„Bélaplume“: Französisch designt, im Wedding bedruckt

In der Drontheimer Str. 34 befindet sich mit dem Stattlab eine große Siebdruckwerkstatt, in der verschiedenste Künstler und Designer Postkarten, Plakate oder auch Textilien bedrucken können. In Workshops kann man die Technik des Siebdrucks selbst erlernen. Auch nach der Schließung des Stadtbads Wedding, in der sich der Verein Stattlab e.V. gegründet hatte, ist das Künstlerkollektiv dem Wedding treu geblieben. Gemeinsam mit vielen anderen Künstlern arbeitet auch der 35-jährige Digitaldesigner Maxime Rabot in der Siebdruckwerkstatt – vor allem T-Shirts bilden den Grundstock seines Labels Bélaplume.

Kiez-Shirts: Trag den Wedding herum

(C) Johnnyspapablog.de
(C) Johnnyspapablog.de

„Eddi“ steht auf meinem T-Shirt. Was ist denn das für eine Marke, fragt mich die 21-jährige Praktikantin auf Arbeit. Gar keine, sage ich, denn ich trage ein offenes Hemd über dem T-Shirt. Ach, Edding, ja das kenne ich, sagt sie, als sie genauer hinsieht. Das ist doch der wasserfeste Stift. Es sei ihr verziehen, dass sie nicht sofort auf Wedding gekommen ist, schließlich ist sie nicht aus Berlin. Wie auch immer: Die Kiez-T-Shirt-Serie der Firma Ampelmann widmet den wichtigsten Berliner Stadtteilen eine spezifische Variante, vorne einen passenden Schriftzug und hinten ein kiezbezogenes Ampelmannmotiv.

„Bitch Wedding ist die Straße“ – ein neues Label im Wedding

Im Weddinger Tangoloft wurde vergangenen Freitag ein besonderer Anlass gefeiert: Die Geburt des Weddinger Labels „Bitch Wedding“. Am Rande des Partygetümmels konnte der Weddingweiser mit Yoerk Koerk sprechen, einem der beiden Macher von Bitch Wedding.

Shirts mit dem Aufdruck „Amberzombie & Bitch“ statt „Ambercrombie & Fitch“, eine Zeitschrift, die VÜRGUE statt VOGUE heißt –  was wie die Antwort der Badstraße auf die Glamourwelt des Rodeo Drives klingt, zählt zur Produktpalette des neuen Labels Bitch Wedding. Auf dessen Geburtstagsparty treffe ich Cindy Reimer und Yoerk Koerk, die kreativen Köpfe hinter dem Label. Mit Yoerk und einer Flasche Augustiner steuere ich die Raucherecke an, um ihm dort einige Fragen zu stellen.

Bitch Wedding T-Shirts
T-Shirts von Bitch Wedding (Bild: Bitch Wedding)

Yoerk, den meisten Weddingern dürfte Bitch Wedding noch unbekannt sein. Was ist „Bitch Wedding“?

Bitch Wedding ist ein Label, welches Kunst und Kommerz zusammenbringt. Wir sind eine Reflektion der Straße, der Kunst und des Proletariats. Wir  verstehen uns als Hüter der gepflegten Weddinger „Lifestyle-Penner®“-Lebensart. Deshalb machen wir unsere Label selbst. Schmutzig, intelligent, authentisch und großartig. Wedding passiert auf der Straße, Bitch Wedding ist die Straße.

Zudem engagieren wir uns auch im sozialen Bereich und bei sozialen Vereinen und werden unter anderem Projekte wie Design- und Foto-Workshops mit Berliner Jugendlichen durchführen. Produkte, die dabei entstehen, verkaufen wir über unser Label, und die Einnahmen kommen den Jugendlichen sowie den sozialen Einrichtungen zugute.

Welche Produkte wird es von Bitch Wedding geben? Und wo kann man sie bekommen?

Bitch Wedding Shirt
Shirt mit „Bitch Wedding“-Logo (Bild: Bitch Wedding)

T-Shirts und Taschen sind unsere ersten Produkte – aber wir arbeiten bereits an anderen Dingen und werden die Produktpalette kontinuierlich erweitern. Einen interessanten Teil könnten dabei auch die Produkte einnehmen, die durch unsere Zusammenarbeit mit sozialen Vereinen entstehen. Unser Onlineshop geht am 15. April online. Zudem planen wir gerade PopUp-Shops, die spätestens im Mai diesen Jahres eröffnet werden. Jenseits der klassischen Verkaufsstrategie zeigen wir unsere Sachen in einem Wedding-typischen und baufälligen Umfeld, um die Spannung zu erhöhen. Dadurch kann es durchaus sein, dass man die neusten Shops nur per SMS Verteiler oder Facebook in Erfahrung bringen kann.

Wie seid ihr auf die Idee zu Bitch Wedding gekommen?  

Die meisten Menschen rümpfen immer noch die Nase, wenn sie erfahren, dass man im Wedding wohnt. Jeder denkt sofort an einen Problembezirk mit hoher Arbeitslosigkeit und Kriminalität. Dieses Bild wollen wir in einer humoristischen, selbstironischen Weise entschärfen und einfach die guten Seiten des Bezirks hervorheben. Das machen wir unter anderem dadurch, indem wir Straßen-Interviews mit Weddingern durchführen und diese online stellen.

Ja, die habe ich auf Facebook gesehen. Dort seid ihr schon seit einger Zeit aktiv. Wie lange arbeitet ihr schon an dem Projekt?

Wir arbeiten ganz intensiv seit ca. 3 Monaten an dem Projekt. Die Idee schwirrt uns schon seit über einem Jahr im Kopf herum, hat sich aber erst in den letzten Monaten verdichtet. Und seitdem geben wir Vollgas.

Ich habe gehört, es wird auch eine Zeitschrift namens VÜRGUE geben. Was erwartet die Leser der VÜRGUE?

Interessante Artikel aus dem Wedding – echt und pur mit einer Prise Ironie und unserer subjektiven und grandiosen Sicht auf die Dinge. Eine Persiflage an den Berlin Hiptser-Lyfestyle aus Sicht des typischen Weddingers. Auf jeden Fall werden wir den Leser überraschen und hoffen, dadurch neue Denkprozesse in Gang zu setzten. Und das alles in erstklassiger Druckqualität – ohne eine müde Mark – auf die Beine gestellt.

Wie ist euer Bezug zum Wedding?

Alle Freunde, die bei uns mitarbeiten, leben hier unterschiedlich lange und haben den Bezirk auf ihre Art und Weise kennen und lieben gelernt. Während überall sonst in Berlins Mitte der Trend zu teueren Luxuswohnungen etabliert wird und die Bezirke zu allem mutieren außer zu lebenswerten und bezahlbaren Quartieren mit einer interessanten Kulturszene, hat man hier noch Berlin pur. Und das mitten in Mitte. Das soll auch so rüberkommen.

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft aus?

Wir haben einiges vor und unsere Ideen wachsen im Quadrat hoch 10 – ist doch klar. Und das musste dann erst ma abarbeiten. Oder anders gesagt: First we take Manhatten, then we take Berlin – what else!

Bitch Wedding auf Facebook

Bitch Wedding Webshop

Das Interview in englisch

„Bitch Wedding is the street” – a new design label in Wedding

At Tangoloft in Wedding, a special occasion was celebrated on 5 April: The birth of the Wedding label “Bitch Wedding”. At the party, Weddingweiser had a chat with Yoerk Koerk, one of the two founders of Bitch Wedding.

Bitch-Wedding2Shirts with the print “Amberzombie & Bitch” instead of “Ambercrombie & Fitch”, a magazine named VÜRGUE instead of VOGUE – what sounds like Badstraße’s answer to Rodeo Drives is part of what’s offered by Bitch Wedding, a new label. During its birthday party, Weddingweiser meets Cindy Reimer and Yoerk Koerk, the creative minds behind the label.

Yoerk, most people from Wedding don’t know Bitch Wedding yet. What is it?

Bitch Wedding is a label which connects art and commerce. We are a reflection of street, art and proletariat. We understand ourselves as custodians of the Wedding “Lifestyle-tramp®” way of life. That’s why we do our label ourselves: Dirty, intelligent, authentic, great. Wedding is happening on the streets, Bitch Wedding is the street.
Also, we engage in social projects and will start projects with Berlin teenagers, such as design and photo workshops. Products created during these workshops will be sold through our label, and the earnings will go to the teens and social projects.

Which products will Bitch Wedding offer? Where can you get them?

Bitch-Wedding-ShirtT-Shirts and bags are our first products – but we’re already working on other things. We’ll continuously increase our array of products. An interesting element will also be the products created together with social projects. Our online shop will go online on the 15th of April, 2013. Moreover, we’re planning PopUp-Shops, which will open in May at the latest. Away from the classical sales-strategy, we show our things in an environment typical for Wedding. This will increase the tension. It might happen that you can find the new shops only via Facebook or texts.

How did you get your idea for Bitch Wedding?

Most people still give a weird look when they hear you’re living in Wedding. Everyone’s first thoughts are of a problematic area with a high rate of unemployment and criminality. We want to neutralise this image in a humorous and self-ironic way and put a focus on the good parts of this area. We also do this by interviewing people on the streets and putting these interviews online.

Yeah, I’ve already seen them on Facebook. You’ve been active there for a while now. How long have you been working on this project?

We’ve been working intensely on it for about 3 months. We’ve had the idea in our heads for about a year now, but it became more concrete within the last months – since then, we’ve put the hammer down.

There will be a magazine called VÜRGUE as well. What can the readers of this magazine expect?

Interesting articles from Wedding – real and pure with a hint of irony and our subjective and awesome view. A persiflage of the Berlin-Hipster-Lifestyle, seen from a Wedding perspective. In any case, we’ll surprise the reader and hope to start new thought processes through that. All of this is produced in excellent print quality and was started without any funding.

What is your connection to Wedding?

All of our friends who work with us have been living in Wedding and managed to meet and love the surroundings in their personal way. Anywhere else in Berlin the trend goes towards expensive luxury housing. The areas mutate into anything else but good places to live with interesting cultural scenes. But here, you’ve still got pure Berlin in the middle of Mitte. We hope to get this across.

What are your future plans?

We have a lot of things planned, and our ideas grow exponentially – of course. And then you just have to work on that. Or put in different words: First we take Manhattan, then we take Berlin – what else!

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zum Beitrag in deutscher Sprache

Translation: Daniela Hombach

More on Wedding’s English Language Facebook-Page “Der schöne Wedding”

„aroshi“ – Kleidung mit Hintergrund

aroshi-Kleidung in einem zwischengenutzten Ladenlokal im Wedding
aroshi-Kleidung in einem zwischengenutzten Ladenlokal im Wedding (Foto: aroshi)

Grün und blau, auf türkisch yeşil ve mavi,darauf lässt sich für manche der Wedding reduzieren. Für diese Menschen verkauft Anke Rommel T-Shirts mit Motiven, die sich erst auf den zweiten Blick dechiffrieren lassen. Dazu gehört auch ein Plan der Grün- und Wasserflächen des Wedding, eben der ganze Stadtteil in erstaunlich viel grün und blau. „Für meine Kleidungsstücke gibt es keine eindeutige Zielgruppe“, sagt die 47-jährige Geschäftsführerin des Labels „Aroshi“. Am ehesten fühlten sich Menschen davon angesprochen, die reduziertes Design und einfache Linien mögen, erklärt Anke Rommel. Menschen, die „architektur-affin“ und „berlin-affin“ sind wie sie. Schließlich ist Anke Rommel selbst Architektin und Innenarchitektin.

Zusammenhänge, Strukturen und klare Linien

Anke Rommel (links)

Auf die Idee kam Anke Rommel, nachdem sie 2007 in den Sprengelkiez gezogen ist. Bei einem Besuch des PrimeTime-Theaters sah sie einen  Zuschauer im SO36-Shirt und fragte sich: warum soll so etwas nicht auch im Wedding funktionieren? Als sie eine berufliche Auszeit nehmen musste, packte sie die Gelegenheit beim Schopf und gründete im Jahr 2010 „aroshi“.

„Ich gehe gerne durch die Straßen, sehe die Strukturen und Zusammenhänge und arbeite diesen Aspekt heraus“, sagt die gebürtige Düsseldorferin. So konnte sie die neue Idee des Textildesigns mit ihrem bisherigen Beruf optimal verbinden. Für Architekturfans gibt es Motive der Beuth-Hochschule, aber natürlich auch die Alte Nazarethkirche am Leopoldplatz. „Ich sehe Dinge, die andere nicht sehen“, erzählt Anke Rommel. Das Blätterdach der Bäume am „Leo“ wird durch grüne geschwungene Linien angedeutet, und die für die meisten Passanten kaum wahrnehmbare Skulptur des Betenden Jungen am Rand des Platzes wird mit dem gleichen Rot-Ton wie die Schinkelkirche hervorgehoben. Menschen, Autos oder Marktstände haben auf diesen, auf die architektonischen Grundformen reduzierten Motiven nichts verloren.

Die T-Shirts werden auf Märkten und Stadtfesten, vor allem aber im Online-Shop verkauft. Anke Rommel versucht auch Weiterverkäufer zu gewinnen; ein Geschäft am Gendarmenmarkt, spezialisiert auf Produkte Berliner Designer, verkauft bereits ihre Kleidungsstücke. Diese tragen inzwischen auch Motive aus Mitte. Die Rohware ist als „Fair Wear“ und „Öko-Tex Standard 100“ zertifiziert. In Oberschöneweide werden die Kleider konfektioniert und mit den Mitte-/Wedding-Motiven bedruckt, während die gewobenen Etiketten aus Reinickendorf kommen. Die Motive und ihre Bedeutungen werden in deutsch, englisch und türkisch vermarktet – so können sich alle Weddinger angesprochen fühlen. Extra für Weddinger mit türkischen Wurzeln gibt es den Almancı („Deutschländer“)-Schriftzug auf dem Weddinger Stadtteilumriss.

Individuelle Motive für Berlin-Fans

T-Shirts mit Weddingmotiven

Mit Anke Rommels T-Shirts und Kapuzenjacken kann der Berlin-Fan zum Ausdruck bringen, dass er die Stadt mag. „Und das, ohne gleich ein Brandenburger Tor-Motiv durch die Gegend tragen zu müssen“, sagt die Geschäftsfrau lachend. Sie mag eben die Stadt in ihrer ganzen Vielfalt, den Wedding und besonders den Sprengelkiez – nur eines vermisst Anke Rommel: den Rhein. Den kann ihr der Wedding beim besten Willen nicht bieten.

Link zum Online-Shop auf Spreadshirt.de

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