Verschwundener Wedding

Verschwunden: das Stattbad
Adieu Statt­bad!

Frü­he­re Fabri­ken, in die neu­es Leben ein­zieht, alte Gebäu­de, die eine künst­le­ri­sche Nut­zung erfah­ren oder Brach­flä­chen, auf denen Gemein­schafts­gär­ten ent­ste­hen: Der Wed­ding ist voll von schö­nen Orten, die Geschich­te und Flair haben. Doch erstaun­lich viel ist erst in der Nach­kriegs­zeit oder in jün­ge­rer Ver­gan­gen­heit ver­schwun­den, rück­sichts­los abge­ris­sen und durch wesent­lich unin­ter­es­san­te­re Gebäu­de ersetzt. Da fragt man sich unwill­kür­lich: Hat das so kom­men müs­sen, war das wirk­lich nötig? Wir erzäh­len euch ein paar Geschich­ten – mit Trä­nen in den Augen.

Artenschutz im Milieuschutz: Kolonie10 kämpft

Koloniestraße Berlin Wedding Innenhof Kolonie10
© Til­man Vogler

In den Fokus von Immo­bi­li­en­ent­wick­lern ist der Wed­ding ja schon lan­ge gera­ten. Dabei sind auch klei­ne grü­ne Oasen wie der his­to­ri­sche Fuhr­hof in der Kolo­nie­stra­ße 10 bedroht. Zwei Mal konn­ten die Mie­te­rin­nen und Mie­ter der Kolonie10 einen Abriss ver­hin­dern, doch ihr Wunsch ist ein Ver­kauf des Hofes an die Stadt oder eine Genossenschaft. 

Kundgebung gegen Abriss der alten Schule

Plakate bei der Kundgebung von der ehemaligen Schule. Foto: Hensel
Pla­ka­te bei der Kund­ge­bung von der ehe­ma­li­gen Schu­le. Foto: Hensel

Am ehe­ma­li­gen Stand­ort des Dies­ter­weg-Gym­na­si­ums im Brun­nen­vier­tel hat es am Sonn­tag (14.10.) eine Kund­ge­bung gege­ben. Die etwa 150 Teil­neh­mer rich­te­ten sich gegen den Leer­stand und den in der ver­gan­ge­nen Woche durch das Bezirks­amt Mit­te ins Gespräch gebrach­ten Abriss des mar­kan­ten oran­ge­nen Schul­ge­bäu­des. Ein­ge­la­den hat­te die loka­le Initia­ti­ve pswed­ding, die sich seit sie­ben Jah­ren um eine neue Nut­zung an dem Stand­ort bemüht.

Kundgebung für Soziokultur und gegen Abriss

Diesterweg
Das ehe­ma­li­ge Schul­haus des Dies­ter­weg-Gym­na­si­ums. Foto: Weddingweiser

Die einen sind von der Archi­tek­tur des ehe­ma­li­gen Dies­ter­weg-Gym­na­si­ums in der Swi­ne­mün­der Stra­ße begeis­tert, die ande­ren wol­len das oran­ge­far­be­ne Ufo im Brun­nen­vier­tel so schnell wie mög­lich abrei­ßen. Zum Bei­spiel Stadt­rat Cars­ten Spal­lek (CDU), der wegen Was­ser­ein­bruch von einem “Total­scha­den” spricht. Die Initia­ti­ve ps wed­ding ruft nun für den 14. Okto­ber zu einer Kund­ge­bung auf. Sie sehen in einem Abriss einen “poli­ti­schen Total­scha­den”. Hier erklä­ren sie warum:

Goodbye Stattbad, und danke für den Fisch

Stattbad Wedding, alles ruhig auf der Gerichtstraße?
Statt­bad Wed­ding, alles ruhig auf der Gerichtstraße?

Jetzt soll­te es auch wirk­lich der aller­letz­te Insas­se unse­rer klei­nen Kiez-Anstalt mit­be­kom­men haben: Der Wed­ding ver­än­dert sich. Und das Dra­go­ner-Are­al in Kreuz­berg? Das wird bebaut. Vor­her wird jedoch erst ein­mal heim­lich, still und lei­se abge­ris­sen, und zwar genau jenes Gebäu­de, wel­ches von der Stra­ße aus der­zeit noch fast völ­lig intakt aus­sieht. Die Rede ist vom Stadt­bad Wed­ding. Als ehe­ma­li­ger Anwoh­ner war ich aus ganz unter­schied­li­chen Grün­den nie wirk­lich ein gro­ßer Freund die­ser Ein­rich­tung. Doch hat es solch ein schänd­li­ches Ende wirk­lich ver­dient? Ein­fach mit dem Kran von hin­ten erdolcht und abge­ris­sen zu wer­den? Ich sage, Good­bye Statt­bad, und dan­ke für den Fisch.