Das Jahr im viertcoolsten Kiez der Welt (Teil 4)

So, nun wissen wir es, dass wir nach Lissabon, Tokio und Lagos den viertcoolsten Kiez der Welt in Berlin haben. Und zwar im Wedding. Na und? Wir dokumentieren Auszüge aus unserem wöchentlichen und sowieso coolen Newsletter aus dem 4. Quartal 2019.


Oktober: Die einen sagen Betonwüste, andere gelungener moderner Umbau. Die Rede ist vom Rathausvorplatz. Das gesamte Areal hat nun den Deutschen Landschaftsarchitektur Preis 2019 gewonnen.

Wer schon einmal im Tangoloft im Wedding war, sei es zum Tanz, oder zu einer Feier, der wird es schwer haben, sich schönere Orte als diesen zum Feiern vorzustellen. Doch nun steht der letzte Tanz an, der Mietvertrag wurde nicht verlängert.

Ist der Wedding so verdreckt, weil es keine kostenlose Sperrmüllabholung gibt, wie es in vielen Städten üblich ist? Natürlich könnte man sich ein Auto mieten und zu einem der Recyclinghöfe fahren oder die BSR holt die ausrangierten Möbelstücke kostenpflichtig zu Hause ab. Aber man kann den Müll auch einfach auf die Straße stellen, das stört hier fast niemanden.
Der Bezirk hat dieser illegalen Praxis nun den Kampf angesagt und beauftragt die BSR, an bestimmten Tagen im Jahr 2019 an festen Orten alles einzusammeln, was ihr so vor die Nase gestellt wird. Dass viele Altglastonnen auf den Hinterhöfen verschwinden, ist aber kein gutes Zeichen.

Wie es weitergeht? Ein Anfang, der nach hoffentlich vielen Wiederholungen schreit.

Ist die Catcherwiese im Volkspark Rehberge, die im Herbst mit ihren Nebelschwaden immer wieder ein Hingucker ist, eigentlich ein verwildertes Stück Natur, wichtig für Insekten und andere Tierarten? Aber alte Weddinger verdrücken hier eine Träne, weil die vier Spielfelder, die es früher einmal gab, so zugewuchert sind. Das Thema ist zwiespältig, denn hier werden Naturschutz und der berechtigte Wunsch nach mehr Sportflächen gegeneinander ausgespielt.

November: Berlin feiert das denkwürdige Ereignis 30 Jahre Mauerfall mit einer Festivalwoche; die spektakulärsten Aktionen finden mit Projektionen am Alex und mit der Instagram-tauglichen Aktion „Visions in Motion“ auf der Straße des 17. Juni statt. Moment? War da nicht was an der Bösebrücke? Nun, in der Festivalwoche hat man diesen Ort einfach mal komplett ausgelassen.

Der Berliner Obdachlosenhilfe e.V. hat ihren Sitz in der Lynarstraße im Wedding und sollte in diesem Jahr vom Bezirksamt Mitte den Ehrenamtspreis 2019 verliehen bekommen. Die Obdachlosenhilfe hat dankend abgelehnt.

Eine weitere Weddinger Institution schließt: Das LaLuz in den Osramhöfen macht zum Jahresende dicht. Nach 18 Jahren wurde der Mietvertrag nicht mehr verlängert. Ob es am Verkauf der gesamten Osramhöfe im Juni diesen Jahres für sage und schreibe 225 Millionen Euro liegt? Das klingt plausibel.

Waffeln oder frisches Brot aus der „Speisekammer“vor der Stephanuskirche gehören für viele aus dem Soldiner Kiez mittlerweile zur Gewohnheit. Die Frage ist nun wie lange noch. Aus Denkmalschutzgründen soll der Wagen demnächst im Hinterhof der Kirche stehen, die Betreiber befürchten aus dem Sichtfeld des Kiezes zu geraten und bangen dadurch um ihre Existenz. Der Bezirk muss sich die Frage stellen, ob das vorherige Wildparken oder Müll abladen auf dem Platz förderlicher waren, oder aber ein Essenswagen, der zum Verweilen und Quatschen einlädt.

Thema himmelbeet: Der Mettmannplatz im Sprengelkiez galt als letzte Hoffnung für den erforderlichen Umzug der Hochbeete. Aber daraus wird wohl nichts. Weil […] der Mettmannplatz als Nutzung mittelfristig nicht zur Verfügung steht. Aufgrund des Planfeststellungsverfahren aus dem Jahr 2005 zur S21 ist der größte Teil der Fläche nicht verfügbar.

Dezember: Ziemlich unsicher dürften sich Radfahrer auf der neuen Berg- und Talfahrt der neu gebauten Straße Nordufer (zwischen Lynarstraße und Fennstraße) fühlen, wo man (trotz Radfernwegs Berlin-Kopenhagen) den Radweg mal eben „vergessen“ hat.

Es sind nur Schilder, aber sie strahlen etwas aus. Die Verbotsschilder am Rathausplatz, die durch ihre auffällige Art zwar nicht wirklich einschüchternd wirken, aber von vielen als eine Bevormundung von oben herab wirken. Dazu die Stellungnahme der Stadtteilvertretung.

Der Mietendeckel ist quasi da, aber dieser gilt nicht für Gewerbe. Vor allem dort kann der Mietpreis fast steigen wie er will. Neuestes Weddinger Beispiel: Das Hopfen und Malz in der Triftstraße. Der neue Eigentümer hat die Miete verdoppelt, das ist nicht mehr stemmbar. Die Betreiber suchen darum dringend nach Ausweichflächen.


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