Das preisgekrönte Rathausumfeld gefällt nicht jedem

Fußweg
Der Fuß­weg zwi­schen Lese­gar­ten und Bibliothek

Die Neu­ge­stal­tung des Plat­zes am Eli­se-und-Otto-Ham­pel-Weg (“Rat­haus­um­feld Wed­ding”) hat eine Aus­zeich­nung in der Kate­go­rie “Land­schafts­ar­chi­tek­tur im Detail” des Land­schafts­ar­chi­tek­tur­prei­ses 2019 des Bun­des Deut­scher Land­schafts­ar­chi­tek­ten (bdla) erhal­ten. Die Gestal­tung des Plat­zes gefällt aber nicht allen Weddingern.

Quadratisch, praktisch, sauber: der neue Rathausplatz

Foto J. FaustSo, nun ist er eröff­net. Etap­pen­wei­se wur­de der Platz zwi­schen Schil­ler­bi­blio­thek, Job­cen­ter und Rat­haus umge­baut und frei­ge­ge­ben. Wir haben uns an dem etwas unter­kühl­ten, stei­ner­nen Ort, nen­nen wir ihn der Ein­fach­heit hal­ber mal Rat­haus­platz, ein­mal umgesehen.

Trostlos: Baustopp am Job-Center Wedding

Rathaus Job-Center BaustelleWas haben wir uns gefreut, als die hoch­tra­ben­den Plä­ne für die Neu­ge­stal­tung des Plat­zes vor dem frü­he­ren Rat­haus-Hoch­haus und der nagel­neu­en Schil­ler­bi­blio­thek bekannt­ge­ge­ben wur­den. Doch als es nach dem Start der Bau­ar­bei­ten im Mai 2015 eine klein­ka­rier­te Dis­kus­si­on um die Benen­nung des namen­lo­sen Plat­zes gab, hät­te man es schon ahnen müs­sen: unter einem guten Stern steht die­ser Platz nicht. Denn jetzt sind die bereits sto­cken­den Bau­ar­bei­ten end­gül­tig gestoppt wor­den. Und mit­ten im Wed­ding liegt wei­ter­hin eine trost­lo­se Baustelle. 

Für junge Leute: 3D-Drucker ausprobieren

3D Drucker in der Schillerbibliothek ausprobieren. Foto Stadtbibliothek Mitte.
3D Dru­cker in der Schil­ler­bi­blio­thek aus­pro­bie­ren. Foto Stadt­bi­blio­thek Mitte.

“Tea, Earl Grey, Hot”, sagt Jean-Luc Picard regel­mä­ßig in der Fern­seh- und Kino­rei­he Star Trek. Und ein Käst­chen öff­net sich, um das Gewünsch­te her­bei­zu­zau­bern. Oder wird der Tee in Wahr­heit 3D-gedruckt? Was ein 3D-Dru­cker kann und was nicht, das kön­nen Wed­din­ger Jugend­li­che in einem Work­shop in der Schil­ler-Biblio­thek her­aus­fin­den. Maker­Bot Repli­ca­tor 2 heißt das Gerät, mit gear­bei­tet wird. Ein­zi­ger Haken: Der Work­shop rich­tet sich an jun­ge Leu­te, die zwi­schen 13 und maxi­mal 25 Jah­re alt sind. Und gedruckt wer­den die Poké­mon­fi­gu­ren „Pika­chu“, „Eevee“ oder „Char­man­der“. Oder ist gera­de die­se Vor­auswahl das Tol­le daran?

Weddingwoche #43: Trostpflaster für säumige Leser

Bibliothek am Luisenbad (Quelle: panke.info)
Biblio­thek am Lui­sen­bad (Quel­le: panke.info)

Kein Zwei­fel: drau­ßen wird es lang­sam unge­müt­lich. Wohl dem, der ein gutes Buch für die reg­ne­ri­schen Herbst­ta­ge zu Hau­se hat! Doch aus­ge­rech­net in die­sem Herbst ist die gut sor­tier­te Biblio­thek am Lui­sen­bad in der Tra­ve­mün­der Str.2 in Gesund­brun­nen geschlos­sen, und das noch bis min­des­tens 21. Dezem­ber. Das fast zwan­zig Jah­re alte Glas­dach, unter dem die vie­len Bücher lagern, muss näm­lich drin­gend saniert wer­den. Bis dahin kann man die schö­ne Fas­sa­de des ehe­ma­li­gen Fest­saals aus dem Jahr 1888 nur von außen bestau­nen. Für die Leser gibt es wenigs­tens ein klei­nes Trost­pflas­ter: die Mit­ar­bei­ter der Biblio­thek stei­gen säu­mi­gen Nut­zern erst ein­mal nicht auf’s Dach, wenn die­se sich noch vor dem 14. Okto­ber ein Buch aus­ge­lie­hen haben. Die Aus­leih­fris­ten für nach dem 16. Sep­tem­ber aus­ge­lie­he­ne Medi­en wer­den näm­lich auto­ma­tisch bis zum 6. Janu­ar 2014 ver­län­gert. Und wer unbe­dingt ein Buch aus dem Bestand der Büche­rei braucht, kann sich die­ses in der Schil­ler-Biblio­thek am Leo­pold­platz bereit­stel­len las­sen. Na, da kön­nen die dunk­len, ver­reg­ne­ten Tage ja kommen….

Unse­re Kolum­ne “Wed­ding­wei­sers Woche” erscheint jeden Sams­tag in der Bezirks­aus­ga­be Wed­ding des Ber­li­ner Abendblatts. 

Das Umfeld des Rathauses verändert sich

In den nächs­ten Jah­ren wird sich der Schwer­punkt der städ­te­bau­li­chen Ent­wick­lung des Akti­ven Zen­trums Mül­ler­stra­ße an das Rat­haus Wed­ding ver­la­gern. Nach­dem die Neu­ge­stal­tung des Leo­pold­plat­zes weit­ge­hend abge­schlos­sen ist – es fehlt nur noch der Abschnitt vor der Alten Naza­reth­kir­che –, wird nun der Platz um das denk­mal­ge­schütz­te Hoch­haus in Angriff genom­men: Ent­lang der Brand­wand auf der süd­li­chen Sei­te wird eine neue bezirk­li­che Mit­tel­punkt­bi­blio­thek ent­ste­hen, das Hoch­haus wird saniert und zum Job­cen­ter wer­den. Und schließ­lich soll auch der Platz selbst neu gestal­tet werden.

Noch in die­sem Jahr wird dazu ein Wett­werb für Land­schafts­ar­chi­tek­ten aus­ge­lobt. Auf einem Pla­nungs­work­shop am 13. Sep­tem­ber hat­ten Anwoh­ner und Anrai­ner die Gele­gen­heit, ihre Inter­es­sen dar­zu­le­gen und so die Wett­be­werbs­be­din­gun­gen zu beein­flus­sen. Gekom­men waren unter ande­rem die Prä­si­den­tin der Beuth-Hoch­schu­le, Moni­ka Gross, und ihr Stell­ver­tre­ter Hans W. Ger­ber. Sie tra­ten ent­schie­den für eine stär­ke­re Anbin­dung der Hoch­schu­le an die Mül­ler­stra­ße ein, die am Rat­haus­platz städ­te­bau­lich umge­setzt wer­den kön­ne. Angst­freie Wege und freie Sicht­ach­sen zum Cam­pus der Beuth-Hoch­schu­le über den Platz hin­weg waren ihre Haupt­for­de­rung, gegen die auch kei­ner der Anwe­sen­den Wider­spruch erhob. So spra­chen sich fast alle für den Abriss des Über­gangs zwi­schen Rat­haus- Alt­bau und Hoch­haus über die ehe­ma­li­ge Lim­bur­ger Stra­ße aus, denn die soge­nann­te »Beam­ten­lauf­bahn« blo­ckiert die Sicht­ach­se. Auch der Lei­ter der künf­ti­gen Job­cen­ter-Depen­dance, Max Bisch­off, schloss sich die­ser Mei­nung an: der Über­gang wer­de vom Job­cen­ter nicht gebraucht, das kei­ne Räu­me im Alt­bau des Rat­hau­ses beansprucht.

Ide­al für das Job­cen­ter wäre zudem eine Gestal­tung des Plat­zes in sei­nem Ein­gangs­be­reich, die es ermög­licht, hier Aktio­nen wie Info­bör­sen von Arbeit­ge­bern durch­zu­füh­ren. Per­sön­lich bedau­er­te Bisch­off in die­sem Zusam­men­hang, dass der ehe­ma­li­ge Wed­din­ger BVV-Saal nach dem Umzug der Schil­ler­bi­blio­thek in die neue Mit­tel­punkt­bi­blio­thek nach den gegen­wär­ti­gen Pla­nun­gen des Job­cen­ters nur als Akten­ar­chiv genutzt wer­den soll – eine reprä­sen­ta­ti­ve­re Nut­zung etwa für sol­che Info­bör­sen hält er per­sön­lich für sinnvoller.

Özlem Özmen-Eren, die Betrei­be­rin des Cafés »Simit Evi« im Pavil­lon an der Mül­ler­stra­ße, gab sich offen für eine Neu­ord­nung des Plat­zes. Sie kann sich vor­stel­len, den Außen­be­reich ihres Cafés zum Bei­spiel zur Biblio­thek hin zu öff­nen, um zur Bele­bung die­ses Platz­tei­les beizutragen.

Der Bereich vor der künf­ti­gen Mit­tel­punkt­bi­blio­thek soll­te nach den Vor­stel­lung der Lei­te­rin der Schil­ler-Biblio­thek, Corin­na Dern­bach, mög­lichst anspre­chend für Jugend­li­che gestal­tet wer­den, wie z.B. durch eine »Half­pipe« für Ska­ter oder Skateboarder.

Durch­blick: Neu­es Rat­haus und Neue Nazarethkirche

Weni­ger klar waren die Vor­stel­lun­gen zum hin­te­ren Rat­haus­platz Rich­tung Gen­ter Stra­ße. Hier befin­den sich Grün­an­la­gen, aber auch ein Park­platz. Wenn in der Gen­ter Stra­ße Quer­par­ken ein­ge­führt wird, könn­te der zuguns­ten einer attrak­ti­ve­ren Platz­ge­stal­tung auf­ge­ge­ben wer­den. Bernd Gel­lesch, der Betrei­ber des Wochen­mark­tes an der Gen­ter Stra­ße, erhob kei­ne grund­sätz­li­chen Ein­wän­de. Der Markt läuft der­zeit sehr gut, ist voll und gilt in Ber­lin als Geheim­tipp. Gel­lesch beab­sich­tigt aber nicht, ihn zu erwei­tern. Die angren­zen­den Park­plät­ze sei­en zwar nütz­lich, vor allem für Kun­den aus dem Gas­tro­no­mie­be­reich, die auf dem Markt grö­ße­re Men­gen ein­kauf­ten, aber für den Betrieb nicht unbe­dingt not­wen­dig. In einer Ver­le­gung des Mark­tes etwa auf die ehe­ma­li­ge Lim­bur­ger Stra­ße ent­lang des Rat­haus-Alt­baus konn­te er kei­nen Vor­teil erken­nen: Das wür­de zu Kon­flik­ten füh­ren, etwa wenn das Job­cen­ter hier eine Akti­on durch­füh­ren wol­le. Eine Ver­le­gung in den Bereich unmit­tel­bar hin­ter dem Hoch­haus dage­gen wäre akzep­ta­bel, genau­so wie ein Umzug in die Ost­ender Straße.

Das Akti­ve Zen­trum wird nun einen Archi­tek­ten­wett­be­werb zum Rat­haus­platz durch­füh­ren. Ähn­lich wie beim Wett­be­werb zum Neu­bau der Biblio­thek wird es vor der Ent­schei­dung der Jury, an der auch die Stadt­teil­ver­tre­tung betei­ligt sein wird, noch ein­mal eine Ver­an­stal­tung mit Bür­ger­be­tei­li­gung geben. Alle ein­ge­gan­ge­nen Archi­tek­ten­ent­wür­fe wer­den dabei anony­mi­siert vor­ge­stellt, die Anrai­ner und Anwoh­ner erhal­ten die Gele­gen­heit, der Jury ihre Mei­nung zu den Ent­wür­fen in offe­ner Dis­kus­si­on kundzutun.

Chris­tof Schaffelder

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