“Spurensuche Kolonialer Sprengelkiez” – deutscher Kolonialismus in Samoa und China

Spren­gel-/Sa­moa­stra­ße

War­um gibt es im Wed­ding eine Samoa­stra­ße und einen Pekin­ger Platz? Aktu­ell wird in den Medi­en viel über deut­schen Kolo­nia­lis­mus und Ras­sis­mus debat­tiert. Daher lud das Inter­kul­tu­rel­le Gemein­we­sen­zen­trum „Spren­gel­haus“ in der Spren­gel­stra­ße 15 am 17. Juni zur Füh­rung “Spu­ren­su­che Kolo­nia­ler Spren­gel­kiez” ein. Unse­re Autorin war mit von der Partie.

Was, wann, wo im Wedding? (10. Woche)

was wann wo

Im Wed­ding reicht es manch­mal, sich ein paar Minu­ten auf die Stra­ße zu stel­len – ganz gro­ßes Kino. Es gibt aber auch kul­tu­rel­le Ereig­nis­se, die eben­falls unse­re Auf­merk­sam­keit ver­die­nen. Des­halb gibt es bei uns ab sofort einen Kurz­über­blick über Ver­an­stal­tun­gen, die im Wed­ding und in Gesund­brun­nen statt­fin­den. Dies­mal: Kai­se­rin Sis­si, eine Ver­nis­sa­ge und Theater 

Keiner will die Kameruner Straße umbenennen

CDU-Plakat
CDU pla­ka­tiert fal­sches Bild

Eine Wahl­kampf­pos­se im Afri­ka­ni­schen Vier­tel: die CDU Wed­ding bezieht Posi­ti­on zu den mög­li­chen Umbe­nen­nun­gen von drei Stra­ßen im Afri­ka­ni­schen Vier­tel. Sie ist aus Kos­ten­grün­den dage­gen. Zu die­sem The­ma hat die loka­le CDU ein Pla­kat dru­cken las­sen. Lei­der ist auf dem Bild ein Schild von der Kame­ru­ner Stra­ße zu sehen, die gar nicht umbe­nannt wer­den soll. Geplant ist die Umbe­nen­nung von Lüde­ritz­stra­ße, Nach­tig­al­platz und Peter­s­al­lee, da mit die­sen Namen Per­so­nen geehrt wer­den, die zu den nega­ti­ven Prot­ago­nis­ten der deut­schen Kolo­ni­al­ge­schich­te gehö­ren. Die ande­ren Stra­ßen­na­men sol­len nicht nur bestehen blei­ben – sie sol­le im Gegen­teil sogar zum Kern eines deutsch­land­weit ein­ma­li­gen Lern- und Gedenk­orts für die deut­sche Kolo­ni­al­ge­schich­te wer­den. Will die CDU mit dem “fal­schen” Stra­ßen­na­men etwa alle Anwoh­ner, auch die der nicht betrof­fe­nen Stra­ßen, auf­schre­cken und gegen ein Gedenk­stät­ten­kon­zept stim­men lassen?

Im Flächendenkmal, neben dem Weltkulturerbe

Die Dauerkolonie Togo wurde "wild" umbenannt
Die Dau­er­ko­lo­nie Togo wur­de “wild” umbenannt

Dem ober­fläch­li­chen Betrach­ter scheint dies nur eine ruhi­ge Wohn­ge­gend zu sein (“schö­ne Ecke vom Wed­ding”). Tat­säch­lich hat die­se Ecke im Nor­den des Bezirks Mit­te viel zu bie­ten. Das mit dem Welt­kul­tur­er­be für die Sied­lung Schil­ler­park dürf­te sich ja mitt­ler­wei­le her­um­ge­spro­chen haben. Dass das Afri­ka­ni­sche Vier­tel jedoch das größ­te Flä­chen­denk­mal Deutsch­lands mit kolo­nia­len Stra­ßen­na­men wer­den könn­te, war mir bis­lang neu.

„Das Afri­ka­ni­sche Vier­tel ist das größ­te Flä­chen­denk­mal mit kolo­ni­al­his­to­ri­schem Bezug in Deutsch­land“, erklärt der auf die deut­sche Kolo­ni­al­ge­schich­te spe­zia­li­sier­te His­to­ri­ker Dr. Joa­chim Zel­ler, der selbst in Nami­bia gebo­ren wur­de. Bei einer öffent­li­chen Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung der SPD Reh­ber­ge am Mon­tag, den 30. Mai 2011 ist das Podi­um hoch­ran­gig besetzt. Das Afri­ka­ni­sche Vier­tel hat das Poten­zi­al, die Geschich­te Afri­kas stell­ver­tre­tend für ganz Deutsch­land zu erzäh­len, fin­det auch Dr. Chris­ti­an Hanke, der Bezirks­bür­ger­meis­ter von Ber­lin-Mit­te. „Wed­ding hat sich ver­än­dert, unse­re Gesell­schaft ist bun­ter gewor­den“, erläu­tert der Lokal­po­li­ti­ker und fügt hin­zu: „Im Afri­ka­ni­schen Vier­tel kön­nen wir die Geschich­te Afri­kas nach der Deko­lo­ni­sie­rung weitererzählen.“

Das gefällt eini­gen Anwoh­nern nicht. Sie möch­ten nicht, dass ihre Stra­ßen umbe­nannt wer­den, auch wenn es nur drei Namen von Kolo­ni­al­her­ren betrifft, die im schwar­zen Kon­ti­nent unter Miss­ach­tung ein­fachs­ter Men­schen­rech­te agiert haben. Die übri­gen 23 Namen blei­ben erhal­ten und doku­men­tie­ren Deutsch­lands Kolo­ni­al­aben­teu­er, das 1918 endete.

Die Benen­nung der drei Stra­ßen oder zumin­dest ihre his­to­ri­sche Ein­ord­nung durch Zusatz­ta­feln soll­te kei­ne klein­ka­rier­ten Dis­kus­sio­nen aus­lö­sen, wie es bei der Ver­an­stal­tung schnell hät­te pas­sie­ren kön­nen. Statt des­sen soll­te der von der Kom­mu­nal­po­li­tik ange­reg­te Aus­bau des Afri­ka­ni­schen Vier­tels zum – deutsch­land­weit ein­ma­li­gen – Lern-und Gedenk­ort vor­an­ge­trie­ben wer­den. Lie­ber mit den Anwoh­nern als ohne sie, aber wenn es sein muss, auch mit der Umbe­nen­nung von drei Straßen.

Die Straßennamen im Afrikanischen Viertel sind in Berlin einmalig
Die Stra­ßen­na­men im Afri­ka­ni­schen Vier­tel sind in Ber­lin einmalig