Das Wichtigste der Woche im Wedding

BVG Busbetriebshof. Entworfen von Jean Krämer. Foto Joachim Faust.Während die BVG sich gerade halb ironisch, halb ernst um die Anerkennung als Weltkulturerbe bewirbt, wurden das silent green und ExRotaprint mit dem Berliner Denkmalpreis ausgezeichnet. Silent green „für die Sanierung und Umnutzung des Krematoriums im Wedding“ und ExRotaprint „für die Sanierung und Umnutzung der Rotaprint Fabrik im Wedding“. Mehr steht in der Pressemitteilung der Senatsverwaltung. Besonders am Tag des offenen Denkmals (2020 am 13. September) sind Führungen durch diese Gebäude ein echtes Highlight.

Zur Demo gegen Mietsteigerungen

Ein Plakat am ExRotaprint. Foto: D. Hensel
Genau das Thema: Ein Plakat am ExRotaprint. Foto: D. Hensel

Meinung Das sagen wir wirklich selten, aber jetzt muss es sein: Geht mal raus aus dem Wedding! Am Samstag findet eine Demonstration gegen Mietsteigerungen am Potsdamer Platz statt. Denn die Mieten steigen auch bei uns, viele Menschen haben Angst, irgendwann finanziell nicht mehr mithalten zu können. Auch im traditionell armen Wedding sorgen sich inzwischen immer mehr Mieter, Vereine, Kreative. Am Samstag werden auch viele Initiativen von hier dem Aufruf folgen und mit dem Marsch unter dem Motto „Mietenwahnsinn widersetzen“ ein Zeichen setzen.

Ex-Staatssekretär Andrej Holm im ExRotaprint

Andrej Holm erklärt den Mieterinitiativen die Gründe seines Rücktritts. Foto: Andrei Schnell

Es ist Montagabend, der 16. Januar. Im ExRotaprint in der Weddinger Gottschedstraße spricht Andrej Holm. Vor wenigen Stunden ist er von seinem Amt als Staatssekretär zurückgetreten. Vorausgegangen war eine wochenlange, öffentliche Debatte über seine Beschäftigung bei der Staatssicherheit in der DDR. Nun will er begründen, warum er zurücktrat. Aber dazu will er nicht eine Pressekonferenz nutzen, sondern er will den Moment der großen Aufmerksamkeit, die er an diesem Tag genießt, für die Mieterinitiativen nutzen. Sie erhalten an diesem Abend Öffentlichkeit. Durch ihn.

Buchprojekt über den Architekten der Rotaprintgebäude braucht Spenden

83-A-090100-Rotaprint GottschedstrMit einer Monographie über die Berliner Architekten Klaus Kirsten und Heinz Nather sollen jetzt zwei Architekten gewürdigt werden, die einen nahezu unbekannt gebliebenen Beitrag zur Nachkriegsmoderne geleistet haben. Die Finanzierung dieses Buchs steht allerdings noch auf tönernen Füßen – von 25.000 Euro sind noch 6.000 Euro offen. Daniela Brahm und Les Schliesser von der ExRotaprint gGmbH, die das Buchprojekt initiiert haben, rufen daher zu Spenden auf, damit das Buch im Herbst erscheinen kann.

Diesterweg-Gelände: Neuer Wohnbauplan bis Mitte Juni

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Das ehemalige Schulgebäude des Diesterweg-Gymnasiums im Brunnenviertel steht seit vier Jahren leer.

Eigentlich sollten die mehr als 300 günstigen Wohnungen im Brunnenviertel längst fertig sein. Im Gemeinschaftsgarten zwischen Putbusser und Swinemünder Straße sollten schon die Tomaten wachsen, in der neuen Kita sollten die Kinder spielen, im großen Saal Veranstaltungen für den Kiez stattfinden. Im Februar 2014 stimmten die Bezirksverordneten von Mitte einhellig für das auch im Kiez favorisierte Projekt des Teams ps wedding und gegen ein konkurrierendes Wohnungsbaukonzept des landeseigenen Wohnungsunternehmens degewo. Doch noch immer steht das ehemalige Gelände des Diesterweg-Gymnasiums leer, nichts ist gebaut und entwickelt worden.

ExRotaprint-Kantine: von wegen liebloses Essen!

Kantine ExRotaprint ZubereitungKantine – das Wort steht für schnelle Verköstigung in der Mittagspause mit einförmigem Essen. „Der Name ist bei uns eher ironisch gemeint“, erklärt André Reutter. Und tatsächlich: die Gaststätte auf dem ExRotaprint-Gelände an der Gottschedstraße 4 unterscheidet sich deutlich von den Speisesälen mit Großküche, die man aus anderen Kantinen kennt. „Das Essen wird bei uns immer frisch vor den Augen der Besucher zubereitet“, sagt der 48-Jährige. Es gibt auch nicht jeden Tag Fleisch – vegetarische Gerichte sind kein Nischenangebot, sondern stellen die Mehrheit der Gerichte dar. „Unser Motto ist: für wenig Geld gut gemachtes Essen anbieten“, erklärt André Reutter. Das Restaurant mit seinen 70 Plätzen steht nicht nur den wenigen hundert Mitarbeitern und Kursteilnehmern des ExRotaprint-Geländes zur Verfügung, sondern wird auch gern von Essensgästen aus anderen Teilen des Weddings besucht.

Der Projektraum von ExRotaprint: Veranstaltungen in der Glaskiste

Nach seiner Sanierung kann der Projektraum der gemeinnützigen ExRotaprint-GmbH wieder als Veranstaltungsort genutzt werden.

Projektraum von ExRotaprintMit seinen Bauten für den Druckmaschinenhersteller Rotaprint entwarf der Architekt Klaus Kirsten in den 1950er Jahren ein Gebäudeensemble, das auch heute noch zu beeindrucken weiß. Als auf dem an der Gottsched- und Bornemannstraße gelegenen Areal noch Maschinen für den Offsetdruck hergestellt wurden, befand sich innerhalb eines Querriegels im Hof das technische Büro. Das niedrige und dennoch repräsentative Gebäude wird auch „Glaskiste“ genannt, denn im einzigen Obergeschoss erstreckt sich auf 185 Quadratmetern ein heller Raum, dessen Längsseiten aus großen Fensterflächen bestehen. Wo sich einst die Rotaprint-Ingenieure über ihre Stehpulte beugten und an ihren Konstruktionsplänen arbeiteten, befindet sich heute der Projektraum von ExRotaprint. Nachdem die Sanierung abgeschlossen wurde, kann er seit Mitte März tageweise angemietet und für Konferenzen, Workshops, Lesungen und Präsentationen genutzt werden. Stühle, Tische und Internetzugang sind vorhanden. Sollte technisches Equipment wie Beamer, Boxen und Mikrophone benötigt werden, kann es zusätzlich gemietet werden. Wer den Raum nutzen möchte, kann sich per Email an das ExRotoprint wenden. Ein Belegungsplan auf der Website zeigt die noch freien Termine an.

Website von ExRotaprint

Ist der Wedding eine Sehenswürdigkeit?

Was gibt’s im Wedding schon großartig zu sehen? Die Reiseführer werden den Touristen meist um diesen Ortsteil herum leiten, allenfalls bei einer Fahrt mit der U-Bahn verschlägt es den einen oder anderen auch schon mal unter’s Weddinger Straßenpflaster. Allenfalls aus Negativ-Schlagzeilen über Kriminalität, Gewalt oder Armut ist unser Wohnort auch überregional ein Begriff. Doch zu glauben, dass nur die Top-Attraktionen für Tourismus sorgen, wäre viel zu eindimensional gedacht. Denn wer sagt, dass es einen Fernsehturm, einen Dom und einen Zoologischen Garten braucht, um neugierige Besucher aus anderen Teilen der Welt zu interessieren? Ist nicht die Tatsache, dass hunderttausende Berliner eben nicht in den „angesagten“ und touristisch erschlossenen Stadtteilen wohnen, allein schon ein Grund, vom touristischen Pfad abzuweichen? Wer sich für das echte Berlin, das Berlin der Kieze interessiert, muss in der Innenstadt schon ein wenig suchen. In Teilen Neuköllns, in Moabit und eben auch im Wedding wird der interessierte Besucher noch am ehesten die für diese Stadt so typische bunte Mischung finden.