Silvestermüll: Ehrensache für Weddinger

Alle Jahre wieder – und noch unwitziger als die 100.000. Wiederholung von „Dinner for One“ ist der Anblick der total zugemüllten Straßen nach der Silvesternacht. Nicht nur, aber eben auch vor unserer Tür, im Wedding. An Neujahr geht man spazieren, allein schon, um zu schauen, welche Spuren die „Naturkatastrophe“ Silvester hinterlassen hat. Eine von einem Böller zerfetzte Ratte vor der Haustür war da noch das Originellste, was ich diesmal zu sehen bekam. Aber ich sah auch Weddinger Kiezbewohner, die sich mit Besen und Schubkarre bewaffnet haben und die ersten Spuren beseitigen. Und zwar die vom Feiern anderer Leute. So sehr mich dieses vereinzelte Engagement erfreut, so sehr ärgert mich die Mentalität derjenigen, die den Müll verursacht haben. Irgendjemand wird’s schon wegräumen, wie immer. Wofür bezahlt man schließlich Hundesteuern, Abfallgebühren oder andere Abgaben?

Heißt es im Wedding jetzt „Glastonnen adé“?

Der ein oder andere wird es schon im eigenen Hinterhof bemerkt haben: Die beiden Glastonnen für Weißglas und für Buntglas bekommen Seltenheitswert, zumindest wenn man nicht innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings wohnt. Bis Januar 2020 sollen 30.000 Tonnen verschwunden sein, sodass nur noch 62.000 verbleiben. Für die Betroffenen heißt das: Man muss mit seinem Altglas den Weg zu den zentral aufgestellten „Iglus“ auf sich nehmen, wo nach drei Farben unterschieden wird. Der Grund für diese Aktion: Im Hausmüll werde zu schlecht getrennt. Noch kann dem widersprochen werden.

Dem Sperrmüll an den Kragen: Aktionen im Wedding

Sperrmüll - einfach auf die Straße gestellt. Foto: Hensel
Sperrmüll – einfach auf die Straße gestellt. Foto: Hensel

Wenn es ein Thema gibt, das generationenübergreifend für Aufregung im Wedding sorgt, dann ist es der Sperrmüll auf den Straßen. Verschwindet eine Müll-Ecke, taucht bald wieder die nächste auf: Sofagarnituren, Röhrenfernseher, sogar ganze Schrankwände werden einfach auf die Straße gestellt. Ein möglicher Lösungsweg, den die Berliner Stadtreinigung (BSR) bis jetzt noch nicht geht, ist eine kostenlose Sperrmüllabholung zu festen Terminen im Jahr. Dies wünschen sich immer mehr Weddinger, wie die Diskussionsverläufe in unserer Facebookgruppe „Weddingweiser Pinnwand“ zeigen. Der Bezirk Mitte scheint dort mitzulesen und hat nun die Initiative ergriffen: Die BSR wurde beauftragt, an bestimmten Aktionstagen in verschiedenen Kiezen tätig zu werden. Hier listen wir einmal alle Termine für den Wedding auf.

Müll vermeiden. Müll richtig entsorgen

Eine gelbe große MülltonneDie Ankündigung, die Glastonnen von den Berliner Hinterhöfen abzuziehen und durch die wenigen „Iglus“ auf den Straßen zu ersetzen, hat auch viele Weddinger erschrocken. Sowieso scheinen wir Deutschen zwischenzeitlich von den „Weltmeistern im Mülltrennen“ zu Plastikmüll-Junkies mutiert zu sein. Daher fragen sich immer mehr Menschen: Wie können wir weniger Müll entstehen lassen und wie wird er eigentlich richtig getrennt?

Die Sache mit den Einkaufswagen

Seit gut zwei Jahren haben einige Discounter, Supermärkte, Möbelhäuser und Baumärkte in bestimmten Teilen des Weddings ein gravierendes Problem: Einkaufswagen-Diebstahl. Denn dieses praktische Gefährt wird vielerorts schon lange nicht mehr nur im Geschäft selber genutzt, sondern dient scheinbar auch vielen Weddingern als Transporthilfe, Umzugswagen, Möbel, Mülltonne, Schlafplatz , Grill, Taxi oder Wertanlage. Manchmal stehen sie auch unmotiviert in Grüppchen auf den Gehwegen herum. Warum das nicht nur ein optisches Ärgernis ist, erfahrt ihr hier. Eine Bildersammlung gibt es am Ende des Textes.

Kommentar zur Lebensmittelverschwendung

Meinung Es war einer dieser Abende, an denen alles mit einem unverfänglichen Gespräch zwischen Fremden begann und mit einer leeren Weinflasche endete. Irgendwann drehte sich das Gespräch um die Verschmutzung der Meere, Klimawandel und das eigene Konsumverhalten. Hitzig wurden Maßnahmen debattiert, für die jedoch immer ein Gegenargument in irgendeinem Teil der Wertschöpfungskette lauerte. Fast zynisch schauten wir alle auf die leere Flasche Wein, bis sich eine der Beteiligten verabschiedete: „Das, was momentan passiert, ist schrecklich, aber was kann ich tun?“

Mit einer App Weddinger Lebensmittel retten

Jährlich werden mehr als ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weltweit weggeworfen. Die App Too Good To Go versucht dem entgegenzuwirken, indem Betriebe überschüssiges Essen kurz vor Ladenschluss zu einem günstigeren Preis anbieten. Besonders Cafés, Supermärkte und Bäckereien im Wedding stehen nun im Fokus des Managements. Bereits 17 Betriebe – darunter Cafés, Ketten und Caterer – haben ein Profil in der App. 

Bitte putz unsere Grünflächen, liebe Stadtreinigung!

Mitarbeiter der Stadtreinigung reinigen eine Grünfläche. Foto: BSR
Mitarbeiter der BSR reinigen eine Grünfläche – leider nicht im Wedding. Foto: BSR

Meinung Ich freue mich für den Lustgarten, ich freue mich für den Monbijoupark und ich freue mich für den Volkspark am Weinbergspark! Diese Flächen im Bezirk Mitte haben das große Los gezogen, sie werden seit dem 1. Juni regelmäßig von den Männern in Orange besucht. Der Pilotprojekt Parkreinigung der Berliner Stadtreinigung (BSR) wurde nämlich gerade auf 46 Parks, Grünflächen und Spielplätze erweitert. Vorher waren es 16 Berliner Parks, die von der BSR gereinigt wurden. Im Umfeld der Pilotflächen gab es bisher viel Lob für die Neuerung.