Heißt es im Wedding jetzt „Glastonnen adé“?

Der ein oder andere wird es schon im eigenen Hinterhof bemerkt haben: Die beiden Glastonnen für Weißglas und für Buntglas bekommen Seltenheitswert, zumindest wenn man nicht innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings wohnt. Bis Januar 2020 sollen 30.000 Tonnen verschwunden sein, sodass nur noch 62.000 verbleiben. Für die Betroffenen heißt das: Man muss mit seinem Altglas den Weg zu den zentral aufgestellten „Iglus“ auf sich nehmen, wo nach drei Farben unterschieden wird. Der Grund für diese Aktion: Im Hausmüll werde zu schlecht getrennt. Noch kann dem widersprochen werden.

„Zentrale Sammlung bringt bessere Qualität des Altglases“

Iglus statt Glastonnen
Foto: twitter.com/hausmeistrwilli

Laut Verpackungsgesetz ist für das Sammeln das privatwirtschaftlich organisierte Duale System zuständig. Das Berliner Altglas gilt als schlecht getrennt, weil auf den Höfen das Altglas nur Weiß- und Buntglas gesammelt wird. Braunglas fällt beim privaten Endverbraucher in so geringen Mengen an, dass eine extra dafür aufgestellte Tonne selten voll würde. Aufgrund der vielen Fehlbefüllungen sei das Altglas aufgrund eines zu hohen Anteils an Fremdstoffen für hochwertige Verwertungsverfahren  unbrauchbar und muss kostenpflichtig als Restmüll entsorgt werden, so die Senatsverwaltung-

Aufgrund der sehr schlechten Qualität des in den Höfen gesammelten Altglases wollten die Betreiber schon länger ihr System gänzlich auf Iglus im öffentlichen Straßenland umstellen. Nach langer Diskussion wurde eine Kompromisslösung gefunden. Danach bleiben zwei Drittel der Behälter im Gebiet des S-Bahn-Rings (also nur im kleinsten Teil des Wedding) stehen und das Netz der Iglus werde verdichtet, teilt die Senatsverwaltung einer Weddinger Bürgerin mit, die gegen das Verschwinden der Hoftonnen protestiert hat.

„Die Altglasmenge wird sinken“

Der Spandauer SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz lehnt dieses System ab. „Die vorbildliche getrennte Sammlung von Altglas begann in Berlin bereits in den 1970er Jahren. Sie schont Klima und Ressourcen, aber auch das Portemonnaie. Denn Erfahrungen zeigen, dass bei Abzug der Hoftonnen die Menge getrennt gesammelten Altglases deutlich sinkt. Das Altglas landet stattdessen häufig in der teuren Restmülltonne, obwohl die Verbraucher*innen bereits an der Ladenkasse über den ‚Grünen Punkt‘ für Abholung und Recycling der Getränkeverpackung bezahlt haben. Vielen ist der Gang zum Altglas-Iglu zu weit und unbequem. Wer nicht gut zu Fuß ist, dem fällt der Weg besonders schwer„, schreibt Buchholz auf seiner Website. Der Abzug der Tonnen erfolge freiwillig, sodass ein Widerspruch durchaus sinnvoll ist, meint der Abgeordnete und schreibt: „Jetzt ist noch Zeit, für die eigenen Altglas-Hoftonnen aktiv zu werden! Das geht als Eigentümer*in direkt mit einem Widerspruch gegen den Abzug, als Mieter*in bitten Sie Hausverwaltung bzw. Vermieter*in, entsprechend vorzugehen. Musterbriefe für den Wider­spruch gibt es auf der Aktionsseite ‚Meine Altglastonne bleibt!‘ des Umweltverbands BUND.“

 


1 Kommentar
  1. Ehrlich gesagt, ich (69 Jahre jung) freue mich. Besonders im Sommer ärgere ich mich seit langem darüber, dass in den umliegenden Höfen (mindestens 4), niemand Rücksicht nimmt und zu jeder Tages und Nachtzeit seine Flaschen lautstark in die Tonnen wirft. Keine Mittagsruhe, spätabends, Sonn- und Feiertags….es nervt.
    So schwierig finde ich es nicht, die 2 Flaschen pro Tag (??) mitzunehmen und in den nächstgelegenn Container zu werfen.
    Im Dunkeln hat man dazu keine Lust, sonntags auch nicht: himmlische Ruhe kehrt ein…(:

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