Was entsteht bei „silent green“?

Betonhalle für bewegte Bilder

Das Freigelände im Kulturquartier „silent green“ hat sich in eine Baustelle verwandelt. Unter der großen Wiese des ehemaligen Krematoriums am Nettelbeckplatz wird die frühere Leichenhalle, die zu Beginn der 2000er Jahre nur kurzzeitig in Betrieb war, zu einer Ausstellungs- und Konzerthalle umgebaut. Dabei werden tragende Säulen entfernt und stattdessen Stahlträger in die Decke eingezogen.

Wild und Wiese: Ungewöhnliches Pop-up-Dinner

Christian Wilke und Markus Bongardt (C) WIld & Wiese
Christian Wilke und Markus Bongardt (C) WIld & Wiese

Kneipen und Restaurants kommen und gehen. Doch manche gastronomischen Erlebnisse sind bewusst vorübergehend: so genannte Pop-up Dinner. Auch im Wedding versuchen zwei junge Männer, ein originelles kulinarisches Konzept umzusetzen. Dafür haben sie sich einen ganz besonderen Ort ausgesucht…

Die Gerichtstraße: Labor des neuen Wedding

eGerichtstr. Graffiti Berlin 65Den schick sanierten und modern wirkenden Altbau an der Brücke über die Panke hat der Wedding schon auf seine Art begrüßt. „65 Berlin“ steht dort aufgesprüht, sozusagen als Hinweis, mit wem es die neuen Hausbewohner hier zu tun kriegen. Die Gerichtstraße ist, trotz der schönen Altbauten und Gewerbehöfe, keine gediegene Adresse. Noch nicht.

Weddingwoche #6: Die Wiedergeburt

Das Krematorium – zukünftig ein Kulturort

Die Weddingwoche ist eine wöchentliche Kolumne, die auch im Berliner Abendblatt erscheint.

Mit dem Sterben ist es wie mit dem Haare schneiden. Da ist nie Stillstand, es gibt immer was zu tun. Dem Krematorium im Wedding, das erste überhaupt in Preußen, hat das aber nix genutzt. Seit über zehn Jahren rauchen die Schornsteine schon nicht mehr am Nettelbeckplatz. Totenstill war es lange um das markante Gebäude mit der 18 Meter hohen Kuppel. Seit letztem Jahr firmiert es nun unter neuem Besitzer als silent green kulturquartier.

Langsam kommt wieder Leben in die Bude. Der Startschuss für den neuen Veranstaltungsort fällt gleich mit großem Tam-Tam: Die Berlinale hält Einzug. Ab 7. Februar ist im Ex-Krematorium die Gruppenausstellung des Forum Expanded zu sehen. Als „ruhigen Raum, der die Wahrnehmung fokussiert und zu Projektionen im doppelten Sinne einlädt“ kündigen die Veranstalter das Gebäude an. Internationale Kunst statt Grabgestecke. Eine schöne Nachnutzung. Und irgendwie passt es dann ja auch, dass die Kreativen sich gerne in Schwarz kleiden…

Autor: Marcus Bauer


Mehr Infos zur Berlinale und zum Forum Expanded gibt es hier

http://www.berlinale.de/de/presse/pressemitteilungen/forum/forum-presse-detail_16980.html

Antonkiez: Kein Totentanz im Kiez rund um den Urnenfriedhof

Nettelbeckplatz
Nettelbeckplatz

Man tut diesem kleinen Kiez vielleicht etwas unrecht, wenn man ihn kaum wahrnimmt, denn er liegt etwas verloren zwischen Leopoldplatz, Nettelbeckplatz und dem S-Bahn-Ring. Dabei geht auf diesen Teil des Wedding gar die Besiedlung des ganzen Ortsteils zurück: an der heutigen Ecke Reinickendorfer-/ Pankstraße  stand noch bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts das 1601 gegründete Gut „Vorwerk Wedding“ und musste erst dem großflächigen Bau von Mietskasernen weichen. Die Straßen des Kiezes sind teilweise von 1820 und damit älter als die meisten Nebenstraßen des Wedding, die auf den Hobrecht-Plan aus dem Jahr 1862 zurückgehen. Heute geht man an der Kösliner Straße achtlos vorbei, aber dieser ellenbogenförmige Weg steht für das, was den Ruf des „Roten Wedding“ mit begründete. Die ganze Gegend war eine KPD-Hochburg. Im Jahr 1929 führte das Verbot einer Maidemonstration zum Bau von Barrikaden. Das Eingreifen der Polizei mündete in blutigen Straßenkämpfen – 19 Tote waren am Ende des Tages zu beklagen! Nicht weniger brachial war der Umgang mit der Geschichte nach dem Krieg: nahezu kein Gebäude hat die Kahlschlagsanierung  überstanden, dafür erinnert aber – abseits des Orts des Geschehens-  ein Gedenkstein an der Wiesenstraßenbrücke über die Panke an den „Blutmai“ 1929.