Schlimmeres abgewendet? Heimstaden-Häuser im Kampfmodus

Protest gegen HeimstadenFür einen gro­ßen Teil der Häu­ser, die im Sep­tem­ber 2020 von der schwe­di­schen “Heimstaden”-Gruppe auf­ge­kauft wur­den, wur­den Ende Novem­ber “Abwen­dungs­ver­ein­ba­run­gen” unter­zeich­net. Dazu gehö­ren auch fünf Häu­ser aus dem Umfeld der Mül­ler­stra­ße. Ihren Mie­te­rin­nen und Mie­tern steht damit ein erwei­ter­ter Mie­ter­schutz zu. Ande­re hat­ten weni­ger Glück. Ihre Häu­ser lie­gen nicht in Milieu­schutz­ge­bie­ten oder wur­den bei ande­ren Gele­gen­hei­ten von Heim­sta­den erworben.

Milieuschutz: “Ein löchriger Schirm, der seinen Namen kaum verdient”

Protest trotz MilieuschutzDer Anfang vom Ende hat am 20. Novem­ber begon­nen. An die­sem Tag hat der neue Haus-Groß­grund­be­sit­zer Heim­sta­den mit Ver­tre­tern der Ber­li­ner Bezir­ke eine soge­nann­te Abwen­dungs­ver­ein­ba­rung aus­ge­han­delt und unter­schrie­ben. Der Weg ist frei zum Kauf von sie­ben Spren­gel­kiez­häu­sern, trotz Milieu­schutz. Der genaue Wort­laut ist noch nicht bekannt. In einer Pres­se­mit­tei­lung heißt es: “In der Abwen­dungs­ver­ein­ba­rung mit den Bezir­ken ver­pflich­tet sich Heim­sta­den u.a., auf die Umwand­lung der Miets­häu­ser in Eigen­tums­woh­nun­gen für die Dau­er von 20 Jah­ren zu ver­zich­ten.” Ein Mei­nungs­bei­trag aus dem Sprengelkiez.

Milieuschutz ist irreführend

Straßenszene Badstraße
Soll das Milieu geschützt wer­den oder die Gier begrenzt wer­den? Foto: And­rei Schnell

Mei­nung Der Wed­ding bekommt zu den bestehen­den noch vier wei­te­re Gebie­te mit Milieu­schutz hin­zu. Es ist an der Zeit, einen irre­füh­ren­den All­tags­be­griff zu beer­di­gen. Sol­len “Nega­tiv­grup­pen” wie das “Milieu” blei­ben dür­fen oder nicht? Das ist ein poli­ti­scher Streit aus dem Jahr 1978. Heu­te, 40 Jah­re spä­ter, ist die­se Fra­ge längst durch eine ganz ande­re Fra­ge abge­löst worden. 

Kommentar: Baugesetz kein Ersatz für Mietenpolitik

Umgezogen
Wenn der Umzug zur Dro­hung wird. Foto: AndreiSchnell

Wor­an liegt es, dass die Poli­tik sich eif­rig bemüht, dem Wunsch der Wäh­ler nach gedämpf­ten Mie­ten nach­zu­kom­men und die­se ein­fach kei­ne Brems­wir­kung wahr­neh­men? Nicht weni­ge Men­schen glau­ben, es sei nur eine Fra­ge der Zeit, bis sie nicht nur ihren Kiez, son­dern die über­haupt die Ber­li­ner Innen­stadt ver­las­sen müs­sen. Die Vor­stel­lung, ein­mal umzie­hen zu müs­sen, wirkt auf sie wie eine Bedro­hung. Die Poli­tik tut ihr Bes­tes, doch die Men­schen sind ent­täuscht. Das liegt dar­an, dass die Men­schen wie­der poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen erwar­ten. Nur haben die Poli­ti­ker, groß gewor­den in den Jah­ren der Spar­sam­keit, noch nicht erkannt, dass poli­ti­sche Ent­halt­sam­keit nicht mehr das ist, was Schlim­me­res verhindert.

Mehr Milieuschutz für Wedding

Haus mit Balkonen Wollankstraße
Mil­lieu­schutz im Wed­ding soll aus­ge­wei­tet wer­den. Foto: Sula­mith Sallmann

Die Zei­chen ste­hen gut, dass im Bezirk Mit­te wei­te­re Gebie­te mit Milieu­schutz ein­ge­rich­tet wer­den. Kieze, die bis­lang ledig­lich unter so genann­ter Beob­ach­tung stan­den, sol­len nun inten­si­ver unter­sucht wer­den. Dazu lässt der Bezirk bis zum 11. Febru­ar Haus­hal­te in nörd­lich und süd­lich der Sol­di­ner Stra­ße, rund um die Kat­te­gat­stra­ße, rechts und links der Rei­ni­cken­dor­fer Stra­ße um im Umfeld der Gericht­stra­ße befra­gen. Mit der Aus­wei­tung des Milieu­schut­zes erhiel­te der Bezirk für mehr Stra­ßen­zü­ge in Mit­te zumin­dest einen Geneh­mi­gungs­vor­be­halt bei bau­li­chen Veränderungen.

Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel im Interview

von dassel
Seit über 100 Tagen im Amt. Bezirks­bür­ger­meis­ter Ste­phan von Das­sel. Foto And­rei Schnell

Inter­view Der in Müns­ter gebo­re­ne Ste­phan von Das­sel ist seit dem 28. Okto­ber 2016 Bür­ger­meis­ter für den Bezirk Mit­te. Er regiert nun im ehe­ma­li­gen Rat­haus Moa­bit in einem Büro, das so groß ist, dass es für einen klei­nen Ball­saal aus­rei­chen wür­de. Dabei ist eigent­lich jemand, der auf Sta­tus­sym­bo­le ver­zich­tet. So trägt er dem Repor­ter, der etwas unge­schickt alle Hän­de voll hat, die Jacke hin­ter­her. Sogar beim Dienst­wa­gen samt Chauf­feur winkt er ab, weil er “Rad­fah­ren ein­fach für effi­zi­en­ter hält”. Mit 17 Jah­ren ist von Das­sel bei den Grü­nen ein­ge­tre­ten und blickt nun als 50-jäh­ri­ger auf eine bruch­lo­se Par­tei­kar­rie­re zurück. Auf der ande­ren Sei­te ist er jemand, der weni­ger über Par­tei­li­ni­en und mehr über “Lösun­gen für Pro­ble­me” spre­chen möch­te. Der Wed­ding­wei­ser frag­te von Das­sel nach sei­nen Zie­len für Mit­te, nach dem “Grün” in sei­ner Poli­tik und über sei­ne Plä­ne mit der Beuth-Hoch­schu­le.

Weddingmelder-Wochenschau #4/17

Gesund­brun­nen ist: ein Bahn­hof und ein Cen­ter. Jetzt ist klar: das ers­te Rewe-Cen­ter Ber­lins mit 3.300 qm und 35.000 Arti­keln ent­steht dort an der Stel­le von Real. Wäh­rend die einen shop­pen, nut­zen ande­re wie­der­um die ers­ten Son­nen­strah­len, um in der Pan­ke mal ganz spon­tan anzu­ba­den. War da sonst noch was?  Falls ja, dann erfahrt ihr es natür­lich wie immer in unse­rer Weddingmelder-Wochenschau.

Mieterberatung für Milieuschutzgebiete

Die namensgebende Brüsseler StraßeSeit Mai gibt es im Wed­ding die drei Milieu­schutzgebiete »Sparr­platz«, »Leo­pold­platz« und »See­stra­ße«. Seit kur­zem wer­den im VorOrt­Büro Trift­stra­ße 2 an jedem Mon­tag zwi­schen 10 und 12 Uhr sowie an jedem Don­nerstag zwi­schen 16 und 18 Uhr Mie­ter aus die­sen Gebie­ten bera­ten. Mit der Mieterbe­ratung wur­de nach einer Aus­schrei­bung das Büro »Mie­ter­be­ra­tung Prenz­lau­er BergGmbH« beauf­tragt, das über lang­jäh­ri­ge Erfah­run­gen verfügt.