Skate-Strecke: Auf Achse mit acht Rollen

So manche Stubenhocker hat es in den vergangenen Monaten öfter mal an die frische Luft gezogen, als es wohl vor den Ausgangsbeschränkungen der Fall war. Bewegung tut gut und ist wichtig für die physische und mentale Gesundheit – da waren sich Bund und Länder einig und haben, im Gegensatz zu einigen Nachbarländern, bisher keine strenge Ausgangssperren verhängt. Die besten Routen zum Laufen und Spazieren gehen haben wir bereits vorgestellt, doch wo im Wedding geht es auf Rollen mit den Inline-Skates der frühen 2000er lang, die ich beim diesjährigen, überdurchschnittlich präzisen Frühjahrsputz ausgekramt habe?

Immer am Ufer entlang

Auf Rollen am Garten vorbeiVom Sprengelkiez bis 0,1 Kilometer vor Spandau – diese Route hat es in sich. Dem Nordufer folgend und an paradiesischen (Klein-)Gärten vorbei erreicht diese Strecke ihren Höhepunkt südlich des Tegeler Sees. Bei dem guten Wetter und dem ausbleibenden Schiffsverkehr der letzten Wochen ist sogar ein kurzes Abtauchen im Spandauer Schiffahrtskanal nicht ausgeschlossen. Aber fangen wir vorne an.

Viele Wege führen ans Nordufer. Aber der inoffizielle Skater-Treff scheint sich mittlerweile Ecke Torfstraße etabliert zu haben. Wo einst (beziehungsweise sonst) die Sonnenplätze vor den Restaurants prall gefüllt sind, trifft sich jetzt alles auf Rollen. Skateboarder, Inliner, Fahrradfahrer: die autofreie Zone als Hotspot alternativer Fortbewegungsmittel. Von dort führt der Weg über die Föhrer Brücke, vorbei am südlichen Eingang des Virchow-Klinikums schnell Richtung Plötzensee.

Hier wird allerdings nicht angehalten, es sei denn, die fußgängerunfreundliche Ampelschaltung an der Seestraße macht einem mal wieder einen Strich durch die Rechnung. Hinter der Schleuse endet der Nordufer-Weg – und der idyllische Teil der Route beginnt (Fahrradroutenschildern nach Spandau folgen!). Zwischen Kastanienbäumen, dem Schwarzen Graben und blühender Flora erstrahlt der westliche Teil des Weddings in seiner natürlichen Pracht. Abgesehen von der Müllhalde und dem Farbgeruch hinter dem Stade Napoléon an den Graffiti-Wänden. So schön Streetart auch sein mag – und so sehr es wohl zum Stadtbild dazugehört – wieso werden leere Dosen, Farbeimer, Einweggrill und leere Flaschen dort einfach liegen gelassen?

Weiterfahren lohnt sich

Wer sich weiter traut, muss den Wedding verlassen. Aber das zahlt sich aus, denn die weiteren 5 Kilometer führen einen immer geradeaus am Spandauer Schiffahrtskanal bis zum Saatwinkler Steg. Dort angekommen gibt es viele Möglichkeiten für eine Erfrischung. Die dampfenden Füße im eiskalten Kanal baumeln lassen oder gar den einige Meter entfernten Tegeler See für eine Abkühlung aufsuchen und vor Ort mit einem Eis und Kaltgetränk am Kiosk belohnen. Die Hälfte der Strecke ist immerhin geschafft – und weil es so schön ist, macht es nichts aus, dass der Rückweg sich kaum vom Hinweg unterscheidet. Außer dem tollen Gefühl des Heimkommens. Vor allem, wenn das Ortseingangssschild „Wedding“ zu lesen ist und einem die Sicherheit umgibt, dass die circa 18 Kilometer lange Strecke fast vollbracht ist.

Sie erblicken mich rollend. Sie hegen Groll

Wer das erste Mal auf acht Rollen steht, sollte aufpassen. Ein paar kleine Holpersteine sind nämlich zu meistern. Und – Achtung – Wasserschläuche können einen auch aus der Spur bringen. Um den Zorn Anderer nicht auf sich ziehen zu müssen, ist es also empfehlenswert, vorher das Bremsen zu üben. Vor allem am Wochenende und an Feiertagen ist hier einiges los. Fußgänger, Radfahrer und Gleichgesinnte teilen sich den schmalen Weg. Auch hier brauchen wir das, was wir in den letzten Wochen immer wieder geübt haben: Rücksicht, Nachsicht und Solidarität. Denn auch bei dieser Beschäftigung halten wir natürlich Abstand zueinander.

Hier die genaue Strecke


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