Über die Nacht der Solidarität

Kommentar: Wer in Berlin wohnt, kommt am Thema Obdachlosigkeit schlicht nicht vorbei. Auch im Wedding zeigen zahlreiche Hilfeeinrichtungen und Institutionen, welche Relevanz dieses Thema in unserer Nachbarschaft hat. Doch frage ich mich oft, wie ich einen Beitrag zur Besserung der Situation von Menschen ohne festen Wohnsitz leisten kann. Ende letzten Jahres dann wurde ich auf die “Nacht der Solidarität” aufmerksam . Eine Teilnahme war für mich völlig klar, denn die Notwendigkeit, eine Zahl von auf der Straße schlafenden Personen zu erfassen, um entsprechende Hilfsangebote anzupassen, erschien mir sehr einleuchtend. Etwas naiv, wie ich mir später eingestehen musste.

Milieuschutz ist irreführend

Straßenszene Badstraße
Soll das Milieu geschützt werden oder die Gier begrenzt werden? Foto: Andrei Schnell

Meinung Der Wedding bekommt zu den bestehenden noch vier weitere Gebiete mit Milieuschutz hinzu. Es ist an der Zeit, einen irreführenden Alltagsbegriff zu beerdigen. Sollen „Negativgruppen“ wie das „Milieu“ bleiben dürfen oder nicht? Das ist ein politischer Streit aus dem Jahr 1978. Heute, 40 Jahre später, ist diese Frage längst durch eine ganz andere Frage abgelöst worden.

Kitamangel? Hört auf zu klagen!

Schlange, Anstehen
Kitaplätze – der Andrang ist groß. Foto: Andrei Schnell

Kommentar Selten sind sich alle so einig wie beim Kitamangel. Doch auch wenn alle ins gleiche Horn stoßen, wird noch lange nicht die richtige Melodie gespielt. Statt das Klagelied anzustimmen, ist es Zeit für einen Zwischenruf: Ansprüche runter, liebe Eltern! Ihr nehmt immer mehr für selbstverständlich. Wo bleibt die Bereitschaft, selbst etwas zu tun? Dieser Kommentar stellt sich in vier Punkten quer zur aktuell üblichen Litanei:

Kommentar: Baugesetz kein Ersatz für Mietenpolitik

Umgezogen
Wenn der Umzug zur Drohung wird. Foto: AndreiSchnell

Woran liegt es, dass die Politik sich eifrig bemüht, dem Wunsch der Wähler nach gedämpften Mieten nachzukommen und diese einfach keine Bremswirkung wahrnehmen? Nicht wenige Menschen glauben, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sie nicht nur ihren Kiez, sondern die überhaupt die Berliner Innenstadt verlassen müssen. Die Vorstellung, einmal umziehen zu müssen, wirkt auf sie wie eine Bedrohung. Die Politik tut ihr Bestes, doch die Menschen sind enttäuscht. Das liegt daran, dass die Menschen wieder politische Entscheidungen erwarten. Nur haben die Politiker, groß geworden in den Jahren der Sparsamkeit, noch nicht erkannt, dass politische Enthaltsamkeit nicht mehr das ist, was Schlimmeres verhindert.

Trinkverbot am Leo, oder: Wem gehört die Stadt?

Leopoldplatz
Trinkerbereich auf dem Leopoldplatz

Erst vor wenigen Jahren wurde die offene Trinkerszene am Leopoldplatz aus dem sichtbaren vorderen Bereich in den eher schmuddeligen hinteren Bereich verlegt. Dort mit eigenem Toilettenraum sowie eigenen Putzplänen versehen, wurden die dorthin Bugsierten zusätzlich und nur, um ganz sicher zu sein, durch eine massive Steinwand unsichtbar gemacht. Keine störenden Erscheinungen auf dem Bio-Markt mehr. Und auch die Eltern auf dem Spielplatz werden nicht allzu sehr von unerwünschten Anblicken gepeinigt. Alle schienen zufrieden. Doch nach vieldeutigen Aussagen des Bezirksbürgermeisters sowie der prompten Reaktion der Opposition ist plötzlich wieder Tumult angesagt. Ein Schreckgespenst namens Alkoholverbot macht die Runde.