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Wedding am Wasser: Napoleonkai, ein riesiger Freiraum am Kanalufer

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20150222_125327-1Ein mit Beton­seg­men­ten – viel­leicht Res­te der Ber­li­ner Mau­er – umge­be­nes, lang­ge­zo­ge­nes Gelän­de am Ber­lin-Span­dau­er Schif­fahrts­ka­nal: An und für sich nichts Beson­de­res in die­ser mit unge­nutz­ten Bra­chen ver­meint­lich so reich geseg­ne­ten Stadt.…

Die Beton­tei­le sind mit mehr oder weni­ger ein­falls­rei­chen Graf­fi­ti besprüht. Doch außer Spray­ern und Hun­de­hal­tern inter­es­siert sich nie­mand für die­se idyl­lisch gele­ge­ne Leer­stel­le gegen­über des Saat­wink­ler Damms, wo auf der ande­ren Kanal­sei­te der Auto- und Bus­ver­kehr unbe­ein­druckt Rich­tung Flug­ha­fen Tegel don­nert. Am Gelän­de selbst führt der Rad­fern­weg Ber­lin-Kopen­ha­gen direkt an den plump auf­ge­reih­ten Beton­ele­men­ten ent­lang – wie oft habe ich mich geär­gert, dass er extra wegen die­ser Bra­che einen gehö­ri­gen Umweg bis hin­ter das Sta­de Napo­lé­on neh­men muss. Die­ses Relikt der fran­zö­si­schen Alli­ier­ten gab der 260 Meter lan­gen Ver­la­de­stel­le für Bau­schutt und Boden­aus­hub denn auch ihren Namen: Napo­le­on­kai. Der Schwar­ze Gra­ben, der sich von Rei­ni­cken­dorf kom­mend, an den Reh­ber­gen ent­lang­zieht, wird am Rand des Gelän­des in den Kanal ent­wäs­sert. An der metal­li­schen Spund­wand und der Auf­wei­tung des Kanals erkennt man, dass die­ses Ufer­stück ein­mal eine ande­re Funk­ti­on hat­te – als Anle­ge­stel­le und Umschlag­platz. Doch heu­te ist es nur eine Sand­wüs­te, in die sich ein paar Anzei­chen wil­der Vege­ta­ti­on gekrallt haben, über­haupt nicht gegen Zutritt gesi­chert. Man wähnt sich, obwohl mit­ten im West­teil Ber­lins, an einer der Bra­chen, die es nach dem Fall der Ber­li­ner Mau­er mas­sen­haft im Nie­mands­land gab.

Wird langsam selten

Die East Side Gal­le­ry, nein, die ist mit die­sem idyl­lisch gele­ge­nen Gelän­de wohl nicht ver­gleich­bar. Die Umge­bung ist grün und vor­städ­tisch. Aber wenn ich so durch die­sen ver­ges­se­nen Ort spa­zie­re und die Spray-Kunst­wer­ke betrach­te, fällt mir auf, wie sel­ten sol­che urba­nen Frei­räu­me inzwi­schen gewor­den sind…

Wem die Flä­che mit bes­ter Was­ser­la­ge wohl gehört? Und was soll mit ihr eigent­lich pas­sie­ren? Viel­leicht soll­te man sich ein­fach nur freu­en, dass es ein sol­ches städ­te­bau­li­ches Vaku­um noch gibt.

Und so kommt man hin

Zu fin­den: Am Ende der Allée du Sta­de, hin­ter dem Sta­de Napo­lé­on und öst­lich des Zen­tra­len Fest­plat­zes am Hohenzollernkanal

 


 

Joachim Faust

hat 2011 den Blog gegründet. Heute leitet er das Projekt Weddingweiser. Mag die Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen gleichermaßen.

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