Schwerpunkt Berlins verschiebt sich – was heißt das für den Wedding?

„Die Schließung des Flughafens Berlin-Tegel verändert das Gravitationsfeld der Stadt“, sagt der SPD-Kommunalpolitiker Ephraim Gothe, der bis zur Wahl Baustadtrat von Berlin-Mitte war. Der Schwerpunkt verschiebt sich in Richtung historischer Mitte, wo mit dem BND-Neubau ein gewaltiges Bauvorhaben realisiert wird. Auch im Südosten, in Adlershof und rund um den neuen Flughafen in Schönefeld, ist ein Schwerpunkt großer Investitionsvorhaben. „Dem Berliner Norden droht ein Bedeutungsverlust“, warnt Gothe. Die Nachnutzung des alten Flughafens Tegel sei für Wedding besonders wichtig – darum dürfe man nicht nichts tun und einfach Ruhe einkehren lassen.

Trotz anderer Größenordnungen – der BND-Neubau kostet allein schon über 800 Millionen Euro, das Stadtschloss „nur“ 550 Millionen – werden auch in Wedding viele neue Bauvorhaben realisiert.  Auch das Robert-Koch-Institut baut an der Seestraße für 75 Millionen Euro ein neues Laborgebäude – Bakterien wie EHEC oder auch Abwehrmittel gegen biologische Kampfstoffe werden dort erforscht. Lächerlich gering erscheint da der Bibliotheksneubau am Standort des Rathauses Berlin-Wedding, „nur“ drei Millionen Euro werden für die neue Mittelpunktbibliothek locker gemacht. Gerade ist aus 18 Entwürfen ein Gewinnerentwurf ausgewählt worden. „Ein sehr sichtbares Gebäude wird realisiert, das zur Aufwertung der Müllerstraße stark beitragen wird“, fasste Ephraim Gothe die Entscheidung für den Gewinnerentwurf bei einer Parteiveranstaltung der SPD-Abteilung Rehberge im Frühsommer zusammen. Später könne aus der neuen Bibliothek auch eine Bezirkszentralbibliothek werden.

Durch das Sanierungsgebiet Müllerstraße ist auch diese zentrale Achse wieder in den Fokus geraten. Für den Wedding stellt diese Straße die Anbindung an die Innenstadt dar. Die Steigerung ihrer Attraktivität für Verkehrsteilnehmer, Kunden und Anwohner ist für den Bezirk daher von besonders großer Bedeutung. Private Investoren werden davon indirekt profitieren, allerdings gibt es steuerliche Sonderabschreibungen für Investitionen im Sanierungsgebiet.

Ob Berlin-Wedding und die Müllerstraße im neuen Koordinatensystem der Stadt abgehängt werden? Prognosen über einen Bedeutungsverlust des Berliner Nordens sind schwer zu treffen. Immerhin hat die Politik die Notwendigkeit erkannt, den Standort durch das Sanierungsgebiet Müllerstraße zu stärken. Bedauerlich ist nur, dass das Sanierungsgebiet im Norden an der Barfus-/Transvaalstraße endet und nicht an der Bezirksgrenze zu Reinickendorf.

Hinweis: seit Januar 2012 ist Ephraim Gothe Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt.


1 Kommentar
  1. […] Bund und das Land zu retten, was zu retten ist. Seit 2011 ist die Müllerstraße Berlins größtes Sanierungsgebiet. Jetzt heißt es wegkommen von der 1970er-Jahre-Optik mit sperrigen Geländern in der […]

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