Nächstes Ziel: die Wedding-Uni

E-Racer
Rast davon – der E-Racer der Beuth-Hochschule. Foto: Stephan Niespodziany / LNDW

Meinung Per Livestream kann die ganze Welt zuschauen, wie Forscher Alexander Gerst in die ewige Nacht des Weltraums aufbricht. Nicht ganz so viele Zuschauer wird der Aufbruch von hunderttausend Berlinern zur Langen Nacht der Wissenschaften am Sonnabend haben. Sie werden die Entdeckung machen, dass der Wedding für Forscher nicht mehr hinterm Mond liegt. Das führt zu der Frage: Und wann kommt die Wedding-Uni?

Flughafen Tegel: Vom Abfertigungs- zum Hörsaal

Flughafengebäude in Tegel
Flughafengebäude in Tegel

Die rot-schwarz Koalition in Berlin hat die Landesmittel für die Beuth-Hochschule auf 70 Millionen Euro angesetzt. Das sei als Anschubfinanzierung für den Teilumzug der Hochschule auf den Flughafen Tegel gedacht, wie die Bild-Zeitung berichtet. Dort soll die frühere Technische Fachhochschule mit rund 1 500 Studenten vom Wintersemester 2015/2016 an im derzeit noch als Terminal genutzten Hauptgebäude angesiedelt werden. Die Beuth-Hochschule im Wedding  hat eigenen Angaben zufolge das größte ingenieurwissenschaftlichen Studienangebot in Berlin und Brandenburg. Dort sind rund 10.000 Studenten eingeschrieben und 300 Professoren tätig. Die Hochschule hat mehrere Außenstellen in der Stadt.

Endlich kein Platzmangel mehr

Neubau der Beuth-Hochschule
Neubau der Beuth-Hochschule

Die Beuth-Hochschule erhofft sich durch den geplanten Teilumzug eine Lösung ihres Platzproblems. Einer Nutzung des leerstehenden Rathausturms im Wedding wurde im letzten Winter eine endgültige Absage erteilt, wie berichtet wurde. Statt dessen wird dort das Jobcenter Berlin-Mitte einziehen. „Uns fehlen etwa 15.000 Quadratmeter. In Tegel sollen wir diese Fläche bekommen“, sagte Hochschulsprecherin Monika Jansen. Nach dem Willen der  SPD und der CDU soll Reinickendorf ab 2015 erstmals Standort einer Hochschule werden. Die von Raumnot geplagte Beuth-Hochschule selbst sieht die Pläne erst einmal sehr positiv. „Wir stehen in den Startlöchern“, sagte Jansen. Tegel liege nur etwa dreieinhalb Kilometer vom Hauptcampus in Wedding entfernt. Und zu diesem Standort bekennt sich die Hochschule weiterhin.

Vor allem die Zukunftstechnologien Erneuerbare Energien, Gartenbau und Landschaftsplanung sollen am neuen Standort Berlin-Tegel gebündelt werden. Platz für Teststrecken und modernste Labore soll ausreichend vorhanden sein. Auch die Gründerwerkstatt soll nach Tegel ziehen.

Website der Hochschule

Beuth-Hochschule bekennt sich zum Standort Wedding

Als sich im Dezember 2011 herauskristallisierte, dass die Beuth-Hochschule (ehemals TFH) nicht in den leerstehenden Hochhausturm des Rathauses Wedding ziehen würde, da das Job-Center Mitte den Zuschlag erhalten hatte,  schien fraglich, ob der überregional bedeutende Hochschulstandort im Wedding zu halten sei. Nun äußerten sich die Präsidentin Prof. Monika Gross und der Erste Vizepräsident Prod. Hans W. Gerber im Interview mit der Sanierungszeitung „Ecke Müllerstraße“ zur Standortfrage nach der Entscheidung gegen den Rathausturm.

„Die ganze Hochschule wird nicht nach Tegel umziehen, nur einige Bereiche“, gab Prof. Gross zu verstehen – der Hauptcampus bleibt im Wedding. Etwas anderes sei auch aus Kostengründen (ca. 500 000 Euro) nicht möglich. Die Beuth-Hochschule hat inzwischen 11.000 Studierende, Tendenz steigend, und ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Kiez zwischen Leopoldplatz und der Amrumer Straße. „Natürlich hat die Entscheidung auch Spuren hinterlassen“, sagt Prof. Gross im Interview, „wir fragen uns schon, wie verlässlich die Aussagen der Bezirkspolitik sind.“

Beuth HochschuleDie Stadtteilvertretung Müllerstraße war nicht nur über die Vergabe des Turms an das Job-Center verwundert, sondern auch über die Art und Weise, wie die Beteiligung dieses gewählten Bürgergremiums „vergessen“ wurde. In einem Brief an den Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, der ebenfalls in der Zeitung „Ecke Müllerstraße (1/2012)“ veröffentlicht wurde, verliehen die Bürgervertreter ihrem Ärger Ausdruck. Dabei sind im Vorfeld der Entscheidung alle Beteiligten, auch der Bezirk, davon ausgegangen, dass die Stärkung des Hochschulstandorts durch das Gebäude direkt an der Müllerstraße auch positive Effekte auf das Sanierungsgebiet Müllerstraße gehabt hätte.

Nun steht zwar fest, dass die Beuth-Hochschule nicht ganz das Handtuch wirft und dem Wedding den Rücken kehrt. Dafür liegen die heutigen Liegenschaften einfach zu zentral. Trotzdem ist viel Porzellan zerschlagen worden: zwischen Bürgern und der Hochschule auf der einen und der Landespolitik auf der anderen Seite.