Ein neuer Typ Schule an der Reinickendorfer Straße

Grafik: Bruno Fioretti Marquez Architekten

Sehr zügig will der Senat in den kommenden Jahren den Neubau von elf neuen Grundschulen vorantreiben – darunter auch an der Reinickendorfer Straße an der Ecke zur Seestraße. Schon im Jahr 2022 könnten dort erste Schülerinnen und Schüler eingeschult werden und die übervollen Grundschulen im Wedding damit entlasten – wenn alles glatt geht und wenn der Flächenkonflikt mit dem benachbarten „Schul-Umwelt-Zentrum Mitte“ geklärt ist.

Was, wann, wo Wedding (26. Woche)

Endspurt vor den Sommerferien, die in einer Woche beginnen! Von Müdigkeit keine Spur: Am Gartenplatz wird der 125. Geburtstag eines Wahrzeichens gefeiert, denn so lange steht die Kirche St. Sebastian bereits am Platze. Das Literaturfestival Afrolution 2018 ist dagegen eine eher junge Idee – es lädt zu Lesungen, Performances, Diskussionen, Workshops, Kieztouren und vielem mehr ein. Im City Kino Wedding gibt es die letzte (besondere) Filmvorführung vor der Sommerpause. Und dann ist das natürlich wieder das Ausstellungs- und Eröffnungswochenende der Kolonie Wedding. Dies und viel mehr steckt in unserer Übersicht.

Solarkocher, Sanddüne, versteckter Garten

Weddinger Stadtnatur: Im Schul-Umwelt-Zentrum in der Scharnweberstraße. Foto: Hensel
Weddinger Stadtnatur: Im Schul-Umwelt-Zentrum in der Scharnweberstraße. Foto: Hensel

Es gibt Orte im Wedding, die findet man nur, wenn jemand sie empfiehlt. Und wenn man sie dann gefunden hat, dann offenbaren sie sich nicht sofort, sondern erst nach und nach. Das Schul-Umwelt-Zentrum (SUZ Mitte) ist ein solcher Ort. Er liegt versteckt in der Scharnweberstraße, hoch oben im Wedding. Von der Straße aus sieht man nur ein unscheinbares Tor, einen Weg, der irgendwie ins Grüne führt. Der Lange Tag der Stadtnatur lud kürzlich dazu ein, dieses versteckte Paradies auf vielfältige Weise zu erkunden.

Stadtnatur: Wo es im Wedding am grünsten ist

Gleisführung in der Osloer Straße beim Langen Tag der StadtNatur. Foto: D. Hensel
Gleisführung in der Osloer Straße beim Langen Tag der Stadtnatur. Foto: D. Hensel

Unseren grünen Wedding kennen wir in- und auswendig. Niemand muss uns sagen, wo die grünen Oasen sind, die Gärten, die Parks, die bunt bepflanzten Baumscheiben! Der Lange Tag der Stadtnatur versucht es trotzdem wieder. Das Naturfestival findet in diesem Jahr am 16. Und 17. Juni statt. Es öffnet Weddingbesuchern, aber auch den Weddingern Türen und gibt den Blick frei auf die grünen Orte im Stadtteil. Vielleicht eine Gelegenheit, etwas genauer hinzusehen.

Langer Tag der Stadtnatur: So grün ist der Wedding!

Sonne scheint durch Blätter hindurch, im Vordergrund ein Pusteblume. Foto: Sulamith Sallmann
Foto: Sulamith Sallmann

Im Wedding, da kennen wir jeden Grashalm. Gemeinschaftsgärten, Parks und Pankegrünzug, begärtnerte Baumscheiben … wissen wir natürlich alles! Was könnte uns ein Langer Tag der Stadtnatur Unbekanntes zeigen? Der Blick ins Programm des Naturfestivals am 17. und 18 Juni ist dann doch überraschend. Und dass Highlights wie die Nachtführungen im Zoo und Tierpark sowie einige Dampferfahrten auf der Spree schon ausgebucht sind – egal. Im Wedding gibt es in diesem Jahr so viel zu entdecken wie noch nie.

Noch nicht vom Winde verweht: die Sanddüne Wedding

Irgendwie will diese eigenartige Landschaft nicht an diesen Unort passen. Auf der einen Seite liegt die Sprint-Tankstelle am Bauhaus-Baumarkt, davor ein Geschäftshaus und nebenan ein paar Mehrfamilienhäuser. Mit Hilfe von Freiwilligen ist es in den letzten Jahren gelungen, die Düne wieder als ein deutschlandweit einmaliges innerstädtisches Naturschutzgebiet erlebbar zu machen.

Mein allergrünster Wedding!

Weddinger Stadtnatur: Der Gemeinschaftsgarten Himmelbeet. Foto: Hensel
Weddinger Stadtnatur: Der Gemeinschaftsgarten Himmelbeet. Foto: Hensel

Der Humboldthain, der Schillerpark, Balkons und Baumscheiben, Kleingärten und Gemeinschaftsgärten, der Panke-Grünzug … Wedding und Gesundbrunnen sind von oben betrachtet ziemlich grün! Beim Langen Tag der StadtNatur am 18. und 19. Juni zeigt sich der Stadtteil von seiner allergrünsten Seite. Wer möchte, kann bestimmt noch etwas entdecken.

Garten Arbeit Schule: das Schul-Umwelt-Zentrum

Achtlos geht man an der Scharnweberstraße 159 vorbei, ziemlich genau an der Stelle, wo die Straße ihren Namen in Müllerstraße ändert. In diesem vorstädtischen Nichts aus Verkehrsschneisen, mehrstöckigen Bürogebäuden, einem Baumarkt und einem Einkaufszentrum würde man alles – nur keine grüne Oase – vermuten. Und doch ist die Gartenarbeitsschule Wedding in dieser peripheren Lage seit 1950 zu Hause. Mit der einzigen innerstädtischen Sanddüne Deutschlands verfügt das Areal sogar noch über ein ganz besonderes Naturdenkmal.

Gartenarbeitsschulen (diese hier firmiert seit der Bezirksfusion unter dem Namen „Schul-Umwelt-Zentrum Mitte„) beruhen auf reformpädagogischen Ideen der 1920er Jahre. Doch besonders nach dem Zweiten Weltkrieg haben die ausgehungerten und traumatisierten Kinder hier Erholung gefunden. Zusätzlich wurde durch die herangezüchteten Pflanzen die ärgste Not in den Familien gelindert. So notierte der erste Leiter der Gartenarbeitsschule Wedding, Gerhard Stüllein: „Die Kinder sollen lieber, anstatt auf Hamsterfahrt zu gehen, auf ihrem eigenen Schulgartenbeet Nutzpflanzen für ihre Familien heranziehen.“

Doch die Gartenarbeitsschule vermittelt nicht nur Wissen. Dieser besonders verwunschene, langgezogene Garten lädt zu Entdeckungen ein. So gibt es ein Bienenhaus, einen Teich voller Kaulquappen, Gewächshäuser, eine Feuerstelle mit Wigwam, ein schwedisches Holzhaus für Wetterbeobachtungen und Umweltexperimente sowie die bereits erwähnte Düne. Genutzt werden die vielen Beete von zahlreichen Kitagruppen und Schulklassen sowie Lehrerfortbildungsgruppen. In alle Gärten des SUZ kommen jährlich 40 000 Besucher!

Am meisten fasziniert den Besucher, der zum ersten Mal in die Gartenarbeitsschule kommt, welches grüne Paradies sich hinter den hässlichen Gewerbebauten verbirgt. Tatsächlich ist man hier der Realität ein wenig entrückt, wie in einem kleinen Botanischen Garten. Die Düne Wedding am Rand des Gartens fällt jäh zum Parkplatz des Baumarkts ab. Erklimmt man den Sandberg, wird man sich der städtischen Lage der Gartenarbeitsschule wieder bewusst.

Immer wieder ist die Existenz der Gartenarbeitsschulen, die auf über 90 Jahre Tradition in Berlin zurückblicken können, aus Spargründen gefährdet. Gerade in Zeiten größter materieller Not entstanden, wurde der Nutzen dieser Einrichtungen früher nicht in Frage gestellt. Aber auch heute ist das Schul-Umwelt-Zentrum für Stadtkinder wichtiger denn je: wo sonst sollen Kinder die Artenvielfalt, das Werden und Vergehen und Nachhaltigkeit lernen? Gesunde Ernährung (wo kommt unser Essen her), umweltbewusstes Verhalten (was passiert mit organischen Abfällen) oder biologisches Grundwissen (welche Tiere leben in unseren Breiten?) kann in solchen Einrichtungen optimal vermittelt werden.

Ein Förderverein kümmert sich um die Anlagen des SUZ, organisiert öffentliche Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, ist aber auch in andere Projekte involviert.

Infos:

www.suz-mitte.de

Scharnweberstr. 159, Tel.: 030-49870409, Fax.:  030-49870411, Mail: [email protected]

Filiale: Seestraße 74 (Interkultureller Garten)