Arbeitstag von Kita-Erziehern: „Wertvoll für uns alle“

Bunt bemalter Tisch von obenWir geben unsere Kinder in ihre Obhut, verlassen uns darauf, dass sie alle Rahmenbedingungen vorfinden, um die Kinder betreuen zu können – hinter die Kulissen schauen wir bei Kita-Erziehern aber lieber nicht. Die „Lerngeschichten-Erzählerin“ hat einmal eine Erzieherin aus dem Wedding beobachtet. Einen ganzen Tag lang. Hier geben wir ihre Beobachtungen wieder.

Wedding 2033: Wird Klein-Pauline im Wedding bleiben?

Kinder auf Laufrädern. Foto: Andreas Oertel
Zwei Kleinkinder auf Laufrädern Foto: Andreas Oertel

In jungen Jahren fiel es mir nicht leicht zu sagen: „Ich wohne im Wedding!“ Bei manchen Menschen entstand eine unangenehme Sprechpause. Andere versuchten erfolglos etwas Positives über den Stadtteil zu sagen: Da sei es ja so schön multikulti oder im Wedding sind die Mieten noch niedrig. Wenn mir ein Unternehmen eine Absage erteilte, vermutete ich, dass es meine proletarische Herkunft anhand der Postleitzahl erkannt hat. Für mich stand fest: Wenn ich groß bin, ziehe ich weg! Nun bin ich hier geblieben. 

Kitamangel: Klagt und habt Ansprüche! Eine andere Perspektive

Deutsch-Französische Kita Wedding
Berlin-eigene Kita im Wedding

Letzte Woche gab es auf unseren Pinnwänden und im Blog zu dem Kommentar über fehlende Kita-Plätze viele Diskussionen. Dieser Beitrag ist keine Antwort, sondern zeigt vielmehr eine andere Perspektive auf das gleiche Problem.

Ich hatte mich geärgert, und zwar nicht, weil der Autor eine andere Meinung hat als ich, sondern weil ich mich unverstanden und fast beleidigt fühlte. In eine abwertende Schublade voller Vorurteile hatte man mich gestopft. Die Kita-Situation, so wie ich sie sehe, sieht nämlich ganz anders aus!

Kitamangel? Hört auf zu klagen!

Schlange, Anstehen
Kitaplätze – der Andrang ist groß. Foto: Andrei Schnell

Kommentar Selten sind sich alle so einig wie beim Kitamangel. Doch auch wenn alle ins gleiche Horn stoßen, wird noch lange nicht die richtige Melodie gespielt. Statt das Klagelied anzustimmen, ist es Zeit für einen Zwischenruf: Ansprüche runter, liebe Eltern! Ihr nehmt immer mehr für selbstverständlich. Wo bleibt die Bereitschaft, selbst etwas zu tun? Dieser Kommentar stellt sich in vier Punkten quer zur aktuell üblichen Litanei:

Wohin mit der Kita Zwergenschule?

Die Kita Zwergenschule und das Wettbüro sind seit zwei Jahren Nachbarn.
Die Kita Zwergenschule und das Wettbüro sind seit zwei Jahren Nachbarn. Foto: Hensel

Die Sommerferien haben begonnen, für die meisten hat eine Zeit der Erholung und Entspannung angefangen. Das gilt nicht für Ilknur Wilke von der Kita Zwergenschule in der Brunnenstraße 70/71. Die Kitaleiterin geht mit Sorgen und einem großen Problem in die Sommerschließzeit. Am Montag musste sie den Eltern der 38 Kinder, die hier betreut sind, sagen, dass die Kita schließen wird. Das Haus wurde verkauft, der neue Eigentümer hat der Einrichtung gekündigt.

Was, wann, wo im Wedding (26. Woche)

was wann woIm Wedding reicht es manchmal, sich ein paar Minuten auf die Straße zu stellen – ganz großes Kino. Es gibt aber auch kulturelle Ereignisse, die ebenfalls unsere Aufmerksamkeit verdienen. Deshalb gibt es bei uns einen Kurzüberblick über Veranstaltungen, die im Wedding und in Gesundbrunnen stattfinden. Diesmal gibt’s das Frankreich-Island-Spiel auf großer Leinwand, Theater in den Uferstudios und die GWSW-Stars zum Anfassen auf dem Weddingmarkt.

Kinderladen Villa Römer: Bitte klickt für eine neue Schaukel!

Dieser Walnussbaum trug bis vor kurzem eine Schaukel. Doch der Ast muss ab.
Dieser Walnussbaum trug bis vor kurzem eine Schaukel. Doch der Ast muss ab.

Der Kinderladen Villa Römer im Soldiner Kiez beteiligt sich an einem Flächensponsoring der Bank IngDiba, bei dem 1.000 Vereine jeweils 1.000 Euro gewinnen können. Der Kinderladen benötigt das Geld dringend für eine neue Schaukel. Die Bitte der Erzieher und Eltern lautet: postet, votet, klickt bis 30. Juni – hier!

Garten Arbeit Schule: das Schul-Umwelt-Zentrum

Achtlos geht man an der Scharnweberstraße 159 vorbei, ziemlich genau an der Stelle, wo die Straße ihren Namen in Müllerstraße ändert. In diesem vorstädtischen Nichts aus Verkehrsschneisen, mehrstöckigen Bürogebäuden, einem Baumarkt und einem Einkaufszentrum würde man alles – nur keine grüne Oase – vermuten. Und doch ist die Gartenarbeitsschule Wedding in dieser peripheren Lage seit 1950 zu Hause. Mit der einzigen innerstädtischen Sanddüne Deutschlands verfügt das Areal sogar noch über ein ganz besonderes Naturdenkmal.

Gartenarbeitsschulen (diese hier firmiert seit der Bezirksfusion unter dem Namen „Schul-Umwelt-Zentrum Mitte„) beruhen auf reformpädagogischen Ideen der 1920er Jahre. Doch besonders nach dem Zweiten Weltkrieg haben die ausgehungerten und traumatisierten Kinder hier Erholung gefunden. Zusätzlich wurde durch die herangezüchteten Pflanzen die ärgste Not in den Familien gelindert. So notierte der erste Leiter der Gartenarbeitsschule Wedding, Gerhard Stüllein: „Die Kinder sollen lieber, anstatt auf Hamsterfahrt zu gehen, auf ihrem eigenen Schulgartenbeet Nutzpflanzen für ihre Familien heranziehen.“

Doch die Gartenarbeitsschule vermittelt nicht nur Wissen. Dieser besonders verwunschene, langgezogene Garten lädt zu Entdeckungen ein. So gibt es ein Bienenhaus, einen Teich voller Kaulquappen, Gewächshäuser, eine Feuerstelle mit Wigwam, ein schwedisches Holzhaus für Wetterbeobachtungen und Umweltexperimente sowie die bereits erwähnte Düne. Genutzt werden die vielen Beete von zahlreichen Kitagruppen und Schulklassen sowie Lehrerfortbildungsgruppen. In alle Gärten des SUZ kommen jährlich 40 000 Besucher!

Am meisten fasziniert den Besucher, der zum ersten Mal in die Gartenarbeitsschule kommt, welches grüne Paradies sich hinter den hässlichen Gewerbebauten verbirgt. Tatsächlich ist man hier der Realität ein wenig entrückt, wie in einem kleinen Botanischen Garten. Die Düne Wedding am Rand des Gartens fällt jäh zum Parkplatz des Baumarkts ab. Erklimmt man den Sandberg, wird man sich der städtischen Lage der Gartenarbeitsschule wieder bewusst.

Immer wieder ist die Existenz der Gartenarbeitsschulen, die auf über 90 Jahre Tradition in Berlin zurückblicken können, aus Spargründen gefährdet. Gerade in Zeiten größter materieller Not entstanden, wurde der Nutzen dieser Einrichtungen früher nicht in Frage gestellt. Aber auch heute ist das Schul-Umwelt-Zentrum für Stadtkinder wichtiger denn je: wo sonst sollen Kinder die Artenvielfalt, das Werden und Vergehen und Nachhaltigkeit lernen? Gesunde Ernährung (wo kommt unser Essen her), umweltbewusstes Verhalten (was passiert mit organischen Abfällen) oder biologisches Grundwissen (welche Tiere leben in unseren Breiten?) kann in solchen Einrichtungen optimal vermittelt werden.

Ein Förderverein kümmert sich um die Anlagen des SUZ, organisiert öffentliche Veranstaltungen wie Tage der offenen Tür, ist aber auch in andere Projekte involviert.

Infos:

www.suz-mitte.de

Scharnweberstr. 159, Tel.: 030-49870409, Fax.:  030-49870411, Mail: [email protected]

Filiale: Seestraße 74 (Interkultureller Garten)