Schlagworte: Rathaus

Trostlos: Baustopp am Job-Center Wedding

Rathaus Job-Center BaustelleWas haben wir uns gefreut, als die hochtrabenden Pläne für die Neugestaltung des Platzes vor dem früheren Rathaus-Hochhaus und der nagelneuen Schillerbibliothek bekanntgegeben wurden. Doch als es nach dem Start der Bauarbeiten im Mai 2015 eine kleinkarierte Diskussion um die Benennung des namenlosen Platzes gab, hätte man es schon ahnen müssen: unter einem guten Stern steht dieser Platz nicht. Denn jetzt sind die bereits stockenden Bauarbeiten endgültig gestoppt worden. Und mitten im Wedding liegt weiterhin eine trostlose Baustelle. Weiterlesen

Kommentar: Falsch verstandener Denkmalschutz

Warum die “Beamtenlaufbahn” weg kann

wp-1460131102890.jpegSie wird nicht mehr gebraucht, und sie stört: Der Verbindungsgang zwischen dem Rathaus Wedding und dem jetzigen Jobcenter, ironisch “Beamtenlaufbahn” getauft, blockiert die Blickachse zwischen Müllerstraße und dem Campus der Beuth-Hochschule für Technik.

Er zerschneidet die Limburger Straße, die in den 1960er Jahre noch erfahrbar am Rathaus Wedding in die Müllerstraße mündete – bis zwischen 1964 und 1966 der Rathausneubau samt Verbindungsbrücke gebaut wurde, die Mitarbeitern und Besuchern einen einfachen Übergang zwischen Alt- und Neubau gewährleistete.

Diese Brücke ist jetzt nicht mehr erforderlich. Ein Abriss wäre nur konsequent, auch weil der öffentliche Raum, den der Gang zerschneidet, derzeit neu geordnet und gestaltet wird. Das “Bildungsband”, das sich vom Zeppelinplatz über den Platz am Rathaus (»Elise-und-Otto-Hampel-Platz«) bis zum Leopoldplatz ziehen soll, wird hier unterbrochen. Für die Entfernung dieser Barriere plädierten nicht nur die Landschaftsarchitekten, die die Planungen für das neue Rathausumfeld entwickelten, sondern auch die meisten Bürger, die an den Workshops und Informationsveranstaltungen teilnahmen.

Weiterlesen

Kommentar: Beschämend – wer benennt Straßen und Plätze?

Simit Evi vor dem Rathaus WeddingSoso. Die BIM (Berliner Immobilienmanagement GmbH) hat also offenbar keine anderen Probleme als zu verhindern, dass der Platz neben dem Rathaus Wedding einen würdigen Namen erhält, nämlich „Elise und Otto Hampel-Platz“. Elise und Otto Hampel waren ein Weddinger Arbeiter-Ehepaar, die nach dem Tod ihres einzigen Sohnes im Zweiten Weltkrieg mutigen Widerstand gegen die Nazis leisteten, mit schlichtesten Mitteln. Sie verteilten heimlich handgeschriebene Postkarten gegen den Krieg, bis die Gestapo sie nach langer Suche verhaftete. Beide wurden von den Nazis hingerichtet. Hans Fallada widmete ihnen seinen weltberühmten Roman „Jeder stirbt für sich allein“. Weiterlesen

Rathausumfeld: Bäume müssen weichen

In Kürze beginnen die Sägen zu kreischen. Direkt vorm Rathaus in der Müllerstraße. An die Rinde geht‘s insgesamt 14 Bäumen, darunter zwei Vogelbeeren, einem japanischen Schnurbaum, einer Robinie sowie einem Ahorn in der Genter Straße. Weiterlesen

Kolumne: Sag zum Abschied leise Servus

Als Weddinger läuft man ja ständig Gefahr, sich an bislang Unbekanntes gewöhnen zu müssen. Seien es die Hundekötel-Beutel-Spender im Park, die neue Galerie im Kiez oder Schlimmeres, auf das bislang getrost verzichtet werden konnte. Aber jetzt greift das Bezirksamt Mitte am Rathaus Wedding durch. Nicht nur, dass auf dem “schön verwahrlosten” Rathausplatz eine neue Bibliothek hingeklotzt wird. Nein, jetzt soll auch noch der komplette Platz komplett umgestaltet werden. Und zwar so, “dass sich die Besucher gerne auf dem Platz aufhalten”, wie es in der Bezirksamts-Ankündigung einer Informationsveranstaltung heißt. Eine fette Unterstellung, dass Unsereiner da jetzt nicht so gerne war. Das Allerschärfste aber ist, dass dafür extra ein – wahrscheinlich schweineteurer – Wettbewerb ausgelobt wurde, den tatsächlich ein Büro – und jetzt festhalten! – aus Prenzlauer Berg gewonnen hat. Die Info-Sause hab’ ich mir gespart. Die können garantiert nur Kollwitzplatz 😉

Autor: Ulf Teichert

Die Kolumne erscheint ebenfalls jeden Samstag im Berliner Abendblatt, Ausgabe Wedding.

Pressemitteilung Bezirksamt Mitte

Bericht über den Wettbewerb

Müllerstraße: Großer Boulevard mit Lackschäden

An der Müllerstraße ist der Lack ab

Die Müllerstraße, die über drei Kilometer lange, unangefochtene Hauptschlagader des Wedding, besitzt noch das Format einer Hauptstraße. Ihr bescheidener Anfang als Sandpiste zwischen Tegel und Berlin ist ihr jedenfalls nicht mehr anzusehen, Reste der ländlichen Bebauung vor den Toren Berlins gibt es auch nicht mehr. Wie so viele Magistralen anderer Weltstädte führt sie schnurgerade aus den Vororten direkt ins Herz der Innenstadt.

Weiterlesen

Weddingwoche #34: Treffpunkt Jobcenter

Das neue Jobcenter im ehemaligen Rathausturm als Treffpunkt für Müßig- und andere Spaziergänger auf und an der Müllerstraße? 

Rathausvorplatz WeddingNein, das ist kein Witz, das soll bis 2015 Realität werden. Das zumindest besagt der Entwurf von Annabau, einem Berliner Büro für Landschaftsgestaltung und Architektur, das den landschaftsplanerischen Wettbewerb für das Rathausumfeld gewonnen hat. Zum Projekt gehört unter anderem ein Lesegarten, der direkt vor der neuen Stadtteilbibliothek entstehen soll. Ziel der 2,1 Millionen teuren Maßnahme ist es auch, den Platz und das Gelände bis zur Beuth Hochschule als attraktiven Treffpunkt für alle Weddinger umzugestalten.

Eine tolle Idee! Auf diese Weise können die im Turm residierenden Jobcenter-Agenten ihre Schäfchen in Zukunft zur Weiterbildung in den Lesegarten schicken, lockerleicht die Anwesenheit kontrollieren und bei Bedarf und per Zuruf ins Büro zitieren.

Hat hier irgend jemand noch Befürchtungen, der neue Rathausplatz würde kein durchschlagender Erfolg werden?

Autor: Ulf Teichert

Unsere Kolumne “Weddingweisers Woche” erscheint jeden Samstag in der Bezirksausgabe Wedding des Berliner Abendblatts.

Mehr zum Entwurf

Rathaus und Hochhaus bekommen ein vorzeigbares Umfeld

Rathausvorplatz Wedding
heutiger Zustand

Ein Straßenschild vor dem Alten Rathaus, direkt vor der Galerie Wedding, mit der Aufschrift “Limburger Straße” zeigt in Richtung eines tristen Platzes mit überwucherten Freiflächen, überkommenen Stadtmöbeln und einer Gruppe von hoch gewachsenen Pappeln. Eine Straße ist da nicht mehr zu erkennen. Zumal mitten in der Sichtachse ein gläserner Verbindungsgang zwischen den Verwaltungsgebäuden verläuft, die sogenannte “Beamtenlaufbahn”…

Das soll sich neuesten Umgestaltungsideen zufolge ändern. Am 18. Juni entschied nämlich ein Preisgericht unter dem Vorsitz der Landschaftsarchitektin Gabriele Pütz, welcher Entwurf der Planung zugrundegelegt werden soll. Der erste Preis mit 9.000 Euro Preisgeld ging an das Berliner Landschaftsplanungsbüro ANNABAU. Der klar gegliederte Entwurf sei “eine Arbeit, der es gelingt, eine angemessene Verbindung zwischen Leopoldplatz und Beuth-Hochschule anzubieten”, begründete die Jury ihre Entscheidung.

Zentraler Ort für den Wedding

Planung Rathaus-Umfeld
Quelle: ANNABAU

Wesentliches Ziel des von der Senatsverwaltung ausgelobten Wettbewerbs ist es, einen urbanen Platz als zentralen Identifikationsort und vielseitig nutzbare Freiflächen zu schaffen. Der Ort hat nämlich viel Potenzial: die den heutigen (namenlosen) Platz umgebenden Gebäude werden bald ihre Funktion und ihr Gesicht stark verändern – so wird Ende 2014 in den sanierten Hochhausturm von 1964 das Job-Center Mitte einziehen und die mit Raumnot kämpfende Schillerbibliothek erhält einen aufsehenerregenden Neubau an der Brandwand auf der Südseite.

Eine Verbindung zwischen Genter und Müllerstraße

Der Clou am Gewinnerentwurf ist die Verbindung zwischen der eher etwas steinlastigen Müllerstraßen-Seite und der wesentlich grüneren Rückseite des Hochhausturms: eine Art “Lesegarten” vor der neuen im Bau befindlichen Bibliothek und direkt neben dem zukünftigen Job-Center-Hochhaus macht die bislang ziemlich unwirtliche und unzugängliche Fläche überhaupt erst zu einem öffentlichen Raum.

(Quelle: ANNABAU)
Quelle: ANNABAU

Die Bau- und Realisierungskosten werden mit 2,1 Mio € für ca. 14.700 m² Freiraum aus dem Bund-Länder-Städtebauförderprogramm ‚Aktive Stadtzentren‘, sowie aus Städtebaufördermitteln des Bezirkes finanziert. Geplant ist die weitestgehende Fertigstellung des Umfeldes 2014/2015.

Übrigens bleibt die Pappelgruppe vor der heutigen Bibliothek (im ehemaligen Sitzungssaal der BVV) erhalten – sie sollen nämlich an den Rummelplatzbetreiber und Artisten “Onkel Pelle” erinnern, der an dieser Stelle Anfang des 20. Jahrhunderts einen Vergnügungspark betrieb.

Unter der Voraussetzung, dass die Mittel dafür zur Verfügung stehen, soll der die Blickachse verstellende Verbindungsgang zwischen Rathausaltbau und dem zukünftigen Job-Center abgerissen werden. An der dadurch wieder wahrnehmbaren “Limburger Straße” entsteht statt dessen ein baumbestandener beleuchteter Fuß- und Radweg – in der Hoffnung, dass die Beuth-Hochschule und der ganze Brüsseler Kiez eine grüne Wegeverbindung zur Müllerstraße erhält und dieser Übergangsbereich ganz neu belebt wird.

Sieht gut aus für den Wedding

Sollte die neue Bibliothek genau so spektakulär aussehen wie auf den Visualisierungen, sollte durch die Sanierung des Rathausturmes und des BVV-Saals die Eleganz der Sechzigerjahre-Architektur wieder erkennbar sein und sollten die neu gestalteten Freiflächen Lust darauf machen, an diesem Ort länger zu verweilen als unbedingt nötig – es wäre ein Gewinn für den ganzen Wedding und ziemlich gut investiertes Geld.

Link zum Wettbewerbsergebnis

Der erste Spatenstich ist am 9. Mai 2015 erfolgt.

 

Wedding und Tiergarten: Rathaus-Architekturen…

Der Umzug des Job-Centers an die Müllerstraße lenkt derzeit die Aufmerksamkeit auf das Alte und Neue Rathaus Wedding sowie auf die Zeit, in der sie gebaut wurden.

Rathaus-Altbau im Stil der Neuen Sachlichkeit

Der Bedarf an Gebäuden für die 23 Bezirksverwaltungen entstand 1920 durch die Eingemeindung von Dörfern und Städten zu einem »Groß-Berlin«. Da die neuen Bezirke Wedding und Moabit nicht über geeignete Bauten verfügten, wurden zwischen 1930 und 1937 Neubauten errichtet. Doch trotz der geringen Zeitdifferenz könnten das Moabiter Rathaus und das alte Rathaus im Wedding nicht unterschiedlicher sein.

Der von Friedrich Hellwig entworfene, 1930 fertiggestellte Verwaltungsbau an der Müllerstraße entspricht mit seinem kubischen Baukörper, der roten Backsteinfassade sowie der Gliederung durch die weißen Fensterbänder der Architektur dem Stil der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre und spiegelt den Geist der Weimarer Republik. Der Besucher betritt das Bezirksamt ebenerdig, hinter der Eingangshalle befand sich der Sitzungsaal der Bezirksverordneten.

Rathaus Tiergarten, davor die Markthalle
Rathaus Tiergarten, davor die Markthalle

Auch Richard Ermisch (1885–1960), der Architekt des Rathauses Tiergarten, sieht sich zu Beginn der 1930er Jahre zunächst der funktionalen Architektur verpflichtet. Er entwirft mit Martin Wagner eines der bedeutenden Bauvorbauvorhaben der Moderne in Berlin: das Strandbad Wannsee. Doch das sieben Jahre später fertig gestellte Tiergartener Rathaus folgt bereits mit seinem Ehrenhof, der Natursteinverblendung, dem Satteldach, dem vorgezogenen Portikus sowie dem damals üblichen Führerbalkon ganz der nationalsozialistischen Architektursprache. Weil im nach dem Führerprinzip organisierten Deutschland eine Bezirksverordnetenversammlung als überflüssig galt, plante der Architekt einen Saal dafür erst gar nicht ein. Mit diesem Rathaus verlor Moabit nicht nur einen zentralen Platz an diesem Ort: Das Bauwerk repräsentierte auch den nationalsozialistischen Herrschaftsanspruch in diesem einst von der Arbeiterbewegung geprägten Stadtteil. In dem Wunsch nach militärischer Kontrolle der Massen standen die nationalsozialistischen Machthaber der verdichteten und durchmischten Stadt kritisch gegenüber. Ironischerweise schien ihre Vorstellung einer aufgelockerten Stadtlandschaft in den Kriegsjahren ausgerechnet durch den Bombenkrieg in greifbare Nähe zu rücken.

Rathaus-Neubau von Fritz Bornemann

In der Nachkriegszeit griffen Architekten das Leitbild der funktional getrennten und verkehrsgerechten Stadt, die Ideen und Ideale der klassischen Moderne aus den 20er Jahren der Weimarer Republik wieder auf. Besonders gut erkennbar ist diese Idee an dem 1955 geplanten Neuen Rathaus Wedding von Fritz Bornemann (1912–2007) mit seinen gestaffelten Baukörpern. So verlängerte er zunächst das alte Rathaus bis zur Genter Straße und ergänzte es mit einem neuen 12geschossigen Flügel, im rechten Winkel zum Altbau und weit von der Straße zurück gesetzt. Den Sitzungssaal ordnete er zunächst im Hof hinter dem Gebäude an. Sein neues Rathaus zeigt die für die 50er Jahre typische gitterförmige Fassadengestaltung. Es glich der Amerikanischen Gedenkbibliothek, jenem Symbol amerikanischer Präsenz in West- Berlin von 1953, an dessen Errichtung Bornemann beteiligt war. Da der Baubeginn des Rathauses aufgrund anderer Vorhaben zurückgestellt wurde, änderte der Architekt dem neuen Zeitgeist entsprechend seine Entwürfe. Damals entwickelte er die für ihn typische schwebende Wirkung der Architektur, die durch das Zurücksetzen des Erdgeschosses oder das Anheben der Baukörper durch Stützen oder Säulen entsteht.

Musiktheater und Hochschulgebäude
ehem. Max-Beckmann-Saal

Dass Bornemann den BVV-Saal nun nach vorn zur Straße hin vor das Rathaus stellte, steht im Zusammenhang mit den zeitgleich errichtete Neubauten der heutigen Beuth-Hochschule von Herbert Rimpl (1902–1978). Der Architekt der Moderne, der in der NS-Zeit Chefarchitekt in den Hermann-Göring-Werken war und im Zweiten Weltkrieg unter Albert Speer den Wiederaufbau des im Krieg zerstörten Berlin plante, errichtete 1963 den zentralen Hochschul-Hörsaal (den Max-Beckmann-Saal, in dem sich heute das ATZE-Musiktheater befindet) als frei stehendes Bauwerk. Die Staffelung seiner Baukörper sowie der Straßendurchbruch der sechsspurigen Luxemburger Straße sind ein Paradebeispiel der für das damalige Westberlin typischen Stadtzerstörung der Nachkriegszeit.

Nur wenige hundert Meter davon wurde an der Müllerstraße von 1962–1964 der BVV-Saal von Bornemann erbaut (heute befindet sich darin die Schiller-Bibliothek). Das Gebäude zeichnet sich durch klare Linien und die nach drei Seiten verglasten Wände aus. Die Transparenz der Architektur wurde damals als Ausdruck der Freiheit der Gesellschaft und des politischen Systems angesehen.

ehemaliger BVV-Saal

Dabei könnte das Bauwerk nicht nur als Symbol gegenüber dem Stadtverständnis des Nationalsozialismus gewertet werden. Der damalige Weddinger Bürgermeister Helmut Mattis stellte bei der Grundsteinlegung für den Rathaus-Neubau im Sommer 1962 – und damit 10 Monate nach dem Bau der Berliner Mauer – noch einen anderen Zusammenhang her. Er sah im dem Haus ein Symbol für die Freiheit aller Bürger, die bald vom Hochhaus-Turm über das wiedervereinigte Berlin blicken könnten.

Eberhard Elfert

Diesen und andere interessante Artikel finden Sie in der Sanierungszeitschrift Ecke Müllerstraße. Diese erhalten Sie in Geschäften und Institutionen an der Müllerstraße oder zum Download auf dieser Website.