Schlagwörter: Reinickendorf

Mein TXL. Warum ich den Flughafen Tegel liebe

Flughafen Tegel. Foto: Michael F. Mehnert/ CC BY-SA 3.0
Flughafen Tegel. Foto: Michael F. Mehnert/ CC BY-SA 3.0

Meinung „Natürlich liebe ich Tegel – ich wohne im Wedding“. Dieser Satz hat schon viele Freunde und Bekannte in der Nachbarschaft in Aufruhr versetzt. Denn dort, wo die Flieger häufiger über die Dächer düsen, gibt es einige, die sich auf eine Schließung des Flughafens freuen. Doch ich gehöre nicht dazu, ganz im Gegenteil! Weiterlesen

Der Schäfersee, eine tote Schönheit

Unmittelbar hinter der Grenze zu Reinickendorf befindet sich der kreisrunde Schäfersee mit dem ihn umgebenden Park. In einer kürzlich herausgegebenen Broschüre erfährt man die viel über die Geschichte des Sees, die Tierwelt und die äußerst problematische ökologische Situation des Gewässers. Weiterlesen

„Papadam“: Indisch essen in der Vorstadt

Papadam innenDas Papadam ist in mancherlei Hinsicht eine Überraschung. Als Erstes wäre da der Standort an einer lauten Kreuzung zwischen Bürogebäuden, Tankstellen und Vorstadtwohnblocks. Unerwartet ist auch der mutige Einsatz von Farben, der die frühere Eckkneipe in ein erstaunlich stilvolles Restaurant verwandelt hat. Und am Ende ist es natürlich das Essen, das den Unterschied macht. Weiterlesen

Flugzeugegucken in Tegel

Flugzeug Tegel (C) Simone Lindow Häufig wird mir mitgeteilt, dass eine gewisse Geräuschkulisse mit dem Leben im Bereich des Flughafens Tegel einhergeht. Zugegebenermaßen wird die dorfgleiche Ruhe auf meinem Balkon in der Tat hie und da unterbrochen. Ich nenne die Ursache liebevoll Subwoofers, im Volksmund heißen sie Flugzeuge. Es war nun also Zeit, der Ursache auf den Grund zu gehen und das Nest anzusehen, das die Subwoofers birgt… Weiterlesen

Raus aus’m Wedding: Flughafensee und Schäfersee

FlughafenseeWer sich am Plötzensee sattgesehen hat und bereit ist, Weddinger Gefilde kurz zu verlassen, kann mühelos andere Seen erreichen. Zum Beispiel im Nachbarbezirk Reinickendorf. Der Flughafensee ist in mancher Hinsicht ein ganz besonderes Gewässer. Mit seiner Größe von 30 Hektar allein wäre er im seenreichen Berlin sicher kein Rekordhalter. Dafür ist der 1953 – 1978 durch den Abbau von zwei Millionen Tonnen Kies entstandene Baggersee aber das tiefste Gewässer Berlins – 34 Meter geht es unter der Wasseroberfläche in den Abgrund. Ungeplant ist hier ein Naturschutzgebiet entstanden, das aber gleichzeitig unzählige Badestellen bietet – ganz in der Nähe des Wedding…

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Noch nicht vom Winde verweht: die Sanddüne Wedding

Naturdenkmal Binnendüne Wedding

Irgendwie will diese eigenartige Landschaft nicht an diesen Unort passen. Auf der einen Seite liegt die Sprint-Tankstelle am Bauhaus-Baumarkt, davor ein Geschäftshaus und nebenan ein paar Mehrfamilienhäuser. Mit Hilfe von Freiwilligen ist es in den letzten Jahren gelungen, die Düne wieder als ein deutschlandweit einmaliges innerstädtisches Naturschutzgebiet erlebbar zu machen.

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Die Seestraße: Rauschen, aber kein Sandsturm mehr

Genug Platz für Autos, Trams und Mittelpromenade an der Seestraße
Genug Platz für Autos, Trams und Mittelpromenade

Drei Kilometer führt die Seestraße durch den Wedding. Wenn eine Straße die Bezeichnung Achse verdient, dann dieser breite Boulevard mit dem grünen Mittelstreifen, der sogar für Berliner Verhältnisse ausgesprochen großzügig angelegt wurde. Ihren Namen erhielt die Straße erst 1827. Doch an einen See denkt man am allerwenigsten, wenn man heute auf ihr fährt oder sie überquert. Statt vom Wind, der über den namensgebenden Plötzensee streicht, kommt das Rauschen eher vom ständig fließenden Verkehr, denn die Seestraße ist Teil des Straßenrings rund um die Berliner Innenstadt. An ihrem westlichen Ende wird sie, kaum dass sie den Plötzensee seitlich liegen lässt, ohne auch nur einen Knick zu machen, gar zur Stadtautobahn. Bei einer Fahrt auf der Seestraße kann man allenfalls noch einen kurzen Blick auf den tief eingeschnittenen See erhaschen, bevor dann der Berlin-Spandauer-Schiffahrtskanal überquert wird. Es gab auch einmal einen Kleinen Plötzensee (auf Höhe der Sylter Straße). Dieser wurde aber 1848 zugeschüttet, als der Kanal angelegt wurde.

Wann entstand die schnurgerade Seestraße?

Foto: D_Kori
Foto: D_Kori

Im frühen 18. Jahrhundert hatte man wohl von beiden Enden der Seestraße einen Schlösserblick. Im Westen auf Schloss Charlottenburg, im Osten auf Schloss Schönhausen. Der erste König Preußens, Friedrich I., ließ den Weg anlegen, um die Schlösser direkt miteinander zu verbinden. Denn das Projekt, einen schiffbaren Wasserweg zwischen beiden Residenzen zu schaffen, war nie fertiggestellt worden- so blieb der Panke Schiffsverkehr erspart. Der Weg verlief damals noch weit außerhalb der Mauern Berlins durch die sandige und bewaldete Jungfernheide. Die Kreuzung mit der Müllerstraße, damals eine der ersten Chausseen Preußens, gab es damals schon. Doch bis 1900 stand kaum ein Haus an der kargen Heidelandschaft, deren loser Sand den Anwohnern in die Häuserritzen geflogen wäre. Legendär war das von Ida Hoppe am Eckernförder Platz etablierte Ausflugslokal – zumindest das wäre an diesem heute noch immer unbebauten grünen Fleckchen immer noch denkbar. Anders das östliche Ende: statt wie heute am Kombibad abzuknicken, führte die alte Seestraße durch die heutige Reginhardstraße über Schönholz, um dann am Park Schönhausen zu enden.

Die Seestraße wird zum Teil einer Ringstraße

Prachtvolles Boulevardhaus an der Seestraße
Seestr. Ecke Lüderitzstr.

Die Stadt rückte der Seestraße immer mehr auf den Pelz – 1861 wurde der Wedding nach Berlin eingemeindet. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts änderte die Seestraße ihr Gesicht in vielerlei Hinsicht – sie wurde zum Teil des Straßenrings, wie wir sie heute kennen. Zuerst entstanden ab 1890 Forschungsinstitute, zehn Jahre später die Krankenhausstadt des Virchow-Klinikums. Gerade entsteht ein Laborgebäude des Robert-Koch-Instituts und führt die Forschungstradition dieses Teils des Weddings weiter. Seit 1901 endet die Straße am heutigen Louise-Schroeder-Platz, knickt nach Osten ab und geht als Osloer bzw. Bornholmer Straße in Richtung Prenzlauer Berg. 1957 wurde dann aus dem abgeschnittenen Stück Seestraße die Reginhardstraße.

Grün trotz Straßenbahn
Grün trotz Straßenbahn: die Seestraße

Vor allem die Breite der Seestraße war ausschlaggebend für die (zaghafte) Rückkehr der Straßenbahn in den Westteil Berlins. Dort war das vermeintlich unmoderne Verkehrsmittel 1967 abgeschafft worden. In zwei Etappen wurde auf ihrer gesamten Länge im Mittelstreifen bis 1997 eine zweigleisige Schnellstraßenbahnstrecke angelegt, die mit einer Wendeschleife am Eckernförder Platz endet. Seither rasen hier die Trams in Richtung Osten am Dauerstau vorbei – und manch‘ einen unvorsichtigen Fußgänger hat die schnelle Bahn schon das Leben gekostet.

Pralles Leben an der Ecke Müllerstraße

Die Ecke schlechthin, mit dem Kino Alhambra, Müllerstraße Ecke Seestraße
Die Ecke schlechthin

Genau in der Mitte der 3,2 Kilometer langen Seestraße liegt auch der gleichnamige U-Bahnhof. Die U-Bahn führt seit 1923 unter der Müllerstraße hindurch. Die Seestraße war bis 1956 Endpunkt der Nordsüd-U-Bahn, wo man in die Straßenbahnen in Richtung Norden umsteigen musste. Nach Tegel geht es heute mit der U-Bahn weiter, doch auch wer an der Seestraße aussteigt, bekommt hier noch das pralle Leben: Restaurants, Geschäfte und ein Multiplex-Kino sorgen an der bekanntesten Ecke des Weddings dafür, dass an der Seestraße 24 Stunden lang Leben ist – und nicht nur das Rauschen des Verkehrslärms.

Gut für den Senat, schlecht für den Standort Wedding

Neues und altes Rathaus Wedding

Der Senat hat entschieden. Und es sprechen sicher gute Gründe dafür, das Jobcenter in das demnächst leerstehende Hochhaus am Rathaus Wedding einziehen zu lassen, wie an dieser Stelle bereits berichtet. Die vom Bund finanzierte Agentur für Arbeit kann es sich – ganz im Gegensatz zum zweiten Interessenten, der landeseigenen Beuth-Hochschule, – leisten, eine Beteiligung von vier Millionen Euro an den Sanierungskosten für den maroden Turm beizusteuern. Doch für den Stadtraum rund um das Rathaus ist es eine fatale Entscheidung, meinen nicht nur die Bezirkspolitiker. Die das Sanierungsgebiet Müllerstraße betreuende Stadtplanerin Susanne Jahn nennt es klipp und klar ein falsches Signal. Immerhin bemühen sich viele Beteiligte seit Jahren um eine Belebung des Gebiets rund um den Leopoldplatz. Auch Mitglieder der Stadtteilvertretung Müllerstraße fühlen sich durch diese Entscheidung in ihren bisherigen Bemühungen zur Stärkung des Ortsteils übergangen: „Die angestoßene Entwicklung der Müllerstraße kann nachhaltig geschädigt werden“, schreibt ein Mitglied in einem Flugblatt, das bei einer öffentlichen Sitzung verteilt wurde.

Es geht aber nicht nur darum, dass das Straßenbild anders aussieht, wenn statt Studenten eher die Kunden des Jobcenters den Rathausvorplatz bevölkern. Für die mit akuter Raumnot kämpfende Beuth-Hochschule steht jetzt nämlich der ganze Traditionsstandort im Wedding in Frage. Ohne Erweiterungsperspektive muss sie sich wohl auf einen Komplettumzug einstellen. Dafür böte sich an, den ab Juni leerstehenden Flughafen Tegel in die engere Wahl zu ziehen, quasi als Kompensation für den Bedeutungsverlust des Bezirks Reinickendorf.

Es wird auf diese Art zwar keinen dauerhaften Leerstand des Rathaus-Hochhauses geben. Die Idee eines Bildungsbandes, das sich die Planer für das Aktive Zentrum Müllerstraße an dieser Stelle erdacht haben, ist aber nun in mehrfacher Hinsicht in Gefahr.