Warum die gute Müllerstraße ganz die alte bleibt

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Bord­vor­stre­ckun­gen, inof­fi­zi­el­le Que­rungs­mög­lich­kei­ten für Fuß­gän­ger, Rad­fahr­strei­fen, neue Hoch­bee­te – für eine Neu­ge­stal­tung der Mül­ler­stra­ße samt Geh­we­gen gibt es ein auf­wen­di­ges Pla­nungs­kon­zept. Seit die Stra­ße 2011 zum Sanie­rungs­ge­biet erklärt wur­de, ist auch die Finan­zie­rung aus dem Pro­gramm “Akti­ve Zen­tren” gewähr­leis­tet. Nur: gebaut wur­de ledig­lich am Leo­pold­platz und auf dem namen­lo­sen Vor­platz zwi­schen Rat­haus Wed­ding und der Schil­ler-Biblio­thek. Auf Anfra­ge der Wed­ding­wei­ser-Redak­ti­on teilt dazu Kars­ten Schef­fer vom Pla­nungs­bü­ro JMP mit: “Der­zeit ist davon aus­zu­ge­hen, dass die wesent­li­chen Bau­maß­nah­men nicht vor 2017/2018 begin­nen werden.” 

Im Sturm erobert

Sturmschaden Seestr (C) Stefanie Gabrisch
Foto: Ste­fa­nie Gabrisch

Am Mor­gen des 31. März war das Wet­ter zunächst ein­mal ein­fach nur ärger­lich. Die Unwet­ter­zen­tra­le hat­te zwar bereits das Sturm­tief Niklas ange­kün­digt, doch der ein­set­zen­de Schnee­re­gen mit Grau­pel­schau­ern zog ein­fach nur vie­le hämi­sche Kom­men­ta­re an – wo bleibt der Früh­ling? Doch dann kam er tat­säch­lich, der ange­kün­dig­te Sturm! Die Ber­li­ner Feu­er­wehr hat­te den Aus­nah­me­zu­stand aus­ge­ru­fen und muss­te 1 127 Mal aus­rü­cken, vier Per­so­nen wur­den verletzt.

Aus­ge­rech­net auf der Haupt­ver­kehrs­ach­se See­stra­ße im Wed­ding fiel auf Höhe Turi­ner Stra­ße ein Baum um und ver­letz­te einen Fuß­gän­ger leicht. Befürch­tun­gen, dass sich in dem Auto, das der Baum unter sich begrub, jemand befun­den habe, waren glück­li­cher­wei­se unbegründet.

Ein stür­mi­scher Nach­mit­tag und Abend sorg­te für zahl­lo­se abge­bro­che­ne Äste, her­un­ter­ge­fal­le­ne Blu­men­käs­ten und men­schen­lee­re Stra­ßen. Es wird sicher noch ein paar Tage dau­ern, bis alle Schä­den besei­tigt sind. Für uns vom Wed­ding­wei­ser hat­te der Orkan auch sein Gutes: unse­re Face­book­sei­te hat inner­halb von 24 Stun­den das Herz von fast hun­dert neu­en Fans im Sturm erobert…

 

Phönicia: Falafel statt Döner

Um im Wed­ding einen guten Fala­fel zu bekom­men, soll­te man manch­mal auch län­ge­re Wege in Kauf neh­men. Seit ein paar Jah­ren gibt es in der See­stra­ße Spe­zia­li­tä­ten aus Nah­ost. Inzwi­schen ist der klei­ne Laden in liba­ne­si­scher Hand und bezieht sich namens­tech­nisch auf die Phö­ni­zi­er, die bekannt­lich im heu­ti­gen Liba­non ihren Sied­lungs­schwer­punkt hat­ten. Anders als bei den meis­ten Fala­fel­lä­den kann man vor dem Phö­ni­cia im Som­mer auch schön sitzen. 

Auf Linie: Der 65er, eine ganz besondere Linie…

Busse im WeddingAus­ge­rech­net die Num­mer 65, die ehe­ma­li­ge Post­be­zirks­num­mer des Wed­ding und inof­fi­zi­el­ler “Code” für unse­ren frü­he­ren Bezirk, wur­de auch für eine Bus­li­nie ver­ge­ben, die den Wed­ding über die Stadt­au­to­bahn A 100 mit Neu­kölln ver­band. Mit die­sem West-Ber­li­ner Kurio­sum, das mit der Eröff­nung der Ring­bahn 1993 wie­der weg­fiel, begin­nen wir eine neue Serie über Bus­li­ni­en im Wedding.

Malplaquetstraße: Die Ausnahmestraße

AKTUALISIERT 2020 Das Schö­ne am Wed­ding ist, dass er eigent­lich über­all gleich ent­spannt ist. Hier fin­det sich Ber­lin wie unter einem Brenn­glas, aber ganz ohne das Über­dreh­te von Prenz­lau­er Berg, den ange­staub­ten Chic von Char­lot­ten­burg oder das Roll­kof­fer-Geklap­per von Kreuz­berg. An ganz weni­gen Stel­len jedoch trifft die typi­sche Wed­din­ger Schmud­de­lig­keit sogar auf ange­neh­men Life­style, ohne dass gleich ein Rie­sen-Hype dar­aus ent­steht. Die Mal­plaquet­stra­ße ist ein sol­cher Ort –  Aus­nah­me­erschei­nung und typi­sche Wohn­stra­ße zugleich.

Wie so oft im Wed­ding soll­te man sich vom schön klin­gen­den fran­zö­si­schen Namen der Stra­ße nicht täu­schen las­sen: 1891 wur­de die Stra­ße, wie die Stra­ßen im gan­zen Kiez, nach Ereig­nis­sen und Per­so­nen des Spa­ni­schen Erb­fol­ge­kriegs (1701– 1714) benannt. Im nord­fran­zö­si­schen Mal­plaquet fand mit 35.000 Toten sogar eine der blu­tigs­ten Schlach­ten der Neu­zeit statt.

Nussbreite – Die Wohnzimmerbar im Wedding

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Nach­dem in den letz­ten Jah­ren das Kul­tur­ange­bot im Afri­ka­ni­schen Vier­te­let­was grö­ßer gewor­den ist, hat 2014 die „Nuss­brei­te“ in der See­stra­ße 106 eröff­net. An der Ecke zur Togo­stra­ße ver­wan­del­te sich das frü­he­re Korea­ni­sche Restau­rant in eine sehr ein­la­den­de Wohn­zim­mer­bar. Musik­fans wer­den im Wed­ding hier am ehes­ten auf ihre Kos­ten kommen.

Green Economy im Wedding

In den Osram-Höfen an der Oudenar­der Stra­ße hat sich ein inter­es­san­tes Unter­neh­men ange­sie­delt. Die Fir­ma Ter­ra­Cy­cle wid­met sich einer wich­ti­gen Wed­din­ger Roh­stoff­quel­le: Müll.

Wed­ding­wei­ser-Autor Dani­el Gol­l­asch trifft sich mit dem Gene­ral Mana­ger für Deutsch­land, Öster­reich und die Schweiz Wolf­ram Schnel­le, um nach­zu­fra­gen, wie das genau funktioniert.