönerer Blickfang. Der heutige Name des Platzes erinnert an einen streitbaren katholischen Theologen, der während des Zweiten Weltkriegs drei Jahre lang an der St.Josefkirche gegenüber des Platzes gewirkt hatte.

Louise-Schroeder-Platz

Hier, an der Grenze zwischen Mitte und Reinickendorf, hat man einen Platz nach Berlins erster Oberbürgermeisterin (1947/48) benannt. Der Tagesspiegel schreibt dazu: „Hat Louise Schroeder … diesen Platz verdient? Er ist ein vom Verkehr umtostes Mauerblümchen, ein stiller Treff der Trinkerszene. Vor allem ist er eine unfreiwillige Ausstellung der Schäden, die der Geldmangel Berlins an den öffentlichen Anlagen anrichtet. Es sind zwar noch Spuren minimaler Pflege zu erkennen, der Rasen ist leidlich gemäht, die Rosen heruntergeschnitten. Aber sonst? Die Zierbeete der westlichen Platzhälfte werden von Löwenzahn und Disteln überwuchert, der Zierteich auf der Ost-Hälfte sieht vor lauter Algen aus wie ein Sumpf. Und in die Wege hinein wuchert Unkraut, alles wächst wild, und in eine Ecke hat irgendjemand seine überzähligen Ikea-Schränke entsorgt.“ Muss man noch mehr dazu sagen?

Augustenburger Platz

Augustenburger Platz
Augustenburger Platz

Dieser Platz, benannt im Jahr 1901 nach einem Schloss in Dänemark, hat nur eine Hausnummer. Immerhin handelt es sich beim Adressaten um das Virchow-Klinikum der Charité. Wie ein Schloss mit einem repräsentativen Vorhof wirkt der zum Augustenburger Platz weisende ältere Teil des bis 1906 von Ludwig Hoffmann errichteten Krankenhausbaus. Der Platz selbst ist weniger attraktiv – eine ungepflegte Grünanlage mit U-Bahn-Eingang (Amrumer Straße). Die hier beginnende breite Torfstraße mit ihrer gründerzeitlichen Bebauung wird eher als urbaner Raum wahrgenommen als dieser dreieckige Vorplatz zum Krankenhaus. Auf die Idee, sich hier für längere Zeit hinzusetzen, kommt hier wohl niemand.

Sparrplatz

Groß ist der langgezogene, 1897 nach dem ersten Feldmarschall Otto Christoph Freiherr von Sparr (1599–1668) benannte Platz im Sprengelkiez ja durchaus. Kurios ist, dass auf beiden Platzseiten die Sparrstraße verläuft – eine Postadresse Sparrplatz gibt es nicht. Herrmann Mächtig legte 1902 einen Entwurf zur Gestaltung vor, 1919 und 1931 gab es eine erneute Umgestaltung. 1950 und 1954 erfolgte eine Neuanlage, bei der Gehölzgruppen gepflanzt und Spielplätze errichtet wurden. Durch das Quartiersmanagement, das sich nach dem Platz (und nicht nach dem Sprengelkiez) benannt hat, ist viel Geld in die Modernisierung der Anlage geflossen. Heute gehört der Platz wieder zu den angenehmeren Orten im Wedding, zumindest tagsüber und im Sommer.

Nettelbeckplatz

NettelbeckplatzJoachim Christian Nettelbeck verteidigte seine Stadt Kolberg gegen Napoleon. Der Platz, wo sich die Reinickendorfer Straße, die Lindower und die Gerichtstraße kreuzen, heißt seit 1884 nach diesem Kaufmann. Zuletzt 1985 wurde der Platz umgestaltet, er ist seither verkehrsberuhigt. Es ist einer der ganz wenigen Plätze im Wedding, auf denen man sich auf einer großen runden Bank unter Bäumen niederlassen kann. Ein Denkmal namens „Tanz auf dem Vulkan“ (1988) gibt dem runden Stadtplatz einen Mittelpunkt. Die Wiedereröffnung der Ringbahn mit dem S-Bahnhof Wedding hat sicher auch dazu beigetragen, dass der Nettelbeckplatz an Aufmerksamkeit hinzugewonnen hat. Mit dem KikiSol, dem „Magendoktor“ und der Gerichtstraße ist der Platz im Mittelpunkt eines sich entwickelnden Nachtlebens. Als Platz, der für den Wedding eine zentrale Bedeutung besitzt, wird der Nettelbeckplatz allerdings noch nicht wahrgenommen…

Pekinger Platz

1905 wurde der dreieckige Platz am Nordufer des Schiffahrtskanals nach der chinesischen Hauptstadt benannt. Damit sollte an die Besetzung Pekings durch Truppen der Großmächte unter deutscher Führung im Jahr 1900 erinnert werden. Das „Café Achteck„, ein denkmalgeschütztes Pissoir, stammt aus dem Jahr 1890. Nachdem der Platz nach dem Krieg als Trümmerabladeplatz gedient hatte, wurde er 1949 wieder als Park errichtet. 2010 wurde der Park neu gestaltet und die Straße Nordufer verkehrsberuhigt. Seither gibt es zahlreiche neue Fitness-Spielgeräte auf der Promenade mit Wasserlage. Auch gibt es mit dem „Auszeit“ direkt am Platz ein beliebtes Café. Fazit: Der Pekinger Platz ist unbestritten Weddings schönstgelegener Platz!

Es gibt natürlich noch mehr Plätze im Wedding, z.B. den Zeppelinplatz. Welcher Platz gefällt euch am wenigsten? Und gibt es Plätze, die ihr als „schön“ bezeichnen würdet? 

„Naveena Path“: Es schmeckt, auch vegan oder vegetarisch…

Mal hieß es Prince, dann Shaktys, zwischendurch auch mal Volksmensa, und seit Ende 2009 Naveena Path. Wie die Namen wechselten auch die Besitzer, ebenso die Konzepte – aber eines blieb immer gleich: Der Koch. Und der ist es auch, der das Naveena Path zu einem wunderbaren Geheimtipp im Wedding macht.

Der kleine Laden in der Tegeler Straße ist eher rustikal eingerichtet, Probleme, einen Sitzplatz zu finden hat man in der Regel nicht, und auch sonst gibt es eigentlich nichts, was einen spontan dazu bringen könnte, das Lokal zu seinem zweiten Wohnzimmer zu machen. Bis zu dem Augenblick, an dem man dann sein Essen genießt.

Das Naveena Path bietet indische und tamilische Gerichte, sowohl mit Fleisch als auch fleischlos. Gerade auf die vegetarischen und veganen Gerichte hat sich der Koch spezialisiert, und man glaubt es ihm wenn er – immer wieder gerne – betont, dass solchen Speisen seine große Leidenschaft gilt. Die Zutaten sind frisch, die Schärfe variiert gerne mal, und dass man hungrig wieder aus dem Naveena Path rauskommt, geschieht wohl auch nie.

Die Schnelligkeit des Services variiert ebenfalls, ebenso die Bereitschaft des Kochs zu einem ausführlichen, einem sehr ausführlichen oder eben auch gar keinem Plausch. Das Preisniveau bewegt sich auf „gehobenem Wedding“, ist also völlig akzeptabel und angemessen. Im Sommer kann man die leckeren Gerichte auch draußen auf den Bierbänken zu sich nehmen, allerdings nur, wenn man über ein gut gepolstertes Hinterteil verfügt.

Kleiner Tipp: Als Vorspeise sollte man sich die sauer-scharfe Linsensuppe gönnen – ein Gedicht!

Autor: Stef, stefblog.de

Naveena Path, indische und tamilische Küche

Tegeler Straße 22, 13353
Berlin, U+S Wedding,
Geöffnet täglich 11.30 bis 23 Uhr.

Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal

Der Pekinger Platz am Kanalufer
Der Pekinger Platz am Kanalufer

In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?

Das dicht bebaute Wohnviertel rund um die Sprengel- und die Tegeler Straße verfügt neben einer weitgehend intakten Altbausubstanz aus der Gründerzeit über eine richtige Wasserlage. Im Südwesten des Kiezes verläuft nämlich der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Die ausgebaute Uferpromenade mit ihren repräsentativen Wohnhäusern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spaziergängen und zu Cafébesuchen ein. Wie an keiner anderen Stelle im Wedding reihen sich hier gastronomische Betriebe aneinander, sowohl traditionelle Kneipen (Lindengarten, Deichgraf) als auch neuere Cafés und Restaurants (Fünfundsechzig, Auszeit). Ebenfalls im Sprengelkiez besteht seit vielen Jahren die Weddinger Hausbrauerei Eschenbräu, wo man im Sommer in einem schattigen Biergarten im Hinterhof sitzen kann. In den letzten Jahren wurde durch ein Quartiersmanagement viel in die vorhandenen Spielplätze investiert.

Neben dem Sparrplatz und dem Pekinger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Sprengelpark zu nennen. Auf dem 10 000 qm großen ehemaligen Industrieareal (hier wurden Wasserflugzeuge gebaut) zwischen der Kiautschoustraße und der Sprengelstraße haben Landschaftsplaner einen urbanen Sport- und Spielpark mit viel Grün geschaffen.

Der kleine, aber feine Sprengelpark
Der kleine, aber feine Sprengelpark

Im Sprengelkiez und in seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich wichtige öffentliche Einrichtungen, deren Bedeutung weit über den Wedding hinausreicht. Zu nennen ist hier vor allem das Robert-Koch-Institut am Nordufer. Das 1891 gegründete Institut ist die zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus (heute: Charité Campus Virchow). Die zentrale Berliner Ausländerbehörde liegt ebenfalls am Kanalufer, jedoch auf der gegenüberliegenden Moabiter Seite. Sie ist mit dem Torfstraßensteg an den Sprengelkiez angebunden. Auch Beschäftigte und Studierende der nahe gelegenen Beuth-Hochschule drücken dem Sprengelkiez ihren Stempel auf. Daher findet man in diesem Kiez mehr studentisches Einflüsse und die passende Infrastruktur als in anderen Vierteln im Wedding.


Sehenswertes am Nordufer und im Kiez

Torfstraßensteg
Torfstraßensteg

Da das Industriegelände an der Sprengelstraße erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, konnte sich der westliche Teil des Kiezes am Nordufer erst um 1900 herum zu einem Wohngebiet entwickeln. Die repräsentative Gebäudegruppe zwischen Fehmarner Straße, Nordufer und Buchstraße ist ein besonders gelungenes Beispiel für genossenschaftlichen Reformwohnungsbau. Vor allem die Eckbauten, davon eines sogar mit einem Doppelgiebel, prägen das Kanalufer an diesem Abschnitt. Auch das Eckhaus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein großbürgerlicher Prachtbau, wie es ihn im Wedding eher selten gibt. Die Osterkirche liegt an der Samoastraße / Sprengelstraße und damit exakt in der Mitte des Sprengelkiezes. Die wuchtige Backsteinkirche ist in die Ecke eines Blocks gebaut und vereint Kirchenschiff, Turm und Pfarrhaus in einem einzigen Gebäude. Das gewölbelose Kircheninnere ist mit prachtvollen Malereien versehen. Das Geschäftszentrum des immer beliebter und damit auch teurer werdenden Sprengelkiezes ist neuerdings die Tegeler Straße mit ihren vielen Cafés, Restaurants und Fachgeschäften. Aber auch in die Sprengelstraße zieht es Nachtschwärmer (in das gleichnamige Musiklokal) oder in die vielen kleinen Gastronomiebetriebe.

Tegeler Sprengel StrKaffeeangebot im Bioladen Tegeler Str

 

 


Roter Wedding, schlechter Wedding

Prime Time TheaterIn Richtung Müllerstraße ist der Kiez stärker von sozialen Problemen geprägt, was vor etlichen Jahren auch der Grund für die Einrichtung des Quartiersmanagements Sparrplatz war. Der namensgebende Platz ist eine langgezogene Grünanlage mit Bolz- und Spielplätzen. Genau in dieser Lage ist mit dem Prime-Time-Theater an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kultureller Anziehungspunkt von berlinweiter Relevanz entstanden. Dessen Alleinstellungsmerkmal ist eine fortlaufende Seifenoper auf der Bühne namens „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“. Doch anders als bei dem vermeintlichen TV-Vorbild gibt es bei diesem Theaterspaß mit Weddinger Originalen echtes Gelächter eines glänzend unterhaltenen Publikums. Direkt nebenan liegt die Berliner SPD-Zentrale (Kurt-Schumacher-Haus) – traditionell eng mit dem „roten Wedding“ verbunden. Bedeutend für den ganzen Ortsteil ist auch das Jobcenter direkt gegenüber – untergebracht in einem typischen Arbeitsamtsgebäude aus den 1950er Jahren.

St. Josef in der Müllerstraße
St. Josefskirche an der Müllerstraße