Beuth-Hochschule: WAL soll Raumnot lindern

Bekanntlich platzt die Weddinger Beuth Hochschule aus allen Nähten. Dank der klaren Positionierung der Senatskoalition zur Nachnutzung des Flughafens Tegel und eines Gutachtens, das der Beuth Hochschule ein Nutzflächendefizit von rund 14.000 m² nachweist (bei einem derzeitigen Gebäudebestand von rund 77.400 m²) könnte sich dies bald ändern…

Weddingwoche #26: Viel Platz fürs Bürgeramt

FinanzamtNa, das hat sich doch gelohnt: Die 23 Mitarbeiter des Bürgeramtes, die jetzt im Erdgeschoss des Finanzamtes Osloer Straße residieren, können sich wahrlich nicht beklagen. Statt im üblichen Großraumbüro dürfen acht Kundenberater in bis zu 25 Quadratmeter großen Einzelbüros arbeiten, für den Rest gab’s auch noch annehmbare 13 Quadratmeter. In einen gemeinsamen Großraum zu ziehen und auf individuelle Arbeitsplätze zu verzichten, das wollten sich Personalrat und Bürgeramtsberater nicht zumuten. Auch wenn – durch Urlaub, Krankheit oder Fortbildung – immer ein Drittel der Büroräume leersteht. Und Pass- und andere Angelegenheiten ausschließlich am Computer bearbeitet werden. Weil hier im Amt aber offensichtlich die Zeichen der Zeit nicht verstanden worden sind, leistet man sich überdies noch einen 230-Quadratmeter-Warteraum, den ab 1.7. keiner mehr braucht, weil der Bürger dann nur noch mit Termin vorgelassen wird. Ende vom Lied: Das neue Bürgeramt kostet mehr Miete als das alte in der Müllerstraße. Ich sag doch: Das hat sich gelohnt.

Autor: Ulf Teichert

Neuer Standort des Bürgeramts Wedding in der Osloer Str. 37, U Osloer Str. 

Mehr dazu in der Berliner Woche

Flughafen Tegel: Vom Abfertigungs- zum Hörsaal

Flughafengebäude in Tegel
Flughafengebäude in Tegel

Die rot-schwarz Koalition in Berlin hat die Landesmittel für die Beuth-Hochschule auf 70 Millionen Euro angesetzt. Das sei als Anschubfinanzierung für den Teilumzug der Hochschule auf den Flughafen Tegel gedacht, wie die Bild-Zeitung berichtet. Dort soll die frühere Technische Fachhochschule mit rund 1 500 Studenten vom Wintersemester 2015/2016 an im derzeit noch als Terminal genutzten Hauptgebäude angesiedelt werden. Die Beuth-Hochschule im Wedding  hat eigenen Angaben zufolge das größte ingenieurwissenschaftlichen Studienangebot in Berlin und Brandenburg. Dort sind rund 10.000 Studenten eingeschrieben und 300 Professoren tätig. Die Hochschule hat mehrere Außenstellen in der Stadt.

Endlich kein Platzmangel mehr

Neubau der Beuth-Hochschule
Neubau der Beuth-Hochschule

Die Beuth-Hochschule erhofft sich durch den geplanten Teilumzug eine Lösung ihres Platzproblems. Einer Nutzung des leerstehenden Rathausturms im Wedding wurde im letzten Winter eine endgültige Absage erteilt, wie berichtet wurde. Statt dessen wird dort das Jobcenter Berlin-Mitte einziehen. „Uns fehlen etwa 15.000 Quadratmeter. In Tegel sollen wir diese Fläche bekommen“, sagte Hochschulsprecherin Monika Jansen. Nach dem Willen der  SPD und der CDU soll Reinickendorf ab 2015 erstmals Standort einer Hochschule werden. Die von Raumnot geplagte Beuth-Hochschule selbst sieht die Pläne erst einmal sehr positiv. „Wir stehen in den Startlöchern“, sagte Jansen. Tegel liege nur etwa dreieinhalb Kilometer vom Hauptcampus in Wedding entfernt. Und zu diesem Standort bekennt sich die Hochschule weiterhin.

Vor allem die Zukunftstechnologien Erneuerbare Energien, Gartenbau und Landschaftsplanung sollen am neuen Standort Berlin-Tegel gebündelt werden. Platz für Teststrecken und modernste Labore soll ausreichend vorhanden sein. Auch die Gründerwerkstatt soll nach Tegel ziehen.

Website der Hochschule

Das Zuckermuseum verlässt den Wedding

Das Zucker-Museum
Das Zucker-Museum

Nur noch 13 000 Besucher pro Jahr fanden den Weg in das seit 1904 bestehende, einzigartige Zuckermuseum im früheren Institut für Zuckerindustrie in der Amrumer Straße 32. Die Sammlung, die der Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin gehört,  schließt Ende des Jahres und zieht in das Deutsche Technikmuseum in Kreuzberg. 2014  soll die seit mehr als zwanzig Jahren in der jetzigen Form bestehende Ausstellung zur Kultur- und Wirtschaftsgeschichte des Zuckers am neuen Standort eröffnet werden, berichtet die Berliner Woche in ihrer Weddinger Ausgabe. Die Fläche wird dann mit 400 Quadratmetern etwas kleiner sein. Dafür soll aber die Aussstellung komplett neu konzipiert und um den Bereich Lebensmitteltechnologie erweitert werden.

Hintergrund für den Umzug: der Hauseigentümer, die Technische Universität (TU), gibt das über 100 Jahre alte Gebäude des einstigen Instituts für Zuckerindustrie auf, in dem die Sammlung des Zuckermuseums mietfrei untergebracht war. Zwei Institute der TU nutzten seit 1978 das Haus. Das Deutsche Technikmuseum kann die Kosten für eine Übernahme und Sanierung des Hauses von mindestens fünf Millionen Euro nicht stemmen. Da kommt der Umzug mit 500 000 Euro wesentlich preiswerter.

Link zum Deutschen Zuckermuseum

Das Zucker-Museum dokumentiert die Kulturgeschichte des Zuckers und ist das älteste Spezialmuseum seiner Art in der Welt. Hier wird die Herstellung des Zuckers, seiner Nebenprodukte und seiner zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten anschaulich demonstriert. Schwerpunkte der Sammlung sind: Dokumente zur Kulturgeschichte des Zuckers, technische Geräte zur Herstellung und seiner analytischen Untersuchung, historische Verkaufs- und Verpackungsformen des Zuckers und Wirkung des Zuckers im menschlichen Körper.
Der Eintritt ist frei. Die Gruppenführung kostet 20 Euro (deutschsprachig) und 30 Euro (englischsprachig). Das Museum hat montags bis donnerstags von 9 bis 16.30 Uhr und sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Beuth-Hochschule bekennt sich zum Standort Wedding

Als sich im Dezember 2011 herauskristallisierte, dass die Beuth-Hochschule (ehemals TFH) nicht in den leerstehenden Hochhausturm des Rathauses Wedding ziehen würde, da das Job-Center Mitte den Zuschlag erhalten hatte,  schien fraglich, ob der überregional bedeutende Hochschulstandort im Wedding zu halten sei. Nun äußerten sich die Präsidentin Prof. Monika Gross und der Erste Vizepräsident Prod. Hans W. Gerber im Interview mit der Sanierungszeitung „Ecke Müllerstraße“ zur Standortfrage nach der Entscheidung gegen den Rathausturm.

„Die ganze Hochschule wird nicht nach Tegel umziehen, nur einige Bereiche“, gab Prof. Gross zu verstehen – der Hauptcampus bleibt im Wedding. Etwas anderes sei auch aus Kostengründen (ca. 500 000 Euro) nicht möglich. Die Beuth-Hochschule hat inzwischen 11.000 Studierende, Tendenz steigend, und ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Kiez zwischen Leopoldplatz und der Amrumer Straße. „Natürlich hat die Entscheidung auch Spuren hinterlassen“, sagt Prof. Gross im Interview, „wir fragen uns schon, wie verlässlich die Aussagen der Bezirkspolitik sind.“

Beuth HochschuleDie Stadtteilvertretung Müllerstraße war nicht nur über die Vergabe des Turms an das Job-Center verwundert, sondern auch über die Art und Weise, wie die Beteiligung dieses gewählten Bürgergremiums „vergessen“ wurde. In einem Brief an den Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, der ebenfalls in der Zeitung „Ecke Müllerstraße (1/2012)“ veröffentlicht wurde, verliehen die Bürgervertreter ihrem Ärger Ausdruck. Dabei sind im Vorfeld der Entscheidung alle Beteiligten, auch der Bezirk, davon ausgegangen, dass die Stärkung des Hochschulstandorts durch das Gebäude direkt an der Müllerstraße auch positive Effekte auf das Sanierungsgebiet Müllerstraße gehabt hätte.

Nun steht zwar fest, dass die Beuth-Hochschule nicht ganz das Handtuch wirft und dem Wedding den Rücken kehrt. Dafür liegen die heutigen Liegenschaften einfach zu zentral. Trotzdem ist viel Porzellan zerschlagen worden: zwischen Bürgern und der Hochschule auf der einen und der Landespolitik auf der anderen Seite.

Gut für den Senat, schlecht für den Standort Wedding

Neues und altes Rathaus Wedding

Der Senat hat entschieden. Und es sprechen sicher gute Gründe dafür, das Jobcenter in das demnächst leerstehende Hochhaus am Rathaus Wedding einziehen zu lassen, wie an dieser Stelle bereits berichtet. Die vom Bund finanzierte Agentur für Arbeit kann es sich – ganz im Gegensatz zum zweiten Interessenten, der landeseigenen Beuth-Hochschule, – leisten, eine Beteiligung von vier Millionen Euro an den Sanierungskosten für den maroden Turm beizusteuern. Doch für den Stadtraum rund um das Rathaus ist es eine fatale Entscheidung, meinen nicht nur die Bezirkspolitiker. Die das Sanierungsgebiet Müllerstraße betreuende Stadtplanerin Susanne Jahn nennt es klipp und klar ein falsches Signal. Immerhin bemühen sich viele Beteiligte seit Jahren um eine Belebung des Gebiets rund um den Leopoldplatz. Auch Mitglieder der Stadtteilvertretung Müllerstraße fühlen sich durch diese Entscheidung in ihren bisherigen Bemühungen zur Stärkung des Ortsteils übergangen: „Die angestoßene Entwicklung der Müllerstraße kann nachhaltig geschädigt werden“, schreibt ein Mitglied in einem Flugblatt, das bei einer öffentlichen Sitzung verteilt wurde.

Es geht aber nicht nur darum, dass das Straßenbild anders aussieht, wenn statt Studenten eher die Kunden des Jobcenters den Rathausvorplatz bevölkern. Für die mit akuter Raumnot kämpfende Beuth-Hochschule steht jetzt nämlich der ganze Traditionsstandort im Wedding in Frage. Ohne Erweiterungsperspektive muss sie sich wohl auf einen Komplettumzug einstellen. Dafür böte sich an, den ab Juni leerstehenden Flughafen Tegel in die engere Wahl zu ziehen, quasi als Kompensation für den Bedeutungsverlust des Bezirks Reinickendorf.

Es wird auf diese Art zwar keinen dauerhaften Leerstand des Rathaus-Hochhauses geben. Die Idee eines Bildungsbandes, das sich die Planer für das Aktive Zentrum Müllerstraße an dieser Stelle erdacht haben, ist aber nun in mehrfacher Hinsicht in Gefahr.