Strandbad Plötzensee: Unser Dorf soll schöner werden

So ein Ort ist selbst im viel­fäl­ti­gen Wed­ding ein­ma­lig: Sie­ben Hekt­ar Land­schafts­park, ein denk­mal­ge­schütz­ter Bau mit Zwil­lings­tür­men und ein Ufer­strei­fen mit fei­nem, sau­be­ren Sand. So viel war schon klar, als wir uns mit Flo­ri­an, Tamai und Miche­le vom Strand­bad Plöt­zen­see zu einem Rund­gang über das Gelän­de ver­ab­re­det haben. Die Aus­gangs­fra­ge ist natür­lich: Wie wird das sein, wenn das Strand­bad ab 29. Mai wie­der öffnet?

Nichts deutet auf die Schönheit hin

Flo­ri­an holt uns am Kas­sen­häus­chen ab, das selbst schon ein Kurio­sum ist. Es dien­te zu Mau­er­zei­ten der Grenz­ab­fer­ti­gung – auf West­ber­li­ner Sei­te. Heu­te ver­heißt es den Ein­gang zum Strand­bad mit Park. Vom Nord­ufer aus gese­hen wirkt das Gelän­de nicht beson­ders auf­re­gend. Das wird sich gleich ändern. Wir neh­men den Rund­weg, der am neu ange­leg­ten Sur­vi­val Camp führt. Auf die­sem Teil des Gelän­des soll es bald mög­lich sein, zu erfah­ren, wie man mit weni­gen Hilfs­mit­teln Feu­er ent­facht oder das dazu ein­lädt, beim Bogen­schie­ßen mit­zu­ma­chen – alles im Rah­men von Fir­men­fei­ern oder pri­va­ten Ver­an­stal­tun­gen.
Wei­ter geht es zum neu­en Bau­hof. Dort arbei­tet der Ver­ein Schoe­nes Ding, der sich mit Kunst- und Hand­werks­ar­bei­ten, vor allem in Form von Upcy­cling, beschäf­tigt. Gera­de ist man dort dabei, die alten Park­bän­ke auf­zu­ar­bei­ten, so wie zuvor die drei 70er-Jah­re-Tisch­ten­nis­plat­ten im Strand­bad ein Lif­ting erhal­ten haben – jetzt sind sie vor dem Flach­bau mit den Umklei­de­ka­bi­nen platziert.

Wei­ter geht es über das rie­si­ge, grü­ne Gelän­de. Der satt­grü­ne Rasen, den die neu­en Strand­bad-Päch­ter letz­tes Jahr aus­ge­sät haben, war­tet auf die Bade­gäs­te. Die Wei­te des hüge­li­gen Land­schafts­parks, auf dem es ein­zel­ne klei­ne ver­wil­der­te Bio­top­flä­chen gibt, ist jeden­falls uner­war­tet und immer wie­der beeindruckend.

Doch das High­light ist natür­lich das gepfleg­te Ufer. Der Strand wird mit einer eige­nen Sand­rei­ni­gungs­ma­schi­ne gesäu­bert, und auch gegen die Algen gehen die Betrei­ber vor. Sie machen klar: Im Strand­bad wird legal geba­det, wäh­rend das ver­brei­te­te (und ver­bo­te­ne) Wild­ba­den auf der gegen­über­lie­gen­den See­sei­te der Tier- und Pflan­zen­welt im Land­schafts­schutz­ge­biet mas­siv scha­det. Auch Nudis­ten kom­men am Plöt­zen­see auf ihre Kos­ten: Durch mit Holz gefüll­te Käfi­ge wird der FKK-Abschnitt optisch vom übri­gen Strand abge­schirmt, und auf die­sem Abschnitt soll durch eine Sau­na, die gera­de ent­steht, auch wie­der ganz neu­es Publi­kum ange­zo­gen wer­den. Auf dem Beach Soc­cer-Feld kann auch in die­sem Jahr Fuß­ball gespielt werden.

Abstand halten leicht gemacht

In einem der bei­den Rund­tür­me ist das Büro des Strand­bad-Teams ein­ge­rich­tet. Dort tref­fen wir Miche­le und Tamai, die uns die Plä­ne zei­gen und das Hygie­ne-Kon­zept erläu­tern. „Wir gehö­ren zu den Strand­bä­dern, die in die­sem Jahr die Auf­la­gen erfül­len kön­nen“, erklärt Miche­le. Der Nie­der­län­der hat sei­ne Nord­see-Strand­bar Wood­stock 69 in Bloemend­aal aan Zee gegen den Strand am Plöt­zen­see ein­ge­tauscht. Er ist sicht­lich stolz auf die Mög­lich­keit, die Auf­la­ge „1 Per­son auf 20 qm“ ein­hal­ten zu kön­nen, so rie­sig wie das Strand­bad-Gelän­de ist. Auf einem aus­ge­klü­gel­ten Rund­kurs wer­den sich ankom­men­de und das Bad ver­las­sen­de Gäs­te nicht begeg­nen “eine run­de Sache”. Selbst auf der Frei­trep­pe zwi­schen den Zwil­lings­tür­men des 20er-Jah­re-Gebäu­des wer­den die Besu­cher gelenkt. Die Lie­ge­wie­se wird eine Pick­nick-Area, wo Mit­ar­bei­ter mit gel­ben Warn­wes­ten auf die Ein­hal­tung der Abstands­re­geln ach­ten wer­den. Die Duschen und Umklei­den müs­sen coro­na-bedingt geschlos­sen bleiben. 

Miche­le Verhoeven, Geschäftsführer

Feierabendbier ohne Badeeintritt genießen

Wenigs­tens um eine Sache müs­sen sich die Besu­cher kei­ne Sor­gen machen: das leib­li­che Wohl. Mit­ten auf dem Sand­strand ste­hen zwei Schiff­s­con­tai­ner und ein mit Holz ver­klei­de­tes Gebäu­de, das in Wirk­lich­keit eben­falls aus zwei Con­tai­nern besteht. Dort wer­den die Strand­bar und das Team der Cuci­na Infla­gran­ti unter­ge­bracht sein. Die letz­ten Aus­bau­ar­bei­ten für die Küche, wo es auch Pas­ta und Sala­te geben wird, sind zum Zeit­punkt unse­res Besuchs noch im Gan­ge. Bald kön­nen die Bade­gäs­te die (sowie­so lecke­re) Piz­za in ein­ma­li­ger Atmo­sphä­re am See­ufer genie­ßen kön­nen. Und für alle, die auch im Wed­ding ihr Fei­er­abend­bier im Lie­ge­stuhl zischen möch­ten, wird es ein groß­ar­ti­ges Ange­bot geben, das sich die Betrei­ber aus­ge­dacht haben: Ab 18 Uhr kann man an der Kas­se sei­ne Ein­tritts­kar­te in einen Ver­zehr­bon umtau­schen – dann heißt es zwar nicht baden, aber dafür könnt ihr am Strand klö­nen oder ein­fach auf den abend­li­chen See star­ren. „Wir möch­ten das Bad bele­ben, und alle Nach­barn ein­la­den, die­se tol­le Strand­at­mo­sphä­re zu nut­zen“, sagt Flo­ri­an. Nicht nur bade­lus­ti­ge Strand­gäs­te, son­dern eben alle Wed­din­ger oder Moabiter.

Maritimes Café

Was ist eigent­lich im ande­ren Zwil­lings­ge­bäu­de? Die­ser Rund­turm hat eben­falls ein tota­les Face­lift erhal­ten. Dar­in ist ein mari­tim gestal­te­tes Café ent­stan­den, mit dem sen­sa­tio­nells­ten Rund­um­blick, den der Wed­ding zu bie­ten hat. Alte Fotos und Ein­rich­tungs­ge­gen­stän­de haben die Ent­wick­lung der Bade­kul­tur zum The­ma. Auch hier am Plöt­zen­see hat sie eine gro­ße Rol­le gespielt. Der höl­zer­ne Sprung­turm ist dar­auf eben­so zu sehen wie die gestreif­ten Bade­an­zü­ge, die frü­her nicht nur ein modi­sches, son­dern auch ein gesell­schaft­li­ches „Must-have“ waren. Miche­le ist begeis­tert von dem gärt­ne­ri­schen Kon­zept der Anla­ge aus den 1920er-Jah­ren – mit­tel­fris­tig soll das auch wie­der bes­ser erleb­bar werden.

Nun heißt es für uns auch schon Abschied neh­men von die­sem “Dorf” im Wed­ding, in dem inzwi­sche vie­le Künst­ler, Gas­tro­no­men und Krea­ti­ve arbei­ten und zum Teil auch woh­nen. Die Betrei­ber haben einen klei­nen Trai­ler­park ange­legt, den sie selbst nut­zen kön­nen. Dadurch, dass so vie­le ver­schie­de­ne Nut­zun­gen erlaubt und auch gewollt sind, dürf­te die­ses Gelän­de auch in den nächs­ten Jah­ren noch vie­le Über­ra­schun­gen bereit­hal­ten. Im Ver­gleich zum letz­ten Jahr ist es viel auf­ge­räum­ter und gepfleg­ter gewor­den, wor­auf die Betrei­ber sicht­lich stolz sind. Und wenn die Bade­sai­son am Frei­tag, den 29. Mai beginnt, könnt ihr das auch selbst in Augen­schein neh­men. Hier fin­det ihr die Coro­na-Regeln, die ihr beach­ten müsst. Es lohnt sich!

Autoren/Fotos: Joa­chim Faust/Andaras Hahn

Web­site des Strand­bads, mit Prei­sen und Wassertemperatur

ab dem 29.5.20 tgl. 9 – 22 Uhr geöff­net, Nord­ufer 26

Bade­zei­ten 10 – 19 Uhr (auch im September)


1 Kommentar
  1. Ich war heu­te Abend zum ers­ten Mal da, und es war zau­ber­haft. Es hat mehr etwas von Aus­stei­ger­dorf oder Som­mer­fes­ti­val, was die Leu­te da gebaut haben. Die Piz­za ist krea­tiv belegt, rie­sig und lecker. Ein Holz­feu­er brennt und einer impro­vi­siert am elek­tri­schen Kla­vier. So kann man den Son­nen­un­ter­gang auch an einem küh­len Tag im Frei­en genießen.

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