Cozymazu: Feinster Ooloong-Tee im Einklang mit taiwanesischer Küche

Der Sprengelkiez ist für seine vielen asiatischen Restaurants bekannt, aber ein Juwel sticht besonders heraus – das Cozymazu. Auch wenn das kleine Teehaus mit dem vielleicht feinsten Ooloong-Tee der Stadt, in hochwertiger Keramik, aufwartet, steht die angebotene traditionelle, zum Teil neu interpretierte, taiwanesische Küche dem in nichts nach.

Europäische Tage des Kunsthandwerks im Wedding

Der Wedding ist nicht nur Heimat von 180.000 Menschen, sondern auch mit seinen vielen Remisen, Ateliers, Ladengeschäften und Hinterhöfen Arbeits- und Wirkungsstätte von zahlreichen Gestalterinnen und Gestaltern. Aus den Materialien Textil, Keramik und Metall stellen hier Designer und Kunsthandwerker erstaunliche und einmalige Produkte her. An diesem Wochenende geben viele von ihnen in ganz Berlin Einblick in ihre Arbeit und öffnen ihre Ateliers aus Anlass der Europäischen Tage des Kunsthandwerks. Wir haben die Weddinger Teilnehmer einmal aufgelistet.

Kiez-Handwerkskunst: Antares Keramik und Töpferei Schwarz

Die Töpferei Schwarz, seit 2007 im Verbund mit Antares Keramik, war über 42 Jahre eine feste Institution im Afrikanischen Viertel. Nachdem durch einen Eigentümerwechsel die Miete angehoben wurde, musste das Atelier letztes Jahr gezwungenermaßen ausziehen. Zum Glück konnte die Werkstatt aber in der Nähe bleiben.

Bunte Mischung Kameruner Straße: Western-Atmosphäre

Ob Stadtrat Ernst Friedel, Leiter des Märkischen Museums und Vorsitzender des Vereins für die Geschichte Berlins, sich hätte träumen lassen, dass eines Tages viele Afrikaner in der Kameruner Straße wohnen würden? Er war über Jahrzehnte hinweg als Dezernent für Straßenbenennungen zuständig. 1899 schlug der Berliner Magistrat vor, die Straßen zwischen der Müllerstraße und der Jungfernheide nach dem „Kolonial-Besitz“ des Deutschen Reiches zu benennen. Damit wollte es die Reichshauptstadt anderen Hauptstädten gleichtun, die ihre Straßen mit den Namen ihrer kolonialen Erwerbungen schmückten.

Togostraße Kameruner Str.„Für uns ist die Adresse Kameruner Straße 1 kein Zufall“, sagt Christian Kopp, Vorstand des Vereins Berlin Postkolonial e.V., dessen Gemeinschaftsbüro mit AfricAvenir International und dem Tanzania-Netzwerk im Eckhaus zur Müllerstraße liegt. „Da wir immer häufiger in Deutschlands größtem Kolonialviertel mit Bildungsprojekten und postkolonialen Stadttouren präsent sind, lag es nahe, den Arbeitplatz hierher zu verlegen.“ Von der Atmosphäre im Kiez ist der Historiker begeistert: es sei toll zu sehen, wie die Kameruner Straße, die an die gewaltsame Kolonisierung Kameruns durch Deutschland erinnert, nun ironischerweise von immer mehr Menschen aus eben diesem Land bewohnt wird. 25 000 Afrikanerinnen und Afrikaner soll es inzwischen in Berlin geben und das Afrikanische Viertel in Berlin macht da keine Ausnahme. Für die Versorgung mit afrikanischen Lebensmitteln ist „Monsieur Ebeny“ zuständig, der aus Kamerun stammt und in genau dieser Straße seinen Laden eröffnen wollte. Der groß gewachsene Mann, der am liebsten Französisch spricht, ist stolz auf seinen Africa Market in der Hausnummer 6 mit den knallroten Regalen. Mit dem Bantou Village gibt es auch ein afrikanisches Restaurant.

Eine andere Zeitschicht, wie aus einer anderen Welt: in der Hausnummer 4 stand von 1955 bis 1964 das „Valencia“-Kino, mit einer besonders großen Leinwand und einer ungewöhnlichen Innenarchitektur, bei der der Rang auf beiden Seiten bis ins Parkett gezogen war. Heute erinnert nichts mehr an dieses Lichtspieltheater, das das große Kinosterben der Sechzigerjahre nicht überlebte. Dafür ist neues Leben auf das Nachbargrundstück eingezogen. Roy Dunn’s Western Store Lucky Star in der Kameruner Str. 3 ist seit über 30 Jahren einer der ältesten Läden im Kiez. Hinter der originellen an eine Westernstadt erinnernden Fassade gibt es eine große Auswahl für Großstadt-Cowboy-Accessoires wie Stiefel, Hemden und natürlich Cowboyhüte.

Ungewöhnliche Häufung von Manufakturen

Ironisch-verspielte Porzellan-Chihuahuas Je weiter man in die 700 Meter lange Kameruner Straße hineingeht, desto mehr ungewöhnliche Läden findet man. Dieser Teil des Wedding zieht derzeit Menschen geradezu magisch an, die Dinge von Hand herstellen oder Handwerkliches gestalten. Solcherlei städtische Entwicklungen lassen sich nicht auf die Schnelle erklären. „Entscheidend für die Ansiedlung von Unternehmen der Kreativwirtschaft ist immer, dass Gewerberäume zu bezahlbarer Miete zur Verfügung stehen“, sagt Eberhard Elfert, der im November 2012 anlässlich der „Wedding Works“ Führungen zu den Manufakturen angeboten hat. Ein Kreis schließt sich: gerade diese neuen Gewerbebetriebe ziehen in Räumlichkeiten, die um 1900 ebenfalls für Handwerksbetriebe gedacht waren. Dass es sich hierbei um Bauten des Jugendstils handelt, fällt aufgrund der in den sechziger Jahren abgeschlagenen Fassaden nicht direkt ins Auge.

Die Erzeugnisse der Kameruner Straße

Im Haus der feinen Kost, Kameruner Str. 14 (Foto: HDFK)

Eine außergewöhnliche Schmuck-Kollektion bietet die 30-jährige bulgarische Künstlerin Anna Kiryakova in ihrem Showroom in der Kameruner Str. 8 an. Sie kombiniert edle Materialien mit Keramik und erzeugt oft sehr feine Oberflächenstrukturen. Und gleich um die Ecke in der Lüderitzstraße 13 werden Accessoires aus Leder (Leevenstein) und Figurinen aus Porzellan in Handarbeit hergestellt.

Edles wurde viele Jahre lang auch im Haus der feinen Kost in der Hausnummer 14 produziert, nämlich Berliner Dressing. Das veredelt Salate, Grillgut oder ein Brot. Die ungewöhnlichen Salatdressings ausschließlich aus Naturprodukten werden vom Designer Adam Mikusch selbst hergestellt und auf Wochenmärkten verkauft. Und gleich nebenan, an der Ecke Togostraße, befindet sich auch einer der wenigen Bioläden im Wedding.

Kleingärten am Ende der Straße

In Richtung Afrikanische Straße wird die Kameruner Straße immer lockerer bebaut. Nur die Kneipe Alt-Wedding in der Kameruner Str. 19 Ecke Guineastraße vermittelt noch das Gefühl, dass man sich hier in einem typischen Berliner Kiez befindet.  Am Ende der Straße, wo nur noch Nachkriegs-Zeilenbauten stehen, wird es wieder kolonial, diesmal aber in Form einer Dauerkleingartenkolonie namens Kamerun.

Von den von einigen Nichtregierungsorganisationen und Kommunalpolitikern geforderten Straßenumbenennungen im Afrikanischen Viertel, gegen die sich zahlreiche Bewohner aussprechen, ist die Kameruner Straße übrigens nicht betroffen.  M.S. Mboro, Vorstand bei Berlin Postkolonial e.V. wünscht sich: „Der Lern- und Erinnerungsort Afrikanisches Viertel soll den afrikanischen Berlinerinnen und Berlinern eines Tages die Möglichkeit geben, ihre eigenen Geschichten zu erzählen.“ Egal, wie die Debatte über die Umbenennung von Straßen ausgeht, wäre die historische Einordnung der kolonialen Straßennamen mit Hilfe von Zusatztafeln und Infotafeln eine wichtige Etappe auf dem Weg zu einem kolonialen Lern- und Gedenkort. In der langen Geschichte der Kameruner Straße mit ihrer bunten Bewohnerschaft und den vielen innovativen Geschäftsideen wäre dies nur eine weitere Facette. Und die Berliner werden wohl auch weiterhin „Kameruner“ beim Bäcker kaufen, einen Hefeteig-Krapfen in Form einer Acht…

„ManuFactory“: Die Porzellan-Werkstatt im Wedding

Die Werkstatt in der Lüderitzstr. 13
Die Werkstatt in der Lüderitzstr. 13

Uta Koloczek bietet im unscheinbaren Afrikanischen Viertel etwas ganz Besonderes an: eine Werkstatt für Künstler, Designer oder Privatleute, die einmal gerne selbst mit dem Werkstoff Porzellan arbeiten möchten.

Eine Gussform für Porzellan
Eine Gussform für Porzellan

Schräg gegenüber einer Töpferei in der Lüderitzstraße hat die 32-jährige Keramik-Designerin eine auf Porzellan spezialisierte Werkstatt eingerichtet. „Porzellan hat andere Eigenschaften als Ton und ist nicht einfach zu bearbeiten“, sagt Uta Koloczek. Porzellan besteht aus weißem Kaolin-Gestein und ist weniger porös als Tonerde. Es wird flüssig in Gipsformen gegossen, die man bis zu 70 Mal wiederverwenden kann., „Ein Töpfer fährt seinen Ofen nicht auf die Temperatur von 1300 Grad Celsius hoch, die für das Brennen von Porzellan erforderlich ist“, erklärt die gebürtige Thüringerin, die in Halle an der Burg Giebichenstein und in den USA studiert hat. Im Hobbybereich ist die komplizierte Porzellanherstellung daher eine Seltenheit, und auch Künstler, die mit dem Material einmal experimentieren wollen, stehen bei den bekannten Porzellan-Manufakturen oft vor verschlossenen Türen. Hier setzt Uta Koloczeks Geschäftsidee an, ihre spezialisierte Werkstatt für Kurse zu öffnen und Künstlern auch einen Arbeitsplatz in ihren Räumen für eine Tagesmiete von 20 Euro anzubieten. Sie empfindet ihre Werkstatt für Keramik als Schnittstelle, die es in dieser Form in Berlin kein zweites Mal gibt. Gleich nebenan befindet sich eine Manufaktur für Lederwaren, deren Betreiberin in vielerlei Hinsicht auf eine ähnliche Art arbeitet und ihre Waren verkauft wie Uta Koloczek.


Ironisch-verspielte Porzellan-Chihuahuas
Ironisch-verspielte Porzellan-Chihuahuas

„Die Arbeit mit Porzellan ist im Wesentlichen eine sehr handwerklich-technische“, sagt die Werkstattbetreiberin, die seit 2010 im Weddinger Sprengelkiez lebt. Doch sie ist eben auch Designerin und vertreibt ihre eigenen Kollektionen. „Porzellan-Figurinen kennt man aus Omas Vitrine, aber nur wenige haben eine Neuinterpretation gewagt“, beschreibt Uta Koloczek ihre Herangehensweise. Herausgekommen sind originelle Vierbeiner wie Möpse und Chihuahuas, die in ihrer Grundform in der Thüringer Manufaktur Reichenbachgegossen werden. Dabei müssen die Füße und der Schwanz einzeln an den Körper angebracht werden, weshalb Uta Koloczek diese Arbeit ausgelagert hat. „Ich arbeite mit einer großen Bandbreite an Mustern“, erzählt die Designerin, „das geht von kitschig-ironisch bis schick. Es sollen Wohnaccessoires sein, die Spaß machen sollen.“

Uta Koloczek und ihr Erfolgsprodukt
Uta Koloczek und ihr Erfolgsprodukt

Mit Humor hat sie die Hunde und auch Totenkopfäffchen entworfen und verziert. Auch wenn sie weiß, dass es nur wenige Menschen im Wedding geben dürfte, die sich solche Figurinen leisten können – über die Mitarbeit bei der renommierten Porzellanfabrik Goebel ist es ihr aber immerhin gelungen, dass einige der Porzellanhunde auch schon bei Karstadt am Leopoldplatz verkauft wurden.

ManuFactory Kurse + Werkstatt

Uta Koloczek

Lüderitzstr. 13

Mail: [email protected] 
Tel.: 0178-3725521

Türkisch einkaufen vom Feinsten

Aktualisiert am 14.03.2013

Shopping de luxe für türkischstämmige Berliner

Müllerstraße Türkenstraße
Müllerstraße Türkenstraße

An der oberen Müllerstraße ist derzeit ein Verlust an alteingessenen Fachgeschäften zu beklagen. Bis zur Gesetzesnovelle im Jahr 2011 sind auch noch viele neue Automatencasinos hinzugekommen. Dass sich die Schließung der Weddinger C&A-Filiale auf das Gesamtgefüge „Geschäftsstraße Müllerstraße“ nicht unbedingt positiv auswirken dürfte, ist ebenfalls offensichtlich. Doch nicht nur Niedergang, sondern ein Wandel ist zu beobachten: Fast unbemerkt hat sich inzwischen der Bereich rund um die Kreuzung Seestraße zu einem Eldorado für Käufer entwickelt, die Qualitätswaren aus der Türkei zu schätzen wissen. Und das dürften wohl in erster Linie die Weddinger mit türkischem Migrationshintergrund sein….

Friedhof und Schillerparkcenter
Friedhof und Schillerparkcenter

Wer meint, dass es sich bei türkischen Waren nur um Döner und typische Gemüsesorten handeln kann, liegt falsch: mitten im Wedding werden inzwischen auch hohe Ansprüche an türkische Qualitätsprodukte bedient. Wer türkisch heiraten will und eine Aussteuer braucht, wird garantiert rund um das Schillerparkcenter fündig. Südlich der Ecke Müllerstraße/Seestraße kann man auch noch sehr authentisch türkisch frühstücken („Simit Evi„, Müllerstr. 147) oder zu Mittag essen (Çarik Kuruyemiş, Müllerstr. 39, gebrannte Kerne und Nüsse, Restaurant-Café). Ein Verkaufsstand des Nüsse- und Kerneladens Çarik Kuruyemiş befindet sich auch im Obergeschoss des Schillerpark-Centers.

Porzellanladen im Schillerpark-Center

Porzellanladen & Brautmoden…

Bei Imzadi Couture  in der Türkenstraße 16, der im Frühjahr 2012 neu eröffnet hat, ist es den Betreibern ein Anliegen, muslimischen Frauen und Mädchen abwechslungsreiche Kopfbedeckungen und passende Accessoires zu bieten. Nach eigener Aussage darf es, bei aller Tradition, dabei auch extravagant zugehen. Für Nicht-Muslime wirkt es auf den ersten Blick widersprüchlich, dass den Frauen dadurch ein hohes Maß an Individualität ermöglicht werden soll….

HANLI Collection - Türkische Brautmoden
HANLI Collection – Türkische Brautmoden

In der türkischen Kultur spielt die Hochzeit immer noch eine herausragende Rolle. Neben der Ausrichtung der Feierleichkeiten selbst sammeln Mädchen und junge Frauen immer noch für ihre Aussteuer – ein Brauch, der in Deutschland weitgehend ausgestorben ist. Passenderweise kann man sich im Wedding (englisch für „Hochzeit“) mit entsprechenden Gegenständen ausstatten. Fündig wird die angehende Braut mit Sicherheit beim Brautmodenladen HANLI Collection, Müllerstr. 132. An der Müllerstr. 121/Ecke Transvaalstraße gibt es mit DILEK Collection ein weiteres Brautmodengeschäft. In der Türkei sind die Keramik und das Porzellan aus Kühtahya sehr bekannt. Der Laden (ehemals Turquaz Home Collection) in der Müllerstr. 47 (Schillerpark-Center) bietet ebenfalls eine große Auswahl an original türkischen Qualitätsprodukten direkt vom Hersteller. Wem das Porzellan nicht gefällt, kann es ja bei einem deutschen Polterabend gleich wieder zerschmettern. Türkische Bettwaren und Betten sind gleich gegenüber bei Yatas Bedding, Müllerstr. 131, erhältlich. Doch man muss ja nicht nur das Haupt betten. Dass sich der türkische Möbelgeschmack unterscheidet, kann man im Möbelgeschäft EVKUR in der Ungarnstraße (ebenfalls im Schillerpark-Center)  erleben. Und das neue Einrichtungshaus MÖBELTOWN in der Turiner Straße 25 ist der Beweis, dass sich das Ganze auch an deutsche Kunden richten kann.