“CSI: Wedding” im Prime Time Theater

(C) PrimeTimeTheater
Max Agné, Con­stan­ze Beh­rends, Alex­an­der Ther, Noemi Dabrow­ski, Phil­ipp Lang © Prime Time Theater

Vol­le Rän­ge bei der Pre­mie­re zur neu­en Kri­mi-Par­odie im Prime Time Thea­ter. Drei frü­he­re GWSW-Stars keh­ren auf die Wed­din­ger Büh­ne zurück. Und zwei neue Schau­spie­ler geben mit einer furio­sen Leis­tung ihren Einstand…

Jugendgästehaus Nordufer: Ein Zuhause auf Zeit im Grünen

Jugendgaestehaus-am-Nordufer-Blick-vom-NordhafenZum Plöt­zen­see kommt man aus weni­gen Grün­den: Ent­we­der man hat einen Ein­be­ru­fungs­be­fehl in den benach­bar­ten Knast, man kommt gezielt zum Baden bzw. Tret­boot­fah­ren oder man besucht die Gedenk­stät­te für die Opfer der Nazi-Dik­ta­tur. Den bes­ten Grund hab ich irgend­wann auf der Suche nach einer bezahl­ba­ren Unter­kunft für ein paar Tage zufäl­lig im Inter­net ent­deckt: Das Jugend­gäs­te­haus Nordufer.

VAGABUND Brauerei: In Ruhe reifen

Dies ist die Geschich­te von drei Ame­ri­ka­nern Mit­te drei­ßig, die nach Deutsch­land aus­zo­gen, das Bier­brau­en zu ler­nen. Erfreut über die Güte des Bie­res, aber unzu­frie­den ob der gerin­gen Viel­falt, hat­ten sie eine küh­ne Idee: Den Ber­li­nern die vol­le Band­brei­te des Bier­ge­schmacks zu kredenzen.

Quelle. VAGABUND Brauerei
Quel­le. VAGABUND Brauerei

„Das Bier hier hat uns natür­lich ganz gut geschmeckt“, sagt Tom Cro­zier, „aber meis­tens ist es eben Pils.“ Von Sor­ten­viel­falt und Expe­ri­men­tier­freu­de kei­ne Spur. Der Eng­lisch­leh­rer und sei­ne bei­den Freun­de David Speng­ler und Matt Walt­hall über­leg­ten nicht lan­ge und fin­gen an, in der hei­mi­schen Küche selbst ihr Bier zu brau­en – mit Brau­zu­ta­ten aus den USA. „Ganz schön ver­rückt für Ame­ri­ka­ner, aus­ge­rech­net in Deutsch­land eine Braue­rei zu eröff­nen“, sagt Tom. Doch damit zeich­nen sie den Craft Beer-Trend nach, der in den USA schon vor eini­gen Jah­ren begann und lang­sam auch auf Ber­lin und den Wed­ding übergreift.

Warum Vagabund?

„Das will jeder wis­sen“, schmun­zelt Tom, „dabei liegt der Name doch eigent­lich auf der Hand. Ein Vaga­bund ist einer der los­zieht, um Neu­es zu ent­de­cken, unge­zwun­gen Freund­schaft zu schlie­ßen, jemand der über­all daheim ist.“ Weil die Meis­ter­brau­er (Brau­meis­ter ist sicher ein geschütz­ter Titel im Lan­de des Rein­heits­ge­bots) ihre Wan­der­lust etwas ein­ge­bremst haben, trifft das Vaga­bun­den­tum auf sie weni­ger zu als auf vie­le ihrer Gäs­te. Unter dem Braue­rei­lo­go, ein für den Vaga­bun­den ste­hen­des Wagen­rad und Hop­fen an Stan­gen, ver­sam­melt sich im Brüs­se­ler Kiez ein bun­tes Publi­kum. Gemein­schaft und Gesel­lig­keit waren wohl auch die Grün­de für den erfolg­rei­chen Start der Hausbrauerei.

Den Anschub finanziert

Vagabund 3„Wir haben das Brau­en vor allem in Büchern und im Inter­net gelernt!“ Eine gehö­ri­ge Por­ti­on Stolz schwingt in Toms Stim­me mit. Er weiß wohl, dass er mit die­sem „Erfah­rungs­ho­ri­zont“ bei einem Bank­be­ra­ter ver­mut­lich abge­blitzt wäre. Die Finan­zie­rung des Traums von der eige­nen Gärstu­be muss­te also anders gestemmt wer­den. Enthu­si­as­mus und eine Idee jen­seits des Ein­heits­breis waren die Erfolgs­zu­ta­ten für ein Crowd­fun­ding. Inner­halb von zwei Mona­ten haben sie 22.000 Euro für die (tech­ni­sche) Ein­rich­tung gesam­melt. Die Mit­glie­der der „Com­mu­ni­ty Sup­por­ted Bre­we­ry“, die der Vaga­bund Braue­rei die mone­tä­re Start­hil­fe gaben, erhal­ten als Divi­den­de für das ein­ge­setz­te Kapi­tal Bier oder T‑Shirts. Und nicht zuletzt kann jeder auch beim Bier­brau­en zuschau­en oder mit­hel­fen. Es gibt schließ­lich eine Men­ge zu ler­nen über das Uni­ver­sum Bier. Die fami­liä­re Atmo­sphä­re, das Aus­pro­bie­ren-Dür­fen und das Über­schau­ba­re sind den drei Frei­zeit­brau­ern und auch ihren Unter­stüt­zern wichtig.

Mit dem Kiez verwachsen

Ein gemüt­li­cher, gro­ßer Schank­raum mit lan­gem Holz­t­re­sen ist der Treff­punkt der Com­mu­ni­ty, wo man sich gut unter­hal­ten kann, aber nicht betrin­ken soll. „Wir wol­len den Wed­ding, in dem wir auch selbst woh­nen, nicht ver­än­dern“, erklärt Tom. Statt das Umfeld auf­zu­wer­ten, soll ihre Mikro­braue­rei lie­ber mit dem vor­han­de­nen Kiez ver­wach­sen. Schon jetzt kom­men die meis­ten Besu­cher ohne­hin aus dem Wed­ding und Gesund­brun­nen. Ein Hin­weis­schild für die Braue­rei wird der unein­ge­weih­te Gast übri­gens ver­geb­lich suchen. Wenn Licht in der Ant­wer­pe­ner Stra­ße 3 brennt und ein Vaga­bun­den-Bün­del über der Tür hängt, ste­hen die Chan­cen gut, dort ein frisch gezapf­tes Bier zu bekom­men. Neben eige­nen Gärun­gen haben die Bier­ken­ner auch immer eini­ge her­aus­ra­gen­de Bie­re ande­rer Braue­rei­en auf der Tafel – vom  Wed­ding Pale Ale, über das wir frü­her schon ein­mal berich­te­ten, bis zum drei­fach ver­go­re­nen Trap­pis­ten­bier aus Belgien.

Vagabund BündelErst ein­mal wird sich nur einer der drei Self­made-Brau­er auch haupt­be­ruf­lich ums Geschäft küm­mern. „Das Vaga­bund kann rei­fen, genau­so wie ein gutes Bier. Natür­lich wol­len wir irgend­wann davon leben. Aber es okay, wenn das ein paar Jah­re dau­ert“, fin­det Tom. Viel­leicht wächst die Hand­werks-Braue­rei dann ein­fach in einem Tem­po, das der Qua­li­tät nicht abträg­lich ist und das Umfeld im Brüs­se­ler Kiez nicht all­zu rasant verändert.

Ein Trend mit Tra­di­ti­on: Es braut sich schon lan­ge was zusam­men zwi­schen der Mül­ler­stra­ße und der See­stra­ße. Die Kunst der Bier­her­stel­lung hat in die­ser Gegend des Wed­ding eine gewis­se Tra­di­ti­on; gab es doch von 1891 – 1982 die Hoch­schul-Braue­rei an der Ver­suchs- und Lehr­an­stalt für Braue­rei in der See­stra­ße 13. 45.000 Hek­to­li­ter wur­den dort in den 1920er-Jah­ren gebraut! Heu­te set­zen neue Brau­meis­ter eher auf Klas­se statt auf Mas­se. Seit 2001 beweist das „Eschen­bräu“ in der Trift­stra­ße, wie­viel Aro­ma in unge­fil­ter­tem Bier steckt – zu Recht ist die Haus­braue­rei mit der Apfel­saft­pres­se und der Whis­ky­bren­ne­rei schon lan­ge kein Geheim­tipp mehr. Wer wis­sen will, was sich aus den weni­gen Grund­zu­ta­ten von Bier so alles zusam­men­brau­en lässt, der ist im Spe­zi­al­ge­schäft Hop­fen & Malz, gleich um die Ecke vom Eschen­bräu, in der Trift­stra­ße 54, gut aufgehoben.

Web­site

Ant­wer­pe­ner Str. 3, 13353 Berlin

täg­lich geöff­net ab 17.00 Uhr, Sa/So ab 13.00 Uhr

VAGABUND Brewery: Mature in peace

Quelle. VAGABUND Brauerei
Quel­le. VAGABUND Brauerei

This is the sto­ry of three Ame­ri­cans in their mid-thir­ties who came to Ger­ma­ny to learn how to brew. Hap­py about the qua­li­ty of the beer but not satis­fied with its diver­si­ty, they had an plan: to show Ber­lin the vast varie­ty of beer flavours.

“Of cour­se, we qui­te lik­ed the beer here”, says Tom Cro­zier, “but most­ly it is only Pils.” – no trace of varie­ty and expe­ri­men­ta­ti­on. The Eng­lish tea­cher and his two friends, David Speng­ler and Matt Walt­hall, did not hesi­ta­te for long and star­ted brewing their own beer in their kit­chen, using US ingre­dients. “Pret­ty cra­zy for Ame­ri­cans to start a bre­we­ry in Ger­ma­ny,” says Tom. They deci­ded to fol­low the trend of craft beer brewing which star­ted in the US a cou­p­le of years ago and is now ent­e­ring Ber­lin and Wedding.

Why Vagabund?

“Ever­yo­ne wants to know that“, Tom grins, “but the name is real­ly obvious. A vag­abond is someo­ne who lea­ves home to dis­co­ver some­thing new, to find new friends, who can find his home any­whe­re.” As the brewing mas­ters (Brau­meis­ter, or mas­ter bre­wer, is a pro­tec­ted tit­le in Ger­ma­ny) have sett­led down a bit, they now live a less roa­ming life than a lot of their guests. At Vaga­bund bre­we­ry, which has a cart­wheel and hops as its logo, a color­ful mix of peop­le gathers. Com­mu­ni­ty and con­vi­via­li­ty were also the rea­sons for Vagabund’s suc­cess­ful start.

Crowdfunded beginnings

“We lear­ned brewing main­ly from books and the Inter­net!“ Tom sounds proud as he says this. He knows that he would­n’t have been given a bank loan with this ‘brewing expe­ri­ence’, so the bre­we­ry nee­ded to be fun­ded in other ways. Enthu­si­asm and an idea far away from the main­stream were the necessa­ry ingre­dients for a suc­cess­ful crowd­fun­ding pro­ject. Wit­hin two mon­ths, they mana­ged to get 22,000 € for tech­ni­cal app­li­an­ces. The mem­bers of the ‘Com­mu­ni­ty Sup­por­ted Ber­we­ry’, who gave this initi­al sum to Vaga­bund, recei­ve beer or T‑shirts for their capi­tal. Plus, ever­yo­ne can help with or watch the brewing pro­cess – there’s a lot to learn about the beer uni­ver­se. The fami­li­al atmo­s­phe­re and the opti­on to try things are important for the bre­wers and their supporters.

Growing in the Kiez

Vagabund 3A big, yet cozy room with a long woo­den coun­ter whe­re you can have a good chat is the mee­ting point of the com­mu­ni­ty. “We live in Wed­ding and don’t want to chan­ge it,” exp­lains Tom. Ins­tead of upgrading the Kiez, Vaga­bund wants to grow in it. Alrea­dy, most of the guests come from Wed­ding and Gesund­brun­nen. If there’s light and Vagabund’s logo is han­ging abo­ve the door, your chan­ces of get­ting a nice fresh beer are very good at Ant­wer­pe­ner Str. 3. Tog­e­ther with their own crea­ti­ons, the three always offer excep­tio­nal beers from other bre­we­ries, such as Wed­ding Pale Ale or the Bel­gi­an ‘Trap­pis­ten­bier’.
For now, only one of the three self-made bre­wers will cater for the busi­ness full-time. “Vaga­bund can matu­re, just as a good beer. Of cour­se, we want to be able to live of it, but it is OK if that takes a cou­p­le of years,” Tom finds. May­be the bre­we­ry just grows in a way that works for the Kiez…

A tra­di­tio­nal trend

Brewing has a tra­di­ti­on in Wed­ding: Bet­ween 1891 and 1982, the University’s expe­ri­men­tal bre­we­ry­e­xis­ted at See­str. 13, brewing 45,000 hec­to­li­ter in the 1920’ies. Today, the bre­wers pre­fer qua­li­ty ins­tead of quan­ti­ty. Sin­ce 2001, ‘Eschen­bräu’ at Trift­stra­ße has been pro­ving how much tas­te can be found in unfil­te­red beer – the bre­we­ry which also pro­du­ces apple juice and whis­key is not a secret tip any­mo­re. More beer can be found just around the cor­ner, at ‘Hop­fen und Malz’ (Trift­str. 54).

VAGABUND Braue­rei

Ant­wer­pe­ner Str. 3, 13353 Berlin

open thurs­days to satur­days from 7 PM

Trans­la­ti­on: Danie­la Hombach

More on Wedding’s Eng­lish Lan­guage Face­book-Page “Der schö­ne Wedding”

GESCHLOSSEN: “Arirang”: Kulinarischer Kopfsprung nach Nordkorea

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Im Wedding gibt es mehrere koreanische Restaurants. Das “Arirang” ist von allen das unauffälligste. Ein Hinweis darauf, dass das, was hinter abgeklebten Scheiben zubereitet wird, besonders nah an koreanischen Ernährungsgewohnheiten ist? Unser Autor wagt den Versuch…

Frei­tag nacht, 23.30 Uhr. Ich schlen­de­re die See­stra­ße ent­lang, auf dem Rück­weg von einem Freund. Hier, zwi­schen Alham­bra-Kino und Auto­bahn, ist es ruhig um die­se Zeit. Aus einem Laden kommt ein Mann mit einem Put­zei­mer in der Hand und einer Kip­pe im Mund. Clo­sing Time. „Asia­tisch“, den­ke ich, als ich im Schum­mer­licht der Stra­ßen­lam­pe sein Gesicht sehe. Mein Blick geht nach oben, zum Schild über dem Geschäft mit den abge­kleb­ten Schei­ben. Unver­ständ­li­che Schrift­zei­chen, dane­ben steht Ari­rang. „Chi­ne­sisch ist es nicht, japa­nisch, glau­be ich auch nicht“, mut­ma­ße ich. Jetzt ent­de­cke ich die Kindl-Lam­pen, die Spei­se­kar­te neben der Tür. Bestimmt ein Lie­fer­ser­vice. Auf dem Bür­ger­steig ste­hen ein paar Plas­tik­stüh­le an wack­li­gen Tischen mit grell-bun­ten Wachs­tisch­de­cke und den Aschen­be­chern sehen sie aus, als sei­en sie der Auf­ent­halts­be­reich für die Fah­rer.  In Wirk­lich­keit sind sie die Außen­be­stuh­lung eines nord­ko­rea­ni­schen Restau­rants. Der leicht bizar­re, unge­schön­te Auf­tritt setzt sich auf dem Menü fort. Frit­tier­tes Hüh­ner­fleisch mit Ketch­up, Schwei­ne­bauch, mari­nier­ter Tin­ten­fisch, Strand­schne­cke mit Rin­der­ma­gen. Kei­ne leich­te Kost für mit­tel­eu­ro­päi­sche Gau­men. Echt. Echt!

Das sind “nur” die Vorspeisen…

Arirang-Koreanisch-1Am Sams­tag bin ich zur Mit­tags­zeit wie­der da. Zwei Män­ner sit­zen rau­chend an den Wackel­ti­schen wie neu­tra­le Beob­ach­ter einer Welt, mit der sie nur wenig zu tun haben. Mei­ne Hand-zum-Mund-Ges­te, gepaart mit dem fra­gen­den Blick, bewirkt ein sich ver­stär­ken­des Nicken. Denn geht einer der bei­den nach drin­nen und erscheint mit einer gel­ben Spei­se­kar­te wie­der. Dass die Gerich­te in drei Spra­chen – korea­nisch inklu­si­ve Ver­to­nung im latei­ni­schen Alpha­bet, chi­ne­sisch und deutsch – benannt und leid­lich erklärt sind, öff­net die Tür zu die­ser unbe­kann­ten kuli­na­ri­schen Welt höchs­tens einen Spalt breit. Auch die paar Fotos auf der Rück­sei­te sind kei­ne gro­ße Hil­fe. Ent­lang der Preis­ska­la, die bei den Menüs schnell die 20-Euro-Mar­ke reißt, han­ge­le ich mich ent­lang wenig ris­kan­ter Kom­bi­na­tio­nen: Nudeln, Sup­pe, wenig scharf… Ich pen­de­le mich ein bei Teig­ta­schen gefüllt, das Dut­zend für 6 Euro, und Nudel­ein­topf. Dazu ein Wei­zen­tee als dezent muti­ger Geträn­ke­aus­flug auf kuli­na­ri­sches Neu­land. Drauf­zeig-Bestel­lung. Eigent­lich zwei Vorspeisen.

Die Bandbreite neuer Geschmackserlebnisse

Zehn Minu­ten spä­ter kommt in schnel­ler Fol­ge ein Tel­ler mit korea­ni­schen Ravio­li – im Kreis grup­piert um ein Schäl­chen Soja­so­ße, eine Scha­le Reis, ein mäch­ti­ger Sup­pen­pott voll mit Ein­la­ge und dazu ein gro­ßer Salat­tel­ler mit Gur­ken, Soja­spros­sen, frit­tier­ten Kar­tof­feln und Kohl. „Aber den Salat und den Reis habe ich doch gar nicht bestellt!“, bedeu­te ich dem Kell­ner. Er lächelt schief und sagt knapp: „Dazu!“ Ich sit­ze vor einem Berg vol­ler Essen. Ein Schluck Tee, dann Kopf­sprung in neue Geschmacks­wel­ten. Mei­ne Frei­schwim­mer­leh­ren: Gur­ke schmeckt mit Chi­li nicht mehr nach Nix und mil­dert gleich­zei­tig Schär­fe. Soja­spros­sen roh muss man nicht mögen und sau­er ein­ge­leg­ten Weiß­kohl nicht zum All­tags­s­nack erwäh­len. Genau dafür bie­ten sich aber die Teig­ta­schen an – ob mit oder ohne Soja­so­ße. Der prall gefüll­te Sup­pen­topf mit fase­ri­gem Rind­fleisch und Glas­nu­deln passt zum Win­ter wie Woll­so­cken und Kamin­feu­er. Die idea­le Anti-Win­ter­de­pres­si­ons-Ernäh­rung. Bleibt aus­zu­pro­bie­ren, wie die Welt korea­ni­scher Haus­manns­kost hin­ter der undurch­sich­ti­gen Schau­fens­ter­schei­be schmeckt.

Autor: Mar­cus Bauer

See­str. 106 (nahe Togostr.), 

Tel. 45021248, täg­lich 12 – 23 Uhr

Weddingwoche #18: Die Mitmach-Bücherei

Bücherbox vor dem Centre Francais in einer französischen TelefonzelleDer öffent­li­che Auf­schrei war groß, als letz­te Woche die Mel­dung von der geplan­ten Schlie­ßung des Mai­son de Fran­ce am Ku’damm durch die Pres­se ging. Gleich war die Rede von einer Kür­zung der kul­tu­rel­len Prä­senz Frank­reichs an der Spree. “Mit­nich­ten!”, denkt man da im Wed­ding. Schließ­lich wur­de erst ein paar Tage zuvor eine neue deutsch-fran­zö­si­sche Büche­rei eröff­net. Direkt neben dem Ber­li­ner Eif­fel­turm in der Mül­ler­stra­ße. Eine klei­ne zwar – aber immer­hin. Die so genann­te Biblio­boXX ist unter­ge­bracht in einer umge­bau­ten fran­zö­si­schen Tele­fon­zel­le und gut gefüllt mit deutsch­spra­chi­ger und fran­ko­pho­ner Lite­ra­tur. Das Kon­zept gibt sich nach­hal­tig und inno­va­tiv – weil inter­ak­tiv: “Bring ein Buch – nimm ein Buch – lies ein Buch!” lau­tet das Mot­to für die Mit­mach­bü­che­rei. Dem Ehren­gast bei der Ein­wei­hung, Frank­reichs Gene­ral­kon­sul, Jean-Clau­de Tri­bo­let, wür­de nur ein Schelm unter­stel­len, mit der Eröff­nung die­ses platz­spa­ren­den Kul­tur­guts die Schlie­ßung eines reprä­sen­ta­ti­ve­ren Musen­tem­pels kaschie­ren zu wol­len. Viel lie­ber sehe ich dar­in eine geleb­te Ges­te fran­zö­si­scher Wer­te: Frei­heit – die Büche­rei ist rund um die Uhr geöff­net. Gleich­heit – im Ange­bot sind fran­zö­si­sche und deut­sche Lite­ra­tur glei­cher­ma­ßen. Brü­der­lich­keit – die Biblio­boXX ist Teil einer Azu­bi-Koope­ra­ti­on bei­der Län­der. Im Früh­jahr soll die Mini-Büche­rei auf Rei­se durch Ber­lin gehen, bevor Sie dann vor dem Cent­re Fran­çais in der Mül­ler­str. 74 ihren end­gül­ti­gen Stand­ort bezie­hen wird. Also vor­sorg­lich schon mal die Rega­le durch­fors­ten nach anspre­chen­der Lite­ra­tur, weil die Biblio­boXX schließ­lich vom Mit­ma­chen lebt.

Mehr Infor­ma­tio­nen über die Mit­mach­bü­che­rei fin­det man unter http://buecherboxx.wordpress.com

Autor: Mar­cus Bauer

Weddingwoche #8: Gentrifizierung – geht’s jetzt los?

Ein Gespenst geht um im Wed­ding – das Gespenst der Gen­tri­fi­zie­rung. Und wie das mit den Geis­tern so ist: Sie ver­hül­len sich, sind schwer greif­bar, vie­le fürch­ten sich davor und längst nicht jeder glaubt dar­an. Was hat es nun auf sich, mit dem befürch­te­ten Ansturm der zah­lungs­kräf­ti­gen Meu­te jun­ger Krea­ti­ver, die um jeden Preis den alt­ein­gesse­nen Wed­din­gern die lieb­ge­won­ne­ne Woh­nung weg­mie­ten will? Ist ein Lat­te Mac­chia­to auf der Spei­se­kar­te schon Anzei­chen für den schlei­chen­den Wan­del? Muss man sich fürch­ten vor den Gale­ris­ten, die nun lan­ge leer­ste­hen­de Laden­lo­ka­le mit Kunst­wer­ken vollhängen?

Spöt­ter behaup­ten ja, mit der Gen­tri­fi­zie­rung sei es im Wed­ding so wie mit dem Vor­spiel im Gro­schen­ro­man: Das zieht sich auch ewig hin und am Schluss pas­siert dann doch nichts Spannendes.

Ich per­sön­lich sehe die Sache ganz prag­ma­tisch: Fri­scher Wind ist immer gut, solan­ge er nicht alle fest oder auch frisch ver­wur­zel­ten Bäu­me und Büsche weg­weht und das Kli­ma nicht ganz so rau und kalt wird.

Viel­leicht bringt ja der Stadt­so­zio­lo­ge Dr. Andrej Holm ein wenig Ord­nung in den schein­bar unkla­ren Stand der Din­ge. Der Stadt­so­zio­lo­ge gas­tiert am Sams­tag, 23. Febru­ar 2013 von 15 bis17 Uhr mit sei­nem Vor­trag „Crash­kurs: Gen­tri­fi­zie­rung – nächs­ter Halt Wed­ding?“ im August Bebel Insti­tut in der Mül­ler­stra­ße 163. Wei­te­re Infor­ma­tio­nen zur Ver­an­stal­tung unter http://bit.ly/mueller-163

Autor: Mar­cus Bauer

Die Wed­ding­wo­che ist eine wöchent­li­che Kolum­ne über aktu­el­le Ereig­nis­se in unse­rem Stadt­teil. Die­se erscheint auch sams­tags im Ber­li­ner Abend­blatt, Aus­ga­be Wedding.

Hier geht es zu den letz­ten Aus­ga­ben des Ber­li­ner Abendblatts

Weddingwoche #6: Die Wiedergeburt

Das Kre­ma­to­ri­um – zukünf­tig ein Kulturort

Die Wed­ding­wo­che ist eine wöchent­li­che Kolum­ne, die auch im Ber­li­ner Abend­blatt erscheint.

Mit dem Ster­ben ist es wie mit dem Haa­re schnei­den. Da ist nie Still­stand, es gibt immer was zu tun. Dem Kre­ma­to­ri­um im Wed­ding, das ers­te über­haupt in Preu­ßen, hat das aber nix genutzt. Seit über zehn Jah­ren rau­chen die Schorn­stei­ne schon nicht mehr am Net­tel­beck­platz. Toten­still war es lan­ge um das mar­kan­te Gebäu­de mit der 18 Meter hohen Kup­pel. Seit letz­tem Jahr fir­miert es nun unter neu­em Besit­zer als silent green kulturquartier.

Lang­sam kommt wie­der Leben in die Bude. Der Start­schuss für den neu­en Ver­an­stal­tungs­ort fällt gleich mit gro­ßem Tam-Tam: Die Ber­li­na­le hält Ein­zug. Ab 7. Febru­ar ist im Ex-Kre­ma­to­ri­um die Grup­pen­aus­stel­lung des Forum Expan­ded zu sehen. Als „ruhi­gen Raum, der die Wahr­neh­mung fokus­siert und zu Pro­jek­tio­nen im dop­pel­ten Sin­ne ein­lädt“ kün­di­gen die Ver­an­stal­ter das Gebäu­de an. Inter­na­tio­na­le Kunst statt Grab­ge­ste­cke. Eine schö­ne Nach­nut­zung. Und irgend­wie passt es dann ja auch, dass die Krea­ti­ven sich ger­ne in Schwarz kleiden…

Autor: Mar­cus Bauer


Mehr Infos zur Ber­li­na­le und zum Forum Expan­ded gibt es hier

http://www.berlinale.de/de/presse/pressemitteilungen/forum/forum-presse-detail_16980.html