Schlagwörter: Brauerei

5 Bars im westlichen Wedding

Bars im westlichen WeddingAusgehen im Wedding ist wie eine Schatzsuche. Ohne eine gute Schatzkarte, Mund-zu-Mund-Propaganda oder einen guten Lokalblog geht da gar nichts. Dabei gibt es genug Auswahl. Man muss sich nur trauen, von den Hauptstraßen in unscheinbare Nebenstraßen auszuweichen. Richtige Kneipenmeilen, wo sich ein Hotspot an den anderen reiht, gibt es im Wedding auch nicht. Zum Glück – so haben auch die Bars im westlichen Wedding ihren Kreis an Stammgästen aufgebaut und sind nicht auf Touristengruppen und Laufkundschaft angewiesen. Die Barlandschaft im Wedding ist nicht einheitlich. Kaum eine Bar will jedem Publikum gefallen. Man muss sie sich erarbeiten. Weiterlesen

Two Fellas: Experimente mit Hopfen und Malz

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Michael Moineau und Robert Faber stecken hinter den Two Fellas. Foto: Two Fellas

Liebhaber des süffigen Bieres und der ausgefallenen Braukunst können sich über eine neue Attraktion im Gesundbrunnen freuen. Die zwei Freunde Michael Moineau und Robert Faber sind vor ein paar Monaten in die Küchenräume des Castle Pubs gezogen und experimentieren unter dem Namen Two Fellas fleißig mit unser aller Grundnahrungsmittel und Flüssigbrot. Es geht natürlich um Bier.

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5 Getränke aus Weddinger Herstellung

Wer beim Wort „Lokal“ nur an eine Kneipe denkt, liegt in diesem Fall nicht völlig daneben. Uns geht es aber hier ausnahmsweise mal um lokal produzierte Getränke mit Wedding-Bezug. Die Bierkultur im Wedding hatte bis vor ein paar Jahren schließlich schwer zu leiden. Los ging’s mit dem noch immer nicht beendeten Massensterben der guten alten Schulti-Eckkneipen. Sie mussten Nagelstudios, Fahrschulen und Spielhallen Platz machen. Dabei hat bei uns die Kunst der Bierherstellung doch eine echte Tradition; gab es doch von 1891 – 1982 die Hochschul-Brauerei an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in der Seestraße 13. Und nicht nur Bier kommt aus dem Wedding – auch Hochprozentiges wird hier gebrannt und Mate-Tee hergestellt…. Weiterlesen

VAGABUND Brauerei: In Ruhe reifen

Dies ist die Geschichte von drei Amerikanern Mitte dreißig, die nach Deutschland auszogen, das Bierbrauen zu lernen. Erfreut über die Güte des Bieres, aber unzufrieden ob der geringen Vielfalt, hatten sie eine kühne Idee: Den Berlinern die volle Bandbreite des Biergeschmacks zu kredenzen.

Quelle. VAGABUND Brauerei
Quelle. VAGABUND Brauerei

„Das Bier hier hat uns natürlich ganz gut geschmeckt“, sagt Tom Crozier, „aber meistens ist es eben Pils.“ Von Sortenvielfalt und Experimentierfreude keine Spur. Der Englischlehrer und seine beiden Freunde David Spengler und Matt Walthall überlegten nicht lange und fingen an, in der heimischen Küche selbst ihr Bier zu brauen – mit Brauzutaten aus den USA. „Ganz schön verrückt für Amerikaner, ausgerechnet in Deutschland eine Brauerei zu eröffnen“, sagt Tom. Doch damit zeichnen sie den Craft Beer-Trend nach, der in den USA schon vor einigen Jahren begann und langsam auch auf Berlin und den Wedding übergreift.

Warum Vagabund?

„Das will jeder wissen“, schmunzelt Tom, „dabei liegt der Name doch eigentlich auf der Hand. Ein Vagabund ist einer der loszieht, um Neues zu entdecken, ungezwungen Freundschaft zu schließen, jemand der überall daheim ist.“ Weil die Meisterbrauer (Braumeister ist sicher ein geschützter Titel im Lande des Reinheitsgebots) ihre Wanderlust etwas eingebremst haben, trifft das Vagabundentum auf sie weniger zu als auf viele ihrer Gäste. Unter dem Brauereilogo, ein für den Vagabunden stehendes Wagenrad und Hopfen an Stangen, versammelt sich im Brüsseler Kiez ein buntes Publikum. Gemeinschaft und Geselligkeit waren wohl auch die Gründe für den erfolgreichen Start der Hausbrauerei.

Den Anschub finanziert

Vagabund 3„Wir haben das Brauen vor allem in Büchern und im Internet gelernt!“ Eine gehörige Portion Stolz schwingt in Toms Stimme mit. Er weiß wohl, dass er mit diesem „Erfahrungshorizont“ bei einem Bankberater vermutlich abgeblitzt wäre. Die Finanzierung des Traums von der eigenen Gärstube musste also anders gestemmt werden. Enthusiasmus und eine Idee jenseits des Einheitsbreis waren die Erfolgszutaten für ein Crowdfunding. Innerhalb von zwei Monaten haben sie 22.000 Euro für die (technische) Einrichtung gesammelt. Die Mitglieder der „Community Supported Brewery“, die der Vagabund Brauerei die monetäre Starthilfe gaben, erhalten als Dividende für das eingesetzte Kapital Bier oder T-Shirts. Und nicht zuletzt kann jeder auch beim Bierbrauen zuschauen oder mithelfen. Es gibt schließlich eine Menge zu lernen über das Universum Bier. Die familiäre Atmosphäre, das Ausprobieren-Dürfen und das Überschaubare sind den drei Freizeitbrauern und auch ihren Unterstützern wichtig.

Mit dem Kiez verwachsen

Ein gemütlicher, großer Schankraum mit langem Holztresen ist der Treffpunkt der Community, wo man sich gut unterhalten kann, aber nicht betrinken soll. „Wir wollen den Wedding, in dem wir auch selbst wohnen, nicht verändern“, erklärt Tom. Statt das Umfeld aufzuwerten, soll ihre Mikrobrauerei lieber mit dem vorhandenen Kiez verwachsen. Schon jetzt kommen die meisten Besucher ohnehin aus dem Wedding und Gesundbrunnen. Ein Hinweisschild für die Brauerei wird der uneingeweihte Gast übrigens vergeblich suchen. Wenn Licht in der Antwerpener Straße 3 brennt und ein Vagabunden-Bündel über der Tür hängt, stehen die Chancen gut, dort ein frisch gezapftes Bier zu bekommen. Neben eigenen Gärungen haben die Bierkenner auch immer einige herausragende Biere anderer Brauereien auf der Tafel – vom  Wedding Pale Ale, über das wir früher schon einmal berichteten, bis zum dreifach vergorenen Trappistenbier aus Belgien.

Vagabund BündelErst einmal wird sich nur einer der drei Selfmade-Brauer auch hauptberuflich ums Geschäft kümmern. „Das Vagabund kann reifen, genauso wie ein gutes Bier. Natürlich wollen wir irgendwann davon leben. Aber es okay, wenn das ein paar Jahre dauert“, findet Tom. Vielleicht wächst die Handwerks-Brauerei dann einfach in einem Tempo, das der Qualität nicht abträglich ist und das Umfeld im Brüsseler Kiez nicht allzu rasant verändert.

Ein Trend mit Tradition: Es braut sich schon lange was zusammen zwischen der Müllerstraße und der Seestraße. Die Kunst der Bierherstellung hat in dieser Gegend des Wedding eine gewisse Tradition; gab es doch von 1891 – 1982 die Hochschul-Brauerei an der Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in der Seestraße 13. 45.000 Hektoliter wurden dort in den 1920er-Jahren gebraut! Heute setzen neue Braumeister eher auf Klasse statt auf Masse. Seit 2001 beweist das „Eschenbräu“ in der Triftstraße, wieviel Aroma in ungefiltertem Bier steckt – zu Recht ist die Hausbrauerei mit der Apfelsaftpresse und der Whiskybrennerei schon lange kein Geheimtipp mehr. Wer wissen will, was sich aus den wenigen Grundzutaten von Bier so alles zusammenbrauen lässt, der ist im Spezialgeschäft Hopfen & Malz, gleich um die Ecke vom Eschenbräu, in der Triftstraße 54, gut aufgehoben.

Website

Antwerpener Str. 3, 13353 Berlin

täglich geöffnet ab 17.00 Uhr, Sa/So ab 13.00 Uhr

Weddingwoche #4: Hopfen und Malz noch nicht verloren

Die Weddingwoche ist eine wöchentliche Kolumne über aktuelle Ereignisse in unserem Stadtteil. Diese erscheint auch samstags im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Die Bierkultur im Wedding hatte in letzter Zeit schwer zu leiden. Los ging’s mit dem Massensterben der guten alten Schulti-Eckkneipen. Sie mussten Nagelstudios, Fahrschulen und Spielhallen Platz machen. Das Pilsator für 60 Cent beim Spätkauf war eine schlechte Alternative. Zwar war es konkurrenzlos im Preis, aber nicht gerade ein Fördermittel für gesellige Runden. Einzig das Eschenbräu im Sprengelkiez stach positiv heraus aus dieser Bier-Tristesse. Nun wollen ein paar Jungs im Wedding dem Gerstensaft zu frischer Ehre verhelfen, wie auch schon an dieser Stelle berichtet. Hinter Beer4Wedding stehen drei Studenten der Brauerei- und Getränketechnologie an der TU Berlin. Technisch sind sie also gut beschlagen. Mit ihren ungewöhnlichen Bier-Kreationen wollen sie neue, individuelle Wege gehen und damit geschmacklich ein neues Zeitalter einläuten, fernab von bierernster Traditionspflege. Die erste Kreation, das Wedding Pale Ale, ist ein stark gehopftes Bier englischer Tradition, verfeinert mit Reis. Für das neueste Projekt, ein Bier mit zarter Austern-Note, haben sie gerade einen Preis beim Hamburger Bierwettbewerb gewonnen. Im frechen Werbespruch „Ich habe immer gesagt: Sozialismus, das heißt Austern für alle“ schwingt viel Bedeutung mit: Der Rote Wedding, die französische Prägung des Viertels samt Vorliebe für exquisites Meeresgetier und nicht zuletzt der Ruf der neuen Kreativszene nach außergewöhnlichen Schöpfungen. Global denken, lokal brauen wollen die Bier-Enthusiasten und so bauen sie den Hopfen für ihren Gerstensaft auch gleich selbst auf dem Balkon an. Es bleibt ihnen zu wünschen, dass sie Starthelfer einer neuen Bierkultur werden. Schon der Geselligkeit zuliebe.

Autor: Marcus Bauer

http://www.abendblatt-berlin.de/no_cache/ausgaben/?tx_pdfarchiv_pi1[disId]=21

Wer mehr über Beer4Wedding erfahren will, wird hier fündig.

„Beer4Wedding“ heißt jetzt Berliner Bierfabrik

Julian Schmidt beer4weddingDeutschland ist weltweit bekannt für seine Biere – häufig beruft man sich hier auf das Reinheitsgebot von 1516, wonach nur Gerste, Hopfen und Wasser für die Bierherstellung erlaubt sind. „Davon wollen wir uns aber nicht einschränken lassen“, sagen drei Studenten der Brauereitechnologie. Sie haben die Firma „Beer4Wedding“ gegründet und loten mit ihren Kreationen die Grenzen des Biergeschmacks aus. Die Zutaten jedenfalls bestehen aus mehr als nur Hopfen und Malz…

Hopfenanbau im Soldiner Kiez
Hopfenanbau im Soldiner Kiez

(Beitrag aktualisiert am 17.7.14) Damit folgen Sebastian Mergel, André Schleypen und Julian Schmidt einem globalen Trend: „Craft Beer“ ist keine industrielle Massenware, sondern von Hand hergestelltes Bier mit einem speziellen Geschmacksprofil. „Die hohe Qualität der Rohstoffe ist für uns besonders wichtig“, erklärt Sebastian Mergel. „Daher haben wir den Hopfen auf einer Dachterrasse im Soldiner Kiez angebaut – so hatten wir genügend Sonnenstunden.“ Die Wärme, die das Haus abstrahlt, tat dem Hopfen ebenfalls gut, wenngleich die Anbaumenge natürlich nicht für die gesamte Produktion ausreichte.

Logo_ManufakturenEs ist sicher kein Zufall, dass angehende oder diplomierte Brauereiingenieure gerade im Wedding ihre ersten Gehversuche unternehmen. Schließlich befindet sich in der Seestraße 15 seit 1891 das Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie, das von der 1883 gegründeten Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) betrieben wird. Dort kooperiert man eng mit dem Studiengang Brauerei- und Getränketechnologie an der Technischen Universität. „Wegen dieses Studiengangs, den es ansonsten nur an der TU München gibt, sind wir aus Bayern und dem Rheinland nach Berlin gekommen“, sagt Sebastian. Die Vielfalt des Weddings zog den gebürtigen Münchner und seine beiden Freunde ebenfalls an. Ganz allein mit ihrer Leidenschaft sind sie hier nicht, schließlich verfügt der Ortsteil bereits seit 2001 mit dem Eschenbräu über eine Kleinstbrauerei, die von einem Diplom-Brauingenieur betrieben wird.

Im Wedding sind Hopfen und Malz nicht verloren

André Schleypen von beer4wedding
André Schleypen von beer4wedding

Zurück zu den drei Bier-Enthusiasten. Die von ihnen zu Hause ausgetüftelten Biersorten werden im Lohnbrauverfahren in der BrewBaker-Brauerei in Moabit hergestellt. Die erste Biersorte ist ein India Pale Ale, das unter dem Namen „Wedding Pale Ale“(WPA) vermarktet wird. „Dieser Biertyp wurde im 19. Jahrhundert in England entwickelt, als die Verschiffung in die indischen Kronkolonien eine lange Haltbarkeit erforderlich machte“, erklärt der Brauereistudent Sebastian. Dafür wurde extra viel Hopfen beigegeben. Das Weddinger Pale Ale erhält seinen Geschmack durch eine Schüttung aus sechs verschiedenen Malzen und sieben verschiedenen Bitter- und Aromahopfen. Doch das allein reichte den drei experimentierfreudigen Studenten nicht aus: „Um es geschmacklich abzurunden, verbrauen wir zusätzlich noch Reis“, verrät Sebastian Mergel. Insgesamt schmeckt das WPA bitterer als ein Pils.

Bier aus Austern und Kaffee

Sebastian Mergel
Sebastian Mergel

Vollends abenteuerlich wird es bei der neuesten Bier-Kreation. „Unser Oyster Stout ist ein dunkles Bier, ähnlich einem Guinness“, erklärt Sebastian. Wie der Name schon sagt, enthält es Austern, die man dank ihres hohen Eiweißgehalts aber nicht herausschmeckt. Dennoch besitzt das Bier eine besondere Geschmacksnote – was auch an der beigemischten dunklen Schokolade und Kaffee liegen könnte, den die Weddinger Bierbrauer selbstredend aus der Kaffeerösterei „Coffee Star“ an der Müllerstraße beziehen. Das Ergebnis ist ein Aroma, das Anklänge von Kaffee und Kakao besitzt.

Auch wenn das Austernbier noch nicht im Handel erhältlich ist, ist es schon den Internationalen Studentischen Brauwettbewerb in Hamburg ausgezeichnet worden. Auch die lokale Herstellung in Berlin-Mitte machen die beiden Biersorten zu etwas ganz Besonderem.

Rotbier ist neueste Sorte

Das Rotbier erhält seine Farbe durch die Verwendung von drei verschiedenen Spezialmalzen. Neben klassischem Pilsener Malz wurden zum Brauen dieses Bieres die Malzsorten Carared, Melanoidinmalz und Caraamber eingesetzt. Das untergärige Lager wurde nach einem Rezept der gypsy brewery in der Klosterbrauerei Neuzelle umgesetzt –  gypsy brewer ist die Bezeichnung für einen Brauer, der keine eigene Brauerei besitzt und sich freier Kapazitäten anderer Brauereien bedient, um die von ihm entwickelten Biere zu brauen. Erhältlich ist das Rotbier übrigens auch in der Reichelt-Filiale in der Müllerstraße.

Nun halten die drei Brauer den Zeitpunkt für gekommen, um einen eigenen Produktionsstandort zu betreiben.  Die neue Anlage befindet sich allerdings in Marzahn, so dass die Spezialbiere zukünftig unter dem Namen „Berliner Bierfabrik“ vermarktet werden.

„Bier kann mehr sein als Hopfen und Malz“, sagen die drei Bierexperten. Und weil sich über Geschmack bekanntlich nicht streiten lässt, ist ihr Motto: schmecken muss es. Aber eben nicht jedem.

(C) beer4wedding
(C) beer4wedding

Website Berliner Bierfabrik

Erhältlich sind die Biere im Oh!Calcutta, Studio8 (Grüntaler Straße 8, Gesundbrunnen), im Bierfachhandel „Hopfen&Malz“ in der Triftstraße 57, im Pub Offside Wedding in der Jülicher Str. 4, in der WG Bar (Malplaquetstr./Nazarethkirchstr.) sowie im Absinthdepot.

„Eschenbräu“: herbe Bier-Unikate

Das Bier vom Eschenbräu passt, naturtrüb und herb wie es ist, gut zum spröden Charme des Wedding. Es hat dort und auch in anderen Bezirken Berlins vor allem bei den Biertrinkern Anklang gefunden, die das Besondere schätzen.

Der Braukeller (Foto: Eschenbräu)
Der Braukeller (Foto: Eschenbräu)

Birgit Wahle aus Kreuzberg lernte dieses Bier kennen, bevor sie erfuhr, woher es stammt: „Mein allererstes Eschenbräu trank ich nicht im Wedding. In Kreuzberg war’s, im Weltrestaurant Markthalle. Es war eine köstliche, erfrischende Offenbarung! Vielleicht lag es daran, dass der Tag damals lang und sehr heiß gewesen war – jedenfalls bin ich dem trüben, leckeren Bier treu geblieben. Wann immer ich in die Markthalle einkehre, gibt es ein frisch gezapftes Eschenbräu! Weiterlesen