Radtour (nicht nur) für Tegel-Nostalgiker

Ob ihr Fans der Luftfahrt, Tegel-Nostalgiker oder einfach Freunde von Skurrilitäten seid: Diese Radtour führt euch an den Rand des Rollfelds, das (möglicherweise) sehr bald schon verwaist sein wird. Und dort gibt es so einiges Kurioses zu entdecken – wie zum Beispiel eine Boeing 707 aus den späten Fünzigerjahren.

Beliebter Uferweg

Los geht’s am Nordufer Ecke Seestraße, wo an warmen Sommertagen reger Betrieb von und zum Strandbad Plötzensee herrscht. Wir fahren das Nordufer entlang, vorbei am Freibadeingang, dem Jugendgästehaus und den Tennisplätzen. Nun muss man der grün-weißen Beschilderung des Radwegs nach Spandau folgen, der erst durch die Kolonie Plötzensee, nach links abknickt und dann nach einer Rampe direkt am idyllischen Ufer des Hohenzollernkanals entlangführt. Dort verlässt man für einen Kilometer den Uferweg, um das Stade Napoléon zu umrunden, aber dann geht es an den Graffitiwänden des Napoleonkais wieder am grünen Ufer entlang. Nach Unterquerung von zwei Brücken treffen wir Angler sowie zahlreiche Spaziergänger, Inline-Skater und Radler. Kein Wunder, ist dies doch die längste Strecke im Wedding, wo man richtig Speed geben kann.

 

Vom nahen Flughafen ahnt man nichts – zu idyllisch sind die Bäume am Wasser und die Kleingärten. An der Kreuzung des Radwegs mit der Mäckeritzbrücke biegen wir rechts ab in die Siedlung Mäckeritzwiesen. Hinter der Buswendeschleife geht es nun immer geradeaus: Nach den kreuzenden Wegen der Kleingartenkolonien wird der Weg zu einem sehr schmalen Pfad an einer hässlichen Betonmauer, die mit NATO-Stacheldraht gekrönt ist. „Militärischer Sicherheitsbereich“-Schilder tun ihr Übriges, um klar zu machen: Hier sind wir in einer hoch gesicherten Zone. Selbst mit Schusswaffengebrauch wird gedroht. Aber davon lassen wir uns nicht abschrecken! Übrigens gewähren manchmal „Bullaugen“ einen Blick durch die Mauer.

 

 

 

 

 

Flughafen mit See

Nach etwa einem Kilometer kommt das freie Flugfeld in Sicht. Hier steht seit den 1980er-Jahren eine Boeing 707. Sie kam 1986 nach Berlin, zu einer Zeit, als die Lufthansa die Mauerstadt nicht anfliegen durfte. Die Maschine hatte der Hersteller Boeing von der israelischen EL AL gekauft, in Lufthansa-Farben lackiert und mit allierter Genehmigung nach Berlin gebracht. Dort steht sie nun leider achtlos in einer Ecke des Rollfelds und rostet vor sich hin.

Zwischen den Positionsleuchten geht es nun direkt am Rollfeld entlang, in der Ferne kann man gut das Terminalgebäude und sogar den Fernsehturm erkennen. Hier zeigt sich, welches Potenzial diese Freifläche in zentraler Lage Berlins entfalten kann, sobald der Flugbetrieb eingestellt ist. Wenn man Glück hat, kann man hier auch unmittelbar den Start oder die Landung eines Flugzeugs direkt über sich erleben für manchen vielleicht ein zweifelhaftes Vergnügen.

Flughafensee

Weiter geht es immer geradeaus, auf einem sandigen Weg in den Wald der Jungfernheide. Dort trifft man nach etwa einem Kilometer auf einen breiten Querweg. Wir biegen rechts ab und folgen diesem Weg, bis nach etwa zwei Kilometern flache Gebäude auf den 30 ha großen Flughafensee hindeuten. Der 1953 – 1978 durch Kiesabbau entstandene Baggersee ist mit 34 Metern das tiefste Gewässer Berlins! Ganz nebenbei ist hier ein Naturschutzgebiet entstanden, das aber gleichzeitig unzählige Badestellen bietet. Vor allem der südwestliche Uferteil ist heute ein Vogelschutzgebiet, das vom ansonsten frei zugänglichen Badesee durch Zäune mit Betretungsverbot bzw. auf dem Wasser durch Bojen getrennt ist. Kurios ist der direkte Blick auf Gebäude des Flughafens Tegel. Am Westende des Sees befindet sich eine Aussichtsplattform.

Tegel-Nostalgiker
Planespotter

Wir folgen weiter dem Hauptweg, umrunden ein Vorbecken und bald kommt die Seidelstraße in Sicht. Wir biegen rechts ab und folgen dieser Straße über die Autobahn, unter der U-Bahn-Brücke durch und auf der Scharnweber- und Müllerstraße geht es wieder zurück in den Wedding. Wer mag, kann am Uranusweg rechts abbiegen, bis zur Ecke Meteorstraße fahren und dort die „Planespotter“ bewundern (vor allem abends). Hier kann man sich auf die Böschung setzen und den Flugzeugen beim Landen zusehen.

Länge Nordufer – Kurt-Schumacher-Platz circa 13 Kilometer. Badegelegenheit: Strandbad Plötzensee, Flughafensee.

Fotos: Samuel Orsenne

Karte: Google Maps


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