Engagiert für Natur und Umwelt im Stadtteil

Der Umweltpreis wurde im Schul-Umwelt-Zentrum in der Scharnweberstraße verliehen. Foto: S. Sallmann
Der Umweltpreis wurde im Schul-Umwelt-Zentrum in der Scharnweberstraße verliehen. Foto: S. Sallmann

Scheren sich die Weddinger um die Umwelt? Einige schon – und die tun das mit besonders viel Engagement und Kreativität. Das Bezirksamt hat zwölf dieser Projekte ausgewählt und mit dem Umweltpreis Mitte ausgezeichnet. Die Projekte präsentierten sich am 11. Juni im Schul-Umwelt-Zentrum in der Scharnweberstraße. Wie das Bezirksamt in einer Pressemitteilung zur Preisverleihung bemerkte, waren die 25 Einreichungen durch eine große Vielfalt gekennzeichnet. Von Projekten zur Abfallvermeidung über Schulgärten und Stadtgärtnern bis hin zu künstlerischen Arbeiten war alles vertreten.

Ein Preis für Gärtner und Umweltschützer

Hier geht's lang: Der Eingang zum Schul-Umwelt-Zentrum Mitte. Hier wird der Umweltpreis des Bezirks verliehen. Foto: Hensel
Hier geht’s lang: Der Eingang zum Schul-Umwelt-Zentrum Mitte. Hier wird der Umweltpreis des Bezirks verliehen. Foto: Hensel

Den Wedding begrünen, Bienen ausschwärmen lassen, Müll vermeiden, die Umwelt schützen. Viele Weddinger beschäftigen sich mit diesen Themen. Das Bezirksamt Mitte möchte das Engagement von privaten Projekten, aber auch solchen von Vereinen, Kitas und Schulen belohnen. Die besten Projekte und Ideen in Mitte werden in jedem Jahr mit dem Umweltpreis Mitte auszeichnet – seit über 20 Jahren. Bis zum 1. Juni können sich Gartenprojekte & Co. wieder um den Preis bewerben.

In der Wetterstation Wedding wird geforscht

Wie entwickelt sich das Klima im Brunnenviertel?
Wie entwickelt sich das Klima im Brunnenviertel?

Klimatologen der Technischen Universität Berlin nehmen derzeit das Wetter nördlich der Bernauer Straße ganz genau unter die Lupe. Sie installieren im Rahmen des Projektes „KiezKlima“ kleine Wetterstationen in Kindertagesstätten im Brunnenviertel. Die werden auf einer Wetterkarte im Internet veröffentlicht. So kann man beispielsweise erfahren, wie warm es gerade in der Graunstraße gerade ist. Auf der Wetterkarte sind mehr als 1000 Orte in Berlin verzeichnet. Die neuen Wetterstationen im Brunnenviertel sind jedoch keine Spielerei für Hobbyklimatologen, sie dienen der Forschung.

Garten Arbeit Schule: das Schul-Umwelt-Zentrum

Achtlos geht man an der Scharnweberstraße 159 vorbei, ziemlich genau an der Stelle, wo die Straße ihren Namen in Müllerstraße ändert. In diesem vorstädtischen Nichts aus Verkehrsschneisen, mehrstöckigen Bürogebäuden, einem Baumarkt und einem Einkaufszentrum würde man alles – nur keine grüne Oase – vermuten. Und doch ist die Gartenarbeitsschule Wedding in dieser peripheren Lage seit 1950 zu Hause. Mit der einzigen innerstädtischen Sanddüne Deutschlands verfügt das Areal sogar noch über ein ganz besonderes Naturdenkmal.

Gartenarbeitsschulen (diese hier firmiert seit der Bezirksfusion unter dem Namen „Schul-Umwelt-Zentrum Mitte„) beruhen auf reformpädagogischen Ideen der 1920er Jahre. Doch besonders nach dem Zweiten Weltkrieg haben die ausgehungerten und traumatisierten Kinder hier Erholung gefunden. Zusätzlich wurde durch die herangezüchteten Pflanzen die ärgste Not in den Familien gelindert. So notierte der erste Leiter der Gartenarbeitsschule Wedding, Gerhard Stüllein: „Die Kinder sollen lieber, anstatt auf Hamsterfahrt zu gehen, auf ihrem eigenen Schulgartenbeet Nutzpflanzen für ihre Familien heranziehen.“

Doch die Gartenarbeitsschule vermittelt nicht nur Wissen. Dieser besonders verwunschene, langgezogene Garten lädt zu Entdeckungen ein. So gibt es ein Bienenhaus, einen Teich voller Kaulquappen, Gewächshäuser, eine Feuerstelle mit Wigwam, ein schwedisches Holzhaus für Wetterbeobachtungen und Umweltexperimente sowie die bereits erwähnte Düne. Genutzt werden die vielen Beete von zahlreichen Kitagruppen und Schulklassen sowie Lehrerfortbildungsgruppen. In alle Gärten des SUZ kommen jährlich 40 000 Besucher!

Am meisten fasziniert den Besucher, der zum ersten Mal in die Gartenarbeitsschule kommt, welches grüne Paradies sich hinter den hässlichen Gewerbebauten verbirgt. Tatsächlich ist man hier der Realität ein wenig entrückt, wie in einem kleinen Botanischen Garten. Die Düne Wedding am Rand des Gartens fällt jäh zum Parkplatz des Baumarkts ab. Erklimmt man den Sandberg, wird man sich der städtischen Lage der Gartenarbeitsschule wieder bewusst.

Immer wieder ist die Existenz der Gartenarbeitsschulen, die auf über 90 Jahre Tradition in Berlin zurückblicken können, aus Spargründen gefährdet. Gerade in Zeiten größter materieller Not entstanden, wurde der Nutzen dieser Einrichtungen früher nicht in Frage gestellt. Aber auch heute ist das Schul-Umwelt-Zentrum für Stadtkinder wichtiger denn je: wo sonst sollen Kinder die Artenvielfalt, das Werden und Vergehen und Nachhaltigkeit lernen? Gesunde Ernährung (wo kommt unser Essen her), umweltbewusstes Verhalten (was passiert mit organischen Abfällen) oder biologisches Grundwissen (welche Tiere leben in unseren Breiten?) kann in solchen Einrichtungen optimal vermittelt werden.

Ein Förderverein kümmert sich um die Anlagen des SUZ, organisiert öffentliche Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, ist aber auch in andere Projekte involviert.

Infos:

www.suz-mitte.de

Scharnweberstr. 159, Tel.: 030-49870409, Fax.:  030-49870411, Mail: [email protected]

Filiale: Seestraße 74 (Interkultureller Garten)

Schwerpunkt Berlins verschiebt sich – was heißt das für den Wedding?

„Die Schließung des Flughafens Berlin-Tegel verändert das Gravitationsfeld der Stadt“, sagt der SPD-Kommunalpolitiker Ephraim Gothe, der bis zur Wahl Baustadtrat von Berlin-Mitte war. Der Schwerpunkt verschiebt sich in Richtung historischer Mitte, wo mit dem BND-Neubau ein gewaltiges Bauvorhaben realisiert wird. Auch im Südosten, in Adlershof und rund um den neuen Flughafen in Schönefeld, ist ein Schwerpunkt großer Investitionsvorhaben. „Dem Berliner Norden droht ein Bedeutungsverlust“, warnt Gothe. Die Nachnutzung des alten Flughafens Tegel sei für Wedding besonders wichtig – darum dürfe man nicht nichts tun und einfach Ruhe einkehren lassen.

Trotz anderer Größenordnungen – der BND-Neubau kostet allein schon über 800 Millionen Euro, das Stadtschloss „nur“ 550 Millionen – werden auch in Wedding viele neue Bauvorhaben realisiert.  Auch das Robert-Koch-Institut baut an der Seestraße für 75 Millionen Euro ein neues Laborgebäude – Bakterien wie EHEC oder auch Abwehrmittel gegen biologische Kampfstoffe werden dort erforscht. Lächerlich gering erscheint da der Bibliotheksneubau am Standort des Rathauses Berlin-Wedding, „nur“ drei Millionen Euro werden für die neue Mittelpunktbibliothek locker gemacht. Gerade ist aus 18 Entwürfen ein Gewinnerentwurf ausgewählt worden. „Ein sehr sichtbares Gebäude wird realisiert, das zur Aufwertung der Müllerstraße stark beitragen wird“, fasste Ephraim Gothe die Entscheidung für den Gewinnerentwurf bei einer Parteiveranstaltung der SPD-Abteilung Rehberge im Frühsommer zusammen. Später könne aus der neuen Bibliothek auch eine Bezirkszentralbibliothek werden.

Durch das Sanierungsgebiet Müllerstraße ist auch diese zentrale Achse wieder in den Fokus geraten. Für den Wedding stellt diese Straße die Anbindung an die Innenstadt dar. Die Steigerung ihrer Attraktivität für Verkehrsteilnehmer, Kunden und Anwohner ist für den Bezirk daher von besonders großer Bedeutung. Private Investoren werden davon indirekt profitieren, allerdings gibt es steuerliche Sonderabschreibungen für Investitionen im Sanierungsgebiet.

Ob Berlin-Wedding und die Müllerstraße im neuen Koordinatensystem der Stadt abgehängt werden? Prognosen über einen Bedeutungsverlust des Berliner Nordens sind schwer zu treffen. Immerhin hat die Politik die Notwendigkeit erkannt, den Standort durch das Sanierungsgebiet Müllerstraße zu stärken. Bedauerlich ist nur, dass das Sanierungsgebiet im Norden an der Barfus-/Transvaalstraße endet und nicht an der Bezirksgrenze zu Reinickendorf.

Hinweis: seit Januar 2012 ist Ephraim Gothe Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.