Freie Schulen auch für Wedding-Kids?

Wie Maja Lasic Deutsche wurde. Foto Andrei Schnell
Maja Lasić (SPD), 2016 im Brunnenviertel direkt gewählt, will die Schullandschaft neu ordnen. Foto Andrei Schnell

Die Berliner SPD will in der Bildungspolitik eine Wende einleiten. „Alle Schulen für alle Kinder“ fordert ein Antrag der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Das heißt, private und freie Schulen sollen jedermann zugänglich sein. Maßgeblich verfasst hat den Antrag Maja Lasić (SPD), die 2016 im „tiefen Wedding“ (seit 18 Jahren als Brunnenviertel bekannt) direkt gewählt wurde.

Gustav-Falke-Grundschule: Mit Kindern lernen und lachen

Stephanie Aschenbrandt (links) und Gabriele Wangerin aus der Gustav-Falke-Grundschule. Foto: Esser
Stephanie Aschenbrandt (links) und Gabriele Wangerin aus der Gustav-Falke-Grundschule. Foto: Esser

Bildung Eine der Grundschulen im Brunnenviertel ist die Gustav-Falke-Grundschule, eine gebundene Ganztagsschule. Kinder, die eingeschult werden, kommen in jahrgangsübergreifende Klassen. Die 1/2 b ist eine dieser Anfangsklassen. Hier lernen Erstklässler, die „Minis“, gemeinsam mit den „Maxis“ aus der zweiten Klasse. Klassenlehrerin Stephanie Aschenbrandt und Klassenerzieherin Gabriele Wangerin erzählen über sich, „ihre Kinder“ und warum sie das Ganztagskonzept schätzen.

Die Anna-Lindh-Schule: Gemeinsam kämpfen, gemeinsam feiern

Anna-Lindh-Schule
Nicht nur Kekse essen, sondern auch anpacken – Anna-Lindh-Schule

Die Scheiben im Flur sind notdürftig geklebt. An anderen Stellen bröckelt der Putz von den Wänden und auch so manches Waschbecken hat schon lange kein sauberes Wasser mehr gesehen. Auf das Jahr genau 60 Jahre zählt des Schulgebäude der Anna-Lindh-Schule auf der Guineastraße nun schon – und das sieht man ihm an vielen Stellen leider auch an. 1965 bis 2005 unter dem Namen Rehberge-Schule bekannt, scheint seit der Zusammenlegung mit der Goetheparkschule nicht mehr viel in die Substanz des öffentlichen Gebäudes investiert worden zu sein. Doch zum Glück gibt es Eltern, die sich ehrenamtlich engagieren – anstatt zu warten, bis Bezirk oder Senat in Aktion treten. Das diesjährige Jubiläum will man dementsprechend ausgelassen feiern. Alle Nachbarn sind herzlich zum Sommerfest, dem Höhepunkt der Jubiläumswoche zum 60. Geburtstag eingeladen. Das „Ehrenamts“-Team von ALBA hat eigens hierfür schon mal die Flure professionell gereinigt.

6 Konzepte, mit denen Grundschulen im Wedding Profil zeigen

Bruder Grimm SchuleAuch wenn sich viele Eltern Orientierung bei der Wahl der Schule für ihre Kinder wünschen – die Erfahrung zeigt: eine Schule lässt sich nicht „einfach so“ empfehlen. Jedes Kind tickt anders, vieles hängt von der Klassengemeinschaft und auch vom Lehrer ab. Der Wedding hat zudem noch mit einem schlechten Ruf seiner Grundschulen zu kämpfen – der nicht immer, aber eben doch manchmal berechtigt ist. So schrieb uns eine Leserin, die Rudolf-Wissell-Grundschule in Gesundbrunnen habe ihr ernsthaft davon abgeraten, ihr Kind dort einzuschulen. Der Anteil von Kindern mit nichtdeutscher Herkunftssprache liegt an allen Grundschulen bei mindestens 65 Prozent – was auch immer diese Zahl für den tatsächlichen Schulalltag am Ende bedeuten mag.

Lesermeinung: „Die bringen wir schon irgendwie unter…“

Eine Weddingweiser-Leserin weist auf die neuerdings überlaufenen Schulen in Berlin-Mitte hin. Erst kurz vor den Sommerferien zeichnet sich insbesondere an der Erika-Mann-Grundschule eine unerwartet hohe Zahl von Erstklässlern ab. Eltern und Verantwortliche müssen sich langsam Sorgen machen: ist so noch eine vernünftige Betreuung von Schulkindern möglich?

WIB-Jugend: Mini-Projekte auf Augenhöhe

Englisch Nachhilfe mit Fatos bei der WIB-Jugend: Dina, Emre, Yassir, Fatos, Mizgin (von links nach rechts). Emre und Mizgin bieten ebenfalls Kurse an.
Englisch Nachhilfe mit Fatos bei der WIB-Jugend: Dina, Emre, Yassir, Fatos, Mizgin (von links nach rechts). Emre und Mizgin bieten ebenfalls Kurse an.

Backen, Nachhilfe, Englisch lernen – das Projekt „WIB-Jugend verein(t)“ hat für Kinder und Jugendliche aus dem Brunnenviertel viele verschiedene Kurse im Angebot. Das interessante daran ist, dass die Kurse nicht von Erwachsenen, sondern von Jugendlichen durchgeführt werden. Seit 2006 gibt es das erfolgreiche Projekt.

Quinoa-Schule sucht Nachmieter und Sachspenden

Im vergangenen August hat mit der bundesweit vielbeachteten privaten Quinoa-Schule ein spannendes Bildungsprojekt im Wedding eröffnet. Dabei handelt es sich um eine besondere Schule – weil alle Beteiligten eine wichtige Überzeugung teilen: Ein Migrationshintergrund ist eine Chance, kein Nachteil! Die Schule will wachsen, zieht dafür um und bittet um Unterstützung.

Quinoa: Privatschule im Brennpunktkiez eröffnet

Schulleiter Christian Schwenke im Klassenraum. Foto: Hensel
Schulleiter Christian Schwenke im Klassenraum. Foto: Hensel

Kein Tag wie jeder andere: Um 8 Uhr hat für 24 junge Weddinger der Unterricht in einer neuen und sehr besonderen Schule begonnen. Die Siebtklässler sind die ersten Schüler in der neuen Quinoa-Schule, die ihren Betrieb im zweiten Obergeschoss in der Osloer Straße 25/26 aufgenommen hat (Aktualisierung 2016: die Schule ist inzwischen umgezogen).

Garten Arbeit Schule: das Schul-Umwelt-Zentrum

Achtlos geht man an der Scharnweberstraße 159 vorbei, ziemlich genau an der Stelle, wo die Straße ihren Namen in Müllerstraße ändert. In diesem vorstädtischen Nichts aus Verkehrsschneisen, mehrstöckigen Bürogebäuden, einem Baumarkt und einem Einkaufszentrum würde man alles – nur keine grüne Oase – vermuten. Und doch ist die Gartenarbeitsschule Wedding in dieser peripheren Lage seit 1950 zu Hause. Mit der einzigen innerstädtischen Sanddüne Deutschlands verfügt das Areal sogar noch über ein ganz besonderes Naturdenkmal.

Gartenarbeitsschulen (diese hier firmiert seit der Bezirksfusion unter dem Namen „Schul-Umwelt-Zentrum Mitte„) beruhen auf reformpädagogischen Ideen der 1920er Jahre. Doch besonders nach dem Zweiten Weltkrieg haben die ausgehungerten und traumatisierten Kinder hier Erholung gefunden. Zusätzlich wurde durch die herangezüchteten Pflanzen die ärgste Not in den Familien gelindert. So notierte der erste Leiter der Gartenarbeitsschule Wedding, Gerhard Stüllein: „Die Kinder sollen lieber, anstatt auf Hamsterfahrt zu gehen, auf ihrem eigenen Schulgartenbeet Nutzpflanzen für ihre Familien heranziehen.“

Doch die Gartenarbeitsschule vermittelt nicht nur Wissen. Dieser besonders verwunschene, langgezogene Garten lädt zu Entdeckungen ein. So gibt es ein Bienenhaus, einen Teich voller Kaulquappen, Gewächshäuser, eine Feuerstelle mit Wigwam, ein schwedisches Holzhaus für Wetterbeobachtungen und Umweltexperimente sowie die bereits erwähnte Düne. Genutzt werden die vielen Beete von zahlreichen Kitagruppen und Schulklassen sowie Lehrerfortbildungsgruppen. In alle Gärten des SUZ kommen jährlich 40 000 Besucher!

 

 

 

Am meisten fasziniert den Besucher, der zum ersten Mal in die Gartenarbeitsschule kommt, welches grüne Paradies sich hinter den hässlichen Gewerbebauten verbirgt. Tatsächlich ist man hier der Realität ein wenig entrückt, wie in einem kleinen Botanischen Garten. Die Düne Wedding am Rand des Gartens fällt jäh zum Parkplatz des Baumarkts ab. Erklimmt man den Sandberg, wird man sich der städtischen Lage der Gartenarbeitsschule wieder bewusst.

Immer wieder ist die Existenz der Gartenarbeitsschulen, die auf über 90 Jahre Tradition in Berlin zurückblicken können, aus Spargründen gefährdet. Gerade in Zeiten größter materieller Not entstanden, wurde der Nutzen dieser Einrichtungen früher nicht in Frage gestellt. Aber auch heute ist das Schul-Umwelt-Zentrum für Stadtkinder wichtiger denn je: wo sonst sollen Kinder die Artenvielfalt, das Werden und Vergehen und Nachhaltigkeit lernen? Gesunde Ernährung (wo kommt unser Essen her), umweltbewusstes Verhalten (was passiert mit organischen Abfällen) oder biologisches Grundwissen (welche Tiere leben in unseren Breiten?) kann in solchen Einrichtungen optimal vermittelt werden.

Ein Förderverein kümmert sich um die Anlagen des SUZ, organisiert öffentliche Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, ist aber auch in andere Projekte involviert.

Infos:

www.suz-mitte.de

Scharnweberstr. 159, Tel.: 030-49870409, Fax.:  030-49870411, Mail: info@suz-mitte.de

Filiale: Seestraße 74 (Interkultureller Garten)