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Anna-Lindh-Grundschule:
Stadträtin: Senat soll Neubau der Anna-Lindh ermöglichen

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“Das ist ein poli­ti­sches The­ma”, sagt die neue Schul­stadt­rä­tin Maja Lasić (SPD) ener­gisch. Im Schul­aus­schuss am Don­ners­tag (10.11.) haben die Bezirks­po­li­ti­ker die Stadt­rä­tin dar­in bestärkt, sich für einen Neu­bau der Anna-Lindh-Grund­schu­le ein­zu­set­zen. Dem ent­ge­gen steht die Auf­fas­sung von Denk­mal­schüt­zern, die das Schul­haus in der Gui­ne­a­stra­ße im Wed­ding bewah­ren wol­len. Maja Lasić sagt in der Sit­zung, dass am Ende Klaus Lede­rer, der Kul­tur­se­na­tor, ent­schei­den muss. 

Stadträtin Maja Lasić
Foto: And­rei Schnell

“Die letzte Entscheidung trifft der Kultursenator”

Die neue Stadt­rä­tin für Schu­le und Sport, die am 20. Okto­ber von der Bezirks­po­li­tik in das Amt gewählt wur­de, nahm zum ers­ten Mal am Aus­schuss für Schu­le teil. Die Vor­stel­lungs­re­de hielt sie knapp. Doch in der Sache zeig­te sie sich ver­bind­lich, um nicht zu sagen kämp­fe­risch und ener­gisch. Unter ande­rem beim The­ma Neu­bau der Anna-Lindh-Grund­schu­le. Sie sag­te, sie wer­de am 23. Novem­ber im Haupt­aus­schuss des Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­hau­ses sein. Ihr Schul­amt wer­de recht­zei­tig einen Wirt­schaft­lich­keits­be­richt zur Anna-Lindh-Grund­schu­le erar­bei­ten. Sie hofft, mit die­sen Berech­nun­gen auch die Lan­des­po­li­tik zu über­zeu­gen, dass ein Neu­bau güns­ti­ger als eine Sanie­rung ist. Die Bezirks­po­li­tik, das zeig­te sich im Schul­aus­schuss deut­lich, steht bereits par­tei­über­grei­fend hin­ter hier. Auch mit den ande­ren fünf Stadt­rä­ten in Mit­te wol­le sie dem­nächst einen Beschluss herbeiführen. 

Aber es gibt Geg­ner. Das sind vor allem Denk­mal­schüt­zer. Des­halb müs­se die Fra­ge Abriss oder Sanie­rung “poli­tisch ent­schie­den wer­den”, denn es gehe um die Abwä­gungs­fra­ge “Was wiegt schwe­rer? Denk­mal­schutz oder Päd­ago­gik?” Sie wer­de in die Lan­des­po­li­tik das Argu­ment tra­gen, dass ent­schei­dend sei, “wie viel von der erhal­tungs­wür­di­gen Sub­stanz nach einer Sanie­rung noch erhal­ten ist”. Die Stadt­rä­tin Maja Lasić geht dem­nach davon aus, dass das Schul­haus der Anna-Lindh-Grund­schu­le in der Gui­ne­a­stra­ße so hin­fäl­lig ist, dass eine Sanie­rung im Grun­de einem Neu­bau gleich käme. 

Die Stadt­rä­tin prä­sen­tiert sich ent­schlos­sen. Für das Ziel, einen Neu­bau für die Anna-Lindh-Grund­schu­le zu errei­chen, scheint sie zu einem Kon­flikt mit Kul­tur­se­na­tor Klaus Lede­rer bereit zu sein. Die­ser ste­he über den Denk­mal­schutz­be­hör­den. “Die letz­te Ent­schei­dung trifft der Kul­tur­se­na­tor”, sagt Maja Lasić. Und sie sagt es so, dass es als Bot­schaft an den Lan­des­po­li­ti­ker Klaus Lede­rer ver­stan­den wer­den kann.

Schimmel und Neubau

Anna Lindh Grundschule

Seit vie­len Jah­ren inves­tiert der Bezirk in die Bau­sub­stanz der Anna-Lindh-Grund­schu­le. Bis­lang bekam er das Schim­mel­pro­blem nicht in den Griff. Zuletzt zog die vor­he­ri­ge Stadt­rä­tin für Schu­le Ste­fa­nie Rem­lin­ger die Reiß­lei­ne und ent­schied den Umzug des Unter­richts in den Saat­wink­ler Damm. Wo frü­her Air­Ber­lin Flü­ge in die wei­te Welt koor­di­nier­te, ler­nen seit Anfang die­ses Schul­jah­res Schü­ler der 3. bis 6. Klas­sen. Die Ein­gangs­stu­fe der Schu­le folgt spä­ter, wenn die not­wen­di­ge Zahl an Eta­gen des Büro­ge­bäu­des her­ge­rich­tet ist. Die jähr­li­che Mie­te ist hoch. Für den Steu­er­zah­ler lohnt sich eine schnel­le Ent­schei­dung, denn je schnel­ler eine Lösung umge­setzt ist und die Schu­le an den alten Stand­ort zurück­zie­hen kann, des­to weni­ger kos­tet schluss­end­lich das Ausweichquartier.

Die neue Stadträtin: Maja Lasić

Obwohl Maja Lasić erst seit weni­gen Wochen Stadt­rä­tin ist, ist sie den­noch eine erfah­re­ne Bil­dungs­po­li­ti­ke­rin und im Wed­ding kei­ne Unbe­kann­te. Denn in der Legis­la­tur 2016 bis 2021 war sie direkt gewähl­te Abge­ord­ne­te im Wahl­kreis 7 (Brun­nen­vier­tel, Spren­gel­kiez und Tei­le Leo­pold­platz) und gleich­zei­tig in der SPD-Frak­ti­on Spre­che­rin für Bil­dungs­po­li­tik. Im Lan­des­vor­stand der Ber­li­ner SPD ist sie aktu­ell koop­tier­tes Mit­glied ohne Stim­me für die inner­par­tei­li­che Arbeits­ge­mein­schaft Bil­dung. In Sum­me ist wahr­schein­lich, dass sie über ein Netz­werk ver­fügt, um in der Lan­des­po­li­tik bestimm­ten The­men Gehör zu verschaffen. 

Andrei Schnell

Meine Feinde besitzen ein Stück der Wahrheit, das mir fehlt.

6 Comments

  1. Nach mei­nem Ein­druck wird hier “ein Schim­mel­pro­blem” zu etwas auf­ge­bla­sen, das ande­re Din­ge ver­de­cken soll. Ich ken­ne Schim­mel­pro­ble­me in Wohn­häu­sern, da käme kein Mensch auf die Idee, die des­we­gen abzu­rei­ßen – und ob dann die Bau­sub­stanz eines Neu­baus wirk­lich bes­ser wäre???

    An der Lindh-Schu­le wur­den offen­sicht­lich Not­la­gen in Kauf genom­men und Sach­zwän­ge kon­stru­iert – auf den Rücken der Schüler:innen und Lehrer:innen -, um ein sehr schö­nes Gebäu­de plattzumachen. 

    Wir ken­nen es ja auch von den trau­ri­gen Ver­su­chen, im öffent­li­chen, sozia­len Woh­nungs­bau wie­der zu bau­en: Die Bau­kom­pe­tenz der öffent­li­chen Ver­wal­tung ist im Nir­va­na ver­schwun­den. Die Pri­va­ten kön­nen es erst recht nicht. Da müss­te eine schlag­kräf­ti­ge Gemein­wirt­schaft – in Eigen­ver­wal­tung, ohne Par­tei­en­filz – wie­der her­ge­stellt wer­den. Höchs­te Zeit!

  2. Abwä­gungs­fra­ge “Was wiegt schwe­rer? Denk­mal­schutz oder Pädagogik?”
    So ein Unsinn. Die bei­den Punk­te ste­hen über­haupt nicht gegen­ein­an­der. Ein Erhalt so eines mar­kan­ten Gebäu­des, wie es die Anna-Lindh-Schu­le ist, hilft nicht nur der Umwelt (Sitch­wort: graue Ener­gie), er kann auch sehr iden­ti­tät­s­tif­tend sein. Die Schü­ler sol­len schließ­lich Lust haben, in die Schu­le zu kom­men und es stün­de dem Land und Bezirk gut, zu ver­mit­teln, dass das Gebau­te einen Wert an sich hat. Ein schnell dahin­ge­wor­fe­ner Neu­bau kann das genaue Gegen­teil beför­dern. Und bei aller Lie­be: Im Neu­bau geht es mit den Schad­stof­fen lei­der erst so rich­tig los… Dazu kom­men die extrem stei­gen­den Kos­ten im Neu­bau (Ende nicht in Sicht und daher auch kaum kal­ku­lier­bar im Moment), Kos­ten für den Abbruch, Mate­ri­al­man­gel an allen Enden (ergo Ver­zö­ge­run­gen im Bau) und schlech­te Orga­ni­sa­ti­on der Ver­ant­wort­li­chen Behör­den (noch ein­mal Verzögerungen).
    Mir sind die Grün­de nicht bekannt, aber die Reni­cken­dor­fer Stra­ße war­tet seit zwei Jah­ren auf den Bau­be­ginn einer Schu­le. Liegt hier auch die Ver­ant­wor­tung bei der Schulstadträtin.
    Gibt es denn schon eine Pla­nung zur Sanie­rung? Gera­de bei Gebäu­den aus der Nach­kriegs­zeit wür­de ich mich nicht auf pau­scha­le Berech­nun­gen ver­las­sen. Ich habe aber sowie­so ein biss­chen den Glau­ben ver­lo­ren: An ande­rer Stel­le set­zen sich die am Bau betei­lig­ten für ein Abriss­mo­ra­to­ri­um ein und den Ver­ant­wort­li­chen fällt “mal wie­der” nichts ande­res ein… Die Hoff­nun­gen lie­gen dann wohl bei Herrn Lede­rer, den ich bis­her als tat­säch­lich als “Kul­tur­men­schen” wahr­ge­nom­men habe und dem ich eine Zustim­mung zum Abriss eigent­lich nicht zutraue.

    • Mit dem Stich­wort Päd­ago­gik bezieht sich die Stadt­rä­tin auf die soge­nann­te Com­part­ment­schu­le. Es ist Ziel des Lan­des Ber­lin beim Neu­bau von der alten Flur­schu­le (alle Klas­sen­zim­mer gehen von einem Flur ab) weg­zu­kom­men und zur Bereichs­schu­le (inhalt­lich zusam­men­ge­hö­ren­de Räu­me, Tei­lungs­räu­me und Gemein­schafts­räu­me nahe bei­ein­an­der) zu kommen.
      Den Neu­bau der Grund­schu­le in der Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße ver­ant­wor­tet die Senats­ver­wal­tung für Bildung.

      • Auch ein ein­flüg­li­ger Bau mit Flur kann nach Umbau einer Com­part­ment­schu­le nahe kom­men. Dazu braucht es fähi­ge Pla­ner und auf­ge­schlos­se­ner Bau­her­ren. Lei­der habe ich bei den öffent­li­chen Bau­her­ren die­ser Stadt in die­ser Hin­sicht kei­ne gute Erfah­run­gen machen dür­fen (da spielt es lei­der auch kei­ne Rol­le, ob das BBR, die BIM oder der Bezirk baut). In ent­schei­den­de Posi­tio­nen schei­nen dort nur Leu­te zu kom­men, die sich nichts zu schul­den haben kom­men las­sen. Ver­ant­wor­tung wird an Pro­jekt­steue­rer abge­ge­ben, die ihrer­seits nur im engen Kor­sett der Vor­ga­ben und For­mu­la­re der öffent­li­chen Trä­ger han­deln. Da ist eine muti­ge Sanie­rung so gut wie ausgeschlossen.
        Ich wage eine Pro­gno­se: Der Abriss wird kom­men (viel­leicht in 2 Jah­ren), der Neu­bau wird sich ver­zö­gern und die Kos­ten wer­den mind. 50% höher als zu Beginn geschätzt.

    • Auf mich wirk­te es in der Sit­zung nicht so, als ob bei der Fra­ge Neu­bau oder Sanie­run­gen Par­tei­mei­nun­gen auf­ein­an­der tref­fen. Ich nahm in die­sem Punkt Einig­keit wahr. Ent­schei­dend wird aus mei­ner Sicht die Fra­ge, ob die aktu­el­le und auch der/die nächs­te Stadt­rä­tin alles tun, damit die eine oder ande­re Lösung inner­halb weni­ger Jah­re umge­setzt wird. Denn das Aus­weich­quar­tier Saat­wink­ler Damm ist eine Zwischenlösung.

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