Nach wem sind diese Straßen benannt? (Teil 3)

Im Afrikanischen, im Englischen oder im Brüsseler Viertel, aber auch im Brunnenviertel oder im Soldiner Kiez sind viele Straßen nach Ländern, Orten oder mit Bezug auf Kriegsschauplätze benannt. Da kann man eine kleine Weltreise machen.

So mancher Straßenname im Wedding und Gesundbrunnen klingt merkwürdig. Nicht wenige sind nach Personen benannt – mit teilweise sehr fragwürdigen Biographien. Wer dahinter steckt, dürfte allerdings kaum jemand wissen. Wir erklären euch kurz, mit wem wir es zu tun haben.

Jede Menge Militärs

Sprengelstraße seit 1897

Christian Konrad Sprengel, *1750 Brandenburg, †1816 Berlin. Der Theologe und Philologe war Lehrer und später Rektor der Spandauer Stadtschule, aus der er 1794 entlassen wurde. Während seiner Spandauer Zeit entdeckte er durch empirische Beobachtungen, die er vor allem in der Jungfernheide machte, die Bestäubung der Blüten durch Insekten. Seine Erkenntnisse veröffentlichte er 1793 in dem Buch „Das entdeckte Geheimnis der Natur im Bau und in der Befruchtung der Blumen“, doch wurden diese damals von der Fachwelt größtenteils abgelehnt. Erst fünfzig Jahre nach seinem Tod begann man, seine Niederschrift zu beachten.

Lynarstraße seit 1891

Rochus Quirinus Graf zu Lynar, *1525 Italien, †1596 Spandau, Baumeister, Militär. Lynar entstammte einem florentinischen Adelsgeschlecht, das sich nach dem um 1360 zerstörten Kastell Linari nannte. Er kämpfte gemeinsam mit seinem Vater in Diensten Karls V. und war im Hofdienst bei Alessandro de Medici. 1542 musste er aus Italien nach Frankreich fliehen und diente dort Franz I. als Erzieher des Dauphin Heinrich, später Heinrich II., ernannt und war zugleich Kriegsingenieur. Er trat 1560 zum Kalvinismus über und führte 1567 den Hugenottenaufstand in Metz an, wo er Festungskommandant war. 1570 war Lynar Artilleriemeister und Kommandant aller kursächsischen Festungen. 1578 kam er zu Kurfürst Johann Georg von Brandenburg. Er war vorrangig mit konstruktiven Festungsbauten befasst – wie die Spandauer Zitadelle. Auf ihn gehen auch die Festungsanlagen von Kassel, Küstrin und Peitz zurück. Lynar war ebenfalls beteiligt am Bau bzw. Umbau von Schlössern wie Oranienburg.

Burgsdorfstraße seit 1891

Konrad Alexander Magnus von Burgsdorff, *1595, †1652 Berlin. Der Militär entstammte einem alten märkischen Adelsgeschlecht, das bereits seit 1334 urkundlich nachgewiesen ist. Mit 14 Jahren kam Burgsdorf an den brandenburgischen Hof und war Spielgefährte des späteren Kurfürsten Georg Wilhelm, in dessen Dienste er 1618 als Kapitän eines Reiterregiments trat. 1623 -1641 war er Kommandant von märkischen Festungen. Burgsdorf nahm entscheidenden Anteil an der Politik des brandenburgischen Staates bis 1651. Dann verwies man Burgsdorf vom Hof und entließ ihn aus all seinen Ämtern. Es wird vermutet, dass  ihm die finanziellen Mißstände, die während des „Klever Abenteuers“ zutage getreten waren, angelastet wurden.

Sparrstr./Sparrplatz seit 1892

Otto Christoph Freiherr und Reichsgraf von Sparr, *1599, †1668 Prenden. 1638 wurde Sparr Kommandant der Festung Landsberg an der Warthe, 1651 Generalfeldzeugmeister und Gouverneur von Kolberg. Am 28.7.1656 siegte er in der dreitägigen Schlacht bei Warschau, in der Schweden und Kurbrandenburg gemeinsam gegen Polen gekämpft hatten. Ab 26.6.1657 wurde er kurbrandenburgischer Generalfeldmarschall und zugleich einer der Vertrauten des Großen Kurfürsten. Ab 1660 war Sparr an der Befestigung Berlins beteiligt. 1663/64, wurde er mit der Führung des brandenburgischen Korps bei der Reichsarmee betraut und war gegen die Türken erfolgreich, so dass er vom Kaiser auch kaiserlichen Generalfeldmarschall befördert wurde. Die Sparrs wurden 1670 zu Reichsgrafen erhoben. Ihre brandenburgische Bestätigung erfolgte am 22.1.1672. Sein Grabmal (von Andreas Schlüter) befindet sich in der Marienkirche.

Courbièreplatz von 1887 – 1994, (inzwischen Max-Josef-Metzger-Platz)

Guillaume René Baron de l’Homme Courbière, *1733 Maastricht, †1811 Graudenz, stammte aus einer hugenottischen Familie, die aus Frankreich nach Holland geflüchtet war. Hier begann er auch seine militärische Laufbahn. 1758 trat er in preußische Dienste. Courbière zeichnete sich im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) aus. 1763 wurde er Kommandant in Emden, 1771 Oberst, 1798 General der Infanterie, 1803 Gouverneur der Festung Graudenz, die er 1807 erfolgreich gegen die Truppen Napoleons verteidigte, wofür er im selben Jahr zum Generalfeldmarschall ernannt wurde.

Nettelbeckplatz seit 1884

Joachim Christian Nettelbeck, *1738, †1824, war zuerst Seemann. Ab 1783 arbeitete er als Branntweinbrenner in Kolberg. Im Jahre 1760 verteidigte er seine Heimatstadt gegen die Truppen des Zaren. 1770 wurde er zum königlich-preußischen Kapitän befördert, was allerdings bald wegen seiner Insubordination wieder aufgehoben wurde. Er arbeitete dann vor der afrikanischen Küste im Dreieckshandel mit Sklaven. Zurück in Kolberg verlangte er als Bürgeradjutant energisch die Verteidigung der Festung Kolberg gegen die napoleonischen Truppen und unterstützte den daraufhin entsandten neuen Kommandanten Gneisenau bei der letztlich erfolgreichen Verteidigung.

Foto: Samuel Orsenne bearbeitet: Weddingweiser, Straßennamen

Ein paar Wissenschaftler-Straßen

Willdenowstraße seit 1891

Karl Ludwig Willdenow, *1765 Berlin, †1812,  interessierte sich schon als Kind für Botanik. Nach dem Schulbesuch begann er in der väterlichen Apotheke seine Ausbildung, die er 1785 abschloss. Entgegen dem Wunsch seines Vaters übernahm er nicht dessen Apotheke, sondern studierte Botanik und Medizin. 1787 veröffentlichte er „Prodromus florae Berolinensis“ (Einführung in die Flora Berlins). 1789 promovierte er und ließ sich als Arzt und Apotheker in Berlin nieder. 1792 erschien sein Band „Grundriß der Kräuterkunde“, 1798 wurde er ordentlicher Professor für Naturgeschichte und bekam die Leitung des Botanischen Gartens übertragen, 1806 wurde er dessen Direktor und Professor für Medizin. Bei Gründung der Berliner Universität 1810 wurde er dort Professor. Willdenow war mit Alexander von Humboldt eng befreundet. Auf Humboldts Bitte ging er 1811 nach Paris, um die auf dessen Südamerikareise gesammelten Pflanzen wissenschaftlich zu bearbeiten. Willdenow gilt als Begründer der deutschen Dendrologie, der wissenschaftlichen Gehölzkunde („Berlinische Baumzucht“, 1796), und ist gleichzeitig Begründer der Pflanzengeographie oder Geobotanik, der Lehre von der Verbreitung der verschiedenen Pflanzen auf der Erde.

Buchstraße seit 1892

Christian Leopold von Buch, Freiherr von Gellmersdorf, Schöneberg, *1774 Stolpe, †1853 Berlin. Der Geologe und Paläontologe entstammte einem alten uckermärkischen Adelsgeschlecht. Er studierte von 1793 bis 1796 in Freiberg an der Bergakademie. Forschungsreisen führten ihn durch Europa und 1815 auch zu den Kanarischen Inseln. 1796 war er Bergreferendar beim oberschlesischen Bergamt. 1806 bzw. 1808 war Buch Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Mitbegründer der Deutschen Geologischen Gesellschaft. Auch London und Paris riefen ihn an ihre Akademien. Von 50 wissenschaftlichen Gesellschaften wurde von Buch mit der Ehrenmitgliedschaft gewürdigt. Er betrieb chemisch-mineralogische und physikalische Studien. 1812 wurde er zum preußischen Kammerherrn ernannt. Er erarbeitete die erste geologische Karte Deutschlands. In der Paläontologie gilt er als Begründer der Stratigraphie. 1836 publizierte er „Über Erhebungskrater und Vulkane“, und drei Jahre später folgte seine Arbeit „Über den Jura in Deutschland“. Am 31.5.1842 wurde er einer der ersten Ritter des Ordens Pour le mérite für Wissenschaften und Künste.

Voltastraße seit 1896

Alessandro Giuseppe Antonio Anastasio Graf Volta, *1745 Como, Italien, †5.3.1827 Como; italienischer Physiker.

Wattstraße seit 1897

James Watt, *1736 Birmingham, †1819 Heathfield, britischer Ingenieur, Erfinder.

Die einzigen Frauen

Louise-Schroeder-Platz (seit 1958, vorher Oskarplatz)

Louise Dorothea Sophie Schroeder , *1887 Altona, †1957 Berlin, wuchs in einem Armenviertel Altonas auf.  Die Stenotypistin trat 1910 in die SPD ein und wurde 1919 in die Nationalversammlung gewählt. Von 1920 bis 1933 war sie Mitglied des Reichstags. Von 1923 bis 1925 arbeitete sie als Leiterin der Altonaer Pflegeanstalt.

Ab 1925 wirkte sie als Dozentin an der Schule der Arbeiterwohlfahrt. 1933 wurde sie arbeitslos und übernahm nach Jahren der Not in Hamburg einen Brotladen. Ab Januar 1933 stand Louise Schroeder unter Polizeiaufsicht. 1938 siedelte sie ganz nach Berlin über und fand hier zuerst als Sekretärin eine Anstellung. 1946 wurde sie in die Berliner Stadtverordnetenversammlung gewählt. Zu dieser Zeit war sie bereits Mitglied des Vorstands ihrer Partei. Vom 8.5.1947 bis 5.12.1948 war sie amtierende Oberbürgermeisterin in Groß-Berlin. Sie vertrat von 1949 bis zu ihrem Tode Berlin (West) im Bundestag und war noch bis Februar 1951 Mitglied des Berliner Senats.

Bärbel-Bohley-Ring seit 2016

Bärbel Bohley geborene Brosius; *1945 in Berlin; †2010 in Strasburg (Uckermark) war eine deutsche Bürgerrechtlerin und Malerin. Bekannt wurde sie als Mitbegründerin des Neuen Forums in der DDR. Die Straße wurde neu auf dem ehemaligen Mauerstreifen zwischen Gleimstraße und Ringbahn angelegt.

Elise-und-Otto-Hampel-Weg seit 2018

Ein Abschnitt der Limburger Straße zwischen Genter und Müllerstraße wurde nach dem Weddinger Widerstandspaar Elise und Otto Hampel (hingerichtet durch das Naziregime) benannt.

Und sonst so?

Max-Urich-Straße seit 1984

Max Urich, *1899 Suhl, †1968 Berlin, Büchsenmacher, Politiker, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime.

Heinz-Galinski-Straße seit 1998

Heinz Galinski, *1912 Marienburg, †1992 Berlin, Politiker, Opfer des NS-Regimes. 1951–1963 und erneut ab 1988 hatte er den Vorsitz des Direktoriums des Zentralrates der Juden in Deutschland inne.

Gustav-Meyer-Allee seit 1894

Johann Heinrich Gustav Meyer, *1816 Frauendorf, †1877 Berlin. Meyer besuchte bis 1836 die Potsdamer Gärtnerlehranstalt. Er war Schüler von Lenné, dessen Büro er 1843 in technischen Belangen leitete. Um 1840 arbeitete er als Hofgärtner in Sanssouci. Er legte von 1846 bis 1848 den Volkspark Friedrichshain an. 1859 wurde Meyer zum Hofgärtner ernannt und später der erste Direktor des gerade gegründeten Berliner Gartenbauamts. Er gestaltete den Volkspark Humboldthain und den Treptower Park.

Theodor-Heuss-Weg seit 1954

Theodor Heuss, *1884 Brackenheim, †1963 Stuttgart, Politiker, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Von 1949 – 59 war er Bundespräsident Deutschlands.

Wilhelm-Zermin-Weg seit 1983

Wilhelm Zermin, *1882, †1973, war von 1955 bis 1958 Geschäftsführer des Vaterländischen Bauvereins, der in dem Teil des Bezirkes baute, in dem sich heute ’seine‘ Straße befindet.

Wilhelm-Kuhr-Straße seit 1915

Wilhelm Kuhr *1865 , †1914, Jurist, Kommunalpolitiker. Er studierte u. a. in Berlin Jura und Nationalökonomie. Danach wurde er Bürgermeister in Burg bei Magdeburg. 1906 trat er sein Amt als Bürgermeister in Pankow an. In dieser Zeit gelang der Erwerb des 10 Hektar großen Besitzes des Zeitungsverlegers Baron Killisch von Horn, der seit 1907 als Bürgerpark der Öffentlichkeit zugänglich ist. Kuhr starb während des ersten Weltkriegs 1914 in Polen.

Teil 1 der Serie

Teil 2 der Serie

Noch mehr auf Kauperts


Wichtige Ergänzung? Konstruktiver Kommentar? Gerne:

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.