Einer der spannendsten Aspekte des Weddings ist seine langjährige Mikrobrauerei-Szene. Noch bevor es BRLO und Brewdog gab, waren Eschenbräu und Vagabund da. Diese Brauereien gehörten zu den ersten, die Biere auf eine Weise brauten, die über traditionelle deutsche Sorten hinausgingen. Die Vagabund Brauerei, die als Hobby dreier Amerikaner begann, entwickelte sich zunächst zu einer Bar in der Antwerpener Straße und fand schließlich ihren Platz im Kesselhaus, gelegen in den historischen Osramhöfen.


Der Standort des Kesselhauses ist großartig zum Brauen, und da Vagabund kürzlich den Besitzer gewechselt hat und sich nun stärker auf Flaschenabfüllung und Verkauf konzentriert, war der Pub-Aspekt des Kesselhauses zunächst keine Priorität. Doch das beginnt sich zu ändern. Der Biergarten des Kesselhauses ist großartig, der Innenraum allerdings schwieriger: dicke Betonsäulen, niedrige Decken, schwere Ausgangstüren und spärliches Licht lassen den Raum eher wie ein Lagerhaus wirken als wie eine Kneipe. Ein Feng-Shui-Problem, das schwer zu überwinden sein wird – aber dank des Biers und des Essens lohnt es sich zu bleiben.


Das Vagabund Kesselhaus hat ein ehrgeiziges Menü eingeführt und experimentiert mit Barfood und Speisekarte. Die aktuelle Karte umfasst über 25 verschiedene Gerichte, von Vorspeisen bis Dessert, und bietet reichlich Auswahl für Veganer:innen, Vegetarier:innen und Fleischesser:innen. Der derzeitige Küchenchef kommt aus Dortmund, doch das würde man der Karte nicht entnehmen, die eher wie ein Sammelsurium internationaler Trends wirkt. Da gibt es Risotto und Oktopus, Pastrami und Schweinebauch, Artischocke und gefüllte Portobello-Pilze. Ein Menü, das im Moment, offen gesagt, etwas überladen wirkt – hoffentlich findet es bald mehr Fokus auf 12 bis 15 Gerichte, die gut mit dem hervorragenden Bier harmonieren.


Würde ich dieses Menü zusammenstellen, würde ich definitiv mit dem Oktopus beginnen. Dieses Gericht war herausragend! Der Oktopus ist zart und knusprig, das weiße Bohnenpüree seidig und könnte leicht mit Kartoffelpüree verwechselt werden, und die Chimichurri-Sauce bringt genau die richtige Säure. Weitere herausragende Gerichte waren ein veganer, gerösteter Spitzkohl mit Preiselbeermarmelade, Schweinebauch mit Misosauce und Pak Choi sowie ein einfaches, aber kräftiges Artischockengericht mit Knoblauch-Mayonnaise und Kalamata-Oliven.
Auf der Karte werden, wie es im Fine-Dining Standard ist, Zutaten im Detail aufgelistet, was für Veganer:innen verwirrend sein kann. Eine kleine Verbesserung wäre, die Gerichte klar nach Ernährungsweise zu kennzeichnen. Das würde auch zeigen, wie groß die Vielfalt fleischloser Gerichte ist. Da sich die Karte zudem deutlich für „Foodies“ positioniert, wäre es schön, wenn es Vorschläge für das passende Bier gäbe – so könnten die Gäste das volle Erlebnis genießen, ohne sich bei den Getränken durchzuraten.


Auf der Snackseite der Karte stehen knusprige Tater Tots mit verschiedenen Saucen. Am besten gefiel mir die Miso-Mayo-Variante, aber auch die Trüffel-Mayonnaise war sehr gut. Die Version mit Salsa und Guacamole war die schwächste – aber das ist in Deutschland nichts Ungewöhnliches, wo Guacamole und Salsa oft missverstanden werden.
Es ist aufregend zu sehen, wie ein Unternehmen wie Vagabund in diese neue Phase tritt und es ernst meint. Der Wedding hat das Glück, einen so ambitionierten Pub mit fairen Preisen zu haben. Ich glaube, wenn die Karte ihre Anfangsschwierigkeiten überwindet, wird das Kesselhaus zu einem beliebten Gastropub im Kiez.


Vagabund, Oudenarder Str. 16-20, Mo-Do 12-00 Uhr, Fr 12-2 Uhr, Sa 14-2 Uhr, So 12-23 Uhr
English version
One of the coolest aspects of Wedding is its longstanding microbrewery scene. Before there was BRLO and Brewdog, there was Eschenbrau and Vagabund. These breweries were some of the first to make beer in styles that went beyond traditional German varieties. Vagabund, which began as three american dudes hobby-brewing, evolved into a bar on Antwerpener Strasse and eventually settled at the Kesselhaus, located in the historic Osram Hofe.
The location of the Kesselhaus is great for brewing, and because Vagabund has recently changed ownership to focus on bottle production and sales, the pub aspect of the Kesselhaus was not a priority. That is beginning to change. The beer garden at the Kesselhaus is great but indoors is a trickier space. Flanked by thick cement columns, low ceilings, heavy exit doors, and sparse lighting, the interior feels more like a warehouse than a pub. It’s a Feng Shui problem that will be difficult to overcome but the beer and food are worth staying for.
Vagabund Kesselhaus has rolled out an ambitious menu and is experimenting with bar food and meal service. The current menu boasts over 25 distinct dishes from appetizers to dessert, with plenty of solid choices for vegans, vegetarians and meat eaters. The current chef hails from Dortmund but you would not infer that from the menu, which reads more like a mish mash of international trends. There’s risotto and octopus, pastrami and porkbelly, artichoke and stuffed portobello mushrooms. It’s a menu that is, frankly, a little overstuffed at the moment and I hope they find their footing and focus on 12 to 15 dishes that work well with their exceptional beer.
If I were building that menu, I’d definitely start with the Octopus. This dish was outstanding! The octopus is tender and crispy, the white bean mash is silky smooth and could easily be mistaken for mashed potatoes, and the chimichurri sauce adds the perfect amount of acidity. Other stand out dishes included a vegan roasted cabbage with cranberry jam, pork belly served with miso sauce and pak choi, and a simple but hearty artichoke dish served with garlicky mayonnaise and kalamata olives.
The menu uses the high cuisine standard of listing ingredients, which can be confusing for vegans. It would be a simple upgrade to clearly mark dishes by dietary restriction. It would also showcase how wide the variety of non-meat dishes are. Similarly, because the menu establishes itself as “foodie” it would be nice if there were suggestions for beer pairings so gastro-pub eaters get the full experience without the guess work.
On the snacker side of the menu, there are crispy tater tots served with different sauces. I liked the miso-mayo version the best but the truffle mayonnaise was also good. The version served with salsa and guacamole was the weakest, but that’s a common issue in Germany, where guacamole and salsa are often misunderstood.
It’s exciting to witness a business like Vagabund entering this new phase and taking itself seriously. Wedding is lucky to have an ambitious pub with reasonable prices. I believe that if the menu gets past its growing pains, it will become a beloved neighborhood gastropub.

