Dr. Georg Benjamin (1895-1942) – Der Schularzt vom Wedding

Der Name Georg Benjamin taucht in Berlin nur noch selten auf. Viele Orte und Institutionen, die nach ihm benannt waren, wurden nach dem Fall der Mauer entweder umgewidmet oder existieren heute nicht mehr. Lediglich eine kleine Straße in Buch ist ihm geblieben sowie eine Erwähnung in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde.

Zuhause ist es doch am schönsten: 30 Jahre StattReisen

Foto: D_Kori
Foto: D_Kori

„Statt zu verreisen, kann man auch in der Stadt bleiben und diese unter immer wieder neuen Gesichtspunkten erleben“, beschreibt Jörg Zintgraf, Geschäftsführer von StattReisen Berlin, das Konzept seiner Firma. Schon seit 1983 bietet das Weddinger Unternehmen Stadtspaziergänge an, die gleichermaßen für Touristen von außerhalb und für Einheimische konzipiert sind. Gut die Hälfte der Teilnehmer an den Führungen sind folgerichtig auch Bewohner Berlins. „Die Touristen und die Berliner miteinander ins Gespräch bringen ist uns ganz wichtig“, sagt Zintgraf, „denn so wird der Zoo-Effekt vermieden und die Stadt wirklich greifbar gemacht.“ Zunehmend interessieren sich nämlich die Berlin-Besucher nicht nur für die Gebäude und Museen, sondern auch für den ganz normalen Alltag in dieser Millionenstadt „Es kann durchaus reizvoll sein, sich auch die vermeintlichen Ghettos näher anzusehen“, sagt der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Dr. Christian Hanke, in dessen Bezirk mit Moabit, Wedding und Gesundbrunnen drei Ortsteile liegen, die Reiseführer noch nicht auf dem Schirm haben. Doch dass genau in den Wohngebieten der „kleinen Leute“ ein touristischer Reiz liegen kann, glaubt auch der Bürgermeister. Es kann für den einen oder anderen Touristen durchaus spannend sein, eine preiswerte Unterkunft in einem einfachen, aber lebendigen Innenstadtviertel wie dem Wedding zu haben und von dort aus Berlin zu erkunden.

Wedding von Kennern für Neugierige

Foto: D_Kori
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In einer Umfrage haben wir die Facebook-Fans des Weddingweisers gefragt, was sie Besuchern im Wedding gerne zeigen. Neben den „Top-Sehenswürdigkeiten“ wie den beiden Schinkelkirchen am Leopoldplatz bzw. an der Pankstraße Ecke Badstraße, der Weltkulturerbe-Siedlung Schillerpark oder dem Plötzensee werden auch kuriose und eher unauffällige Dinge genannt. Zum Beispiel empfiehlt ein Leser einen kurzen Spaziergang in den Sprengelkiez zum Madenautomaten in der Tegeler Straße, „weil der einfach ein Unikat ist“, und im Anschluss geht es dann in den Humboldthain wegen der Aussicht. Je nach Interessengebiet gibt der Wedding auch schon eine Menge thematischer Spaziergänge her, z.B. wenn es nur um Kunst gehen soll: „für die Großen und die Kleinen: secondhomeproject, Galerien in den Osramhöfen, Ateliers auf dem ExRotaprint-Gelände und in den Uferhallen“ und vieles mehr, schreibt eine Leserin. Oder man schickt den Besuch nur in Kneipen wie das Eschenbräu, zur Lesung mit den Brauseboys, in die Atelierwochenenden der Kolonie Wedding oder ins Mastul.

Für Fremde eher überraschend sind die vielen „Geheimtipps“ – die für Weddinger alles andere als geheim sind – wie ein Spaziergang am Panke-Grünzug, am Nordhafen, durch den Sprengelpark oder der kleine Eiffelturm vor dem Centre Francais.

Weddings Schätze liegen im Verborgenen

Thematische Führung durch den Wedding
Thematische Führung durch den Wedding

Zum 30jährigen Jubiläum von Stattreisen schreibt der Tagesspiegel: „Längst ist der inzwischen mehr mittelständische als rote Wedding nur noch ein Teil der Erkundung, die ganze Stadt ist entdeckenswert.“ Und letztendlich haben die Erfinder der Stattreisen recht, wenn sie auf die Verbindung von Touristen und Einheimischen bauen. So schreibt ein Leser, welche drei Dinge er seinen Besuchern zeigt: „die Hinterhöfe gewisser Wohnhäuser, die Panke entlang laufen und Geschichten dazu erzählen, Seitenstraßen entdecken“, und fügt hinzu: „Abseits des Trubels ist der Wedding am schönsten.“

 

StattReisen, Büro: Liebenwalder Str. 35a

Sprengelkiez: schöner wohnen am Kanal

Der Pekinger Platz am Kanalufer
Der Pekinger Platz am Kanalufer

In einem Ufercafé sitzen oder in einer Hausbrauerei?

Das dicht bebaute Wohnviertel rund um die Sprengel- und die Tegeler Straße verfügt neben einer weitgehend intakten Altbausubstanz aus der Gründerzeit über eine richtige Wasserlage. Im Südwesten des Kiezes verläuft nämlich der Berlin-Spandauer Schiffahrtskanal. Die ausgebaute Uferpromenade mit ihren repräsentativen Wohnhäusern aus der Zeit um 1900 lädt zu Spaziergängen und zu Cafébesuchen ein. Wie an keiner anderen Stelle im Wedding reihen sich hier gastronomische Betriebe aneinander, sowohl traditionelle Kneipen (Lindengarten, Deichgraf) als auch neuere Cafés und Restaurants (Fünfundsechzig, Auszeit). Ebenfalls im Sprengelkiez besteht seit vielen Jahren die Weddinger Hausbrauerei Eschenbräu, wo man im Sommer in einem schattigen Biergarten im Hinterhof sitzen kann. In den letzten Jahren wurde durch ein Quartiersmanagement viel in die vorhandenen Spielplätze investiert.

Neben dem Sparrplatz und dem Pekinger Platz (am Kanal) ist hier vor allem der Sprengelpark zu nennen. Auf dem 10 000 qm großen ehemaligen Industrieareal (hier wurden Wasserflugzeuge gebaut) zwischen der Kiautschoustraße und der Sprengelstraße haben Landschaftsplaner einen urbanen Sport- und Spielpark mit viel Grün geschaffen.

Der kleine, aber feine Sprengelpark
Der kleine, aber feine Sprengelpark

Im Sprengelkiez und in seiner unmittelbaren Umgebung befinden sich wichtige öffentliche Einrichtungen, deren Bedeutung weit über den Wedding hinausreicht. Zu nennen ist hier vor allem das Robert-Koch-Institut am Nordufer. Das 1891 gegründete Institut ist die zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik für Infektionskrankheiten. Es befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus (heute: Charité Campus Virchow). Die zentrale Berliner Ausländerbehörde liegt ebenfalls am Kanalufer, jedoch auf der gegenüberliegenden Moabiter Seite. Sie ist mit dem Torfstraßensteg an den Sprengelkiez angebunden. Auch Beschäftigte und Studierende der nahe gelegenen Beuth-Hochschule drücken dem Sprengelkiez ihren Stempel auf. Daher findet man in diesem Kiez mehr studentisches Einflüsse und die passende Infrastruktur als in anderen Vierteln im Wedding.


Sehenswertes am Nordufer und im Kiez

Torfstraßensteg
Torfstraßensteg

Da das Industriegelände an der Sprengelstraße erst am Ende des 19. Jahrhunderts aufgegeben wurde, konnte sich der westliche Teil des Kiezes am Nordufer erst um 1900 herum zu einem Wohngebiet entwickeln. Die repräsentative Gebäudegruppe zwischen Fehmarner Straße, Nordufer und Buchstraße ist ein besonders gelungenes Beispiel für genossenschaftlichen Reformwohnungsbau. Vor allem die Eckbauten, davon eines sogar mit einem Doppelgiebel, prägen das Kanalufer an diesem Abschnitt. Auch das Eckhaus Torfstraße/Kiautschoustraße ist ein großbürgerlicher Prachtbau, wie es ihn im Wedding eher selten gibt. Die Osterkirche liegt an der Samoastraße / Sprengelstraße und damit exakt in der Mitte des Sprengelkiezes. Die wuchtige Backsteinkirche ist in die Ecke eines Blocks gebaut und vereint Kirchenschiff, Turm und Pfarrhaus in einem einzigen Gebäude. Das gewölbelose Kircheninnere ist mit prachtvollen Malereien versehen. Das Geschäftszentrum des immer beliebter und damit auch teurer werdenden Sprengelkiezes ist neuerdings die Tegeler Straße mit ihren vielen Cafés, Restaurants und Fachgeschäften. Aber auch in die Sprengelstraße zieht es Nachtschwärmer (in das gleichnamige Musiklokal) oder in die vielen kleinen Gastronomiebetriebe.

Tegeler Sprengel StrKaffeeangebot im Bioladen Tegeler Str

 

 


Roter Wedding, schlechter Wedding

Prime Time TheaterIn Richtung Müllerstraße ist der Kiez stärker von sozialen Problemen geprägt, was vor etlichen Jahren auch der Grund für die Einrichtung des Quartiersmanagements Sparrplatz war. Der namensgebende Platz ist eine langgezogene Grünanlage mit Bolz- und Spielplätzen. Genau in dieser Lage ist mit dem Prime-Time-Theater an der Burgsdorfstraße/Müllerstraße ein kultureller Anziehungspunkt von berlinweiter Relevanz entstanden. Dessen Alleinstellungsmerkmal ist eine fortlaufende Seifenoper auf der Bühne namens „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“. Doch anders als bei dem vermeintlichen TV-Vorbild gibt es bei diesem Theaterspaß mit Weddinger Originalen echtes Gelächter eines glänzend unterhaltenen Publikums. Direkt nebenan liegt die Berliner SPD-Zentrale (Kurt-Schumacher-Haus) – traditionell eng mit dem „roten Wedding“ verbunden. Bedeutend für den ganzen Ortsteil ist auch das Jobcenter direkt gegenüber – untergebracht in einem typischen Arbeitsamtsgebäude aus den 1950er Jahren.

St. Josef in der Müllerstraße
St. Josefskirche an der Müllerstraße