Starkes Votum fürs Café Leo

Cafe Ldo
Das Café Leo auf dem Leo­pold­platz. Foto: Weddingweiser

Das Bezirks­amt will für das Café Leo ein Inter­es­sen­be­kun­dungs­ver­fah­ren star­ten. Ein umständ­li­ches Wort für die Erlaub­nis, auf dem Leo­pold­platz Gas­tro­no­mie anbie­ten zu dür­fen. Was bedeu­tet das? Soll das Café Leo etwa weg? Soll das Café blei­ben, aber der Betrei­ber Hüs­eyin Ünlü soll gehen? Will das Amt den Cha­rak­ter des Cafés ändern? War­um ist über­haupt ein Kiosk auf dem Kirch­vor­platz erlaubt? Und was ist am Café Leo eigent­lich beson­ders? Und war­um hat der Bezirk mit­zu­re­den? Hier die Antworten.

Will der Bezirk das Café Leo schließen?

Cafe Leo
Das Café Leo auf dem Leo­pold­platz. Foto: And­rei Schnell

Nein. Allein die Aus­schrei­bung zeigt, dass der Bezirk wei­ter­hin an einem Café auf dem Leo­pold­platz inter­es­siert ist. Das Inter­es­se grün­det sich auf einen Hand­lungs­plan für den Platz. Zu die­sem Plan gehört auch eine gas­tro­no­mi­sche Ein­rich­tung. Dazu unten mehr. Die anste­hen­de Aus­schrei­bung (Inter­es­sen­be­kun­dungs­ver­fah­ren) ist eine For­ma­lie. So teil­ten es Mit­ar­bei­ter der Ver­wal­tung beim Run­den Tisch zum Leo­pold­plat­zes am 2. Febru­ar mit. Alle fünf Jah­re wird die Erlaub­nis, auf dem Platz Gas­tro­no­mie zu betrei­ben, neu erteilt. “Ein Auto­ma­tis­mus”, sagt Bezirks­bür­ger­meis­ter Ste­phan von Das­sel auf Nach­fra­ge dem Wed­ding­wei­ser. Man könn­te sagen, das The­ma Café Leo ist ein­fach  dran, steht schlicht auf der Tages­ord­nung. Der Bür­ger­meis­ter weist dar­auf hin, dass der Bezirk wegen Coro­na bereits eine kurz­zei­ti­ge Ver­län­ge­rung des Ver­tra­ges gewährt habe. “Wir wol­len eine brei­te Betei­li­gung bei der Ver­ga­be”, die war auf­grund der Coro­na-Ein­schrän­kun­gen bis­lang nicht mög­lich, sagt Ste­phan von Das­sel. Und er bekräf­tigt: “Wir haben Lust auf das Café Leo”.

Will der Bezirk den Betreiber wechseln?

Hüseyin Ünlü
Hüs­eyin Ünlü betreibt seit 2011 das Café Leo. Foto: And­rei Schnell

Hier muss das Amt in sei­nen Äuße­run­gen neu­tral blei­ben. Ein Votum sowohl für den aktu­el­len Betrei­ber Hüs­eyin Ünlü als auch gegen ihn darf sich der Bezirks­bür­ger­meis­ter nicht ent­lo­cken las­sen. “Hin­ter dem Inter­es­sen­be­kun­dungs­ver­fah­ren steht jeden­falls nicht die Aus­sa­ge, dass wir mit dem Betrei­ber unzu­frie­den sind”, sagt Ste­phan von Das­sel immer­hin. Beim Run­den Tisch sagt ein Mit­ar­bei­ter des Bezirks­am­tes, es sei bereits eine Aus­sa­ge, dass es so vie­le posi­ti­ve Wort­mel­dun­gen zur Per­son Hüs­eyin Ünlü gebe. Wenn der Bezirk öffent­li­che Betei­li­gung ernst nimmt, dann wer­den die zahl­rei­chen Bekun­dun­gen wäh­rend des Run­den Tisches ein schwer­wie­gen­des Argu­ment sein. Der Run­de Tisch ist ein Gre­mi­um, zu des­sen Sit­zun­gen in der Regel zehn Inter­es­sier­te kom­men. Am 2. Febru­ar zeig­te der Zäh­ler des Zoom-Mee­tings 35 Teil­neh­mer. Fast alle, die spra­chen, lob­ten das Café Leo, eini­ge auch expli­zit die beson­de­re Erfah­rung von Hüs­eyin Ünlü und sei­ne Kennt­nis der beson­de­ren Situa­ti­on. Das alles müs­se ein neu­er Betrei­ber erst auf­bau­en. Das sind eben­falls Argu­men­te, die nicht leicht weg­zu­wi­schen sein werden.

Fazit: Vie­les spricht dafür, dass  Hüs­eyin Ünlü wei­ter­hin der Betrei­ber sein wird. Zudem dürf­te im Amt die Online-Peti­ti­on für den Erhalt des Cafés aus dem Jahr 2017 noch in guter Erin­ne­rung sein. 15.000 Men­schen unter­schrie­ben damals, Hüs­eyin Ünlü ist offen­kun­dig im Kiez ver­an­kert. Aber auf hoher See und vor einer Aus­wahl­ju­ry ist jeder in Got­tes Hand. Jeder Selb­stän­di­ge, der Auf­trag­neh­mer der öffent­li­chen Hand ist, kennt das.

Soll beim Café Leo alles so bleiben wie es aktuell ist?

Der Cha­rak­ter des Café Leo könn­te sich durch­aus ändern, muss es aber nicht. Bezirks­bür­ger­meis­ter Ste­phan von Das­sel sagt dem Wed­ding­wei­ser, er höre “ande­re Stim­men”. Genau­er: Das Café Leo kön­ne “durch­aus stär­ker vom Quer­schnitt der  Bevöl­ke­rung ange­nom­men wer­den”. Dage­gen hoben beim Run­den Tisch alle Red­ner her­vor, wie posi­tiv die “sozia­le Funk­ti­on” des Cafés ist. Die For­mu­lie­rung “sozia­le Kon­trol­le” ver­wen­de­te eine Per­son expli­zit. “Vor zehn Jah­ren muss­te man noch durch die Dro­gen­dea­ler hin­durch, da haben sich man­che gefürch­tet”, sag­te ein Anwoh­ner. Gemeint ist: offen­bar tut das Café Leo sei­ne Wir­kung. Allein, dass dort nun ein Café ist, habe die Atmo­sphä­re des Plat­zes ver­än­dert. Für Ste­phan von Das­sel ist die “bun­te Mischung” aber damit nicht erreicht. Oder wie ein Leser des Wed­ding­wei­sers for­mu­liert: “Eine Aus­schrei­bung ist nicht nur schlecht. Für För­der­neh­mer und För­der­ge­ber besteht die Chan­ce, über den wei­te­ren Weg nachzudenken.”

Wie steht der Weddingweiser zum Café Leo?

Scrollt man die Bei­trä­ge auf die­sem Blog zurück, so wird schnell deut­lich, dass die Redak­ti­on des Wed­ding­wei­sers auf Sei­ten des Café Leo steht und Hüs­eyin Ünlü die Her­zen der Autoren auf sei­ner Sei­te hat. Der Wed­ding­wei­ser berich­te­te 2015 über das dro­hen­de “Aus” durch das Stra­ßen- und Grün­flä­chen­amt, über das “Ver­wirr­spiel” beim Inter­es­sen­be­kun­dungs­ver­fah­ren vor fünf Jah­ren oder über das Buß­geld wegen des eigen­mäch­tig auf­ge­se­tell­ten Wind­schut­zes und damit das Cafe Leo “schon wie­der in Gefahr” war. Bemü­hen wir uns an die­ser Stel­le ein­mal ein wenig um Neu­tra­li­tät und gehen schnell zur nächs­ten Fra­ge weiter.

Warum ist das Café Leo überhaupt ein Politikum?

Wer sich nicht täg­lich mit der Sache befasst, der ist erst ein­mal über­rascht, dass ein pri­vat betrie­be­nes Café von Aus­schrei­bun­gen des Bezirks abhän­gig ist. Grund ist, dass das Café Leo auf einer Grün­flä­che steht. Wo bit­te, ist der Leo grün? Nun ja, die Zuord­nung Grün­flä­che ist eine behörd­li­che, also gewis­ser­ma­ßen ein Wunsch. Unab­hän­gig von der Rea­li­tät sind  unter den öffent­li­chen Flä­chen die grü­nen beson­ders schüt­zens­wer­te. Des­halb bedarf es für das Café Leo einer Son­der­ge­neh­mi­gung. Die­se erteilt der Bezirk des­halb, weil das Café Leo Teil eines Hand­lungs­kon­zep­tes ist und der Prä­ven­ti­on dient. Durch Bele­bung soll der Platz auch außer­halb der Trin­ker­sze­ne attrak­tiv wer­den. Außer­dem ist das Café Leo – wenn auch pri­vat betrie­ben – eine sozia­le Ein­rich­tung. Denn der Kaf­fee ist bil­lig, Alko­hol wird nicht aus­ge­schenkt, die Gäs­te sind “inter­kul­tu­rell und genera­ti­ons­über­grei­fend”, wie ein Teil­neh­mer des Run­den Tisches sagt.

Alles gut?

Auch wenn im Moment alle Zei­chen auf einen siche­ren Bestand des Café Leo hin­deu­ten, gibt es auch skep­ti­sche Stim­men. So befürch­tet die Stadt­teil­ver­tre­tung Mül­ler­stra­ße, dass das Café Leo gefähr­det sein könn­te. Die Hal­tung der Stadt­teil­ver­tre­tung ist hier zu finden.

Was gibt es sonst noch zu wissen?

Das Café Leo kam 2011 auf den Leo, fei­ert die­ses Jahr also zehn­jäh­ri­ges Bestehen. Hüs­eyin Ünlü soll meh­re­re zehn­tau­send Euro in das fes­te Häus­chen inves­tiert haben. Der Start des Cafés war in einem Imbiss­wa­gen. 2017 bau­te der Betrei­ber den Kiosk. Der Vor­platz vor der Schin­kel­kir­che gehört der evan­ge­li­schen Kir­che, der Rand des Plat­zes, wo das Café steht, gehört dem Bezirk. Der Run­de Tisch Leo­pold­platz ist ein regel­mä­ßi­ger, öffent­li­cher Treff, an dem alle Inter­es­sier­ten teil­neh­men kön­nen. Er ist Teil des Hand­lungs­plans “Leo – ein Plaz für alle”. Auf der Sei­te des Bezirks­am­tes heißt es zum Run­den Tisch: “Ziel ist es, den Platz für unter­schied­li­che Nut­zer­grup­pen attrak­ti­ver zu machen.” Dazu macht er Vor­schlä­ge für geeig­ne­te Maßnahmen.

Autorenfoto Andrei SchnellAnd­rei Schnell sor­tiert und beant­wor­tet die Fra­gen, die ihm Leser zur Aus­schrei­bung des Café Leo schickten.


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