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Maßnahmen gegen die Vermüllung des Wedding:
Bilanz mit bitterem Beigeschmack

Das Bezirksamt Mitte hat eine Bilanz der Kampagne #Mittemachtsauber für das Jahr 2025 vorgelegt. Ziel der Kampagne ist es, die Sauberkeit im öffentlichen Raum zu verbessern – durch Maßnahmen der Verwaltung ebenso wie durch die Zivilgesellschaft. Ohne die geht sowieso nichts mehr.

Im Laufe des Jahres wurden in mehreren Kiezen verschiedene Aktionen umgesetzt. Dazu zählten Clean-ups, Informations- und Mitmachangebote sowie begleitende Öffentlichkeitsarbeit, häufig in Zusammenarbeit mit lokalen Initiativen. Als ein Schwerpunkt wird unter anderem der Soldiner Kiez genannt, wo regelmäßig Reinigungsaktionen stattfanden.

Eine zentrale Rolle spielten die BSR-Kieztage. Nach Angaben des Bezirksamts wurden 2025 insgesamt 31 Aktionstage durchgeführt, die von rund 15.000 Menschen genutzt wurden. Dabei seien mehr als 228 Tonnen Sperrmüll entsorgt und etwa 25 Tonnen wiederverwendbares Material für Re-Use gesichert worden.

Weitere Bestandteile der Kampagne waren ein Müllfest auf dem Leopoldplatz mit über 1.500 Besucher*innen, ein Schulwettbewerb zum Thema Abfall, der sogenannte „Müllgipfel 2.0“ im Parkviertel sowie ausgeweitete Sperrmüllaktionstage, ebenfalls mit Schwerpunkt im Soldiner Kiez. Begleitet wurden diese Aktivitäten durch eine stärkere Präsenz in sozialen Medien und eine neue Kampagnenwebseite.

Aufseiten der Verwaltung verweist das Bezirksamt unter anderem auf die Unterzeichnung der Zielvereinbarung „Sauberkeit und Ordnung im öffentlichen Raum“, die Einrichtung einer Soko Müll, verstärkte Präventions- und Kontrollmaßnahmen des Ordnungsamts sowie Schwerpunktaktionen zur Mehrwegpflicht. Die Zahl der Beschwerden zum Thema Müll sei rückläufig, heißt es. Die Kampagne soll 2026 fortgesetzt werden.

Ohne das Engagement von Bürger:innen geht gar nichts mehr

Kommentar

Es ist gut, dass sich der Bezirk Mitte so engagiert mit dem Thema Müll beschäftigt und Strukturen schafft, um zumindest punktuell gegenzusteuern. Gleichzeitig bleibt ein bitterer Beigeschmack: All diese Zahlen, Kampagnen und Sonderaktionen erzählen auch davon, wie sehr sich Müll im Alltag vieler Kieze normalisiert hat. Wenn hunderte Tonnen Sperrmüll eingesammelt werden, ist das kein Grund zur Selbstzufriedenheit, sondern ein Hinweis auf ein dauerhaftes Problem, das die BSR-Preispolitik in Frage stellt.

Was in der Bilanz fast nüchtern klingt, ist vor Ort oft frustrierend. Überquellende Ecken, ständig neuer Unrat, immer wieder dieselben Stellen. Umso mehr fällt auf, wie viel Verantwortung die Anwohnenden selbst übernehmen, weil sie sich auf die Arbeit der Stadtreinigung nicht mehr verlassen. Ohne Clean-Ups wie im Sprengelkiez, Gruppen wie den „Litterpickers“ und die vielen Menschen, die, ohne viel Aufhebens darum zu machen, mit Greifer und Müllbeutel losziehen, würde vieles liegen bleiben. Dieses Engagement ist leise, freiwillig und oft unsichtbar – aber es hält den Kiez zusammen. Dass es überhaupt so dringend gebraucht wird, sagt viel über die Lage aus.

Service

Nächste Kieztage der BSR: Samstag, 17.1.2026
8:00–13:00 Uhr: Kameruner Straße 9–11

Mittwoch, 11.2.2026
13:00–18:00 Uhr: Armenische Straße 10

Dienstag, 31.3.2026
13:00–18:00 Uhr: Malplaquetstraße 12 (Ecke Utrechter Straße)

Mittwoch, 20.5.2026
13:00–18:00 Uhr: Ostender Straße 12, Zeppelinplatz

Montag, 29.6.2026
8:00–13:00 Uhr: Manga-Bell-Platz 11–13

Joachim Faust

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

weddingweiserredaktion

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Die ehrenamtliche Redaktion besteht aus mehreren Mitgliedern. Wir als Weddingerinnen oder Weddinger schreiben für unseren Kiez.

3 Comments Schreibe einen Kommentar

  1. Die Sperrmüllabholung durch die BSR ist einfach zu teuer und zu kompliziert. 100 Euro Standardgebühr ist schon eine Menge. Das lohnt sich vielleicht bei einer Wohnungsauflösung. Und dann ist es auch kompliziert, weil ja nicht alles mitgenommen wird. Ich finde, das sollte in der Müllgebühr enthalten sein, wie früher die Sperrmüllabfuhr an den Spermülltagen. 2/3 der Berliner haben kein Auto. Da ist es auch schwierig, sperrige Gegenstände zu den Sammelstellen an den Kiez-Tagen zu schaffen.

  2. Der letzte Satz ist entscheidend.
    Dieses ehrenamtliche, zivilgesellschaftliche Engagement verdient den größten, größten Respekt und Anerkennung!
    Es ist beeindruckend und erschreckend zugleich was bei den Clean-ups hier im Kiez regelmäßig für große Mengen an Müllbeuteln zusammenkommt.
    Dennoch ist der Kiez – sorry vielmals, falls ich hier eine Kiez-Ehre verletze – einfach eines: vermüllt.
    Es ist ja nicht so, dass der viele Müll irgendwann mal auf einmal sorglos oder aso**** auf die Straße gekippt wurde. Nein, es passiert stetig, fortlaufend.
    Wird endlich mal einer der vielen und von mir ans OA gemeldeten Sperrmüllorte beseitigt, dauert es nur wenige Tage bis oftmals an derselben Stelle wieder eine Matratze, ein Kühlschrank oder ein halbes Wohnzimmer landet. Die Menschen, die für dieses aso***** Verhalten verantwortlich sind scheinen entweder nicht sonderlich intelligente zu sein oder aber auch einfach völlig skrupellos immer und immer wieder an denselben Ort Ihren Sperrmüll zu kippen. Dass bei einem solch wiederholenden Verhalten niemand geschnappt wird ist genauso traurig wie der viele Sperrmüll selbst.

  3. Warum gibt man so lobenswerte Aktionen stets fremdartige Bezeichnungen?Verständlichere Namen könnten doch mehr Resonanz hervorrufen

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